Non-admission complaint rejected for no procedural error

BFH IX B 66/16Bfh / Division 92 set 2016Dismissed

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Federal Fiscal Court rejected the taxpayers’ complaint against non-admission of revision as unfounded. It held that the Finance Court had not violated its duty to investigate facts: a foreign witness must be produced by the parties, the alleged error in evaluating a written confirmation did not concern a procedural defect, and the request to obtain old tax files was insufficiently substantiated. Costs were imposed on the taxpayers.

Massima Omnilex

§ 76 Abs. 1 S. 1 FGO, § 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO; duty of investigation and admissibility of revision for procedural defect. The court of facts must clarify the case ex officio by exhausting available evidence only insofar as the need for clarification is triggered by the file contents, party submissions, or other circumstances; the choice and manner of evidence-taking lie within the court’s proper discretion. It has no duty to investigate a matter 'into the blue'. Foreign-based witnesses are not to be summoned by the court but must be produced by the party requesting the testimony at the hearing. A complaint directed merely against the court’s assessment of evidence cannot establish a procedural defect.

Testo completo

BFH — IX B 66/16, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-09-02

Aktenzeichen: IX B 66/16

ECLI: ECLI:DE:BFH:2016:B.020916.IXB66.16.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 76 Abs 1 S 1 FGO, § 115 Abs 2 Nr 3 FGO

Vorinstanz: vorgehend Finanzgericht Berlin-Brandenburg, 12. Mai 2016, Az: 13 K 13306/14, Urteil

Spruchkörper: 9. Senat

Titelzeile

Pflicht zur Beiziehung von Akten, Verletzung der Sachaufklärungspflicht, Auslandszeugen

Leitsatz

  1. NV: Auslandszeugen sind in der mündlichen Verhandlung vor dem FG zu stellen.

  2. NV: Nach dem Amtsermittlungsgrundsatz hat das Gericht den Sachverhalt unter Ausschöpfung aller verfügbaren Beweismittel bis zur Grenze des Zumutbaren so vollständig wie möglich aufzuklären, soweit die Aufklärungsmaßnahmen durch den Inhalt der Akten, das Beteiligtenvorbringen oder sonstige Umstände veranlasst sind.

  3. NV: Die Art und Weise der Beweiserhebung und die Auswahl der Beweismittel stehen grundsätzlich im pflichtgemäßen Ermessen des Gerichts.

Tenor

Die Beschwerde der Kläger wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 12. Mai 2016 13 K 13306/14 wird als unbegründet zurückgewiesen.

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens haben die Kläger zu tragen.

Gründe

1 Die Beschwerde hat keinen Erfolg.

2 Die Revision ist nicht wegen eines Verfahrensfehlers (§ 115 Abs. 2 Nr. 3 der Finanzgerichtsordnung --FGO--) in Gestalt einer Verletzung der Sachaufklärungspflicht (§ 76 Abs. 1 FGO) zuzulassen. Denn das Finanzgericht (FG) hat die ihm obliegende Pflicht zur Sachaufklärung nicht verletzt.

3 1. Dies gilt zunächst für die von den Klägern und Beschwerdeführern (Kläger) vorgebrachte Rüge, das FG habe die in den USA wohnende Zeugin X nicht zur Zeugenvernehmung geladen. Denn ein im Ausland ansässiger Zeuge ist vom FG nicht zu laden, sondern von den Beteiligten, die die Vernehmung des Zeugen beantragt haben, gemäß § 76 Abs. 1 Satz 4 FGO i.V.m. § 90 Abs. 2 der Abgabenordnung in der mündlichen Verhandlung vor dem FG zu stellen (vgl. u.a. Beschluss des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 13. Februar 2012 II B 12/12, BFH/NV 2012, 772, unter 2.b cc, m.w.N.).

4 2. Soweit die Kläger vorbringen, das FG habe unter Verletzung der Regeln zum Urkundenbeweis die schriftliche Bestätigung von Frau X fehlerhaft als Zeugenaussage gewertet, greift ihr Vorbringen nicht durch. Das Gericht hat die ihm vorliegende Urkunde in seine Würdigung einbezogen. Es hat ausdrücklich in den Entscheidungsgründen angeführt, der "vorgelegten schriftlichen Bestätigung" nicht zu folgen. Eine Wertung als Zeugenaussage hat es nicht vorgenommen.

5 3. Das FG hat die ihm obliegende Pflicht zur Sachaufklärung schließlich auch nicht dadurch verletzt, dass es dem Antrag auf Beiziehung der Finanzamtsakten des Jahres 2001 nicht gefolgt ist.

6 a) Das FG ist verpflichtet, von Amts wegen den Sachverhalt zu erforschen (§ 76 Abs. 1 Satz 1 FGO). Deshalb hat das Gericht den Sachverhalt unter Ausschöpfung aller verfügbaren Beweismittel bis zur Grenze des Zumutbaren so vollständig wie möglich aufzuklären. Dies gilt insoweit, als Aufklärungsmaßnahmen durch den Inhalt der Akten, das Beteiligtenvorbringen oder sonstige Umstände veranlasst sind. Dabei steht die Art und Weise der Beweiserhebung und die Auswahl der Beweismittel grundsätzlich im pflichtgemäßen Ermessen des Gerichts (vgl. BFH-Urteil vom 23. April 2014 VII R 41/12, BFHE 245, 493, BStBl II 2015, 117).

7 Das Gericht trifft allerdings keine Verpflichtung, den Sachverhalt ohne bestimmten Anlass und gleichsam "ins Blaue hinein" zu erforschen. Aufklärungsmaßnahmen muss das Gericht vielmehr nur dann ergreifen, wenn ein Anlass hierzu besteht, der sich aus den beigezogenen Akten, dem Beteiligtenvorbringen oder sonstigen Umständen ergibt (vgl. BFH-Beschluss vom 24. Mai 2012 IV B 58/11, BFH/NV 2012, 1466, m.w.N). Die Mitwirkungspflicht fordert von den Beteiligten, Beweisanträge nur zu bestimmten, substantiierten Tatsachenbehauptungen zu stellen. Beweisermittlungs- oder -ausforschungsanträge, die so unbestimmt sind, dass im Grunde erst die Beweiserhebung selbst die entscheidungserheblichen Tatsachen und Behauptungen aufdecken soll, brauchen regelmäßig dem Gericht eine Beweisaufnahme nicht nahe zu legen (vgl. BFH-Beschluss vom 2. März 2006 XI B 79/05, BFH/NV 2006, 1132; Gräber/Herbert, Finanzgerichtsordnung, 8. Aufl., § 76 Rz 29).

8 b) Nach diesen Grundsätzen hat das FG die ihm obliegende Sachaufklärungspflicht nicht verletzt, indem es eine Beiziehung der Akten des Jahres 2001 nicht vorgenommen hat. Die Kläger hatten weder schriftsätzlich noch in der mündlichen Verhandlung vor dem FG ausgeführt, dass seitens des Beklagten und Beschwerdegegners (Finanzamt) seinerzeit überhaupt Ermittlungen hinsichtlich der Frage angestellt worden sind, ob die vertraglich geschuldeten Anschaffungskosten der GmbH-Anteile auch tatsächlich von ihnen getragen worden sind und seinerzeit Unterlagen dazu angefordert worden sind. Die Kläger haben bis zum Schluss der mündlichen Verhandlung gegenüber dem FG auch nicht substantiiert dargelegt, dass Belege betreffend die Anschaffungskosten der Beteiligung im Rahmen der Veranlagung 2001 zu den Akten gereicht worden sind. Ebenso haben die Kläger nicht dargelegt, warum diese Unterlagen sich noch in den Finanzamtsakten befinden sollten und nicht --wie Papierbelege üblicherweise-- nach Durchführung der Veranlagung zurückgesandt worden sind.

9 4. Soweit die Kläger sich gegen die "lückenhafte Beweiswürdigung" des FG wenden, weil der im Jahr 1999 geschlossene privatschriftliche Vertrag nicht in die Beweiswürdigung einbezogen worden sei, geht ihr Vorbringen ebenfalls fehl. Ungeachtet des Umstands, dass das FG den Vertrag im Tatbestand aufgeführt und in den Entscheidungsgründen erwähnt hat, wenden sich die Kläger damit gegen die rechtliche Würdigung durch das FG. Damit kann die Zulassung wegen eines Verfahrensfehlers nicht erreicht werden.

10 5. Von einer weiter gehenden Begründung wird gemäß § 116 Abs. 5 Satz 2 FGO abgesehen. Die Kostenentscheidung beruht auf § 135 Abs. 2 FGO.

Parole chiave

duty to investigateevidence takingforeign witnesssubstantiationnon-admission complaintcosts

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether revision had to be admitted for a procedural error due to alleged breach of the duty to investigate facts.

Decisione estratta

No. The Finance Court did not breach its duty to investigate the facts within the meaning of the FGO.

Motivazione estratta

The court stated that foreign-based witnesses must be produced by the parties at the hearing, that no impermissible 'fishing expedition' is required, and that the taxpayers had not substantiated why the requested 2001 tax files should have contained relevant evidence.

Questione giuridica chiave

Whether the Finance Court wrongly treated a written confirmation by a U.S.-based witness as testimony.

Decisione estratta

No. The court only assessed the document as an exhibit and expressly did not rely on it as witness testimony.

Motivazione estratta

The challenge attacked the court's evaluation of evidence, not a procedural defect supporting admission of revision.

Questione giuridica chiave

Costs of the non-admission complaint proceedings.

Decisione estratta

The taxpayers must bear the costs of the complaint proceedings.

Motivazione estratta

The complaint was unsuccessful.

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