VAT return as tax assessment under reservation

BFH V B 14/12Bfh / 5a divisione6 set 2012Dismissed

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The BFH dismissed the complaint against the FG Düsseldorf judgment. It held that the taxpayer’s VAT return for 2002 was a tax declaration under § 167 AO and, because it showed a tax liability rather than a refund, was deemed by law to be an assessment under reservation of review under § 168 Satz 1 AO upon receipt by the tax office. The asserted questions were not in need of clarification, and no procedural defect was properly substantiated or present. In particular, the taxpayer had not produced invoices for the disputed input VAT amounts.

Massima Omnilex

§§ 167, 168 Satz 1 AO; § 18 Abs. 3 Satz 1 UStG; Zulassung der Revision wegen grundsätzlicher Bedeutung und Verfahrensmängeln: Eine Umsatzsteuerjahreserklärung ist eine Steueranmeldung i.S. des § 167 AO. Führt sie nicht zu einer Herabsetzung der Steuer oder zu einer Steuervergütung, sondern weist sie eine Zahllast aus, steht sie kraft Gesetzes mit Eingang beim Finanzamt einer Steuerfestsetzung unter Vorbehalt der Nachprüfung gleich; einer besonderen Zustimmung bedarf es nicht. Die Frage des Vorbehalts der Nachprüfung ist von der Unanfechtbarkeit des Bescheids zu trennen. Eine Sachaufklärungsrüge setzt substantiierten Vortrag zu Beweisthema, Beweismittel, Beruhensmöglichkeit und rechtzeitiger Rüge voraus; fehlt es zudem an der Mitwirkung, besteht regelmäßig kein Raum für eine Verletzung von § 76 FGO oder Art. 103 Abs. 1 GG (vgl. consid. 3, 5-7).

Testo completo

BFH — V B 14/12, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2012-09-06

Aktenzeichen: V B 14/12

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: Art 103 Abs 1 GG, § 18 UStG 1999, § 167 AO, § 168 S 1 AO, § 76 FGO, § 96 Abs 2 FGO

Vorinstanz: vorgehend FG Düsseldorf, 16. Dezember 2011, Az: 1 K 4191/09 U, Urteil

Spruchkörper: 5. Senat

Titelzeile

Abgabenrechtliche Wirkungen einer Umsatzsteuererklärung

Leitsatz

NV: Eine Umsatzsteuererklärung ist eine Steueranmeldung i.S. des § 167 AO, die, wenn sie nicht zu einer Herabsetzung der zu entrichtenden Steuer führt, sondern eine Zahllast aufweist, gemäß § 168 Satz 1 AO kraft Gesetzes mit dem Zugang (Tag des Eingangs beim FA) der Erklärung beim FA ohne Weiteres einer Steuerfestsetzung unter dem Vorbehalt der Nachprüfung gleich steht .

Gründe

1 Die Beschwerde hat keinen Erfolg.

2 1. Die vom Kläger und Beschwerdeführer (Kläger) aufgeworfene Rechtsfrage, "ob eine Umsatzsteuerfestsetzung des Finanzamtes kraft Gesetzes gemäß § 18 UStG i.V.m. § 168 AO unter dem Vorbehalt der Nachprüfung steht", hat keine grundsätzliche Bedeutung, weil sie nicht klärungsbedürftig ist. An der Klärungsbedürftigkeit fehlt es, wenn sich die Antwort auf die streitige Rechtsfrage ohne weiteres aus dem klaren Wortlaut und Sinngehalt des Gesetzes ergibt oder wenn die Rechtsfrage offensichtlich so zu beantworten ist, wie es das Finanzgericht (FG) getan hat, die Rechtslage also eindeutig ist (ständige Rechtsprechung, vgl. z.B. Beschlüsse des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 24. August 2011 I B 1/11, BFH/NV 2011, 2044 II.1.; vom 27. März 2009 VIII B 184/08, BFHE 224, 458, BStBl II 2009, 850 II.1.). An der Klärungsbedürftigkeit fehlt es darüber hinaus, wenn die Rechtsfrage bereits durch die Rechtsprechung des BFH hinreichend geklärt ist und keine neuen Gesichtspunkte erkennbar sind, die eine erneute Prüfung und Entscheidung dieser Frage durch den BFH erforderlich machen (BFH-Beschlüsse vom 24. Mai 2012 VI B 120/11, juris II.1.; vom 24. August 2011 VI B 18/11, BFH/NV 2011, 2062, m.w.N.).

3 Beides ist hier der Fall. Die Umsatzsteuererklärung des Klägers für 2002 ist eine Steueranmeldung i.S. des § 167 der Abgabenordnung (AO). Da sie weder "zu einer Herabsetzung der zu entrichtenden Steuer" noch "zu einer Steuervergütung" (§ 168 Satz 2 AO) führte, sondern eine Zahllast aufwies, stand sie gemäß § 168 Satz 1 AO kraft Gesetzes mit dem Zugang der Erklärung beim Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt --FA--) ohne weiteres einer Steuerfestsetzung unter dem Vorbehalt der Nachprüfung gleich (vgl. BFH-Urteil vom 13. November 2008 V R 24/06, Höchstrichterliche Finanzrechtsprechung --HFR-- 2009, 817 II.1.b aa). Diese Wirkung kam der am 30. September 2003 beim FA eingegangenen Jahreserklärung für das Streitjahr 2002 nach § 18 Abs. 3 Satz 1 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) i.V.m. § 168 Satz 1 AO bereits am Tag ihres Eingangs beim FA zu, ohne dass es hierfür einer gesonderten Zustimmung des FA bedurft hätte (vgl. BFH-Urteil in HFR 2009, 817). Entgegen der Rechtsauffassung des Klägers steht die Frage, ob ein Steuerbescheid unter dem Vorbehalt der Nachprüfung steht, in keinem Zusammenhang mit seiner Unanfechtbarkeit, also der Frage, ob er noch mit einem Einspruch wirksam angefochten werden kann (zur Einspruchsfrist, nach deren Ablauf Unanfechtbarkeit eintritt, vgl. § 355 AO).

4 2. Da es aus den o.g. Gründen an der Klärungsbedürftigkeit der aufgeworfenen Rechtsfrage fehlt, ist auch keine Entscheidung des BFH zur Fortbildung des Rechts erforderlich (§ 115 Abs. 2 Nr. 2 1. Alternative der Finanzgerichtsordnung --FGO--).

5 3. Der vom Kläger gerügte Verfahrensmangel ist weder hinreichend dargelegt noch liegt er vor; das FG hat weder Sachaufklärungspflicht (§ 76 FGO) noch den Anspruch des Klägers auf rechtliches Gehör (Art. 103 Abs. 1 des Grundgesetzes, § 96 Abs. 2 FGO) verletzt.

6 a) Soweit der Kläger die Zulassung der Revision wegen Verletzung der Sachaufklärungspflicht rügt, fehlt es schon an der ordnungsgemäßen Darlegung (§ 116 Abs. 3 Satz 3 FGO) des Zulassungsgrundes. Wird als Verfahrensmangel gerügt, das FG habe seine Pflicht zur Sachaufklärung gemäß § 76 Abs. 1 Satz 1 FGO verletzt, so ist in der Beschwerdeschrift darzulegen, welche Tatfrage aufklärungsbedürftig ist, welche Beweismittel das FG zu welchem Beweisthema nicht erhoben hat, die genauen Fundstellen, in denen die Beweismittel und Beweisthemen angeführt worden sind, das voraussichtliche Ergebnis der Beweisaufnahme, inwiefern das Urteil des FG aufgrund dessen sachlich-rechtlicher Auffassung auf der unterbliebenen Beweisaufnahme beruhen kann und dass die Nichterhebung der Beweise vor dem FG rechtzeitig gerügt worden ist oder aufgrund des Verhaltens des FG nicht mehr vor diesem gerügt werden konnte (ständige BFH-Rechtsprechung, z.B. Beschlüsse vom 22. Oktober 2009 V B 108/08, BFH/NV 2010, 170 2.; vom 24. Juli 2002 V B 25/02, BFHE 199, 85, und vom 17. März 2000 VII B 1/00, BFH/NV 2000, 1125, m.w.N.). Diese Anforderungen erfüllt die Beschwerde nicht; insbesondere liegt darin, dass das FG den Ausführungen des Klägers nicht folgt, keine Verletzung der Sachaufklärungspflicht.

7 b) Davon abgesehen hat das FG seine Sachaufklärungspflicht auch nicht verletzt. Im Streit befinden sich noch nicht berücksichtigte Vorsteuern aus Handykosten in Höhe von 12,96 € sowie weitere Vorsteuern in Höhe von 1.563,53 €. Der Steuerpflichtige --hier der Kläger-- trägt die Darlegungslast der Voraussetzungen zum Vorsteuerabzug gemäß § 15 Abs. 1 UStG (BFH-Beschlüsse 7. Mai 2009 XI B 111/08, BFH/NV 2009, 1472 1.a; vom 3. August 2007 V B 73/07, BFH/NV 2007, 2368 II.1.). Diese setzt u.a. die Vorlage der Rechnungen, aus denen der Vorsteuerabzug geltend gemacht wird, voraus. Nach den den Senat bindenden Feststellungen des FG hat der Kläger trotz Aufforderung weder über die noch streitigen Handykosten in Höhe von 12,96 € noch über die weiteren von ihm geltend gemachten Vorsteuern in Höhe von 1.563,53 € Rechnungen vorgelegt. Da der Kläger seiner Darlegungslast nicht nachgekommen ist, bleibt für eine Sachaufklärungspflichtverletzung des FG kein Raum, weil der Amtsermittlungsgrundsatz durch die Mitwirkungspflichten der Beteiligten nach § 76 Abs. 1 Satz 2 FGO begrenzt wird (BFH-Beschluss in BFH/NV 2010, 170 2.).

Parole chiave

tax declarationVATreservation of reviewadmissibility of appealduty to investigateright to be heardinput tax deduction

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the VAT return for 2002 was a tax return that automatically had the effect of an assessment under reservation of review upon receipt by the tax office.

Decisione estratta

Yes. A VAT return is a tax declaration within the meaning of § 167 AO; if it shows a payment liability, it is deemed by law to be an assessment under reservation of review upon receipt by the tax office.

Motivazione estratta

Because the return did not reduce the tax due and did not claim a refund, § 168 sentence 1 AO applied automatically when the return was received. No separate approval by the tax office was required, and the reservation-of-review issue is unrelated to finality or appealability.

Questione giuridica chiave

Whether the appeal raised a question of fundamental importance or required development of the law.

Decisione estratta

No. The legal question was not in need of clarification because it followed directly from the statute and settled BFH case law.

Motivazione estratta

The wording and purpose of §§ 167, 168 AO and existing BFH precedent already clearly answered the question.

Questione giuridica chiave

Whether the tax court violated its duty to investigate facts and the right to be heard.

Decisione estratta

No. The complaint did not sufficiently substantiate a procedural defect, and in any event no breach occurred because the taxpayer failed to produce invoices for the disputed input VAT.

Motivazione estratta

The taxpayer bears the burden of substantiating input VAT deduction under § 15 Abs. 1 UStG. Since the requested invoices were not submitted, further fact-finding was unnecessary and the court's duty to investigate was limited by the parties' duty to cooperate.

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