Appealability of a referral to another jurisdiction

BFH X B 62/12Bfh / Division 1019 lug 2012Remanded

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The BFH held that the fiscal court had incorrectly treated its referral order as unappealable under § 70 sentence 2 FGO. A referral to another legal path is instead subject to § 17a(4) GVG. Because the fiscal court did not decide on leave to appeal, the BFH could not rule on the applicant's filing and returned the matter to the fiscal court. The applicant's lack of legal representation before the BFH did not matter, because the filing was construed as a Gegenvorstellung directed to the fiscal court.

Massima Omnilex

§ 17a Abs. 4 GVG; Anfechtbarkeit eines die Streitsache an einen anderen Rechtsweg verweisenden Beschlusses; § 70 Satz 2 FGO ist nicht einschlägig. Die Verweisung wegen fehlender Rechtswegzuständigkeit unterliegt nicht der Regelung des § 70 Satz 2 FGO, sondern dem Rechtsmittelregime des § 17a Abs. 4 GVG. Hat das Ausgangsgericht irrig eine Unanfechtbarkeit angenommen und deshalb nicht über die Zulassung der Beschwerde entschieden, ist dem Bundesgerichtshof bzw. dem Bundesfinanzhof die Sachentscheidung über das eingelegte Rechtsmittel verwehrt; die Sache ist an das Ausgangsgericht zur Behandlung des Rechtsbehelfs zurückzugeben (vgl. consid. 4-7). Eine Gegenvorstellung an das Ausgangsgericht bleibt von einem beim BFH bestehenden Vertretungszwang unberührt, soweit sie sich nicht als eigenständiges, dem Vertretungszwang unterliegendes Rechtsmittel vor dem BFH darstellt.

Testo completo

BFH — X B 62/12, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2012-07-19

Aktenzeichen: X B 62/12

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 17a Abs 4 GVG, § 70 S 2 FGO

Vorinstanz: vorgehend Finanzgericht Rheinland-Pfalz, 22. Februar 2012, Az: 2 V 2082/11, Beschluss

Spruchkörper: 10. Senat

Titelzeile

Verweisung in einen anderen Rechtsweg

Leitsatz

NV: Die Anfechtbarkeit eines Beschlusses, der einen Rechtsstreit in einen anderen Rechtsweg verweist, richtet sich nach § 17a Abs. 4 GVG und nicht nach § 70 Satz 2 FGO (Bestätigung der BFH-Rechtsprechung, vgl. Beschluss vom 6. November 2006 VII B 282/06, BFH/NV 2007, 264).

Tatbestand

1 I. Das Finanzgericht (FG) hat mit Beschluss vom 22. Februar 2012 das Verfahren wegen der Herausgabe von Geschäftsunterlagen und Kundenkartei an das zuständige Amtsgericht A verwiesen, weil nach seiner Auffassung wegen des noch anhängigen Strafverfahrens gegen die Antragstellerin und Rechtsbehelfsführerin (Antragstellerin) der Finanzrechtsweg gemäß § 33 der Finanzgerichtsordnung (FGO) nicht gegeben sei. Die Rechtsmittelbelehrung lautete: "Der Beschluss ist unanfechtbar (§ 70 Satz 2 FGO)".

2 Hiergegen wendet sich die Antragstellerin mit Schreiben an das FG vom 9. März 2012 und 5. April 2012, die sie als "Anfechtungsklage" bezeichnet. Das FG hat dem Bundesfinanzhof (BFH) diese Schreiben mit der Bitte um weitere Veranlassung übersandt.

Entscheidungsgründe

3 II. Der angerufene Senat ist nicht in der Lage, über den eingelegten Rechtsbehelf zu entscheiden, da das FG die hierfür erforderlichen Voraussetzungen nicht geschaffen hat.

4 1. Anders als das FG meint, ist sein Verweisungsbeschluss nicht gemäß § 70 Satz 2 FGO unanfechtbar, da diese Vorschrift nur die Verweisung wegen sachlicher oder örtlicher Unzuständigkeit betrifft, während es im Streitfall um eine Verweisung wegen mangelnder Rechtswegzuständigkeit geht (Stöcker in Beermann/Gosch, FGO § 70 Rz 20; Bergkemper in Hübschmann/Hepp/ Spitaler, § 128 FGO Rz 118; vgl. auch Gräber/Koch, Finanzgerichtsordnung, 7. Aufl., § 70 Rz 5; Gräber/Ruban, a.a.O., § 128 Rz 15).

5 Die Anfechtbarkeit eines Beschlusses, der den Rechtsstreit in einen anderen Rechtsweg verweist, richtet sich vielmehr nach § 17a Abs. 4 des Gerichtsverfassungsgesetzes --GVG-- (BFH-Beschluss vom 6. November 2006 VII B 282/06, BFH/NV 2007, 264). Danach ist gegen den Beschluss die sofortige Beschwerde nach den Vorschriften der jeweils anzuwendenden Verfahrensordnung gegeben, gegen einen Beschluss des oberen Landesgerichts an den obersten Gerichtshof des Bundes allerdings nur, wenn die Beschwerde in dem Beschluss zugelassen worden ist (§ 17a Abs. 4 Satz 4 GVG). Die Beschwerde ist nach § 17a Abs. 4 Satz 5 GVG zuzulassen, wenn die Rechtsfrage grundsätzliche Bedeutung hat oder wenn das Gericht von der Entscheidung eines obersten Gerichtshofes des Bundes oder des Gemeinsamen Senats der obersten Gerichtshöfe des Bundes abweicht.

6 Weil das FG zu Unrecht angenommen hat, gemäß § 70 Satz 2 FGO sei ein Rechtsmittel gegen den Verweisungsbeschluss nicht gegeben, hat es im Streitfall eine solche Entscheidung über die Zulassung der Beschwerde nicht getroffen. Der Senat ist deshalb daran gehindert, über den von der Antragstellerin eingelegten Rechtsbehelf zu entscheiden.

7 2. Der Senat legt das Begehren als Gegenvorstellung der Antragstellerin gegen den Verweisungsbeschluss des FG aus, die der Senat an das FG --insbesondere bezüglich der Zulassung der Beschwerde zur Entscheidung-- zurückgibt.

8 3. Es ist unerheblich, dass die nicht anwaltlich vertretene Antragstellerin beim BFH nicht postulationsfähig ist. Im Streitfall handelt es sich um eine Gegenvorstellung, die sich an das FG richtet. Gegenvorstellungen beim BFH unterliegen dann dem Vertretungszwang, wenn das eingelegte Rechtsmittel, über das der BFH entschieden hat, seinerseits dem Vertretungszwang unterliegt (BFH-Beschlüsse vom 17. November 2011 X E 1/11, BFH/NV 2012, 428, und vom 29. Juni 2005 VII S 26/05, BFH/NV 2005, 1848).

Parole chiave

jurisdictionreferral orderappealabilityGegenvorstellunglegal pathrepresentation requirement

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Which provision governs the appealability of a referral order transferring a dispute to another jurisdiction?

Decisione estratta

A referral to another jurisdiction is governed by § 17a(4) GVG, not by § 70 sentence 2 FGO.

Motivazione estratta

Section 70 sentence 2 FGO applies only to referrals for subject-matter or local lack of jurisdiction, whereas the present order concerned lack of jurisdictional competence (wrong legal path).

Questione giuridica chiave

May the BFH decide the applicant's filing despite the fiscal court's failure to rule on leave to appeal?

Decisione estratta

No. Because the fiscal court wrongly assumed no remedy existed, it did not decide on leave to appeal; the BFH is therefore prevented from deciding the remedy itself.

Motivazione estratta

Under § 17a(4) GVG, the lower court must address admissibility/leave issues. That step was omitted, so the file had to be returned.

Questione giuridica chiave

Does the applicant's lack of legal representation before the BFH bar the filing?

Decisione estratta

No. The submission was treated as a Gegenvorstellung addressed to the fiscal court, and representation requirements before the BFH were therefore irrelevant.

Motivazione estratta

Postulation requirements apply only where the underlying remedy itself is subject to mandatory representation; a Gegenvorstellung to the fiscal court is not such a remedy before the BFH.

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