No suspension; no revision for alleged procedural defect

BFH VIII B 134/11Bfh / Division 826 apr 2013Dismissed

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Sintesi Omnilex

The BFH dismissed the taxpayer's complaint against non-admission of revision. It held that the FG's failure to suspend proceedings under § 74 FGO did not amount to a procedural defect because suspension is discretionary and the FG had reasonably assessed the need for a separate determination of freelance income. The alleged divergence was also rejected because the appellant did not identify conflicting abstract legal principles, but only challenged the FG's factual/legal assessment. A mere incorrect application of settled law does not justify revision admission.

Massima Omnilex

§ 74 FGO; § 115 Abs. 2 Nr. 2, Nr. 3 FGO; non-suspension of proceedings and admission of revision for procedural defect or divergence: failure to suspend may constitute a procedural defect only where the court disregards material circumstances in the exercise of its discretion. Suspension under § 74 FGO is a discretionary procedural measure requiring an assessment of procedural economy and the parties' interests. A divergence complaint requires the appellant to set out and compare abstract legal propositions of the challenged judgment and the alleged reference decision; a mere erroneous application of the same legal principles to the facts is insufficient. Admission of revision cannot be based solely on asserted incorrectness of the individual decision absent a serious, objectively arbitrary error.

Testo completo

BFH — VIII B 134/11, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-04-26

Aktenzeichen: VIII B 134/11

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 115 Abs 2 Nr 3 FGO, § 74 FGO

Vorinstanz: vorgehend Finanzgericht Baden-Württemberg, 20. Juli 2011, Az: 11 K 76/07, Urteil

Spruchkörper: 8. Senat

Titelzeile

Keine Aussetzung des Verfahrens - Keine gesonderte Feststellung freiberuflicher Einkünfte - Keine Revisionszulassung aufgrund fehlerhafter Rechtsanwendung

Leitsatz

  1. NV: Das Unterlassen der Aussetzung des Verfahrens gemäß § 74 FGO kann einen Verfahrensmangel darstellen.

  2. NV: Die Aussetzung des Verfahrens ist grds. eine Ermessensentscheidung, bei der prozessökonomische Gesichtspunkte und die Interessen der Beteiligten abzuwägen sind.

  3. NV: Einer gesonderten Feststellung freiberuflicher Einkünfte bedarf es nicht, wenn das Finanzamt, von dessen Bezirk aus die Tätigkeit vorwiegend ausgeübt wird, zugleich das Wohnsitz-Finanzamt ist.

Gründe

1 1. Die Beschwerde ist unbegründet. Der vom Kläger und Beschwerdeführer (Kläger) gerügte Verfahrensmangel der unterlassenen Aussetzung des Verfahrens liegt nicht vor. Das gilt auch für die Rüge, das Urteil der Vorinstanz weiche von der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) ab und daher sei eine Entscheidung des BFH zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung erforderlich.

2 a) Zwar kann das Unterlassen der Aussetzung des Verfahrens gemäß § 74 der Finanzgerichtsordnung (FGO) einen Verfahrensmangel darstellen (Seer in Tipke/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, § 115 FGO Rz 103). Im Streitfall ist ein solcher indes nicht gegeben, da für das Finanzgericht (FG) keine beachtlichen Gründe gegeben waren, die eine Aussetzung des Verfahrens nach § 74 FGO rechtfertigen konnten. Die Aussetzung des Verfahrens ist grundsätzlich eine Ermessensentscheidung, bei der insbesondere prozessökonomische Gesichtspunkte und die Interessen der Beteiligten abzuwägen sind (BFH-Beschluss vom 18. September 2002 XI B 126/01, BFH/NV 2003, 189). Gegen die hier getroffene Entscheidung des FG bestehen keine durchgreifenden Bedenken. Das FG hat sich in seiner Entscheidung unter Zugrundelegung der höchstrichterlichen Rechtsprechung zu dieser Problematik ausdrücklich damit befasst, ob eine gesonderte Feststellung der freiberuflichen Einkünfte des Klägers erforderlich war. Nach Abwägung der Gesamtumstände des Einzelfalls ist das FG dann zu dem Schluss gelangt, eine gesonderte Feststellung sei nicht erforderlich. Dabei hat das FG nicht zuletzt auch darauf Bezug genommen, dass --auch nach der vom Kläger zitierten Entscheidung XI B 156/05 vom 16. November 2006 (BFH/NV 2007, 401, m.w.N.)-- es keiner gesonderten Feststellung bedarf, wenn das Finanzamt, von dessen Bezirk aus die Tätigkeit vorwiegend ausgeübt wird, zugleich das Wohnsitz-Finanzamt ist. Soweit mit der Beschwerdebegründung dagegen sinngemäß vorgebracht wird, das Urteil der Vorinstanz sei widersprüchlich und rechtsfehlerhaft, kann die Zulassung der Revision damit nicht erreicht werden. Denn Einwendungen gegen die materielle Richtigkeit der angefochtenen finanzgerichtlichen Entscheidung sind nicht geeignet, Revisionszulassungsgründe darzulegen.

3 b) Unbegründet ist auch die Rüge der Divergenz. Soweit der Kläger geltend macht, das Urteil des FG weiche i.S. von § 115 Abs. 2 Nr. 2, 2. Alternative FGO von der Rechtsprechung des BFH ab (Urteil vom 9. Juli 2009 VI R 21/08, BFHE 225, 449, BStBl II 2009, 822), hätte er in der Beschwerdebegründung die tragenden Rechtssätze des angefochtenen Urteils und der (angeblichen) Divergenzentscheidung so herausarbeiten und gegenüberstellen müssen, dass eine Abweichung im Grundsätzlichen erkennbar wird (ständige Rechtsprechung, vgl. BFH-Beschlüsse vom 13. September 2002 V B 51/02, BFH/NV 2003, 212; vom 7. Juli 2003 VIII B 228/02, BFH/NV 2003, 1440; vom 21. Oktober 2005 VIII B 295/04, BFH/NV 2006, 339). Daran fehlt es, denn das FG ist ersichtlich von der Rechtsauffassung des BFH zu der Frage ausgegangen, ob und unter welchen Voraussetzungen eine Betriebstätte oder eine regelmäßige Arbeitsstätte anzunehmen ist und hat auch darauf hingewiesen, dass es entscheidend darauf ankommt, ob sich der Steuerpflichtige in unterschiedlicher Weise auf die immer gleichen Wege einstellen und so auf eine Minderung der Wegekosten hinwirken kann. Das FG hat dann unter Würdigung der Gesamtumstände, insbesondere auch unter Berücksichtigung der vom Kläger vorgelegten Verträge, den Schluss gezogen, die Generaldirektion Postdienst in Y sei eine regelmäßige Betriebstätte des Klägers. Lediglich in Ergänzung zu diesen Ausführungen hat das FG zusätzlich festgestellt, dass die Tätigkeit des Klägers auch aus einer ex post-Betrachtung dauerhaft angelegt war. Darin liegt keine Abweichung von der sowohl vom Kläger als auch vom FG in Bezug genommenen (angeblichen) Divergenzentscheidung, sondern lediglich eine Ergänzung der Argumentation des FG.

4 Es könnte deshalb allenfalls eine fehlerhafte Anwendung der Rechtsprechungsgrundsätze auf die Besonderheiten des Streitfalles vorliegen. Das reicht aber grundsätzlich als Zulassungsgrund gemäß § 115 Abs. 2 Nr. 2 FGO nicht aus (ständige Rechtsprechung, vgl. u.a. BFH-Beschlüsse vom 6. April 1995 VIII B 61/94, BFH/NV 1996, 137, m.w.N.; vom 25. November 1999 I B 34/99, BFH/NV 2000, 677, unter 2.b der Gründe).

5 Eine unrichtige Rechtsanwendung im Einzelfall könnte allenfalls dann zur Zulassung der Revision führen, wenn dieser Fehler von erheblichem Gewicht und zudem geeignet ist, das Vertrauen in die Rechtsprechung zu beschädigen oder aber, wenn die Entscheidung des FG objektiv willkürlich ist (vgl. Lange in Hübschmann/Hepp/Spitaler, § 115 FGO Rz 202, 204 f.; Gräber/ Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7. Aufl., § 115 Rz 55 und 68). Dafür bestehen jedoch keine Anhaltspunkte.

Parole chiave

suspension of proceedingsrevision admissionprocedural defectdivergenceregular place of workdiscretiontax proceedings

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the FG committed a procedural defect by not suspending the case under § 74 FGO.

Decisione estratta

The omission of suspension can be a procedural defect in principle, but no defect existed here because there were no material reasons requiring suspension.

Motivazione estratta

Suspension is discretionary and requires balancing procedural economy and the parties' interests. The FG expressly considered the relevant case law and reasonably concluded that a separate determination of freelance income was unnecessary.

Questione giuridica chiave

Whether revision had to be admitted for divergence from BFH case law under § 115 Abs. 2 FGO.

Decisione estratta

No admissible divergence was shown because the complaint did not set out and contrast contradictory abstract legal rules.

Motivazione estratta

The FG applied the BFH's principles on permanent establishment or regular place of work; the appellant merely attacked the correctness of the lower court's application to the facts, which is not enough for admission.

Questione giuridica chiave

Whether an alleged incorrect application of law in the individual case justified admission of revision.

Decisione estratta

No; an error in applying settled case law to the facts does not normally justify admission of revision.

Motivazione estratta

Only particularly serious errors, or objectively arbitrary decisions, could support admission on this basis, and none were shown.

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