Hearing complaint rejected; remission of late-payment surcharges requires separate grounds

BFH V S 9/11Bfh / 5a divisione17 feb 2011Dismissed

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Sintesi Omnilex

The BFH rejected the claimant's hearing complaint against its earlier ruling on his non-admission complaints. It held that the prior panel had considered the constitutional submissions and the arguments on late-payment surcharge remission. The court explained that the grace period under § 240(3) AO is itself an equitable measure, so arguments about missing the grace period concern the existence of late-payment surcharges, not a separate remission under § 227 AO. The complaint could not be used to obtain a substantive reconsideration of the earlier decision. Costs were imposed on the claimant, and a EUR 50 fee was charged.

Massima Omnilex

§ 133a FGO; hearing complaint based on alleged violation of the right to be heard does not permit substantive review of the prior decision. The court satisfies the duty to be heard if it takes the parties' submissions into account; it need not address every argument in detail, and a brief reasoning is sufficient under § 116 Abs. 5 Satz 2 FGO. A submission concerning the grace period under § 240 Abs. 3 Satz 1 AO relates to the question whether late-payment surcharges have accrued; it is not, by itself, a request for remission under § 227 AO, which requires separate equitable grounds. A hearing complaint may not be used to challenge the correctness of the legal assessment on the merits.

Testo completo

BFH — V S 9/11, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2011-02-17

Aktenzeichen: V S 9/11

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 133a FGO, § 227 AO, § 240 Abs 3 S 1 AO

Vorinstanz: vorgehend BFH, 21. Dezember 2010, Az: V B 16/09, Beschluss

Spruchkörper: 5. Senat

Titelzeile

Abrechnungsbescheid; Erlass von Säumniszuschlägen; Schonfrist

Leitsatz

NV: Die Schonfrist nach § 240 Abs. 3 Satz 1 AO stellt eine Billigkeitsmaßnahme dar, sodass ein hierauf gerichteter Vortrag allein die Verwirkung von Säumniszuschlägen im Rahmen eines Abrechnungsbescheids betrifft und nicht einen - andere Billigkeitsgründe erfordernden - Erlass von Säumniszuschlägen nach § 227 AO .

Tatbestand

1 I. Mit Beschluss vom 21. Dezember 2010 (V B 16-17/09) hat der Senat die zur gemeinsamen Entscheidung verbundenen Nichtzulassungsbeschwerden des Klägers, Antragstellers und Rügeführers (Kläger) gegen die Urteile des Finanzgerichts Baden-Württemberg vom 21. Januar 2009 (1 K 55/07 und 1 K 269/06) als unbegründet zurückgewiesen.

2 Gegen diesen Senatsbeschluss wendet sich der Kläger mit seiner Anhörungsrüge und macht geltend, der angegriffene Beschluss habe es versäumt, sich mit seinem wesentlichen Vorbringen zur Verfassungswidrigkeit von Art. 8 Nr. 10 des Steueränderungsgesetzes 2003 (StÄndG) auseinanderzusetzen. Außerdem verletze der Beschluss den Anspruch auf rechtliches Gehör dadurch, dass er der Frage grundsätzliche Bedeutung abspreche, ob nach § 227 der Abgabenordnung (AO) ein Erlass der Säumniszuschläge stets dann geboten ist, wenn die Schonfrist des § 240 Abs. 3 Satz 1 AO nicht eingehalten wurde, obwohl der Steuerpflichtige eine entsprechende Überweisung nicht mehr als drei Bankgeschäftstage vor Ablauf der Schonfrist bei seiner Bank in Auftrag gegeben hat.

Entscheidungsgründe

3 II. Die Anhörungsrüge ist unbegründet und deshalb gemäß § 133a Abs. 4 Satz 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zurückzuweisen.

4 1. Gemäß § 133a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 FGO setzt die Fortführung eines Verfahrens auf Rüge eines durch eine gerichtliche Entscheidung beschwerten Beteiligten u.a. voraus, dass das Gericht den Anspruch dieses Beteiligten auf rechtliches Gehör in entscheidungserheblicher Weise verletzt hat. Die geltend gemachten Verstöße gegen den Anspruch des Klägers auf rechtliches Gehör (§ 96 Abs. 2 FGO, Art. 103 Abs. 1 des Grundgesetzes --GG--) liegen nicht vor.

5 2. Der Senat hat bei seiner Entscheidung das gesamte Beschwerdevorbringen des Klägers zur Kenntnis genommen und erwogen. Die ablehnende Entscheidung über die Nichtzulassungsbeschwerde soll gemäß § 116 Abs. 5 Satz 2 FGO "kurz" begründet werden; von einer Begründung kann abgesehen werden, wenn sie nicht geeignet ist, zur Klärung der Voraussetzungen beizutragen, unter denen eine Revision zuzulassen ist (§ 116 Abs. 5 Satz 2 FGO). Diesen Erfordernissen wird der Senatsbeschluss, der die aus Sicht des Senats für die Entscheidung wesentlichen Erwägungen wiedergibt, gerecht.

6 Der Senat hat sich insbesondere mit dem wesentlichen Vorbringen des Klägers zur Verfassungswidrigkeit von Art. 8 Nr. 10 StÄndG befasst und hierzu Zweifel an der Verfassungswidrigkeit wegen eines Verstoßes gegen Art. 3 Abs. 1 GG verneint, weil wesentlich Ungleiches nicht gleich behandelt werde (S. 4 bis 6 des Beschlusses). Aus dem Umstand, dass die Beschlussgründe keine detaillierte Befassung mit sämtlichen Erwägungen der Beschwerdebegründung enthalten, kann nicht darauf geschlossen werden, der Senat habe diese nicht zur Kenntnis genommen und in Erwägung gezogen (vgl. Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 5. Dezember 1995 1 BvR 1463/89, Höchstrichterliche Finanzrechtsprechung 1996, 153).

7 Weiterhin hat der Senat in seiner Entscheidung auch das die Rechtsfrage betreffende Vorbringen berücksichtigt, ob nach § 227 AO ein Erlass des Säumniszuschlags unter bestimmten Umständen geboten ist (S. 6 bis 8 des Beschlusses). Im Hinblick auf die Beschränkung des Streitgegenstands auf die Rechtmäßigkeit der Abrechnungsbescheide vom 11. Mai 2006 und vom 18. Dezember 2006 war diese Streitfrage aber in einem Revisionsverfahren nicht klärbar. Soweit der Kläger meint, er habe durch den Vortrag der Tatsache, dass die Überweisung nicht mehr als drei Bankgeschäftstage vor Ablauf der Schonfrist in Auftrag gegeben worden sei, Billigkeitsgründe schon im Einspruchsverfahren geltend gemacht, verkennt er, dass es sich auch bei der Gewährung der Schonfrist des § 240 Abs. 3 AO um eine Billigkeitsmaßnahme handelt (vgl. Loose in Tipke/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, § 240 AO Rz 50, m.w.N.). Der hierauf gerichtete Vortrag betrifft somit die Verwirkung von Säumniszuschlägen und nicht einen --andere Billigkeitsgründe erfordernden-- Erlass von Säumniszuschlägen nach § 227 AO.

8 Im Übrigen wenden sich die Ausführungen des Klägers lediglich gegen die Rechtsauffassung des Senats, der nach Auffassung des Klägers der Sache nach falsch entschieden habe. Mit diesem Vorbringen kann der Kläger aber im Rahmen des § 133a FGO nicht gehört werden. Die Anhörungsrüge dient nicht dazu, die angegriffene Entscheidung in der Sache in vollem Umfang nochmals zu überprüfen (Beschlüsse des Bundesfinanzhofs vom 8. April 2010 IX S 22/09, BFH/NV 2010, 1299; vom 3. November 2009 VI S 17/09, BFH/NV 2010, 226; vom 28. Oktober 2009 V S 20/08, BFH/NV 2010, 226).

9 3. Von einer weiteren Begründung sieht der Senat ab (§ 133a Abs. 4 Satz 4 FGO).

10 4. Die Kostenentscheidung ergibt sich aus § 135 Abs. 1 FGO. Für die Entscheidung über die Anhörungsrüge wird eine Gebühr in Höhe von 50 € erhoben (vgl. Nr. 6400 der Anlage 1 zu § 3 Abs. 2 des Gerichtskostengesetzes --Kostenverzeichnis--).

Parole chiave

hearing complaintright to be heardlate-payment surchargeremissiongrace periodtax procedurecourt costs

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the prior BFH ruling violated the claimant's right to be heard by failing to address his constitutional arguments.

Decisione estratta

No decisive violation of the right to be heard occurred; the court had considered the submissions and was not required to discuss every argument in detail.

Motivazione estratta

A dismissal of a non-admission complaint may be reasoned briefly. The record showed that the court dealt with the alleged unconstitutionality of the statutory amendment and found no equal-treatment violation.

Questione giuridica chiave

Whether the hearing complaint could be based on the court's alleged failure to address arguments for remission of late-payment surcharges under § 227 AO.

Decisione estratta

No. The complaint concerned the merits, not a hearing violation, and the relevant dispute was limited to the legality of the assessment notices.

Motivazione estratta

The court held that the grace period under § 240(3) AO is itself a measure of equity; arguments directed at it concern whether late-payment surcharges were incurred, not a distinct remission under § 227 AO requiring other equitable grounds.

Questione giuridica chiave

Whether the hearing complaint could be used to re-examine the substantive correctness of the prior ruling.

Decisione estratta

No; a hearing complaint is not a vehicle for a full substantive review of the challenged decision.

Motivazione estratta

The claimant's remaining submissions merely attacked the legal assessment of the prior panel and therefore fell outside the scope of § 133a FGO.

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