10ObS144/09p•OGH 10ObS144/09p
Der Oberste Gerichtshof hat als Revisionsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen durch den Senatspräsidenten Dr.Schinko als Vorsitzenden, die Hofräte Dr.Fellinger und Dr.Hoch sowie die fachkundigen Laienrichter Mag.Christa Brezna (aus dem Kreis der Arbeitgeber) und Dr.Gerda HörhahnWeiguni (aus dem Kreis der Arbeitnehmer) als weitere Richter in der Sozialrechtssache der klagenden Partei Eva Maria P*****, vertreten durch Mag.German Storch und Mag.Rainer Storch, Rechtsanwälte in Linz, gegen die beklagte Partei Oberösterreichische Gebietskrankenkasse, 4021Linz, Gruberstraße77, wegen Rückforderung des Zuschusses zum Karenzgeld (Streitwert 1.761,46EUR), infolge Revision der klagenden Partei gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Linz als Berufungsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen vom 3. September2008, GZ12Rs87/08p8, womit infolge Berufung der beklagten Partei das Urteil des Landesgerichts Linz als Arbeits- und Sozialgericht vom 9.April2008, GZ10Cgs76/08m5, abgeändert wurde, in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen und zu Recht erkannt:
Das Revisionsverfahren wird von Amts wegen fortgesetzt.
Der Revision wird nicht Folge gegeben.
Die beklagte Partei ist schuldig, der klagenden Partei zu Handen ihres Vertreters einen mit 167,33EUR (darin enthalten 27,89EUR USt) bestimmten Anteil an den Kosten des Revisionsverfahrens binnen 14Tagen zu ersetzen.
Entscheidungsgründe:
Die Klägerin bezog von der Beklagten anlässlich der Geburt ihres Sohnes Benjamin am 3.Dezember2000 jeweils für den Zeitraum 1.1.2002 bis 31.12.2002 Karenzgeld in Höhe von 5.503,45EUR sowie einen Zuschuss zum Karenzgeld in Höhe von 2.211,90 EUR.
Der Ehegatte der Klägerin, Konrad P*****, wurde 2001 von seinem Arbeitgeber gekündigt und bezog zu Beginn des Jahres 2002 Arbeitslosenunterstützung. Er war in der Folge noch kurzfristig als Dienstnehmer für einen Arbeitgeber tätig, beabsichtigte aber, sich selbständig zu machen. Vom 25.5.bis 22.11.2002 befand er sich aufgrund einer akuten Dickdarmentzündung im Krankenstand. Er bezogvom1.1. 2002bis31.12. 2002 15.415,80EUR an Einkünften aus nichtselbständiger Tätigkeit (davon 11.107,54 EUR an Krankengeld) sowie 3.036,97 EUR an Arbeitslosengeld.
Mit Bescheid vom 5.2. 2008 widerrief die Beklagte die Zuerkennung des Zuschusses zum Karenzgeld für das Jahr2002 und verpflichtete die Klägerin zum Rückersatz von insgesamt 1.762,95EUR. Die Beklagte begründete ihren auf die §§17 und 39 KGG gestützten Rückforderungsbescheid damit, dass der Gesamtbetrag der Einkünfte des Ehegatten der Klägerin imJahr2002 in der Höhe von 23.361,46EUR die maßgebende Freigrenze von 21.600EUR um 1.761,46EUR überschritten habe, sodass die Klägerin zur Rückzahlung des zu Unrecht empfangenen Zuschusses zum Karenzgeld in Höhe von 1.762,95EUR (maschinelle Rundungsdifferenz) verpflichtet sei.
Gegen diesen Bescheid erhob die Klägerin rechtzeitig Klage mit dem (sinngemäßen) Begehren auf Feststellung, dass der Anspruch der Beklagten auf Rückersatz eines Betrags von 1.762,95EUR nicht zu Recht bestehe. Sie brachte im Wesentlichen vor, ihr Gatte sei Ende 2001 gekündigt worden und habe in der Folge beabsichtigt, eine selbständige Tätigkeit auszuüben. In der Übergangsphase zur Selbständigkeit habe er wochenweise als Arbeitnehmer in einem Unternehmen gearbeitet, sei dann aber schwer erkrankt. Diese wirtschaftlich schwierige SituationimJahr2002 rechtfertige ein Absehen von der Rückforderung des Zuschusses zum Karenzgeld. Außerdem sei unter Berücksichtigung der aktuellen Einkommens- und Vermögenssituation ihrer sechsköpfigen Familie die Rückzahlung des Zuschusses zum Karenzgeld nicht möglich.
Die Beklagte beantragte die Abweisung des Klagebegehrens und wendete im Wesentlichen ein, die Rückforderung entspreche der Sach- und Rechtslage.
Das Erstgericht stellte fest, dass der Widerruf der Zuerkennung des Zuschusses zum Karenzgeld für denZeitraum vom 1.1.2002bis 31.12.2002 nicht zu Recht erfolgt sei und der Anspruch auf Rückersatz von 1.762,95EUR nicht zu Recht bestehe. Es traf über den eingangs wiedergegebenen Sachverhalt hinaus noch Feststellungen zur wirtschaftlichen Situation der Familie der Klägerin und führte in rechtlicher Hinsicht aus, dass sich im Hinblick auf das Einkommen des Ehegatten derKlägerin imJahr2002 ein maßgeblicher Gesamtbetrag an Einkünften von 23.361,47EUR ergebe. Damit werde einerseits die Zuverdienstgrenze von21.600EUR überschritten, andererseits sei diese Überschreitung im Sinn des §1 lit a der KBGGHärtefälleVerordnung geringfügig (unter 15%). Hätte sich der Ehegatte der Klägerin, wie vorgesehen, selbständig gemacht, hätte er zumindest in den ersten Monaten seiner selbständigen Tätigkeit nicht jenes Einkommen erzielen können, welches er als Unselbständiger erzielt habe. Allerdings sei er unvorhergesehen erkrankt und habe Krankengeld bezogen, was im Vergleich zur beabsichtigten selbständigen Tätigkeit zur Überschreitung der Zuverdienstgrenze geführt habe. Da die Verpflichtung zum Rückersatz aufgrund der finanziellen Situation der Familie der Klägerin auch unbillig sei, liege ein Härtefall vor, welcher eine Rückforderung ausschließe.
Das Berufungsgericht gab der Berufung der Beklagten Folge. Es wies das im Berufungsverfahren noch strittige Klagebegehren der Klägerin ab und verpflichtete diese, der Beklagten den Betrag von 1.761,46EUR in 34monatlichen Teilbeträgen von je 50EUR und den letzten Teilbetrag von61,46EUR ab dem dem Eintritt der Rechtskraft dieser Entscheidung folgenden Monatsersten zu bezahlen. Es führte in rechtlicher Hinsicht im Wesentlichen aus, die Rückzahlungsverpflichtung sei von der Beklagten zu Recht ausgesprochen worden, weil rückwirkend festgestellt worden sei, dass die Klägerin, wenn auch ohne ihr Verschulden, im Hinblick auf das festgestellte Einkommen ihres Ehegatten keinen Anspruch auf Zuschuss zum Karenzgeld gehabt habe. Es sei nicht strittig, dass die maßgebende Freigrenzevon21.600EUR durch das Einkommen des EhegattenderKlägerinimJahr 2002 um den nunmehr zurückgeforderten Betrag (§17 Abs2 KGG) überschritten worden sei. Die Frage, ob ein Härtefall im Sinn des §31 Abs4 KBGG iVm der KBGGHärtefälleVerordnung vorliege, könne vom Krankenversicherungsträger erst geprüft werden, wenn die der Rückforderung zugrunde liegende Entscheidung in Rechtskraft erwachsen sei. Bei der Auferlegung eines Rückersatzes der zu Unrecht bezogenen Leistung sei gemäß §89Abs4 zweiter Satz ASGG die Leistungsfrist unter Berücksichtigung der Familien, Einkommens- und Vermögensverhältnisse der Klägerin nach Billigkeit zu bestimmen; insoweit könne das Gericht die Zahlung auch in Raten anordnen. Bei Berücksichtigung der festgestellten Familien, Einkommens- und Vermögensverhältnisse der Klägerin entspreche die vorgenommene Ratenanordnung der Billigkeit. Den Gerichten fehle hingegen die Kompetenz für die gänzliche oder teilweise Nachsicht der Rückzahlungsverpflichtung.
Das Berufungsgericht sprach aus, dass die ordentliche Revision zulässig sei, weil eine Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs zur Frage, ob eine Entscheidung im Sinn des§31Abs4 KBGG erst nach Rechtskraft der Entscheidung über die Rückersatzverpflichtung zu erfolgen habe, nicht vorliege.
Gegen diese Entscheidung richtet sich die Revision der Klägerin wegen unrichtiger rechtlicher Beurteilung mit dem Antrag, das angefochtene Urteil im Sinne einer Wiederherstellung der erstinstanzlichen Entscheidung abzuändern.
Die Beklagte hat keine Revisionsbeantwortung erstattet.
Der Oberste Gerichtshof hat mit Beschluss vom 27.1.2009, 10ObS171/08g, die Revision der Klägerin schon deshalb, weil Bedenken gegen die Verfassungskonformität der präjudiziellen Bestimmungen der §§8, 12 und 31 Abs2 zweiter Satz KBGG in der hier anzuwendenden Fassung bestanden haben, für zulässig erklärt und beim Verfassungsgerichtshof einen entsprechenden Gesetzesprüfungsantrag gestellt. Mit der Fortführung des Revisionsverfahrens wurde bis zur Zustellung des Erkenntnisses des Verfassungsgerichtshofs innegehalten. Der Verfassungsgerichtshof wies mit seinem Erkenntnis vom 26.2.2009, G128/08 ua, gleichlautende Gesetzesprüfungsanträge auch des Obersten Gerichtshofs ab, weil er die in diesen Anträgen vorgebrachten verfassungsrechtlichen Bedenken nicht teilte. Mit Beschluss vom 16.6.2009, G 33/09 ua, wies er unter Hinweis auf sein Erkenntnisvom26.2. 2009,G128/08 ua, unter anderem auch den gegenständlichen inhaltsgleichen Gesetzesprüfungantrag wegen entschiedener Sache zurück. Nach Zustellung dieses Erkenntnisses des Verfassungsgerichtshofs war das Revisionsverfahren von Amts wegen fortzusetzen.
Die Klägerin bekämpft in ihren Revisionsausführungen nicht die Richtigkeit der - somit auf einer vom Verfassungsgerichtshof als verfassungskonform beurteilten Rechtslage - beruhenden Rechtsansicht der Vorinstanzen, wonach der Gesamtbetrag der Einkünfte ihres Ehegatten im Jahr2002 insgesamt 23.361,46EUR betragen und daher die für den Anspruch auf Zuschuss zum Karenzgeld damals maßgebliche Freigrenze von 21.600EUR (vgl §17 Abs1 und 4 KGG iVm §12 KBGG) um den nunmehr zurückgeforderten Betrag von 1.761,46EUR (vgl§17Abs2 KGG) überschritten und die Beklagte daher gemäß §38 KGG iVm §39 KGG grundsätzlich zur Rückforderung des zu Unrecht bezogenen Zuschusses in Höhe von 1.761,46EUR berechtigt sei. Sie macht in ihrem Rechtsmittel allerdings geltend, die Beklagte hätte gemäß §31 Abs4 KBGG iVm §1 lit a der KBGGHärtefälleVerordung auf die Rückforderung zur Gänze verzichten müssen. Der eindeutige Wortlaut des§1 lit a der KBGGHärtefälleVerordnung, wonach bei einer Überschreitung der Zuverdienstgrenze um nicht mehr als 15% auf eine Rückforderung zu verzichten sei, könne auch im Zusammenhang mit§31Abs4 KBGG nur als Anordnung an den Krankenversicherungsträger verstanden werden, bei der Prüfung der Rückforderung wegen Überschreitung der Zuverdienstgrenze amtswegig auch zu überprüfen, ob nicht bloß eine geringfügige Überschreitung der Zuverdienstgrenze vorliege und daher ohne weiteres auf die Rückforderung zu verzichten sei. Es bestehe daher auch kein Ermessensspielraum des Krankenversicherungsträgers bezüglich des Verzichts, wenn ein Härtefall im Sinndes§1 lit a der KBGGHärtefälleVerordnung vorliege.
Der erkennende Senat hat dazu folgendes erwogen:
1. Zunächst ist im Hinblick auf die am 3.12.2000 erfolgte Geburt des Sohnes der Klägerin darauf hinzuweisen, dass für Ansprüche aufgrund von Geburten vor dem 1.1.2002 weiterhin grundsätzlich die Bestimmungen des Karenzgeldgesetzes (KGG) gelten (vgl §60 KGG).Nach§15Abs1 Z2 KGG haben auch verheiratete Mütter oder verheiratete Väter nach Maßgabedes§17 KGG Anspruch auf Zuschuss zum Karenzgeld oder zur Teilzeitbeihilfe.Nach§17Abs1 KGG besteht ein Anspruch der verheirateten Eltern auf einen Zuschuss zum Karenzgeld, wenn das vom Ehegatten ins Verdienen gebrachte Einkommen bestimmte, an der Familiengröße bzw an den Unterhaltsverpflichtungen des Ehepartners orientierte Einkommensgrenzen nicht überschreitet. Um Härten zu vermeiden, gibt es bei Überschreitung dieser Grenzbeträge einen fließenden Übergang dahingehend, dass der den Freibetrag übersteigende Einkommensanteil auf die Zuschusshöhe angerechnet wird (vgl§17Abs2 KGG).
1. 1 Das KGG wurde in der Folge für Geburten zwischen dem 1.7.2000 und dem 31.12.2001 durch die Schaffung von Übergangsbestimmungen in der mit BGBlI2001/103 unter anderem erfolgten Novellierung des KGG gemäß den für Ansprüche aufgrund von Geburten abdem1.1. 2002 geltenden Bestimmungen des Kinderbetreuungsgeldgesetzes (KBGG) geändert. So gilt gemäß§17Abs4 KGGidFBGBlI2001/103, dass für Ansprüche auf Zuschuss zum Karenzgeld aufgrund von Geburten vom 1.7.bis 31.12.2001 ab 1.1.2002 an die Stelle des Einkommens gemäß §40 KGG das Einkommen gemäß §8 KBGG und anstelle der Freigrenzen gemäß §17Abs1 KGG die Freigrenzengemäß §12Abs1 KBGG treten. Auch hinsichtlich der Rückforderung einer nach dem KGG zu Unrecht bezogenen Leistung sieht§39 KGG idF BGBlI 2003/71 vor,dass§31 KBGG mit der Maßgabe anzuwenden ist, dass an die Stelle des Kinderbetreuungsgeldes das Karenzgeld oder die Teilzeitbeihilfe und an die Stelle der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse die jeweils zuständige Gebietskrankenkasse tritt. Damit sollte auch die Rückforderungsregelung des KGG an jene des KBGG angeglichen und insbesondere auch die aufgrund des§31Abs4 letzter Satz KBGG erlassene KBGGHärtefälleVerordnung, BGBlII 2001/405, anwendbar werden (vgl RVBlgNRXXII. GP 192). Die zitierte Bestimmungdes§39 KGGidFBGBlI2003/71 ist mit 1.7.2003 in Kraft getreten und gilt für Bezugszeiträume nachdem31.12. 2001(vgl§57Abs20 KGG).
1. 2§31Abs4 KBGG sieht unter anderem vor, dass der Krankenversicherungsträger bei Vorliegen berücksichtigungswürdiger Umstände (Härtefälle), insbesondere in Berücksichtigung der Familien, Einkommens- und Vermögensverhältnisse des Empfängers,
1. die Erstattung des zu Unrecht bezahlten Betrag in Teilbeträgen (Ratenzahlungen) zulassen,
3. auf die Rückforderung verzichten kann.
Der Bundesminister für soziale Sicherheit und Generationen wird ermächtigt, im Einvernehmen mit dem Bundesminister für Finanzen durch Verordnung die Kriterien für Härtefälle sowie Art und Weise der Rückforderung festzulegen.
Nach §1 der KBGGHärtefälleVerordnung (BGBlII2001/405) gelten in Bezug auf die Einkommensgrenze als Härtefälle:
a) Fälle einer geringfügigen, unvorhersehbaren Überschreitung der Zuverdienstgrenze. Eine geringfügige unvorhersehbare Überschreitung liegt nur dann vor, wenn die Grenzbeträgegemäßden§§2Abs1 Z3 und 9 Abs3 KBGG um nicht mehr als 10% überstiegen werden. In solch einem Fall ist auf die Rückforderung zu verzichten.
b) Fälle, in denen die Voraussetzungen für eine Rückforderung dem Grunde nach erfüllt sind, jedoch aufgrund der individuellen Familien, Einkommens- und Vermögensverhältnisse des/der Verpflichteten eine Rückforderung ganz oder teilweise oder zum gegebenen Zeitpunkt als unbillig erscheint.
Seit der Änderung der KBGGHärtefälleVerordnung durch die Verordnung des Bundesministers für soziale Sicherheit und Generationen, ausgegeben am 26.2.2004(BGBlII 2004/91), gilt eine geringfügige, unvorhersehbare Überschreitung der in §2Abs1Z3 KBGG und §9Abs3 KBGG vorgesehenen Zuverdienstgrenzen um nicht mehr als15% als Härtefall, bei dem von einer Rückforderung der ausbezahlten Leistungen abzusehen ist. Nach §4 der KBGGHärtefälleVerordnung (BGBlII 2004/91) tritt lit a in der Fassung dieser Verordnung mit dem der Kundmachung folgenden Tag in Kraft und gilt für Geburtennachdem 31.12. 2001.
Die Bestimmung des §31Abs4 letzter Satz KBGG wurde zwar mit der NovelleBGBlI 2007/76 insofern geändert, als an die Stelle der Verordnungsermächtigung der Verweis auf die §§60 bis 62 BHG trat, weshalb die KBGGHärtefälleVerordnung mit Ablauf des31.12. 2007 außer Kraft getreten ist; sie ist jedoch auf Anspruchsüberprüfungen der Kalenderjahre 2002 bis 2007 weiterhinanzuwenden(§49Abs15 KBGG).
2. 1 Zutreffend macht die Klägerin geltend, dass die KBGGHärtefälleVerordnung zwei unterschiedliche Härtefalltatbestände festlegt (vgl auch 10ObS54/09b ua):
2. 2Gemäß§ 1 lit a KBGGHärtefälleVerordnung gelten als Härtefälle jene Fälle einer geringfügigen (nicht mehrals15%) und unvorhersehbaren Überschreitung der Zuverdienstgrenzegemäßden§§2 Abs1 Z3und9Abs3 KBGG. DerGrenzbetragdes §2Abs1Z3 KBGG stellt auf das Einkommen des Beziehers des Kinderbetreuungsgeldes undjener des§9Abs3 KBGG auf das Einkommen des Beziehers eines Zuschusses zum Kinderbetreuungsgeld ab. Daraus ergibt sich, dass §1lita der KBGGHärtefälleVerordnung nur dann zur Anwendung kommt, wenn auf das Einkommen des Beziehers des Kinderbetreuungsgeldes bzw Karenzgeldes oder auf das Einkommen des Beziehers eines Zuschusses zum Kinderbetreuungsgeld bzw Karenzgeld abzustellen ist. Die Rückforderung in solchen Fällen ist vom Gesetzgeber nach dem „Alles oder Nichts Prinzip" konzipiert. Dies bedeutet, dass auch geringfügige Überschreitungen der genannten Grenzbeträge zur Rückforderung des gesamten Kinderbetreuungsgeldes/Karenzgeldes bzw Zuschusses führen würden. Um daraus resultierende unbillige Ergebnisse zu vermeiden, wurde die Härtefallverordnung geschaffen.
Dieser Härtefalltatbestand des §1lita KBGGHärtefälleVerordnung kommt jedoch im vorliegenden Fall schon deshalb nicht zum Tragen, weil bei der Klägerin keine Überschreitung des Grenzbetrags durch eigene Einkünfte gemäß§9 Abs3KBGGiVm§15Abs3 KGG, sondern eine Überschreitung der Freigrenze durch das Einkommendes Ehegattengemäß§17 Abs1 KGG vorliegt. Um Härten zu vermeiden, besteht für diesen Fall bereits eine Einschleifregelung(vgl§17 Abs2 KGG) dahingehend, dass bei Überschreiten der Freigrenze nicht der gesamte, im Kalenderjahr gebührende Zuschuss zum Karenzgeld sondern nur der die Freigrenze übersteigende Betrag zurückgezahlt werden muss.
2. 3 Als Härtefällegeltengemäß § 1 lit b KBGGHärtefälleVerordnung weiters jene Fälle, in denen die Voraussetzungen für eine Rückforderung dem Grunde nach erfüllt sind, jedoch aufgrund der individuellen Familien, Einkommens- und Vermögensverhältnisse des/der Verpflichtenden eine Rückforderung ganz oder teilweise oder zum gegebenen Zeitpunkt als unbillig erscheint. Dieses Ermessen kann vom Versicherungsträger jedoch erst nach Vorliegen eines rechtskräftigen Bescheids oder Urteils über die Rückzahlungsverpflichtung ausgeübt werden. Auch eine Anwendung der Härtefallregelungdes § 1 lit b der KBGGHärtefälleVerordnung kommt daher derzeit nicht in Betracht.
2. 4 Da somit aufgrund der zu 2.2 dargelegten Erwägungen entgegen der Rechtsansicht der Klägerin ein Härtefall imSinn des § 1 lit a der KBGGHärtefälleVerordnung nicht vorliegt, musste der Revision im Ergebnis ein Erfolg versagt bleiben.
Die Kostenentscheidungberuht auf §77 Abs1Z2 lit b ASGG. Im Hinblick auf die rechtlichen Schwierigkeiten des Falls und die festgestellten angespannten finanziellen Verhältnisse der Klägerin entspricht es der Billigkeit, ihr trotz ihres gänzlichen Unterliegens im Revisionsverfahren die Hälfte der von ihr verzeichneten Revisionskosten zuzuerkennen (vgl 10Ob 26/08h ua).
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