No reverse charge if supplier was objectively domestic

BFH XI B 104/10Bfh / Division 111 giu 2011Dismissed

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Sintesi Omnilex

The Federal Fiscal Court rejected the complaint seeking leave to appeal. It held that no divergence existed with earlier case law on reverse-charge VAT liability. The tax court had found that the supplier was in fact established in Germany through a domestic branch during the relevant years. In that situation, the recipient does not owe the tax under Section 13b UStG 2005, and subjective doubts about the supplier's residence are irrelevant.

Massima Omnilex

§ 13b Abs. 1 S. 1 Nr. 1, Abs. 4 S. 3 UStG 2005; reverse-charge liability of the recipient only if the supplying entrepreneur is objectively not established in the country. If it is established with certainty that the supply was rendered by the supplier's domestic branch, the recipient does not become the debtor of the tax; subjective doubts of the recipient as to the supplier's place of establishment are immaterial. A divergence complaint under § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 2 FGO is unfounded where the cited precedent concerned a case of factual uncertainty about domestic establishment (consid. 2-7).

Testo completo

BFH — XI B 104/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2011-06-01

Aktenzeichen: XI B 104/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 115 Abs 2 Nr 2 Alt 2 FGO, § 116 Abs 5 S 2 FGO, § 13b Abs 1 S 1 Nr 1 UStG 2005, § 13b Abs 4 S 3 UStG 2005

Vorinstanz: vorgehend Niedersächsisches Finanzgericht, 18. Oktober 2010, Az: 5 K 65/08, Urteil

Spruchkörper: 11. Senat

Titelzeile

Keine Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers bei feststehender inländischer Ansässigkeit des leistenden Unternehmers

Leitsatz

NV: Der im Inland ansässige Leistungsempfänger schuldet die Steuer für eine Leistung eines Unternehmens mit Sitz im Ausland nicht, wenn objektiv feststeht, dass diese Leistung von dessen inländischer Zweigniederlassung erbracht wurde, und zwar unabhängig davon, ob der Leistungsempfänger subjektive Zweifel hinsichtlich der Ansässigkeit des Leistenden hatte oder hätte haben müssen.

Gründe

1 Die Revision ist nicht nach § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) wegen einer Divergenz zur Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) zuzulassen.

2 Entgegen der Auffassung der Klägerin und Beschwerdeführerin (Klägerin) ist das Finanzgericht (FG) nicht von dem BFH-Urteil vom 23. Mai 1990 V R 167/84 (BFHE 161, 191, BStBl II 1990, 1095) abgewichen.

3 Das FG ging aufgrund der Angaben der Klägerin gegenüber dem Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt), der auf ihren Briefbögen verwendeten Anschrift und ihrer inländischen Kontoverbindung von einer inländischen Zweigniederlassung in den Streitjahren 2005 und 2006 aus. Die Steuerschuldnerschaft sei nicht auf die Empfänger der von der Klägerin erbrachten Leistungen übergegangen. Die Voraussetzungen des § 13b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 des Umsatzsteuergesetzes 2005 (UStG) seien nicht erfüllt. Für eine Anwendung der Zweifelsregelung in § 13b Abs. 4 Satz 3 UStG bestehe danach kein Raum.

4 Der BFH hat in der vermeintlichen Divergenzentscheidung in BFHE 161, 191, BStBl II 1990, 1095, die zu § 51 der Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung 1980, der weitgehend ähnlichen Vorgängervorschrift von § 13b UStG, ergangen ist, --wie die Klägerin zutreffend darstellt-- unter II.1.b der Gründe ausgeführt:

5 "Wenn es zweifelhaft ist, ob der Leistungsempfänger Werklieferungen oder sonstige Leistungen von einem im Erhebungsgebiet ansässigen Unternehmer erhalten hat, haftet er, falls er zur Einbehaltung und Abführung der ihm berechneten Umsatzsteuer verpflichtet ist. Dabei macht es keinen Unterschied, ob der Leistungsempfänger an der Ansässigkeit des Unternehmers im Erhebungsgebiet oder an seiner Ansässigkeit außerhalb des Erhebungsgebiets zweifelt. In beiden Fällen ist für den Leistungsempfänger unklar, ob der in den Leistungsaustausch einbezogene Unternehmer im Erhebungsgebiet ansässig ist, weshalb seine Einbehaltungs- und Abführungspflicht eingreift."

6 Die von der Klägerin zitierte Textpassage muss aber im Zusammenhang mit den unmittelbar vorangehenden Sätzen gesehen werden. Diese lauten folgendermaßen: "Wie der Senat in dem Beschluss in BFHE 143, 169 entschieden hat, haftet der Leistungsempfänger indessen nach dem eindeutigen Wortsinn der Ermächtigung nur für die Steuer, die auf Umsätze eines (objektiv) nicht im Erhebungsgebiet ansässigen Unternehmers entfällt. Die Haftung besteht somit nicht, wenn der leistende Unternehmer wirklich im Erhebungsgebiet ansässig ist."

7 Steht also --so im Streitfall nach Überzeugung des FG-- fest, dass der leistende Unternehmer wirklich im Erhebungsgebiet ansässig war, kommt eine Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers nicht in Betracht. Dies gilt unabhängig davon, ob der Leistungsempfänger Zweifel hinsichtlich der Ansässigkeit des Leistenden hatte oder hätte haben müssen (vgl. Beschluss des Senats vom 9. März 2011 XI B 47/10, BFH/NV 2011, 1035, m.w.N.).

Parole chiave

VATreverse chargedomestic establishmentdivergence complaintleave to appealsupplier branchsubjective doubt

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Questione giuridica chiave

Whether leave to appeal should be granted for an alleged divergence on reverse-charge liability when the supplier was objectively established as domestically based.

Decisione estratta

No divergence existed. If it is established that the supplying entrepreneur was actually domestic, the recipient is not liable for VAT under Section 13b UStG 2005, regardless of any subjective doubts.

Motivazione estratta

The cited earlier case concerned a situation where it was doubtful whether the supplier was domestically established. That does not conflict with the present case, where the FG found as a fact that the supplier operated through a domestic branch. Therefore the conditions for reverse-charge liability were not met and the uncertainty rule did not apply.

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