Federal Court lacks jurisdiction over shareholder challenge

BGE 18 I 504Coletânea oficial do Tribunal Federal (BGE) / Volume I29 de jun. de 1884Dismissed

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Three shareholders of the Eidgenössische Bank asked the Federal Court to annul resolutions of the general meeting concerning the seat, corporate purpose, and jurisdiction clause. The Court held, ex officio, that it lacked jurisdiction. It could not sit as an arbitral tribunal under the bank's articles, and the dispute, being governed by federal obligation law, was not admissible as a direct action before the Court as sole instance. The proper path would have been the ordinary cantonal instances followed by federal review.

Sumário Omnilex

Arts. 29–30 O.G.; direct action before the Federal Court and contractual prorogation to it as sole instance are excluded in disputes governed by federal obligation law. The Federal Court may not be constituted as an arbitral tribunal by private agreement or corporate statutes; it acts only as a state court within competence conferred by law. In such cases, the parties must first obtain a cantonal decision, with federal review available only in the ordinary appellate posture; direct institution of proceedings before the Federal Court is inadmissible.

Texto completo

  1. Urtheil vom 30. September 1892 in Sachen v. Grenus und Genossen gegen Eidgenössische Bank. Mit einer als Beschwerde bezeichneten Eingabe vom 16./17, September 1892 stellen Oberst v. Grenus, Albert Lang und Speditor Hirter, sämmtlich in Bern, in ihrer Eigenschaft als Aktionäre der Eidgenössischen Bank die Anträge: Es seien fol gende Schlußnahmen der Generalversammlung der Aktionäre der Eidgenössischen Bank vom 20. August 1892 als ungültig zu erklären:
  2. Die Schlußnahme betreffend die Verlegung des Gesellschafts sitzes von Bern nach Zürich
  3. Die Schlußnahme betreffend Abänderung des Gesellschafts zweckes
  4. Die Schlußnahme betreffend den Gerichtsstand für Streitig keiten zwischen der Gesellschaft und ihren Organen und Aktionären (Art. 41 der Statuten). Zur Begründung dieser Anträge wird angeführt: Es seien an der Aktionärversammlung vom 20. August 1892 Gesetzwidrig keiten und Unregelmäßigkeiten vorgekommen, welche die Ungültig keit der gefaßten Beschlüsse bedingen und es verletzen diese überdem in mehrfacher Hinsicht erworbene Rechte der Aktionäre. Die Kom petenz des Bundesgerichtes wird aus Art. 41 der Statuten der Eidgenössischen Bank in Bern vom 24. August 1889 abgeleitet, welcher lautet: Alle Streitigkeiten, welche bezüglich der gesellschaft lichen Verpflichtungen zwischen der Gesellschaft, ihren Organen und Aktionären, sei es unter einander oder gegen einander, ent stehen könnten, sind, sofern der Werth des Streitgegenstandes den Betrag von 3000 Fr. nicht übersteigt, endgültig vom ber nischen Appellations und Kassationshofe, sonst aber vom schwei zerischen Bundesgerichte als Schiedsgericht zu entscheiden. Bei gefügt wird, die Kläger erklären sich ohne Weiters bereit, die Streitfrage schiedsrichterlich vom bernischen Appellations und Kassationshofe entscheiden zu lassen, falls die Eidgenössische Bank dies verlangen sollte, mit Rücksicht darauf, daß die Höhe des Streitwerthes nicht in Ziffern ausgedrückt werden könne. Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
  5. Die Eingabe wird als Beschwerde bezeichnet; sie quali rt sich aber als Klageschrift in einer Civilsache, einer Streitig keit zwischen einer Aktiengesellschaft und einzelnen Aktionären, welche direkt beim Bundesgerichte anhängig gemacht werden will. In erster Linie und von Amtes wegen ist nun zu prüfen, ob das Bundesgericht zu Beurtheilung dieser Klage kompetent sei.
  6. Es ist dies aus einem doppelten Grunde zu verneinen. Zunächst wird das Bundesgericht von den Klägern, in Gemäßheit des Art. 41 der Statuten der Eidgenössischen Bank, nicht in seiner Eigenschaft als ordentliches staatliches Gericht, sondern als Schieds gericht angerufen. Nun kann aber das Bundesgericht als solches, als Behörde, wie es bereits in seinem Beschlusse in Sachen der Firma Zschokke Cie. gegen Bund vom 15. März 1886 aus gesprochen hat, schiedsrichterliche Mandate nicht annehmen, da Verfassung und Gesetzgebung des Bundes es dazu weder berech tigen noch verpflichten; es kann vielmehr nur als ordentliches, staatliches Gericht in denjenigen Fällen, welche gesetzlich in seine Kompetenz fallen, thätig werden, wo alsdann z. B. rücksichtlich des Verfahrens lediglich die Bestimmungen der eidgenössischen Civilprozeßordnung zur Anwendung kommen und nicht etwa wie vor einem Schiedsgerichte ein besonderes Verfahren von den Par teien vereinbart oder vom Gerichte festgesetzt werden kann, u. s. w.
  7. Allein auch abgesehen hievon, auch wenn das Bundesgericht in seiner Eigenschaft als ordentliches staatliches Gericht angerufen würde, wäre es im Fragefalle als einzige Instanz nicht kompetent. Zwar kann nicht gesagt werden, daß der gesetzliche Streitwerth von 3000 Fr. mangle und das Bundesgericht aus diesem Grunde nicht kompetent sei. Allein die Streitsache ist unzweifelhaft nach eidgenössischem Rechte, nach den Bestimmungen des Obligationen rechtes, zu beurtheilen und fällt daher gemäß Art. 29 und 30 O. G. in die Kompetenz des Bundesgerichtes als Oberinstanz. Nun ist aber, wie das Bundesgericht schon wiederholt ausgesprochen und begründet hat (siehe Entscheidung in Sachen Blanc gegen Suisse Occidentale-Simplon vom 9. September 1882, Amtliche Sammlung VIII, S. 511 u. ff.; in Sachen A. Steiners Söhne gegen Huwyler vom 29. Juni 1884, Amtliche Sammlung X, S. XVIII 1892

244 u. f.) die Prorogation an das Bundesgericht als einzige Instan in allen Fällen, welche unter Art. 29 O. G. fallen, insbesondere also in allen nach dem eidgenössischen Obligationenrecht zu be urtheilenden Streitigkeiten, schlechthin ausgeschlossen. Sachen, welche gesetzlich in die Kompetenz des Bundesgerichtes als Oberinstanz fallen, können nicht zufolge Verständigung der Parteien direkt bei demselben anhängig gemacht werden, sondern sie können nur nach vorgängiger Entscheidung durch die kantonalen Gerichte rekurs weise an das Bundesgericht gezogen werden, wobei den Parteien blos freisteht, die zweite kantonale Instanz zu umgehen. Demnach hat das Bundesgericht erkannt: Auf die Klage wird nicht eingetreten.

Palavras-chave

jurisdictionarbitration clauseshareholders' resolutioncorporate lawfederal appellate jurisdiction

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Questão jurídica principal

Whether the Federal Court could act as arbitral tribunal under the bank's articles of association

Decisão extraída

No. The Federal Court cannot accept arbitral mandates and may act only as an ordinary state court within its statutory competence.

Fundamentação extraída

A private statute clause cannot transform the Federal Court into an arbitral body; constitutional and statutory law do not authorize such a function.

Questão jurídica principal

Whether the Federal Court had original jurisdiction as a court of first instance over the shareholder challenge

Decisão extraída

No. Even if treated as an ordinary civil action, the dispute had to follow the ordinary appellate route because matters governed by federal obligation law fall under the Court's appellate jurisdiction, not direct first-instance jurisdiction.

Fundamentação extraída

The dispute was governed by federal law and fell within the Federal Court's competence only as an appellate court under Arts. 29 and 30 OR; direct recourse as a court of sole instance was excluded.

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