Immediate complaint construed as hearing complaint

BFH I S 12/12Bfh / 1a divisione2 ott 2012Dismissed

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The BFH construed the plaintiff’s filing labeled as an immediate complaint as a hearing complaint because it attacked only an alleged denial of the right to be heard. On the merits, however, the complaint failed because the plaintiff did not sufficiently substantiate a decisive violation of the right to be heard within the meaning of § 133a FGO. The later explanations relied upon were submitted only after the expired deadline for substantiating the revision and therefore could not be considered. The hearing complaint was thus dismissed, and court costs of EUR 50 were imposed.

Massima Omnilex

§ 133a FGO; construction of an improperly designated remedy; a pleading styled as an immediate complaint may, in a rights-protecting interpretation, be treated as a hearing complaint if it is directed exclusively against an alleged violation of the right to be heard. However, the hearing complaint requires substantiation under § 133a Abs. 2 Satz 5 FGO that the court violated the right to be heard in a decision-relevant manner. Facts or arguments submitted only after expiry of the statutory period for substantiating the revision cannot establish such a violation and are procedurally irrelevant for the complaint.

Testo completo

BFH — I S 12/12, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2012-10-02

Aktenzeichen: I S 12/12

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 120 Abs 2 FGO, § 120 Abs 3 FGO, § 133a FGO

Vorinstanz: vorgehend BFH, 5. Juni 2012, Az: I R 51/11, Beschluss

Spruchkörper: 1. Senat

Titelzeile

Auslegung - sofortige Beschwerde als Anhörungsrüge

Leitsatz

NV: Wird gegen den Beschluss, mit dem die Revision verworfen worden ist, eine sofortige Beschwerde erhoben, die ausschließlich auf die Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör gestützt wird, so kann der Rechtsbehelf - rechtsschutzgewährend - i. S. einer Anhörungsrüge auszulegen sein.

Tatbestand

1 I. Die Revision des Klägers, Revisionsklägers und Rügeführers (Kläger) wurde mit Beschluss vom 5. Juni 2012 (I R 51/11, BFH/NV 2012, 1800) verworfen. In dem Beschluss wird erläutert, dass der Vortrag des Klägers nicht den Begründungserfordernissen des § 120 Abs. 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) genügt habe.

2 Hiergegen hat sich der Kläger mit Schriftsatz vom 1. August 2012 gewendet. Das Schreiben trägt die Überschrift "Sofortige Beschwerde" und zielt nach seinem Schlusssatz darauf, über "die aufgeworfene Revisionsfrage in der Sache zu entscheiden". Hierzu wird geltend gemacht, dass der Senatsbeschluss vom 5. Juni 2012 den Anspruch des Klägers auf rechtliches Gehör verletzt habe, weil er --entgegen der Ansicht des erkennenden Senats-- i.S. von § 120 Abs. 3 Nr. 2 Buchst. a FGO die Umstände bezeichnet, d.h. die "wesentlichen Argumente" vorgetragen habe, aus denen sich die Rechtsverletzung ergebe. Zur Begründung dieser Ansicht werden in dem Schreiben vom 1. August 2012 zum einen die einschlägigen Ausführungen der Revisionsbegründungsschrift vom 26. September 2011 zitiert, die insoweit --neben der dem vorinstanzlichen Urteil widerstreitenden Rechtsbehauptung (Zuordnung von Zinsen zum Hoheitsbereich)-- lediglich auf den erstinstanzlichen Vortrag des Klägers verweisen; zum anderen werden in dem Schreiben vom 1. August 2012 die Erwägungen wörtlich wiedergegeben, die der Kläger im Revisionsverfahren mit weiterem Schriftsatz vom 27. Februar 2012 vorgetragen hatte.

Entscheidungsgründe

3 II. Der Rechtsbehelf ist unzulässig.

4 1. Obgleich der Schriftsatz vom 1. August 2012 nach seinem Wortlaut auf eine Entscheidung über eine "Sofortige Beschwerde" gerichtet ist, versteht der Senat den Antrag des Klägers --entsprechend dem Gebot der rechtsschutzgewährenden Auslegung von Prozesserklärungen-- dahin, dass mit dem Schreiben eine Anhörungsrüge gemäß § 133a FGO erhoben werden sollte. Zwar ist der vor dem Bundesfinanzhof (BFH) postulationsfähige Personenkreis beim Wort zu nehmen und deshalb grundsätzlich auch eine Umdeutung der nicht statthaften sofortigen Beschwerde in eine Anhörungsrüge gemäß § 133a FGO ausgeschlossen (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 22. März 2011 X B 198/10, BFH/NV 2011, 1166, m.w.N.). Hiervon unberührt bleibt jedoch, dass dann, wenn --wie vorliegend-- der Rechtsbehelf ausschließlich auf die Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör gestützt wird, keine Bedenken dagegen bestehen, im Wege der Auslegung von einem Antrag des Inhalts auszugehen, dass dem behaupteten Rechtsverstoß abgeholfen und damit eine Anhörungsrüge nach § 133a FGO erhoben werden soll (vgl. auch Gräber/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7. Aufl., § 133a Rz 12 a.E.).

5 2. Die Anhörungsrüge genügt jedoch nicht den Anforderungen des § 133a Abs. 2 Satz 5 FGO, nach dem das Vorliegen der in § 133a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 FGO genannten Voraussetzungen und damit darzulegen ist, dass das Gericht den Anspruch auf rechtliches Gehör in entscheidungserheblicher Weise verletzt hat.

6 Der Kläger hat insoweit außer Acht gelassen, dass den Anforderungen an die Begründung einer Revision (§ 120 Abs. 3 FGO) innerhalb der zweimonatigen Frist des § 120 Abs. 2 Satz 1 FGO, die im Revisionsverfahren I R 51/11 auf den 27. September 2011 verlängert worden war (§ 120 Abs. 2 Satz 3 FGO), zu genügen ist (vgl. Gräber/Ruban, a.a.O., § 120 Rz 41). Eine Berücksichtigung der mit Schriftsatz vom 27. Februar 2012 vorgebrachten Erläuterungen des Revisionsbegehrens war deshalb ausgeschlossen. Die Bezugnahme auf diesen Schriftsatz ist deshalb auch nicht geeignet, einen Verstoß gegen den Anspruch des Klägers auf Gewährung rechtlichen Gehörs zu substantiieren.

7 3. Die Kostenpflicht für das Rügeverfahren ergibt sich aus Nr. 6400 des Kostenverzeichnisses zum Gerichtskostengesetz --GKG-- (Anlage 1 zu § 3 Abs. 2 GKG i.d.F. des Anhörungsrügengesetzes vom 9. Dezember 2004, BGBl I 2004, 3220). Es fällt eine Festgebühr von 50 € an.

Parole chiave

hearing complaintrights-protecting interpretationrevision substantiationtimelinesscourt costs

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the pleading titled 'immediate complaint' should be construed as a hearing complaint under § 133a FGO.

Decisione estratta

Yes. Because the pleading was directed solely at an alleged violation of the right to be heard, it could be interpreted in a rights-protecting manner as a hearing complaint.

Motivazione estratta

Although the BFH generally takes the formally entitled and authorized forms of legal remedies seriously, a pleading that exclusively invokes a hearing violation may be construed as seeking remedy of that violation and thus as a hearing complaint.

Questione giuridica chiave

Whether the hearing complaint satisfied the substantiation requirements of § 133a Abs. 2 Satz 5 FGO.

Decisione estratta

No. The complaint did not sufficiently show that the court had violated the right to be heard in a decision-relevant way.

Motivazione estratta

The plaintiff relied on later explanations submitted after the expiry of the revision-substantiation period. Those submissions could not be considered, so they could not support a hearing violation.

Questione giuridica chiave

Court costs for the hearing complaint proceedings.

Decisione estratta

A fixed court fee of EUR 50 was incurred under the GKG cost schedule.

Motivazione estratta

The cost consequence followed from No. 6400 of the cost schedule to the GKG.

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