Non-admission complaint dismissed: no procedural error in protocol handling

BFH IX B 104/12Bfh / Division 91 ott 2012Dismissed

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Bundesfinanzhof dismissed a non-admission complaint against a judgment of the Finanzgericht Baden-Württemberg. It held that there was no procedural defect in the pronouncement and filing of the judgment, that service of the protocol was not required for its effectiveness, and that the provisional audio recording of witness testimony did not require supplementation absent a formal request by a party. The court also rejected the alleged breach of the duty to clarify the facts and found that the appellant had not properly shown fundamental importance under the FGO, because he merely disputed the lower court's factual assessment.

Massima Omnilex

§ 94 FGO, § 160a ZPO; Protokollwirksamkeit und vorläufige Tonaufzeichnung von Zeugenaussagen. Die Zustellung des Protokolls ist keine Wirksamkeitsvoraussetzung. Zeichnet das Finanzgericht Zeugenaussagen nach § 160a Abs. 2 ZPO vorläufig mit Tonträger auf und vermerkt dies im Protokoll, ist eine Ergänzung nur auf förmlichen Antrag eines Beteiligten bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens vorzunehmen; ohne solchen Antrag liegt kein Verfahrensfehler vor (consid. 4). Eine Rüge der Verletzung der Sachaufklärungspflicht genügt nur, wenn dargetan wird, dass die unterlassene Beweiserhebung entscheidungserheblich gewesen wäre. Für die grundsätzliche Bedeutung nach § 116 Abs. 3 Satz 3 FGO ist ein klärungsbedürftiger, fallübergreifender Rechtssatz aufzuzeigen; die bloße Kritik an der tatrichterlichen Würdigung reicht nicht aus (consid. 6).

Testo completo

BFH — IX B 104/12, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2012-10-01

Aktenzeichen: IX B 104/12

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 76 FGO, § 94 FGO, § 105 Abs 4 FGO, § 115 Abs 2 Nr 3 FGO, § 116 Abs 3 FGO, § 160 ZPO, § 160a ZPO, § 161 Abs 1 Nr 1 ZPO

Vorinstanz: vorgehend Finanzgericht Baden-Württemberg, 11. Januar 2012, Az: 4 K 1592/10, Urteil

Spruchkörper: 9. Senat

Titelzeile

Nichtzulassungsbeschwerde; Verfahrensfehler; vorläufige Protokollaufzeichnung

Leitsatz

  1. NV: Die Zustellung des Protokolls ist keine Voraussetzung für seine Wirksamkeit.

  2. NV: Geht das FG nach § 94 FGO, § 160a Abs. 2 ZPO vor und zeichnet die Aussagen der Zeugen mit einem Tonaufnahmegerät vorläufig auf und vermerkt dies im Protokoll, so muss es diese Feststellungen ergänzen, wenn dies einer der Beteiligten bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens förmlich beantragt (§ 94 FGO, § 160a Abs. 2 Satz 3 ZPO).

Gründe

1 Die Nichtzulassungsbeschwerde ist unbegründet.

2 1. Die geltend gemachten Verfahrensfehler liegen nicht vor.

3 a) Das Finanzgericht (FG) hat nicht gegen § 105 Abs. 4 der Finanzgerichtsordnung (FGO) verstoßen. Es hat das Urteil verkündet und in dieser verkündeten Form, die den Anforderungen des § 105 Abs. 4 Satz 2 FGO entspricht, dem Protokoll angelegt. Das vollständig abgefasste Urteil ist binnen fünf Monaten nach Verkündung schriftlich niedergelegt, von den Richtern unterschrieben und der Geschäftsstelle übergeben worden (vgl. dazu den Beschluss des Gemeinsamen Senats der obersten Gerichtshöfe des Bundes vom 27. April 1993 GmS-OGB 1/92, BVerwGE 92, 367). Hinsichtlich des Protokolls kann sich der Kläger und Beschwerdeführer (Kläger) nicht auf § 105 Abs. 4 FGO berufen. Die Zustellung des Protokolls ist keine Voraussetzung für seine Wirksamkeit (Beschluss des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 20. Februar 2001 IV B 75/00, juris).

4 b) Das FG hat § 94 FGO i.V.m. § 160 Abs. 3 Nr. 4, § 161 Abs. 1 Nr. 1 der Zivilprozessordnung (ZPO) nicht verletzt. Entgegen der Auffassung des Beklagten und Beschwerdegegners (Finanzamt --FA--) handelt es sich bei den Aussagen der Zeugen zwar nicht um entbehrliche Feststellungen i.S. des § 161 Abs. 1 Nr. 1 ZPO, da das angefochtene Urteil der Nichtzulassungsbeschwerde unterliegt (vgl. dazu Bundesgerichtshof, Beschluss vom 24. Juni 2003 VI ZR 309/02, Neue Juristische Wochenschrift 2003, 3057). Das FG ist aber nach § 160a Abs. 2 ZPO vorgegangen, hat die Feststellungen nach § 160 Abs. 3 Nr. 4 ZPO mit einem Tonaufnahmegerät vorläufig aufgezeichnet und dies im Protokoll vermerkt (vgl. § 160a Abs. 2 Satz 2 ZPO, § 94 FGO). Das Protokoll muss unter anderem nur dann um die Feststellungen ergänzt werden, wenn einer der Beteiligten dies bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens beantragt (§ 94 FGO, § 160a Abs. 2 Satz 3 ZPO). Eine förmliche Ergänzung des Protokolls hat der Kläger aber nicht beantragt (zur Notwendigkeit eines Antrags vgl. auch BFH-Beschluss vom 7. Juni 2010 VIII B 24/10, BFH/NV 2010, 1840).

5 c) Ohne Erfolg rügt der Kläger schließlich eine Verletzung der Sachaufklärungspflicht (§ 76 Abs. 1 und Abs. 2 Satz 1 FGO). Das FG hat den Sachverhalt hinreichend aufgeklärt; denn es hat die von der Steuerfahndungsstelle gemachten Beweisbilder herangezogen. Überdies ist es --worauf das FA zutreffend hinweist-- für die Entscheidung ersichtlich unerheblich, wo der Kläger sein Handwerkszeug aufbewahrt. Die angefochtene Entscheidung kann auch nicht auf dem vom FG nicht nachgegangenen Beweisantrag beruhen; das FG hat nämlich als wahr unterstellt, dass der Kläger regelmäßig in seiner Wohnung übernachtet hat.

6 2. Der Kläger hat die grundsätzliche Bedeutung der Rechtssache (§ 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO) nicht hinreichend gemäß § 116 Abs. 3 Satz 3 FGO dargelegt. Er hat keinen Rechtssatz von allgemeiner Bedeutung hervorgehoben, der im Streitfall klärbar und klärungsbedürftig wäre. Stattdessen wendet er ein, das FG habe den Einzelfall unrichtig entschieden. Er setzt dabei seine Würdigung des Sachverhalts an die Stelle derjenigen des FG.

Parole chiave

non-admission complaintprocedural errorprotocolwitness testimonyaudio recordingduty to clarifyfundamental importance

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the tax court violated formal requirements by the way the judgment and protocol were handled.

Decisione estratta

No violation occurred; the judgment was duly pronounced and filed in the pronounced form, and service of the protocol was not a condition for its validity.

Motivazione estratta

The court held that the written version of the judgment was timely completed, signed, and handed to the registry. As to the protocol, its service is not required for effectiveness.

Questione giuridica chiave

Whether the tax court breached the rules on provisional audio recording of witness testimony and protocol supplementation.

Decisione estratta

No violation occurred because the tax court made a provisional audio recording and the appellant did not formally request supplementation of the protocol before final termination of the case.

Motivazione estratta

Under the applicable provisions, supplementation of the protocol is triggered only upon a party's timely formal request; without such a request, no procedural error arises.

Questione giuridica chiave

Whether the tax court failed to adequately establish the facts ex officio.

Decisione estratta

No breach of the duty to clarify the facts was shown.

Motivazione estratta

The tax court relied on available evidence; in any event, the contested points were not decisive, and the allegedly omitted evidence could not have affected the outcome.

Questione giuridica chiave

Whether the case had fundamental importance justifying admission of the complaint.

Decisione estratta

No. The appellant did not identify a general legal question requiring clarification, but merely challenged the tax court's assessment of the facts.

Motivazione estratta

A mere attack on the factual evaluation of the lower court does not satisfy the requirement to show fundamental importance.

Continua la tua ricerca in ChatGPT o Claude

Collega Omnilex per cercare nel corpus legale dal tuo assistente IA.