9ObA31/08m•OGH 9ObA31/08m
Der Oberste Gerichtshof hat als Revisionsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen durch den Vizepräsidenten des OberstenGerichtshofs Dr.Rohrer als Vorsitzenden und durch die Hofräte desOberstenGerichtshofs Dr.Spenling und Dr.Hradil sowie die fachkundigen Laienrichter Mag.Christa Brezna und Mag.Thomas Kallab als weitere Richter in der Arbeitsrechtssache der klagenden Partei R***** GesmbH, , vertreten durch Sattlegger, Dorninger, Steiner Partner, Rechtsanwälte in Linz, gegen die beklagte Partei Jasmin C, vertreten durch Dr.Alfred Hawel und Dr.Ernst Eypeltauer, Rechtsanwälte in Wien, wegen 10.123,49EURsA, über die Revision der beklagten Partei gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Linz als Berufungsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen vom 21.Dezember2007, GZ11Ra99/07v18, womit über Berufung der beklagten Partei das Urteil des Landesgerichts Linz als Arbeits- und Sozialgericht vom 11.September2007, GZ31Cga12/07g14, bestätigt wurde, in nichtöffentlicher Sitzung zu Recht erkannt:
Der Revision wird nicht Folge gegeben.
Die beklagte Partei ist schuldig, der klagenden Partei die mit 742,27EUR bestimmten Kosten des Revisionsverfahrens (darin 123,71EUR Umsatzsteuer) binnen 14 Tagen zu ersetzen.
Entscheidungsgründe:
Der Beklagte wurde von der Klägerin entlassen, weil er wiederholt unter Verwendung eines Fahrzeugs der Klägerin von einem anderen Unternehmen Paletten gestohlen hatte. Die Klägerin hatte nach einem anonymen Hinweis ein Detektivunternehmen mit der Observation des Beklagten betraut, die letztlich den Diebstahlsverdacht erhärtete.
Die Klägerin begehrte mit ihrer Klage den Ersatz der von ihr getragenen Detektivkosten von 10.123,49EURsA.
Das Erstgericht gab dieser Klage im Umfang von 8.436,24EURsA statt und wies - unangefochten - das Mehrbegehren ab.
Das vom Beklagten angerufene Berufungsgericht bestätigte diese Entscheidung.
Gegenstand des Revisionsverfahrens ist ausschließlich die Frage, ob die geltend gemachte Forderung nach ArtXII Z2 des hier anzuwendenden Kollektivvertrags für das Güterbeförderungsgewerbe verfallen ist. Nach dieser Bestimmung müssen Ansprüche des Dienstgebers gegen den Dienstnehmer wegen von diesem verursachter Schäden binnen dreiMonaten ab Kenntnis gegen den Dienstnehmer bei sonstigem Verfall schriftlich geltend gemacht werden. Ob diese Frist hier eingehalten wurde, ist strittig.
Das Berufungsgericht erachtete die Verfallsbestimmung des Kollektivvertrags auf den hier geltend gemachten Anspruch als nicht anwendbar: Nur der typische, wesentliche oder regelmäßig wiederkehrende Inhalt eines Arbeitsverhältnisses könne einer kollektivvertraglichen Regelung unterworfen werden. Obgleich der Wortlaut der kollektivvertraglichen Verfallsbestimmung weit gefasst sei, umfasse sie in diesem Sinn nur Ansprüche, die im typischen Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis stehen, deren Rechtsgrund somit unmittelbar aus dem Arbeitsverhältnis oder dem Kollektivvertrag abzuleiten sei. Ansprüche, für die das Arbeitsverhältnis nur zufälliger Anlass sei, seien daher nicht erfasst.
Beim von der Klägerin geltend gemachten Anspruch handle es sich um keinen typischen, wesentlichen bzw regelmäßigen Anspruch aus dem Arbeitsverhältnis. Das vom Beklagten bestohlene Unternehmen sei keine Geschäftspartnerin der Klägerin gewesen; der Beklagte habe den LKW der Klägerin offensichtlich nur der Einfachheit halber verwendet. Das Arbeitsverhältnis sei daher nur zufälliger Anlass des Anspruchs. Die vom Beklagten eingewendete Verfallsklausel sei daher auf den hier geltend gemachten Anspruch nicht anwendbar.
Die gegen dieses Urteil erhobene Revision des Beklagten ist nicht berechtigt.
Die Rechtsauffassung des Berufungsgerichts ist zutreffend. Es reicht daher aus, auf die Richtigkeit der Begründung der angefochtenen Entscheidung zu verweisen (§510 Abs 3 ZPO).
Ergänzend ist den Revisionsausführungen entgegenzuhalten:
Es trifft zu, dass die zitierte Rechtsprechung auch mit den Grenzen der Regelungsbefugnis der Kollektivvertragsparteien begründet wurde (vgl etwa 9ObA352/98z) und dass die Rechtsprechung des OberstenGerichtshofs zu diesen Grenzen in der Lehre auf Kritik gestoßen ist (zum Meinungsstand: Strasser in Strasser/Jabornegg/Resch, ArbVG §2 Rz20). Von dieser Rechtsprechung ist der Oberste Gerichtshof aber nie abgegangen.
Der Oberste Gerichtshof teilt daher die Auffassung des Berufungsgerichts, dass die hier zu beurteilende Verfallsklausel, die nach ihrem Wortlaut ganz allgemein auf „Schadenersatzansprüche" abstellt, im Sinne der dargestellten Rechtsprechung nur solche Schadenersatzansprüche erfasst, die in einem typischen Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis stehen.
Die Entscheidung über die Kosten des Revisionsverfahrens gründet sich auf die §§41, 50 Abs 1 ZPO.
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