I404 2004297-2•BVwG I404 2004297-2
I404 2004297-2Tribunal Administrativo Federal11 de jan. de 2016
Beitragszuschlag, Meldeverstoß
I404 2004297-2/4E
IM NAMEN DER REPUBLIK!
Das Bundesverwaltungsgericht hat durch die Richterin MMag. Alexandra JUNKER als Einzelrichterin über die Beschwerde von Mag. XXXX, vertreten durch die 1A STEUERBERATUNGS GMBH, gegen den Bescheid der Tiroler Gebietskrankenkasse vom 08.07.2015, Zahl VII-AP1007-13/0128 (Beschwerdevorentscheidung), betreffend die Vorschreibung eines Beitragszuschlages in der Höhe von € 180,00 gemäß § 113 Abs. 4 Allgemeines Sozialversicherungsgesetzes (ASVG) zu Recht erkannt:
A)
Die Beschwerde wird gemäß § 28 Abs. 1 und 2 Verwaltungsgerichtsverfahrensgesetz (VwGVG) als unbegründet abgewiesen.
B)
Die Revision ist gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig.
ENTSCHEIDUNGSGRÜNDE:
I. Verfahrensgang:
1. Mit Bescheid der Tiroler Gebietskrankenkasse (in der Folge: belangte Behörde) vom 11.05.2015 wurde über Mag. XXXX (in der Folge: Beschwerdeführerin) gemäß § 113 Abs. 4 ASVG ein Beitragszuschlag in Höhe von € 180,00 verhängt.
Begründend wurde angeführt, dass die Beschwerdeführerin die Lohnzettel bei Beendigung von Dienstverhältnissen von 9 namentlich angeführten Dienstnehmern nicht fristgerecht der belangten Behörde vorgelegt habe, weshalb der Beitragszuschlag vorgeschrieben werde.
2. Gegen diesen Bescheid richtet sich die vorliegende rechtzeitige und zulässige Beschwerde, in welcher zusammengefasst vorgebracht wird, dass die Übermittlung der gesamten Lohnzetteldaten durch einen Sendervorgang erfolgen würde. Die belangte Behörde habe den 1. Lohnzettel als verspätet eingebracht gewertet. Dieser sei als erstmaliges Erinnern eingestuft worden und in die Berechnung des Beitragszuschlages nicht einbezogen worden. Die restlichen Lohnzettel dieser gemeinsamen Übermittlung seien dann in den Beitragszuschlag einbezogen worden. Warum es zu dieser Praxis gekommen sei, entziehe sich ihrer Kenntnis. Somit seien das verfahrensgegenständliche Meldevergehen und der Meldeverstoß unmittelbar erfolgt. Warum die belangte Behörde bei diesem Vorgang nicht von einem zusammenhängenden Meldeverstoß ausgegangen sei, entziehe sich ihrer Kenntnis. Der belangten Behörde seien durch die spätere Übermittlung der Lohnzettel keinerlei Kosten angefallen.
3. Mit Schreiben vom 02.06.2015 wurde die Beschwerdeführerin aufgefordert, alle Umstände, die zur verspäteten Übermittlung der Meldung geführt hätten und die wirtschaftlichen Verhältnisse, soweit diese zur Begleichung des Beitragszuschlages nicht in der Lage sei bzw. dadurch in wirtschaftliche Bedrängnis gerate, darzulegen.
4. Mit Schreiben vom 16.06.2015 führte die Beschwerdeführerin dazu zusammengefasst aus, dass der Antrag gestellt werde, keine Beschwerdevorentscheidung zu erlassen sondern die Beschwerde sofort dem Bundesverwaltungsgericht vorzulegen, da es keinen Sinn mache, dass die belangte Behörde eine Beschwerdevorentscheidung erlassen, wo nichts anderes festgestellt werde, wie im ursprünglichen Bescheid. Alle Beschwerdegründe seien schon im Rahmen der Beschwerde dargelegt worden eine zusätzliche Darstellung könne somit entfallen.
5. Mit Beschwerdevorentscheidung vom 08.07.2015 wurde die Beschwerde abgewiesen.
Zur Begründung führt die belangte Behörde aus, dass die Beschwerdeführerin am 12.03.2013 die gegenständlichen Beitragsgrundlagennachweise betreffend das Kalenderjahr 2012 übermittelt habe. Zum bisherigen Meldeverhalten der Beschwerdeführerin sei festzuhalten, dass ein bisheriger Meldeverstoß vorliegen würde. Die belangte Behörde habe in diesem Fall auf die Verhängung eines Beitragszuschlages verzichtet. Die gegenständlichen Beitragsgrundlagennachweise hätten gemäß § 34 Abs. 2 ASVG bis zum 28.02.2013 übermittelt werden müssen. Im gegebenen Fall seien die Beitragsgrundlagennachweise für 10 Dienstnehmer verspätet übermittelt worden. Wegen des bisherigen Meldeverhaltens der Beschwerdeführerin habe die belangte Behörde in einem dieser Meldeverstöße auf die Verhängung eines Beitragszuschlages verzichtet. Insgesamt würden aber 10 Meldeverstöße vorliegen. In rechtlicher Hinsicht führt die belangte Behörde aus, dass es sich bei einem Beitragszuschlag nicht um eine Strafe handle, weshalb die Frage des Verschuldens am Meldeverstoß nicht relevant sei. Die gegenständlichen Beitragsgrundlagennachweise hätten gemäß § 34 Abs. 2 ASVG bis zum 28.02.2013 übermittelt werden müssen. Im gegebenen Fall seien die Beitragsgrundlagennachweise für 10 Dienstnehmer verspätet übermittelt worden. Wegen des bisherigen Meldeverhaltens der Beschwerdeführerin habe die belangte Behörde in einem dieser Meldeverstöße auf die Verhängung eines Beitragszuschlages verzichtet. Insgesamt würden aber 10 Meldeverstöße vorliegen.
Die belangte Behörde setze zur Bearbeitung der verspäteten Beitragsgrundlagennachweise mehrere Mitarbeiter ein, deren Stundenlohn betrage durchschnittlich € 26,57. Der reine Verwaltungsaufwand für die Bearbeitung der verspäteten Übermittlung der Beitragsgrundlagennachweise und der damit in Zusammenhang stehenden Beitragszuschlagsermittlung sei im Einzelfall nicht feststellbar, zumal der fachliche sowie zeitliche Aufwand dieser Abstimmungsarbeiten stark variieren könne. Durchschnittlich liege der zeitliche Aufwand bei drei Stunden pro Fall, woraus sich basierend auf dem Stundenlohn und ohne Berücksichtigung der anfallenden Dienstgeberanteile ein Verwaltungsmehraufwand in Höhe von € 79,71 pro Dienstnehmer ergebe. Gemäß § 113 Abs. 4 ASVG und der Judikatur zum Verwaltungsmehraufwand als zweiter Obergrenze betrage der konkrete Entscheidungsrahmen im Beschwerdefall bei den 10 verspäteten Beitragsgrundlagennachweisungen daher zwischen € 0,- und € 797,10. Dieser Betrag könne auch als Beitragszuschlag vorgeschrieben werden, da er die absolute Obergrenze des § 113 Abs. 4 ASVG jedenfalls unterschreite. Aus dem Vorbringen der Beschwerdeführerin würden sich keine besonderen Rechtsfertigungsgründe für die verspätete Übermittlung des gegenständlichen Beitragsgrundlagennachweises ergeben. Bei einem vorhergehenden Meldeverstoß habe die belangte Behörde auf die Verhängung eines Beitragszuschlages verzichtet, wodurch ein weiterer Verzicht nicht gerechtfertigt erscheine. Der verhängte Beitragszuschlag in Höhe von € 180,- sei somit jedenfalls gerechtfertigt und entspreche auch den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beschwerdeführerin.
6. Mit Schriftsatz vom 14.07.2015 beantragte die Beschwerdeführerin, dass die Beschwerde gemäß § 15 VwGVG dem Verwaltungsgericht zur Entscheidung vorgelegt werde. Zusammengefasst wurde weiters ausgeführt, dass im gesamten Datenpaket alle nicht übermittelten Beitragsgrundlagennachweise auf einmal übermittelt worden seien. Die Verwaltungspraxis der belangten Behörde sei es, dass bei der Ermittlung der Datenpakete jeweils die 1. Meldung nicht bei der Festsetzung des Beitragszuschlages berücksichtigt werde, wenn es sich um einen erstmaligen Meldeverstoß handle, wie in diesem Falle. Jeder weitere Mitarbeiter falle dann unter die Sanktionierung des Beitragszuschlages. Es möge zwar Verwaltungspraxis sein, aber warum nicht die gesamte Meldung an diesem Tag als Meldevergehen gewertet werde, sondern jede einzelne übermittelte Beitragsnachweisung je Dienstnehmer sei nicht erklärlich. Es sollte im Hinblick auf Sinn und Zweck der Nachsicht von einem einheitlichen Meldeverstoß ausgegangen werden. Die in der Beschwerdevorentscheidung angeführten Kosten für die Bearbeitung in Höhe von Euro 79,71 als Mehraufwand pro Dienstnehmer seien eine Behauptung, die durch nichts bewiesen sei. In dem hier anhängigen Fall seien die Meldungen selbstständig, ohne Aufforderung und Überwachung am 12.03.2015 per ELDA-Online übermittelt worden. Die Festsetzung des Zuschlagsbescheides am 20.03.2013 sei durch einen automatischen Bescheid mitgeteilt worden. Sollte die Zeitangabe der belangten Behörde wirklich stimmen, dass pro Dienstnehmer ein Verwaltungsmehraufwand von 3 Stunden pro Mitarbeiter an gefallen sei, dann sollte vielleicht die Arbeitsweise optimiert werden. Wie sich schon aus der Darstellung der belangten Behörde ersehen lasse, werde ganz eindeutig nicht der Mehraufwand für diesen Vorgang erhoben, sondern nur irgendwelche statistischen Werte herangezogen, welche niemals zustimmten könnten.
II. Das Bundesverwaltungsgericht hat erwogen:
1.1. Die Beschwerdeführerin hat als Dienstgeberin Lohnzettel für das Jahr 2012 für die 10 Dienstnehmer Boris H., Markus P., Lothar R., Zlatko P., Helmut T., Stefanie W., Mario G., Franz K., Carmen R. und Ibrahim-Yilmaz- D. erst am 12.03.2013 mittels elektronischer Datenfernübertragung an die belangte Behörde und damit verspätet übermittelt.
1.2. Es handelt sich dabei bereits um die zweite verspätete Übermittlung an die belangte Behörde innerhalb von zwölf Monaten, zumal die Anmeldung von Boris H., mit Arbeitsbeginn 03.01.2013 erst am 14.01.2013 erfolgte, wobei die belangte Behörde bei dieser verspäteten Meldung auf die Verhängung eines Beitragszuschlages verzichtet hat.
Beweis wurde erhoben durch Einsicht in den vorliegenden Verwaltungsakt der belangten Behörde.
2.1. Die festgestellte verspätete Übermittlung der Beitragsgrundlagennachweise folgt aus dem Akteninhalt und wurde von der Beschwerdeführerin nicht bestritten.
2.2. Dass es sich bei der sanktionierten Meldeverletzung bereits um die zweite Meldeverletzung handelt, basiert auf dem Vorbringen der belangten Behörde und blieb ebenfalls unwidersprochen.
3.1. Zuständigkeit und anwendbares Recht
Gemäß § 6 BVwGG entscheidet das Bundesverwaltungsgericht durch EinzelrichterInnen, sofern nicht in Bundes- oder Landesgesetzen die Entscheidung durch Senate vorgesehen ist.
Gemäß § 414 Abs. 2 ASVG entscheidet das Bundesverwaltungsgericht nur in Angelegenheiten nach § 410 Abs. 1 Z 1, 2 und 6 bis 9 und überdies nur im Fall eines (hier nicht gestellten) Antrags einer Partei durch einen Senat. Der Beschwerdefall unterliegt daher der Einzelrichterzuständigkeit.
Das Verfahren der Verwaltungsgerichte mit Ausnahme des Bundesfinanzgerichtes ist durch das VwGVG, BGBl. I 33/2013 idF BGBl. I 122/2013, geregelt (§ 1 leg.cit.). Gemäß § 58 Abs. 2 VwGVG bleiben entgegenstehende Bestimmungen, die zum Zeitpunkt des Inkrafttretens dieses Bundesgesetzes bereits kundgemacht wurden, in Kraft.
Gemäß § 17 VwGVG sind, soweit in diesem Bundesgesetz nicht anderes bestimmt ist, auf das Verfahren über Beschwerden gemäß Art. 130 Abs. 1 B-VG die Bestimmungen des AVG mit Ausnahme der §§ 1 bis 5 sowie des IV. Teiles, die Bestimmungen der Bundesabgabenordnung - BAO, BGBl. Nr. 194/1961, des Agrarverfahrensgesetzes - AgrVG, BGBl. Nr. 173/1950, und des Dienstrechtsverfahrensgesetzes 1984 - DVG, BGBl. Nr. 29/1984, und im Übrigen jene verfahrensrechtlichen Bestimmungen in Bundes- oder Landesgesetzen sinngemäß anzuwenden, die die Behörde in dem dem Verfahren vor dem Verwaltungsgericht vorangegangenen Verfahren angewendet hat oder anzuwenden gehabt hätte.
Gemäß § 14. Abs. 1 VwGVG steht es im Verfahren über Beschwerden gemäß Art. 130 Abs. 1 Z 1 B-VG der Behörde frei, den angefochtenen Bescheid innerhalb von zwei Monaten aufzuheben, abzuändern oder die Beschwerde zurückzuweisen oder abzuweisen (Beschwerdevorentscheidung). § 27 ist sinngemäß anzuwenden.
Jede Partei kann binnen zwei Wochen nach Zustellung der Beschwerdevorentscheidung bei der Behörde den Antrag stellen, dass die Beschwerde dem Verwaltungsgericht zur Entscheidung vorgelegt wird (Vorlageantrag). Wird der Vorlageantrag von einer anderen Partei als dem Beschwerdeführer gestellt, hat er die Gründe, auf die sich die Behauptung der Rechtswidrigkeit stützt (§ 9 Abs. 1 Z 3), und ein Begehren (§ 9 Abs. 1 Z 4) zu enthalten (§ 15 Abs. 1 VwGVG).
Gemäß § 28 Abs. 1 VwGVG hat das Verwaltungsgericht die Rechtssache durch Erkenntnis zu erledigen, sofern die Beschwerde nicht zurückzuweisen oder das Verfahren einzustellen ist.
Gemäß § 28 Abs. 2 VwGVG hat über Beschwerden gemäß Art. 130 Abs. 1 Z 1 B-VG das Verwaltungsgericht dann in der Sache selbst zu entscheiden, wenn der maßgebliche Sachverhalt feststeht oder die Feststellung des maßgeblichen Sachverhalts durch das Verwaltungsgericht selbst im Interesse der Raschheit gelegen oder mit einer erheblichen Kostenersparnis verbunden ist.
3.2. Zu Spruchpunkt A) - Abweisung der Beschwerde
3.2.1. § 34 Abs. 2 ASVG normiert, dass, wenn die Abrechnung der Beiträge nach dem Lohnsummenverfahren (§ 58 Abs. 4) erfolgt, der Dienstgeber nach Ablauf eines jedes Beitragszeitraumes mittels elektronischer Datenfernübertragung (§ 41 Abs. 1 und 4) die Gesamtsumme der in diesem Zeitraum gebührenden und darüber hinaus gezahlten Entgelte zu melden hat (Beitragsnachweisung). Die Frist für die Vorlage der Beitragsnachweisung endet mit dem 15. des Folgemonats. Der beim zuständigen Krankenversicherungsträger oder beim Finanzamt der Betriebsstätte (§ 81 EStG 1988) einzubringende Lohnzettel (§ 84 EStG 1988) hat auch die Summe der allgemeinen Beitragsgrundlagen sowie der Sonderzahlungen und die Adresse der Arbeitsstätte am 31. Dezember bzw. am letzten Beschäftigungstag innerhalb eines Jahres zu enthalten. Die Übermittlung der Lohnzettel hat elektronisch bis Ende Februar des folgenden Kalenderjahres zu erfolgen. Ist dem Dienstgeber bzw. der auszahlenden Stelle die elektronische Übermittlung der Lohnzettel mangels technischer Voraussetzungen unzumutbar, so hat die Übermittlung der Lohnzettel auf dem amtlichen Vordruck bis Ende Jänner des folgenden Kalenderjahres zu erfolgen. Wird das Dienstverhältnis beendet, so hat die Übermittlung des Lohnzettels bis zum Ende des Folgemonats zu erfolgen.
Gemäß § 113 Abs. 4 ASVG kann ein Beitragszuschlag bis zum Zehnfachen der Höchstbeitragsgrundlage vorgeschrieben werden, wenn gesetzlich oder satzungsmäßig festgesetzte oder vereinbarte Fristen für die Vorlage von Versicherungs- oder Abrechnungsunterlagen nicht eingehalten werden.
3.2.2. Zu klären ist vorab, welche Bedeutung dem Umstand zukommt, dass die belangte Behörde zur Erledigung der Beschwerde bereits eine Beschwerdevorentscheidung gemäß § 14 VwGVG erlassen und dabei in der Sache entschieden hat.
Nach den Erläuterungen der Regierungsvorlage zum VwGVG (2009 BlgNR 24. GP) ist, sofern die Behörde von der Ermächtigung des § 14 VwGVG Gebrauch gemacht hat, "Beschwerdegegenstand im
Bescheidbeschwerdeverfahren der Verwaltungsgerichte ... die
Beschwerdevorentscheidung".
Da infolge eines Vorlageantrages die Beschwerdevorentscheidung (abweichend vom bisherigen § 64a Abs. 3 AVG) nicht außer Kraft tritt, ist Beschwerdegegenstand in Bescheidbeschwerdeverfahren vor dem VwG die Beschwerdevorentscheidung der Behörde. Das Begehren des Vorlageantrags muss (und darf) nur darauf gerichtet sein, dass die ursprüngliche Beschwerde dem VwG vorgelegt wird (Eder/Martschin/Schmid, Das Verfahrensrecht der Verwaltungsgerichte, § 15 VwGVG, K1 und K2, sowie Fister/Fuchs/Sachs, Verwaltungsgerichtsverfahren, § 15 VwGVG, Anm. 7).
Da in der Beschwerdevorentscheidung die Beschwerde als unbegründet abgewiesen wurde, ist Gegenstand die Verhängung eines Beitragszuschlages in der Höhe von € 180,00.
3.2.3. Aufgrund des festgestellten Sachverhaltes steht fest, dass die Beschwerdeführerin 10 Beitragsgrundlagennachweise anstatt am 28.02.2013 erst am 12.03.2013 der belangten Behörde übermittelt hat.
Nach dem Wortlaut des § 113 Abs. 4 ASVG kann die belangte Behörde in diesen Fällen einen Beitragszuschlag bis zum Zehnfachen der Höchstbeitragsgrundlage (§ 45 Abs. 1 ASVG) verhängen.
Die Vorschreibung eines Beitragszuschlages nach § 113 Abs. 4 ASVG liegt sowohl dem Grunde (arg "kann") also auch der Höhe nach (bis zum Zehnfachen der Höchstbeitragsgrundlage) im Ermessen der Behörde (vgl. VwGH 30.05.2001, 96/08/0261; 17.10.2012, 2009/08/0232).
Kriterien für die Ausübung des Ermessens gibt das Gesetz selbst keine an.
Im Zusammenhang mit der Vorschreibung eines Beitragszuschlages gemäß § 113 Abs. 1 ASVG idF BGBl. I Nr.145/2003 hat der Verwaltungsgerichtshof ausgesprochen, dass bei der Ermessensübung gemäß § 113 Abs. 1 ASVG nicht nur auf die wirtschaftlichen Verhältnisse des Beitragsschuldners und auf die Art des Meldeverstoßes, sondern auch auf das Ausmaß der Verspätung sowie auf den Umstand Bedacht zu nehmen ist, inwieweit der Dienstgeber bisher seinen Meldeverpflichtungen nachgekommen ist (vgl. Erk. des VwGH vom 20.02.2008, Zl. 2006/08/0285 mit Verweis auf das Erk. vom 26. Jänner 2005, Zl. 2004/08/0141)
Weiters darf nach der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes ein Beitragszuschlag gemäß § 113 Abs. 1 ASVG weder den durch den Meldeverstoß verursachten Mehraufwand zuzüglich der Verzugszinsen infolge der verspäteten Beitragsentrichtung noch das Doppelte der im Gesetz näher umschriebenen Beiträge überschreiten.
Dies folgt aus dem Umstand, dass der Beitragszuschlag nicht als Verwaltungsstrafe, sondern als eine (neben der Bestrafung nach § 111, § 112 ASVG ermöglichte) wegen des durch die Säumigkeit des Meldepflichtigen verursachten Mehraufwandes in der Verwaltung der sachlich gerechtfertigte weitere Sanktion für die Nichteinhaltung der Meldepflicht und damit als ein Sicherungsmittel für das ordnungsgemäße Funktionieren der Sozialversicherung zu werten ist (vgl. VwGH vom 27.03.1990, Zl. 89/08/0076).
Deshalb kommt es für seine Vorschreibung nicht auf das subjektive Verschulden des Dienstgebers (bzw. des vertretungsbefugten Organs), sondern nur darauf an, dass objektiv ein Meldeverstoß verwirklicht wurde, gleichgültig aus welchen Gründen (vgl. das Erkenntnis vom 10. Juli 2013, Zl. 2013/08/0117, mwN).
3.2.4. Wendet man nunmehr sämtliche Kriterien auf das vorliegende Verfahren an, so ist eine Rechtswidrigkeit des bekämpften Bescheides nicht ersichtlich. Die belangte Behörde hat einen Beitragszuschlag in der Höhe von € 180,00 verhängt.
Gemäß § 113 Abs. 4 ASVG kann ein Beitragszuschlag bis € 1.410,00 (Jahr 2013) verhängt werden. Wendet man als zweite Grenze auch den verursachten Verwaltungsmehraufwand im Sinne der oben angeführten Rechtsprechung an, so wäre der Beitragszuschlag laut Angaben der belangten Behörde mit € 797,10 begrenzt, da Verzugszinsen mangels Beitragsentganges naturgemäß nicht anfallen können.
Die Höhe des Verwaltungsmehraufwandes ergibt sich aus der Begründung der Beschwerdevorentscheidung. So hat die belangte Behörde unter Punkt 7.4 der Beschwerdevorentscheidung vom 08.07.2015 dargelegt, dass für die Bearbeitung der verspäteten Beitragsgrundlagennachweise und der damit im Zusammenhang stehende Beitragsgrundlagenermittlung durchschnittlich ein zeitlicher Aufwand von 3 Stunden pro Fall entstehe, was bei einem Stundenlohn von durchschnittlich € 26,57 einen Verwaltungsmehraufwand von € 79,71 pro Dienstnehmer ausmache.
Wenn die Beschwerdeführerin dazu vorbringt, dass die Meldungen selbständig ohne Aufforderung und Überwachung am 12.03.2015 per ELDA- Online übermittelt worden seien, weshalb die angeführten Kosten nicht stimmen könnten, so ist dazu auszuführen, dass nach der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes der durch die Verletzung der Meldepflicht verursachte Mehraufwand der Verwaltung grundsätzlich nicht jener Verwaltungsaufwand ist, der zur Feststellung der Meldepflichtverletzungen aufgewendet wurde, sondern jener Aufwand, der nicht aufgelaufen wäre, wenn keine Meldeverstöße festgestellt worden wären (VwGH vom 17.03.1988, Zl. 87/08/0112). Die belangte Behörde hat ausdrücklich festgehalten, dass nur für die Bearbeitung der verspäteten Meldungen durchschnittlich ein Mehraufwand von drei Stunden pro Lohnzettel entsteht.
Schließlich ist jedoch auch darauf hinzuweisen, dass für die 10 unterlassenen Lohnzettel ohnehin nur ein Betragszuschlag von €
180. -- verhängt wurde, was somit einem Mehraufwand von insgesamt nicht ganz 7 Stunden entspricht. Dieser Aufwand erscheint dem Gericht nicht unplausibel.
Unter Berücksichtigung des Umstandes, dass es sich bereits um den zweiten Meldeverstoß (verspätete Anmeldung des Dienstnehmers Boris H.) innerhalb von 12 Monaten gehandelt hat, kann in der Verhängung eines Beitragszuschlages in der Höhe von € 180,00 kein Ermessensmissbrauch gesehen werden. Dies insbesondere auch deshalb, da die Beschwerdeführerin trotz Aufforderung durch die belangte Behörde weder Ausführungen zu ihren wirtschaftlichen Verhältnissen noch zu sonstigen berücksichtigungswürdigen Umständen getätigt hat, welche eine weitere Herabsetzung rechtfertigen würden.
Die Beschwerde erweist sich daher als unbegründet und war abzuweisen.
3.2.5. Nach § 24 Abs. 1 VwGVG hat das Verwaltungsgericht auf Antrag oder, wenn es dies für erforderlich hält, von Amts wegen eine öffentliche mündliche Verhandlung durchzuführen. Wurde - wie im vorliegenden Fall - kein entsprechender Antrag gestellt, ist die Frage, ob von Amts wegen eine Verhandlung durchgeführt wird, in das pflichtgemäße - und zu begründende - Ermessen des Verwaltungsgerichts gestellt, wobei die in § 24 Abs. 2, 3, 4 und 5 normierten Ausnahmebestimmungen als Anhaltspunkte der Ermessensübung anzusehen sind (vgl. zur insofern gleichartigen Regelungsstruktur des § 67d Abs. 1 und 2 bis 4 AVG Hengstschläger/Leeb, AVG, § 67d Rz 17 und 29, mwH). Gemäß § 24 Abs. 4 VwGVG kann, soweit durch Bundes- oder Landesgesetz nicht anderes bestimmt ist, das Verwaltungsgericht ungeachtet eines Parteiantrages von einer Verhandlung absehen, wenn die Akten erkennen lassen, dass die mündliche Erörterung eine weitere Klärung der Rechtssache nicht erwarten lässt, und einem Entfall der Verhandlung weder Art. 6 Abs. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten, BGBl. Nr. 210/1958, noch Art. 47 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union, ABl. Nr. C 83 vom 30.03.2010 S. 389 entgegenstehen.
Aus dem Blickwinkel von Art. 6 EMRK (Art. 47 GRC) ist im Beschwerdefall auf den Umstand hinzuweisen, dass für die Beschwerdeführerin bereits bei Einbringung der Beschwerde (ebenso wie auch bei Stellung des Vorlageantrages) ein Steuerberater und damit ein auch des Verfahrensrechts kundiger berufsmäßiger Vertreter eingeschritten ist. Gemäß § 24 Abs. 3 VwGVG hat ein Beschwerdeführer die Durchführung einer Verhandlung bereits in der Beschwerde oder im Vorlageantrag zu beantragen. Ein solcher Antrag wurde im vorliegenden Beschwerdefall nicht gestellt. Zu den einen Entfall der Verhandlung nach Art. 6 EMRK rechtfertigenden Umständen gehört auch der (ausdrückliche oder schlüssige) Verzicht auf die mündliche Verhandlung. Nach der Rechtsprechung wird die Unterlassung eines darauf abzielenden Antrages von der Rechtsordnung unter bestimmten Umständen als (schlüssiger) Verzicht auf eine Verhandlung gewertet. Ein solcher Verzicht liegt zwar dann nicht vor, wenn eine unvertretene Partei weder über die Möglichkeit einer Antragstellung belehrt wurde, noch Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie von dieser Möglichkeit hätte wissen müssen (vgl. VfSlg. 16.894/2003 und 17.121/2004; VwGH 26.04.2010, 2004/10/0024; VwGH 12.08.2010, 2008/10/0315; VwGH 30.01.2014, 2012/10/0193). Dies ist hier aber angesichts des eingangs erwähnten Umstands einer rechtskundigen Vertretung und vor dem Hintergrund, dass der Sachverhalt unstrittig ist, nicht der Fall, so dass die unterbliebene Antragstellung im Beschwerdefall als schlüssiger Verzicht im Sinne der Rechtsprechung des EGMR zu Art. 6 EMRK gewertet werden kann.
Da der Sachverhalt unstrittig war und anhand des Akteninhalts und des Beschwerdevorbringens festgestellt werden konnte, geht das Bundesverwaltungsgericht weiters davon aus, dass die Akten erkennen lassen, dass die mündliche Erörterung eine weitere Klärung der Rechtssache nicht erwarten lässt.
Von einer mündlichen Verhandlung konnte daher in Anwendung von § 24 Abs. 1 und 4 VwGVG abgesehen werden.
Zu B)
Gemäß § 25a Abs. 1 VwGG hat das Verwaltungsgericht im Spruch seines Erkenntnisses oder Beschlusses auszusprechen, ob die Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG zulässig ist. Der Ausspruch ist kurz zu begründen.
Die Revision gegen die gegenständliche Entscheidung ist gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig, weil die Entscheidung nicht von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt.
Im vorliegenden Fall war die zu § 113 ASVG ergangene Rechtsprechung heranzuziehen. Die gegenständliche Entscheidung weicht nicht von der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zu § 113 ASVG ab. Was die Überlegungen zur Beschwerdevorentscheidung und zur Frage betrifft, ob das Verwaltungsgericht über den Ausgangsbescheid oder die Beschwerdevorentscheidung zu entscheiden hat, ändern diese am Verfahrensergebnis nichts, weil die Beschwerdevorentscheidung den Ausspruch des Ausgangsbescheids bestätigt und davon nicht abweicht und zumal auch vorliegende Erkenntnis dies bestätigt. Auch liegen keine sonstigen Hinweise auf eine grundsätzliche Bedeutung der zu lösenden Rechtsfrage vor. Konkrete Rechtsfragen grundsätzlicher Bedeutung sind weder in der Beschwerde bzw. im Vorlageantrag vorgebracht worden noch im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht hervorgekommen.
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