W211 1439230-1•BVwG W211 1439230-1
W211 1439230-1Tribunal Administrativo Federal10 de mar. de 2014
Außerlandesbringung, Mitgliedstaat, real risk, Zuständigkeit
W211 1439230-1/5E
IM NAMEN DER REPUBLIK!
Das Bundesverwaltungsgericht hat durch die Richterin Mag.a SIMMA über die Beschwerde von XXXX, StA. Tunesien, gegen den Bescheid des Bundesasylamtes vom 06.12.2013, Zl. 13 15.912 EAST-West, zu Recht erkannt:
A) Die Beschwerde wird gemäß § 5 AsylG 2005 und § 61 FPG als
unbegründet abgewiesen.
B) Die Revision ist gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig.
Entscheidungsgründe:
I. Verfahrensgang, wesentlicher Sachverhalt und Beschwerdegründe
1. Die beschwerdeführende Partei, ein männlicher Staatsangehöriger von Tunesien, brachte am 31.10.2013 den vorliegenden Antrag auf internationalen Schutz ein.
2. Eine EURODAC-Abfrage ergab einen Treffer der Kategorie 1 mit Ungarn vom 24.09.2013.
3. Bei der Erstbefragung am 31.10.2013 gab die beschwerdeführende Partei im Wesentlichen an, sie sei am 06.09.2013 selbstständig und legal von Tunesien in die Türkei geflogen, von wo sie am 09.09.2013 schlepperunterstützt zu Fuß die Grenze zu Griechenland überquert habe. Am 04.10.2013 habe sie Griechenland gemeinsam mit anderen Arabern verlassen und sei über Albanien, Montenegro und Serbien letztlich am 16.10.2013 nach Ungarn eingereist, wo sie behördlich angehalten, erkennungsdienstlich behandelt und in das Lager in Debrecen gebracht worden sei. Am 31.10.2013 habe sie dieses verlassen und sei schließlich mit dem Zug nach Wien gereist. Auf ausdrückliche Nachfrage gab die beschwerdeführende Partei an, dass nichts gegen eine Rückkehr nach Ungarn und dortige Durchführung des Asylverfahrens spreche. Aus Tunesien sei sie geflohen, weil sie dort weder Arbeit noch Geld gehabt habe.
4. Das Bundesasylamt richtete am 06.11.2013 ein auf Art. 16 Abs. 1 lit. c der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 (in der Folge: "Dublin-II-VO") gestütztes Wiederaufnahmeersuchen an Ungarn. Mit einem am 12.11.2013 eingelangten Schreiben stimmte Ungarn dem Wiederaufnahmeersuchen gemäß Art. 16 Abs. 1 lit. c Dublin-II-VO ausdrücklich zu und gab an, dass die nunmehr beschwerdeführende Partei am 16.09.2013 einen Asylantrag gestellt habe und Ende Oktober 2013 untergetaucht sei.
5. Bei der Einvernahme der beschwerdeführenden Partei am 26.11.2013 durch das Bundesasylamt brachte sie im Wesentlichen zunächst vor, gesund zu sein und in Österreich weder Verwandte noch sonstige enge Bindungen zu haben. Nach Ungarn wolle sie deshalb nicht zurück, weil die Zustände dort katastrophal gewesen seien. Sie habe sich dort einen Monat und 23 Tage lang aufgehalten. Während dieser Zeit habe sie starke Zahnschmerzen gehabt, habe jedoch nie etwas dagegen bekommen und sei nie bei einem Arzt gewesen. Weiters habe es zu wenig Geld und zu essen gegeben und sei auch die Hygiene mangelhaft gewesen. Sie selbst betreffend habe es jedoch keine konkreten Vorfälle gegeben. Auf Vorhalt der Länderberichte äußerte die beschwerdeführende Partei die Befürchtung, für den Fall einer Rückstellung nach Ungarn dort sechs bis neun Monate inhaftiert und anschließend nach Serbien abgeschoben zu werden. Dies entspreche der Praxis in Ungarn und habe sie selbst beobachtet.
6. Weiters wurde der beschwerdeführenden Partei eine Frist zur Abgabe einer ergänzenden Stellungnahme eingeräumt und langte diese am 29.11.2013 beim Bundesasylamt ein. Darin wurde im Wesentlichen zunächst vorgebracht, dass es sich bei den vom Bundesasylamt vorgelegten Länderfeststellungen lediglich um theoretische Ausführungen handle, die mit der Praxis wenig gemein hätten. Die Lage von Asylwerbern in Ungarn sei äußerst prekär. Hierzu wurden Berichte des Vereins bordermonitorung.eu, des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen (in der Folge: "UNHCR") und des Hungarian Helsinki Committee angeführt. Darüber hinaus enthielt das Schreiben eine handschriftliche Stellungnahme der beschwerdeführenden Partei, in der diese im Wesentlichen zunächst vorbringt, sie sei nach der Ankunft in Ungarn von der Polizei festgenommen, für zwei Tage inhaftiert und dabei von dieser erniedrigend behandelt worden. Weiters verwies die beschwerdeführende Partei erneut auf die allgemein schlechten Umstände im ungarischen Lager, insbesondere im Hinblick auf Ernährung, Hygiene und medizinische Versorgung. Sie sei einmal sehr krank geworden und habe die Zuständigen informiert, diese hätten ihr jedoch mitgeteilt, dass sie sich etwaige Medikamente selbst zahlen müsse, was sie sich jedoch nicht habe leisten können. Weiters seien auch die Unterkünfte selbst sehr mangelhaft gewesen, so habe es etwa nicht genügend Schlafgelegenheiten gegeben und sei es sehr kalt und eng gewesen.
7. Mit dem angefochtenen Bescheid wurde I. der Antrag der beschwerdeführenden Partei auf internationalen Schutz gemäß § 5 Abs. 1 AsylG 2005 als unzulässig zurückgewiesen und ausgesprochen, dass Ungarn gemäß Art. 16 Abs. 1 lit. c Dublin-II-VO zur Prüfung des Antrages zuständig ist, sowie II. die beschwerdeführende Partei gemäß § 10 Abs. 1 Z 1 AsylG 2005 aus dem österreichischen Bundesgebiet nach Ungarn ausgewiesen und festgestellt, dass demzufolge die Zurückweisung, Zurückschiebung oder Abschiebung der beschwerdeführenden Partei nach Ungarn gemäß § 10 Abs. 4 AsylG 2005 zulässig ist.
Dieser Bescheid enthält ausführliche Feststellungen zum ungarischen Asylwesen und zur Versorgung von Asylwerbern in Ungarn. Sie basieren auf einer aktuellen Zusammenstellung der Staatendokumentation des Bundesasylamtes. Zu den einzelnen Passagen sind jeweils detaillierte Quellenangaben angeführt. Es ergibt sich aus diesen Länderfeststellungen insbesondere, dass es in Ungarn im inhaltlichen Verfahren ein detailliertes Interview gebe, wobei die Heranziehung von Herkunftslandinformationen verpflichtend sei. Der Zugang zum UNHCR und zu Nichtregierungsorganisationen sei gewährleistet. Gegen die Entscheidung der ungarischen Asylbehörde sei eine Beschwerde an ein Gericht möglich. Das Non-Refoulementgebot werde beachtet.
Es wird weiter ausgeführt, dass die Gesetzesänderung vom 01.07.2013 neben einer fremdenrechtlichen auch eine asylrechtliche Haft eingeführt habe; auf die Haftgründe wird in Folge weiter eingegangen: diese asylrechtliche Haft werde zuerst für maximal 72 Stunden verhängt. Eine Verlängerung könne beim zuständigen Bezirksgericht beantragt werden, welches die Anhaltung für weitere 60 Tage bis zu einer Gesamtdauer von 6 Monaten verlängern könne. Der Verlängerungsantrag müsse begründet werden. Gegen die Anordnung asylrechtlicher Haft gebe es kein Rechtsmittel; der Fremde könne dann Beschwerde gegen die Haftanordnung einbringen, wenn die Behörde gewisse Pflichten verletze. Über eine solche Beschwerde entscheide das Wohnsitzgericht binnen 8 Tagen.
Im Zusammenhang mit Dublin-Rückkehrern wird ausgeführt, dass die ungarische Asylgesetzgebung jedem Dublin-Rückkehrer die Möglichkeit der Stellung eines neuen Asylgesuches unabhängig davon, ob bereits vorher ein Asylverfahren betrieben worden sei oder nicht, garantiere. Ein Folgeantrag sei nur unzulässig, wenn zuvor eine endgültige Ablehnung eines Asylantrages erfolgt sei, und keine neuen Elemente enthalten seien beziehungsweise keine Sachverhaltsänderung eingetreten sei. Die diesbezügliche Praxis sei ab Mitte Juni 2012 verbessert worden. Dublin-Rückkehrer, deren Vorbringen in Ungarn zuvor nicht inhaltlich untersucht und entschieden worden seien, hätten Zugang zu einer inhaltlichen Überprüfung ihrer Vorbringen, sofern sie die (Wieder)Aufnahme ihres vorherigen Asylantrags formal beantragten. Sie würden dann nicht inhaftiert und dürften das Ergebnis ihres Verfahrens in Ungarn abwarten. Es gebe auch keine Zurückschiebungen nach Serbien anstatt eines ordentlichen Asylverfahrens mehr.
Unter der Überschrift "Versorgung" finden sich insbesondere Informationen zu den verschiedenen Unterbringungseinrichtungen für Asylwerber. Die zuletzt sehr kritische Unterbringungssituation habe sich, den Auskünften eines Verbindungsbeamten zufolge, deutlich entspannt. Es gebe nun einerseits neue Kapazitäten durch Ausbauten mehrerer Unterbringungseinrichtungen, andererseits habe die Anzahl der Neuanträge abgenommen. Folglich seien die letzten Zelteinrichtungen mit 18.9.2013 abgebaut worden. Hingewiesen wird schließlich auf die Angebote verschiedener Nichtregierungsorganisationen, die Asylsuchenden unterschiedliche Leistungen, wie zum Beispiel allgemeine Unterstützung, Integrationshilfe, Unterstützung für Opfer von Menschenrechtsverletzungen durch Staatsorgane und interkulturelle Trainingskurse anböten. Im Lager in Debrecen, in das Erstantragsteller in aller Regel kämen, sei das ungarische Helsinki-Komitee im Rahmen der Betreuungsarbeit fast ständig präsent.
Zur medizinischen Versorgung wird ausgeführt, dass in dem Bericht des UNCHR vom 24.04.2012 davon die Rede sei, dass in Debrecen fachärztliche Betreuung, etwa durch Dermatologen, nicht erhältlich, sowie Zahnbehandlung sehr teuer sei. Darüber hinaus wird in den Länderberichten festgestellt, dass die kostenlose Gesundheitsversorgung bei Krankheit zunächst die Versorgung durch einen Allgemeinmediziner beinhalte, und, wenn dieser eine entsprechende Überweisung ausstelle, auch die Versorgung in Polikliniken und Krankenhäusern. Notwendige Medikamente erhalte ein Patient kostenfrei. Zahnarztbehandlungen würden in Notfällen gewährt.
8. Gegen diesen Bescheid richtet sich die vorliegende Beschwerde, in welcher im Wesentlichen vorgebracht wird, dass die beschwerdeführende Partei in Ungarn zwar erkennungsdienstlich behandelt worden sei, jedoch keinen Asylantrag gestellt und sie das Gebiet der Mitgliedstaaten seitdem nicht für eine Dauer von mindestens drei Monaten verlassen habe. Die Zuständigkeitserklärung Ungarns sei daher grundlos erfolgt und hätte vielmehr - aufgrund der grundsätzlichen Zuständigkeit Griechenlands und der aktuellen, amtsbekannten Situation dort - Österreich in das Asylverfahren eintreten müssen.
Weiters werden systemische Mängel im ungarischen Asylwesen behauptet. Hierfür wird auf Berichte verschiedener Organisationen verwiesen sowie auf ein Erkenntnis des VG Hannover vom 08.03.2013, in dem dieses systemische Mängel in Ungarn festgestellt habe. Darüber hinaus bemängelt die beschwerdeführende Partei konkret im Hinblick auf die eigene Unterbringung in Ungarn die Situation im dortigen Lager hinsichtlich Hygiene sowie materieller und medizinischer Verpflegung. Durch die bedeutende Steigerung an Asylanträgen in Ungarn in der ersten Hälfte des Jahres 2013 gestalte sich die Lage zunehmend prekär.
Im Falle der Abschiebung würde sie sofort für sechs bis neun Monate inhaftiert werden und sei nicht sichergestellt, dass ihr in Ungarn ein Asylverfahren offen stehe, womit auch die Gefahr einer Kettenabschiebung verbunden sei.
Schließlich enthielten die Länderberichte auch keine Informationen über die soziale Lage von Flüchtlingen in Ungarn. Diese würden nach sechs Monaten den Zugang zu staatlicher Versorgung verlieren und seien ab diesem Zeitpunkt der - strafbaren - Obdachlosigkeit ausgesetzt.
9. Der aktuelle Aufenthaltsort der beschwerdeführenden Partei ist nicht feststellbar.
II. Das Bundesverwaltungsgericht hat erwogen:
Die beschwerdeführende Partei verließ am 06.09.2013 Tunesien und reiste über die Türkei am 09.09.2013 nach Griechenland. In der Folge verließ sie Griechenland und gelangte über Albanien, Montenegro und Serbien nach Ungarn, wo sie am 16.09.2013 einen Asylantrag stellte (EURODAC Treffer HU1...). Schließlich reiste die beschwerdeführende Partei am 31.10.2013 illegal nach Österreich und brachte hier noch am selben Tag einen Antrag auf internationalen Schutz ein.
Das Bundesasylamt stellte am 06.11.2013 ein Wiederaufnahmeersuchen an Ungarn. Am 12.11.2013 langte ein Schreiben der ungarischen Behörden ein, mit welchem diese der Wiederaufnahme der beschwerdeführenden Partei gemäß Art. 16 Abs. 1 lit. c Dublin-II-VO ausdrücklich zustimmten.
Besondere, in der Person der beschwerdeführenden Partei gelegene Gründe, die für die reale Gefahr des fehlenden Schutzes vor Verfolgung in Ungarn sprechen, liegen nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht schließt sich den Feststellungen des angefochtenen Bescheides zur Lage im Mitgliedstaat an.
Die beschwerdeführende Partei leidet an keinen schweren Krankheiten.
Die beschwerdeführende Partei hat in Österreich keine besonderen privaten oder familiären Bindungen.
Die festgestellten Tatsachen ergeben sich aus dem Akt des Bundesasylamtes, insbesondere den Niederschriften, und wurden von der beschwerdeführenden Partei nur hinsichtlich der Zuständigkeit Ungarns und der Lage im Mitgliedstaat bestritten.
Hinsichtlich der Reiseroute und der Antragstellung in Ungarn ergaben sich Divergenzen zwischen dem Vorbringen der beschwerdeführenden Partei und dem EURODAC-Auszug. So gab die beschwerdeführende Partei bei der Erstbefragung an, von 09.09.2013 bis 04.10.2013 in Griechenland gewesen zu sein. In der Beschwerde behauptet sie ergänzend, in Ungarn nie einen Asylantrag gestellt zu haben.
Dem steht jedoch zuerst ein EURODAC-Treffer in Ungarn der Kategorie 1 entgegen: nach Art. 2 Abs. 3 der EURODAC Durchführungsverordnung (EG) 407/2002 ist diese Zuordnung - 1 - Asylwerbern vorbehalten. Darüber hinaus gaben die ungarischen Behörden ausdrücklich bekannt, die beschwerdeführende Partei habe am 16.09.2013 einen Asylantrag in Ungarn gestellt. Und schließlich gab diese selbst an, im Lager in Debrecen untergebracht gewesen zu sein, welches laut den Länderberichten Erstantragstellern von Asylgesuchen vorbehalten ist. Daraus folgt, dass das Bundesverwaltungsgericht davon ausgeht, dass die beschwerdeführende Partei am 16.09.2013 in Ungarn einen Asylantrag stellte.
Die Gesamtsituation des Asylwesens im zuständigen Mitgliedstaat ergibt sich aus den umfangreichen und durch aktuelle Quellen belegten Länderfeststellungen des angefochtenen Bescheides, die auf alle entscheidungswesentlichen Fragen eingehen.
Hinsichtlich des Beschwerdevorbringens zur mangelhaften Versorgung im Asylverfahren ist festzuhalten, dass sich aus den vom Bundesasylamt getroffenen aktuellen Feststellungen nicht ergibt, dass der beschwerdeführenden Partei in Ungarn die notwendige Versorgung nicht gewährt werden würde. Wesentlich erscheint hierbei insbesondere, dass nach den vorliegenden verwaltungsbehördlichen Feststellungen NGOs in verschiedenen Unterbringungsstätten für Asylwerber in Ungarn aktiv sind, man sich sohin also an diese bei allfälligen Problemen wenden kann. Das Gleiche trifft auf das Vorbringen einer schlechten medizinischen Versorgung in Ungarn zu:
nach den Länderfeststellungen ist davon auszugehen, dass die beschwerdeführende Partei im Falle einer Überstellung nach Ungarn in medizinischen Notfällen eine kostenlose Behandlung in Anspruch wird nehmen können.
Wenn die beschwerdeführende Partei die Befürchtung äußert, dass nicht gesichert sei, ob hinsichtlich ihres Asylantrages in Ungarn ein inhaltliches Verfahren durchgeführt werde, so ist erneut auf die zusammengefasst wiedergegebenen Länderfeststellungen des angefochtenen Bescheides zu verweisen, aus denen sich ergibt, dass sich die Situation diesbezüglich gebessert hat, und Dublin-Rückkehrer, deren Vorbringen in Ungarn zuvor nicht inhaltlich untersucht und entschieden worden sind, nun nach ihrer Rückkehr - sofern sie dies formal beantragen - Zugang zu einer inhaltlichen Entscheidung haben und diese Entscheidung abwarten dürfen.
Soweit sich die Beschwerde schließlich auch allgemein mit dem Problem der Obdachlosigkeit von Fremden in Ungarn auseinandersetzt, ist festzustellen, dass das Vorbringen der beschwerdeführenden Partei betreffend die soziale Lage anerkannter Flüchtlinge in Ungarn zu vage geblieben ist, um auf einen systemischen Mangel im Asylwesen und den Versorgungsbedingungen von Asylwerbern in Ungarn hinzuweisen. Sie bringt jedoch darüber hinaus auch keine in ihrer Person liegenden Gründe vor, weswegen ihre Situation als potentiell anerkannter Flüchtling in Ungarn grundrechtswidrig sein könnte.
Die beschwerdeführende Partei hat weder im erstinstanzlichen Verfahren noch in der Beschwerde gesundheitliche Probleme in Österreich vorgebracht.
Zu A) Abweisung der Beschwerde:
Den Erwägungen werden die folgenden allgemeinen Ausführungen zu Grunde gelegt:
1. Das Asylgesetz 2005 (AsylG 2005) ist im vorliegenden Fall in der Fassung nach dem Bundesgesetz BGBl. I Nr. 144/2013 anzuwenden. Die maßgeblichen Bestimmungen lauten:
"§ 5 (1) Ein nicht gemäß §§ 4 oder 4a erledigter Antrag auf internationalen Schutz ist als unzulässig zurückzuweisen, wenn ein anderer Staat vertraglich oder auf Grund der Dublin-II-VO zur Prüfung des Asylantrages oder des Antrages auf internationalen Schutz zuständig ist. Mit der Zurückweisungsentscheidung ist auch festzustellen, welcher Staat zuständig ist. Eine Zurückweisung des Antrages hat zu unterbleiben, wenn im Rahmen einer Prüfung des § 9 Abs. 2 BFA-VG festgestellt wird, dass eine mit der Zurückweisung verbundene Anordnung zur Außerlandesbringung zu einer Verletzung von Art. 8 EMRK führen würde. ...
(3) Sofern nicht besondere Gründe, die in der Person des Asylwerbers gelegen sind, glaubhaft gemacht werden oder beim Bundesamt oder beim Bundesverwaltungsgericht offenkundig sind, die für die reale Gefahr des fehlenden Schutzes vor Verfolgung sprechen, ist davon auszugehen, dass der Asylwerber in einem Staat nach Abs. 1 Schutz vor Verfolgung findet.
§ 10 (1) Eine Entscheidung nach diesem Bundesgesetz ist mit einer Rückkehrentscheidung oder einer Anordnung zur Außerlandesbringung gemäß dem 8. Hauptstück des FPG zu verbinden, wenn
1. der Antrag auf internationalen Schutz gemäß §§ 4 oder 4a zurückgewiesen wird,
2. der Antrag auf internationalen Schutz gemäß § 5 zurückgewiesen wird, ...
und in den Fällen der Z 1 und 3 bis 5 von Amts wegen ein Aufenthaltstitel gemäß § 57 nicht erteilt wird sowie in den Fällen der Z 1 bis 5 kein Fall der §§ 8 Abs. 3a oder 9 Abs. 2 vorliegt. ...
§ 24 (1) ...
(2) Asylverfahren sind einzustellen, wenn sich der Asylwerber dem Verfahren entzogen hat (Abs. 1) und eine Entscheidung ohne eine allenfalls weitere Einvernahme oder Verhandlung nicht erfolgen kann.
(3) Steht der entscheidungsrelevante Sachverhalt fest und hat sich der Asylwerber dem Verfahren entzogen (Abs. 1), steht die Tatsache, dass der Asylwerber vom Bundesamt oder vom Bundesverwaltungsgericht bisher nicht einvernommen wurde, einer Entscheidung nicht entgegen.
§ 75 (1) ...
(19) Alle mit Ablauf des 31. Dezember 2013 beim Asylgerichtshof anhängigen Beschwerdeverfahren sind ab 1. Jänner 2014 vom Bundesverwaltungsgericht nach Maßgabe des Abs. 20 zu Ende zu führen."
2. § 9 Abs. 1 und 2 BFA-Verfahrensgesetz (BFA-VG) idF BGBl. I Nr. 144/2013 lautet:
"§ 9 (1) Wird durch eine Rückkehrentscheidung gemäß § 52 FPG, eine Anordnung zur Außerlandesbringung gemäß § 61 FPG, eine Ausweisung gemäß § 66 FPG oder ein Aufenthaltsverbot gemäß § 67 FPG in das Privat- oder Familienleben des Fremden eingegriffen, so ist die Erlassung der Entscheidung zulässig, wenn dies zur Erreichung der im Art. 8 Abs. 2 EMRK [Europäische Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten, in der Folge: "EMRK"] genannten Ziele dringend geboten ist.
(2) Bei der Beurteilung des Privat- und Familienlebens im Sinne des Art. 8 EMRK sind insbesondere zu berücksichtigen:
1. die Art und Dauer des bisherigen Aufenthaltes und die Frage, ob der bisherige Aufenthalt des Fremden rechtswidrig war,
2. das tatsächliche Bestehen eines Familienlebens,
3. die Schutzwürdigkeit des Privatlebens,
5. die Bindungen zum Heimatstaat des Fremden,
6. die strafgerichtliche Unbescholtenheit,
7. Verstöße gegen die öffentliche Ordnung, insbesondere im Bereich des Asyl-, Fremdenpolizei- und Einwanderungsrechts,
8. die Frage, ob das Privat- und Familienleben des Fremden in einem Zeitpunkt entstand, in dem sich die Beteiligten ihres unsicheren Aufenthaltsstatus bewusst waren,
9. die Frage, ob die Dauer des bisherigen Aufenthaltes des Fremden in den Behörden zurechenbaren überlangen Verzögerungen begründet ist."
3. § 61 Fremdenpolizeigesetz 2005 (FPG) idF BGBl. I Nr. 87/2012 lautet:
"§ 61 (1) Das Bundesamt hat gegen einen Drittstaatsangehörigen eine Außerlandesbringung anzuordnen, wenn
1. dessen Antrag auf internationalen Schutz gemäß §§ 4a oder 5 AsylG 2005 zurückgewiesen wird oder nach jeder weiteren, einer zurückweisenden Entscheidung gemäß §§ 4a oder 5 AsylG 2005 folgenden, zurückweisenden Entscheidung gemäß § 68 Abs. 1 AVG oder
(2) Eine Anordnung zur Außerlandesbringung hat zur Folge, dass eine Abschiebung des Drittstaatsangehörigen in den Zielstaat zulässig ist. Die Anordnung bleibt binnen 18 Monaten ab Ausreise des Drittstaatsangehörigen aufrecht.
(3) Wenn die Durchführung der Anordnung zur Außerlandesbringung aus Gründen, die in der Person des Drittstaatsangehörigen liegen, eine Verletzung von Art. 3 EMRK darstellen würde und diese nicht von Dauer sind, ist die Durchführung für die notwendige Zeit aufzuschieben.
(4) Die Anordnung zur Außerlandesbringung tritt außer Kraft, wenn das Asylverfahren gemäß § 28 AsylG 2005 zugelassen wird."
4. Hinsichtlich der Anwendbarkeit der Dublin-II-VO normiert Art. 49 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 ("Dublin-III-VO") vom 26.06.2013 in seinem dritten Satz, dass für einen Antrag auf internationalen Schutz, der vor der Anwendbarkeit der gegenständlichen Verordnung eingereicht wird, die Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats nach den Kriterien der Dublin-II-VO erfolgt.
Die daher maßgeblichen Bestimmungen der Dublin-II-VO lauten:
Gemäß Art. 3 Abs. 1 Dublin-II-VO prüfen die Mitgliedstaaten jeden Asylantrag, den ein Drittstaatsangehöriger an der Grenze oder im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats stellt. Der Antrag wird von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III der Verordnung als zuständiger Staat bestimmt wird.
Nach Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO kann abweichend von Abs. 1 jeder Mitgliedstaat einen von einem Drittstaatsangehörigen eingereichten Asylantrag prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist. Der betreffende Mitgliedstaat wird dadurch zum zuständigen Mitgliedstaat im Sinne dieser Verordnung und übernimmt die mit dieser Zuständigkeit einhergehenden Verpflichtungen. Gegebenenfalls unterrichtet er den zuvor zuständigen Mitgliedstaat, den Mitgliedstaat, der ein Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates durchführt, oder den Mitgliedstaat, an den ein Aufnahme- oder Wiederaufnahmegesuch gerichtet wurde.
In den Art. 5 ff Dublin-II-VO werden die Kriterien aufgezählt, nach denen der zuständige Mitgliedstaat bestimmt wird.
Art. 10 Abs. 1 Dublin-II-VO lautet: "Wird auf der Grundlage von Beweismitteln oder Indizien gemäß den beiden in Art. 18 Abs. 3 genannten Verzeichnissen, einschließlich der Daten nach Kapitel III der Verordnung (EG) Nr. 2725/2000 festgestellt, dass ein Asylbewerber aus einem Drittstaat kommend die Land-, See- oder Luftgrenze eines Mitgliedstaats illegal überschritten hat, so ist dieser Mitgliedstaat für die Prüfung des Asylantrags zuständig. Die Zuständigkeit endet zwölf Monate nach dem Tag des illegalen Grenzübertritts."
Nach Art. 16 Abs. 1 Dublin-II-VO ist der Mitgliedstaat, der nach der vorliegenden Verordnung zur Prüfung des Asylantrags zuständig ist, gehalten:
a) einen Asylbewerber, der in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat, nach Maßgabe der Art. 17 bis 19 aufzunehmen;
b) die Prüfung des Asylantrags abzuschließen;
c) einen Antragsteller, der sich während der Prüfung seines Antrags unerlaubt im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats aufhält, nach Maßgabe des Art. 20 wieder aufzunehmen;
d) einen Asylbewerber, der seinen Antrag während der Antragsprüfung zurückgezogen und in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat, nach Maßgabe des Art. 20 wieder aufzunehmen;
e) einen Drittstaatsangehörigen, dessen Antrag er abgelehnt hat und der sich unerlaubt im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats aufhält, nach Maßgabe des Art. 20 wieder aufzunehmen.
5. Zur Frage einer Grundrechtsverletzung im Falle einer Überstellung nach Ungarn und der damit zusammenhängenden Möglichkeit einer Verpflichtung Österreichs, vom Selbsteintrittsrecht nach Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO Gebrauch zu machen, wird allgemein ausgeführt:
Nach der Rechtsprechung des Verfassungsgerichtshofes (z. B. VfGH 17.06.2005, B 336/05; 15.10.2004, G 237/03) und des Verwaltungsgerichtshofes (z. B. VwGH 23.01.2007, 2006/01/0949; 25.04.2006, 2006/19/0673) ist aus innerstaatlichen verfassungsrechtlichen Gründen das Selbsteintrittsrecht zwingend auszuüben, sollte die innerstaatliche Überprüfung der Auswirkungen einer Überstellung ergeben, dass Grundrechte des betreffenden Asylwerbers bedroht wären, etwa durch eine Kettenabschiebung.
Der Gerichtshof der Europäischen Union (in Folge kurz: "EuGH") sprach in seinem Urteil vom 10.12.2013, C-394/12, Shamso Abdullahi/Österreich, aus, Art. 19 Abs. 2 Dublin-II-VO sei dahin auszulegen, dass in einem Fall, in dem ein Mitgliedstaat der Aufnahme eines Asylbewerbers nach Maßgabe des in Art. 10 Abs. 1 der Verordnung niedergelegten Kriteriums zugestimmt hat, der Asylbewerber der Heranziehung dieses Kriteriums nur damit entgegentreten kann, dass er systemische Mängel des Asylverfahrens und der Aufnahmebedingungen für Asylbewerber in diesem Mitgliedstaat geltend macht, die ernsthafte und durch Tatsachen bestätigte Gründe für die Annahme darstellen, dass er tatsächlich Gefahr läuft, einer unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (in der Folge: "GRC") ausgesetzt zu werden.
Mit der Frage, ab welchem Ausmaß von festgestellten Mängeln im Asylsystem des zuständigen Mitgliedstaates der Union ein Asylwerber von einem anderen Aufenthaltsstaat nicht mehr auf die Inanspruchnahme des Rechtsschutzes durch die innerstaatlichen Gerichte im zuständigen Mitgliedstaat und letztlich den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (in Folge kurz: "EGMR) zur Wahrnehmung seiner Rechte verwiesen werden darf, sondern vielmehr vom Aufenthaltsstaat zwingend das Selbsteintrittsrecht nach Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO auszuüben ist, hat sich der EuGH in seinem Urteil vom 21.12.2011, C-411/10 und C-493/10, N.S./Vereinigtes Königreich, befasst und, ausgehend von der Rechtsprechung des EGMR im Urteil vom 21.01.2011, 30696/09, M.S.S./Belgien und Griechenland, ausdrücklich ausgesprochen, dass nicht jede Verletzung eines Grundrechtes durch den zuständigen Mitgliedstaat (Rn. 82 bis 85), sondern erst systemische Mängel im Asylverfahren und den Aufnahmebedingungen für Asylbewerber im zuständigen Mitgliedstaat die Ausübung des Selbsteintrittsrechtes durch den Aufenthaltsstaat gebieten (Rn. 86):
"84. Es wäre auch nicht mit den Zielen und dem System der Verordnung Nr. 343/2003 vereinbar, wenn der geringste Verstoß gegen die Richtlinien 2003/9, 2004/83 oder 2005/85 genügen würde, um die Überstellung eines Asylbewerbers an den normalerweise zuständigen Mitgliedstaat zu vereiteln. Mit der Verordnung Nr. 343/2003 soll nämlich, ausgehend von der Vermutung, dass die Grundrechte des Asylbewerbers in dem normalerweise für die Entscheidung über seinen Antrag zuständigen Mitgliedstaat beachtet werden, wie in den Nrn. 124 und 125 der Schlussanträge in der Rechtssache C-411/10 ausgeführt worden ist, eine klare und praktikable Methode eingerichtet werden, mit der rasch bestimmt werden kann, welcher Mitgliedstaat für die Entscheidung über einen Asylantrag zuständig ist. Zu diesem Zweck sieht die Verordnung Nr. 343/2003 vor, dass für die Entscheidung über in einem Land der Union gestellte Asylanträge nur ein Mitgliedstaat zuständig ist, der auf der Grundlage objektiver Kriterien bestimmt wird.
85. Wenn aber jeder Verstoß des zuständigen Mitgliedstaats gegen einzelne Bestimmungen der Richtlinien 2003/9, 2004/83 oder 2005/85 zur Folge hätte, dass der Mitgliedstaat, in dem ein Asylantrag eingereicht wurde, daran gehindert wäre, den Antragsteller an den erstgenannten Staat zu überstellen, würde damit den in Kapitel III der Verordnung Nr. 343/2003 genannten Kriterien zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats ein zusätzliches Ausschlusskriterium hinzugefügt, nach dem geringfügige Verstöße gegen die Vorschriften dieser Richtlinien in einem bestimmten Mitgliedstaat dazu führen könnten, dass er von den in dieser Verordnung vorgesehenen Verpflichtungen entbunden wäre. Dies würde die betreffenden Verpflichtungen in ihrem Kern aushöhlen und die Verwirklichung des Ziels gefährden, rasch den Mitgliedstaat zu bestimmen, der für die Entscheidung über einen in der Union gestellten Asylantrag zuständig ist.
86. Falls dagegen ernsthaft zu befürchten wäre, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Asylbewerber im zuständigen Mitgliedstaat systemische Mängel aufweisen, die eine unmenschliche oder erniedrigende Behandlung der an diesen Mitgliedstaat überstellten Asylbewerber im Sinne von Art. 4 der Charta implizieren, so wäre die Überstellung mit dieser Bestimmung unvereinbar. ...
88. Bei einem Sachverhalt, der denen der Ausgangsverfahren gleicht, nämlich einer Überstellung eines Asylbewerbers an Griechenland, den im Sinne der Verordnung Nr. 343/2003 zuständigen Mitgliedstaat, im Juni 2009, hat der EGMR u. a. entschieden, dass das Königreich Belgien gegen Art. 3 EMRK verstoßen habe, indem es den Beschwerdeführer zum einen den sich aus den Mängeln des Asylverfahrens in Griechenland ergebenden Risiken ausgesetzt habe, da die belgischen Behörden gewusst hätten oder hätten wissen müssen, dass eine gewissenhafte Prüfung seines Asylantrags durch die griechischen Behörden in keiner Weise gewährleistet gewesen sei, und indem es ihn zum anderen wissentlich Haft- und Existenzbedingungen ausgesetzt habe, die eine erniedrigende Behandlung darstellten (Urteil des EGMR vom 21. Januar 2011, M.S.S./Belgien und Griechenland, noch nicht im Recueil des arrêts et décisions veröffentlicht, §§ 358, 360 und 367).
89. Das in jenem Urteil beschriebene Ausmaß der Beeinträchtigung der Grundrechte zeugt von einer systemischen Unzulänglichkeit des Asylverfahrens und der Aufnahmebedingungen für Asylbewerber in Griechenland zur Zeit der Überstellung des Beschwerdeführers M.S.S.
90. Für den Befund, dass die Risiken für den Beschwerdeführer hinreichend erwiesen seien, hat der EGMR die regelmäßigen und übereinstimmenden Berichte von internationalen Nichtregierungsorganisationen, in denen auf die praktischen Schwierigkeiten bei der Anwendung des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems in Griechenland hingewiesen wurden, die an den zuständigen belgischen Minister gesandten Schreiben des UN-Flüchtlingshochkommissariats, aber auch die Berichte der Kommission zur Bewertung des Dublin-Systems und die Vorschläge zur Überarbeitung der Verordnung Nr. 343/2003 zwecks der Steigerung der Wirksamkeit dieses Systems und der Stärkung des tatsächlichen Grundrechtsschutzes (Urteil M.S.S./Belgien und Griechenland, §§ 347 bis 350) berücksichtigt. ...
105. In Anbetracht dessen ist auf die vorgelegten Fragen zu antworten, dass das Unionsrecht der Geltung einer unwiderlegbaren Vermutung entgegensteht, dass der im Sinne von Art. 3 Abs. 1 der Verordnung Nr. 343/2003 als zuständig bestimmte Mitgliedstaat die Unionsgrundrechte beachtet.
106. Art. 4 der Charta ist dahin auszulegen, dass es den Mitgliedstaaten einschließlich der nationalen Gerichte obliegt, einen Asylbewerber nicht an den "zuständigen Mitgliedstaat" im Sinne der Verordnung Nr. 343/2003 zu überstellen, wenn ihnen nicht unbekannt sein kann, dass die systemischen Mängel des Asylverfahrens und der Aufnahmebedingungen für Asylbewerber in diesem Mitgliedstaat ernsthafte und durch Tatsachen bestätigte Gründe für die Annahme darstellen, dass der Antragsteller tatsächlich Gefahr läuft, einer unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung im Sinne dieser Bestimmung ausgesetzt zu werden.
107. Ist die Überstellung eines Antragstellers an einen anderen Mitgliedstaat der Union, wenn dieser Staat nach den Kriterien des Kapitels III der Verordnung Nr. 343/2003 als zuständiger Mitgliedstaat bestimmt worden ist, nicht möglich, so hat der Mitgliedstaat, der die Überstellung vornehmen müsste, vorbehaltlich der Befugnis, den Antrag im Sinne des Art. 3 Abs. 2 dieser Verordnung selbst zu prüfen, die Prüfung der Kriterien des genannten Kapitels fortzuführen, um festzustellen, ob anhand eines der weiteren Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als für die Prüfung des Asylantrags zuständig bestimmt werden kann.
108. Der Mitgliedstaat, in dem sich der Asylbewerber befindet, hat jedoch darauf zu achten, dass eine Situation, in der die Grundrechte des Asylbewerbers verletzt werden, nicht durch ein unangemessen langes Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats verschlimmert wird. Erforderlichenfalls muss er den Antrag nach den Modalitäten des Art. 3 Abs. 2 der Verordnung Nr. 343/2003 selbst prüfen."
6. Gemäß Art. 4 GRC und Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
Und schließlich garantieren Art. 7 GRC und Art. 8 EMRK ein Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens.
Diese allgemeinen Ausführungen finden auf die Beschwerde Anwendung wie folgt:
Wie unter dem Vorstehenden zu Feststellungen und Beweiswürdigung ausgeführt geht das Bundesverwaltungsgericht davon aus, dass die beschwerdeführende Partei einen Asylantrag in Ungarn stellte. Auf Basis des EURODAC-Treffers nahm die belangte Behörde ein Konsultationsverfahren mit Ungarn auf, und erklärte sich Ungarn ausdrücklich zur Wiederaufnahme der beschwerdeführenden Partei bereit. An einer Zuständigkeit Ungarns in Folge einer Asylantragstellung dort durch die beschwerdeführende Partei wird daher seitens des Bundesverwaltungsgerichtes nicht gezweifelt (siehe dazu auch AsylGH 26.11.2013, S7 438.673). Daran ändert auch eine erstmalige Antragstellung durch die beschwerdeführende Partei in Griechenland nichts, da Ungarn bereits in ein inhaltliches Asylverfahren betreffend die beschwerdeführende Partei eingetreten ist.
Der Vollständigkeit halber wird angeführt, dass im Lichte der Entscheidung des Gerichtshofes der Europäischen Union vom 10.12.2013, C-394/12, Shamso Abdullahi/Österreich, eine Überprüfungsmöglichkeit der Zuständigkeitsfeststellung der belangten Behörde durch das Bundesverwaltungsgericht regelmäßig (nach Zustimmung eines anderen Mitgliedstaates) nur unter den dort genannten engen (oder zumindest vergleichbaren) Prämissen möglich zu sein scheint. Eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Frage, ob der gegenständliche Sachverhalt mit jenem im Fall Abdullahi ausreichend vergleichbar ist, um eine Anwendbarkeit des dort entwickelten Rechtssatzes nach sich zu ziehen, kann jedoch deswegen entfallen, da das Bundesverwaltungsgericht an der Asylantragstellung der beschwerdeführenden Partei in Ungarn und an der fehlerfreien Führung des gegenständlichen Konsultationsverfahrens nicht zweifelt.
2. Zu einer möglichen Verletzung von Art. 4 GRC bzw. Art. 3 EMRK:
Vorausgeschickt wird, dass das Bundesverwaltungsgericht zum heutigen Datum auch in Kenntnis der aktuellen Berichtslage (weiterhin) nicht davon ausgeht, dass Überstellungen nach Ungarn allgemein die EMRK oder GRC verletzen (siehe dazu auch das Urteil des EGMR vom 06.06.2013, Rs 2293/12 Mohammed/Österreich; Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg, Beschluss vom 06.08.2013, 12 S 675/13; Schweizerisches Bundesverwaltungsgericht, Entscheid vom 09.10.2013, E-2093/2012 sowie AsylGH 05.09.2013, S6 436.027-1/2013 und 07.08.2013, S1 436.889-1/2013).
Es ist zunächst festzuhalten, dass der angefochtene Bescheid ausführliche und aktuelle Feststellungen zum ungarischen Asylwesen sowie zu den Aufnahmebedingungen für Asylwerber in Ungarn getroffen hat. Insbesondere berücksichtigen diese Feststellungen auch die am 01.07.2013 in Kraft getretene Novelle des ungarischen Asylrechts. Aus den Feststellungen wird deutlich, dass das ungarische Asylwesen starker Kritik ausgesetzt war, dass aber dennoch ein Vergleich mit den systemischen Mängeln, wie sie in Griechenland bestanden haben und bestehen, nicht gerechtfertigt ist. Der beschwerdeführenden Partei ist es nicht gelungen, diesen Feststellungen ausreichend begründet entgegen zu treten.
Betreffend den Verweis der beschwerdeführenden Partei auf das Erkenntnis des VG Hannover vom 08.03.2013 (gemeint wohl: 18.03.2013) wird auf die oben angeführte rezentere Judikatur aus Deutschland und der Schweiz verwiesen. Gerade das Schweizerische Bundesverwaltungsgericht untersucht die Neuerungen zum 01.07.2013 im Detail und schließt Kritik von Nichtregierungsorganisationen und des UNHCR in seine Analyse mit ein. Im Ergebnis anerkennt das Schweizerische Bundesverwaltungsgericht die Notwendigkeit, die Entwicklung in Ungarn betreffend Inhaftnahmen und gerichtliche Überprüfungsmöglichkeiten von Inhaftierungen und Haftdauer, wie auch Unterbringungsbedingungen in Ungarn vor allem in Hinblick auf vulnerable Personen, zu beobachten, stellt jedoch (auch) fest, dass es zur Zeit keinen Hinweis auf systemische Mängel im Asylsystem wie auch im Aufnahmesystem in Ungarn gibt (Schweizerisches Bundesverwaltungsgericht, Entscheid vom 09.10.2013, E-2093/2012, S. 19ff, bestätigt durch das Urteil vom 05.12.2013 des Schweizerischen Bundesverwaltungsgericht zu E-6059/2013). Das Bundesverwaltungsgericht weist in diesem Zusammenhang insbesondere darauf hin, dass das UNHCR - im Gegensatz zu seiner erst kürzlich ergangenen Note zu Bulgarien - nach wie vor keine Empfehlung an die EU Mitgliedstaaten ausgegeben hat, wonach von Überstellungen nach Ungarn aufgrund akuter und systemischer Probleme im dortigen Asylsystem und Aufnahmewesen Abstand zu nehmen wäre.
Wenn in diesem Zusammenhang in der Beschwerde auch eine Verschlechterung der Lage durch die Zunahme an Asylanträgen in der ersten Hälfte des Jahres 2013 vorgebracht wird, so ist auf die Feststellungen des angefochtenen Bescheides zu verweisen, wonach sich die Unterbringungssituation durch die Abnahme der Neuanträge im weiteren Verlauf des Jahres 2013 wieder deutlich entspannt hat.
Im Zusammenhang mit einer möglichen Inhaftierung ist zunächst festzuhalten, dass der Umstand, dass ein Asylwerber nach einer Dublin-Rückstellung in Haft genommen werden könnte, alleine nicht ausreicht, eine Überstellung nach der Dublin-II-VO für unzulässig zu erklären (vgl. VwGH 31.05.2005, Zl. 2005/20/0095). Das UNHCR hat sich in seiner Stellungnahme vom 12.04.2013 im Detail mit dem Entwurf eines neuen Asylgesetzes in Ungarn und den darin enthaltenen Bestimmungen zur Inhaftierung von Asylsuchenden auseinandergesetzt (siehe UNHCR comments and recommendations on the draft modification of certain migrant-related legislative acts for the purpose of legal harmonisation, 12.04.2013). Das Bundesverwaltungsgericht verkennt nicht, dass das UNHCR die Umsetzung der Recast Reception Conditions Directive (später Richtlinie 2013/33/EU des europäischen Parlaments und Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (Neufassung)) durch Ungarn als einseitig kritisiert und gerade bei der Neufassung von Haftgründen feststellt, dass diese teilweise zu vage formuliert und daher offen für zu weitreichende Interpretationen sind. Für das Bundesverwaltungsgericht noch von größerer Bedeutung ist die Anmerkung des UNHCR, dass die Effektivität der gerichtlichen Kontrolle weiterhin Bedenken verursacht. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher - im Einklang mit der oben zitierten Entscheidung des Schweizerischen Bundesverwaltungsgerichts - der Ansicht, dass die weitere Entwicklung der Haftpraxis und der gerichtlichen Kontrolle von Inhaftierungen und Verlängerungen von Haftdauern in Ungarn beobachtet werden muss. Andererseits stellt das Bundesverwaltungsgericht an dieser Stelle erneut fest, dass das UNHCR auch in Hinblick auf diese erwähnten Gesetzesänderungen keine Empfehlung ausgesprochen hat, Asylsuchende im Rahmen der Dublin-II-VO nicht mehr nach Ungarn zu überstellen. Im Ergebnis geht es daher davon aus, dass die Gesetzesänderungen des ungarischen Asylwesens aus dem Juli 2013 und ihre Anwendung in der Praxis zurzeit keinen Hinweis auf einen systemischen Mangel beinhalten. Darüber hinaus wird die beschwerdeführende Partei im Falle einer Inhaftierung in Ungarn auf die dort gesetzlich vorgesehenen Beschwerdemöglichkeiten verwiesen.
Aus dem beschwerdegegenständlichen Vorbringen ergibt sich daher weder eine systemische noch eine individuell drohende Behandlung der beschwerdeführenden Partei in Ungarn, die Art. 4 GRC bzw. Art 3 EMRK entgegen stehen würde, weshalb die Rechtsvermutung des § 5 Abs. 3 AsylG 2005 zur Anwendung kommt, wonach ein Asylwerber im zuständigen Mitgliedstaat Schutz vor Verfolgung findet.
Jedenfalls hat die beschwerdeführende Partei die Möglichkeit, etwaige konkret drohende oder eingetretene Verletzungen in ihren Rechten, etwa durch eine unmenschliche Behandlung im Sinn des Art. 3 EMRK, bei den zuständigen Behörden in Ungarn und letztlich beim EGMR, insbesondere auch durch Beantragung einer vorläufigen Maßnahme gemäß Art. 39 EGMR-VerfO, geltend zu machen.
3. Zu einer möglichen Verletzung von Art. 7 GRC bzw. Art. 8 EMRK:
Im vorliegenden Fall wurde ein schützenswertes Privat- oder Familienleben der beschwerdeführenden Partei in Österreich nicht dargelegt.
4. Das Bundesverwaltungsgericht gelangt daher insgesamt zu dem Ergebnis, dass im Falle der Überstellung der beschwerdeführenden Partei in Vollziehung der Dublin-II-VO nach Ungarn keine Verletzung von Bestimmungen der GRC oder der EMRK zu befürchten ist. Daher bestand auch keine Veranlassung, von dem in Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO vorgesehenen Selbsteintrittsrecht Gebrauch zu machen und eine inhaltliche Prüfung des Antrages auf internationalen Schutz vorzunehmen.
5. Die Voraussetzungen für die Zuerkennung der aufschiebenden Wirkung gemäß § 17 BFA-VG lagen nicht vor. Eine mündliche Verhandlung konnte gemäß § 21 Abs. 7 BFA-VG unterbleiben. Von einer Einstellung des Verfahrens aufgrund der Abwesenheit der beschwerdeführenden Partei wurde abgesehen, da der entscheidungsrelevante Sachverhalt feststand (§ 24 Abs. 3 AsylG 2005).
Zu B) Unzulässigkeit der Revision:
Gemäß § 25a Abs. 1 VwGG hat das Verwaltungsgericht im Spruch seines Erkenntnisses oder Beschlusses auszusprechen, ob die Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG zulässig ist. Der Ausspruch ist kurz zu begründen. Nach Art. 133 Abs. 4 erster Satz B-VG idF BGBl. I Nr. 51/2012 ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird.
Im vorliegenden Fall ist die ordentliche Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig, weil die Entscheidung nicht von der Lösung einer Rechtsfrage grundsätzlicher Bedeutung abhängt. Das Bundesverwaltungsgericht konnte sich bei allen erheblichen Rechtsfragen auf eine ständige Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes bzw. auf eine ohnehin klare Rechtslage stützen. Die maßgebliche Rechtsprechung, im konkreten Fall des Gerichtshofes der Europäischen Union und des EGMR, des Verwaltungsgerichtshofs und des Verfassungsgerichtshofs, wurde bei den Erwägungen zu den einzelnen Spruchpunkten des angefochtenen Bescheides wiedergegeben.
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