Revision admitted due to post-decision divergence

BVerwG 1 B 25/17, 1 B 25/17 (1 C 12/17)Bverwg / 1a divisione8 giu 2017Granted

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Federal Administrative Court granted the defendant's complaint and admitted the revision. It held that the Higher Administrative Court had diverged from the court's later case law on how § 31(3) AsylG is to be applied in cases of inadmissible asylum applications: the relevant assessment concerns the target state of removal, and a removal order is not unlawful merely because the decision lacks an express finding on national removal bans under § 60(5) and (7) AufenthG. Because revision was already admissible on this ground, the court did not examine the remaining objections.

Massima Omnilex

§ 132 Abs. 2 Nr. 2 VwGO; nachträgliche Divergenz als Zulassungsgrund; § 31 Abs. 3 AsylG, § 34a AsylG, § 35 AsylG, § 60 Abs. 5 und 7 AufenthG. Eine Revision ist zuzulassen, wenn das Berufungsurteil einen abstrakten Rechtssatz aufstellt, der von einem nach der Entscheidung ergangenen, aber für die Divergenzprüfung maßgeblichen Rechtssatz des Bundesverwaltungsgerichts abweicht. In Fällen unzulässiger Asylanträge nach § 29 Abs. 1 Nr. 1 bis 4 AsylG bezieht sich die nach § 31 Abs. 3 Satz 1 AsylG gebotene Prüfung nationaler Abschiebungsverbote nicht auf den Herkunftsstaat, sondern auf den Zielstaat der Überstellung bzw. Abschiebung. Eine Abschiebungsanordnung nach § 34a AsylG oder -androhung nach § 35 AsylG ist nicht schon deshalb rechtswidrig, weil im Bescheid eine ausdrückliche Feststellung zu § 60 Abs. 5 oder 7 AufenthG fehlt.

Testo completo

BVerwG — 1 B 25/17, 1 B 25/17 (1 C 12/17), Beschluss

Entscheidungsdatum: 2017-06-08

Aktenzeichen: 1 B 25/17, 1 B 25/17 (1 C 12/17)

ECLI: ECLI:DE:BVerwG:2017:080617B1B25.17.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 31 Abs 3 S 1 AsylVfG 1992, § 34a AsylVfG 1992, § 35 AsylVfG 1992, § 60 Abs 7 AufenthG, § 60 Abs 5 AufenthG, § 132 Abs 2 Nr 2 VwGO, § 133 Abs 3 S 3 VwGO

Vorinstanz: vorgehend Oberverwaltungsgericht des Saarlandes, 13. Dezember 2016, Az: 2 A 277/16, Urteilvorgehend Verwaltungsgericht des Saarlandes, 9. Juni 2016, Az: 3 K 558/16, Urteil

Spruchkörper: 1. Senat

Titelzeile

Revisionszulassung; nachträgliche Divergenz; Rechtswidrigkeit einer Abschiebungsanordnung bzw. -androhung

Gründe

1 Die Beschwerde der Beklagten ist zulässig und begründet. Die Revision ist nach § 132 Abs. 2 Nr. 2 VwGO wegen nachträglicher Divergenz zuzulassen.

2 Mit Beschluss vom 3. April 2017 - 1 C 9.16 - hat der Senat entschieden, dass die nach § 31 Abs. 3 Satz 1 AsylG zu treffende Feststellung, ob die Voraussetzungen des § 60 Abs. 5 oder 7 AufenthG vorliegen, sich in Fällen unzulässiger Asylanträge nach § 29 Abs. 1 Nr. 1 bis 4 AsylG nicht auf den Herkunftsstaat des Asylbewerbers, sondern auf den Zielstaat der Überstellung bzw. Abschiebung bezieht und eine Abschiebungsanordnung nach § 34a AsylG bzw. eine Abschiebungsandrohung nach § 35 AsylG nicht allein deswegen rechtswidrig ist, weil in dem Bescheid die gemäß § 31 Abs. 3 Satz 1 AsylG vorgesehene Feststellung zu nationalen Abschiebungsverboten nach § 60 Abs. 5 und 7 AufenthG fehlt. Von diesem Rechtssatz weicht das Urteil des Oberverwaltungsgerichts ab. Ihm lässt sich ein Rechtssatz des Inhalts entnehmen, dass die in einem Bescheid, der einen Asylantrag als unzulässig ablehnt, enthaltene Abschiebungsandrohung schon dann rechtswidrig ist, wenn das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge der Beklagten keine Feststellung über das Vorliegen bzw. Nichtvorliegen der nationalen Abschiebungsverbote nach § 60 Abs. 5 oder 7 AufenthG getroffen hat. In Bezug auf diese Frage hatte die Beschwerde der Beklagten die erhobene Grundsatzrüge auch in einer den Anforderungen des § 133 Abs. 3 Satz 3 VwGO entsprechenden Weise begründet; die Voraussetzungen einer Revisionszulassung unter dem Gesichtspunkt nachträglicher Divergenz (s. BVerwG, Beschluss vom 6. April 2009 - 10 B 62.08) liegen mithin vor.

3 Ist die Revision in dem Umfange, in dem die Berufung der Beklagten zurückgewiesen worden ist, bereits aus diesem Grunde zuzulassen, bedürfen die weiterhin von der Beklagten erhobenen Rügen keiner Bescheidung.

Parole chiave

revision admissibilitypost-decision divergenceasylumremoval ordernational removal banstarget statenon-admission complaint

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether revision had to be admitted because the appellate judgment diverged from later Federal Administrative Court case law on § 31(3) AsylG and removal orders.

Decisione estratta

Yes. The Higher Administrative Court adopted a legal view that differed from the Federal Administrative Court's later decision; revision was therefore admissible under § 132(2) No. 2 VwGO.

Motivazione estratta

The court held that, in inadmissible asylum cases, the assessment under § 31(3) AsylG concerns the receiving state, not the country of origin, and that a removal order is not unlawful solely because the decision lacks an express finding on national removal bans under § 60(5) and (7) AufenthG. The appellate judgment took a contrary position, creating post-decision divergence.

Questione giuridica chiave

Whether the defendant's additional complaints required separate examination after revision was already admitted for divergence.

Decisione estratta

No. Once revision was admitted on that ground, the remaining complaints did not need to be addressed.

Motivazione estratta

Admission of revision for the part in which the appeal had been rejected made further review unnecessary at this stage.

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