Conclusive request for oral hearing inferred from witness motion

BFH VIII B 15/10Bfh / Division 812 gen 2011Remanded

Sintesi

The Federal Fiscal Court held that in a low-value tax case, a party’s request for witness evidence also counts as an implied request for oral hearing. Because the tax court decided without holding a hearing despite such a request, it violated the claimants’ right to be heard. The BFH therefore set aside the judgment of the Niedersächsisches Finanzgericht and remanded the matter for further proceedings.

Regest

§ 94a FGO; request for witness evidence as implied request for oral hearing in low-value cases; right to be heard. In proceedings under § 94a FGO, oral hearing is mandatory upon a party's request even where the amount in dispute does not exceed EUR 500. A motion for taking evidence by witness examination constitutes, as a rule, an implied request for oral hearing, because it unmistakably expresses the wish for adversarial oral proceedings. This applies irrespective of whether the evidence is ultimately relevant or must be taken. A decision rendered without oral hearing in the presence of such a motion violates Art. 103(1) GG and must be set aside and remitted under § 116 Abs. 6 FGO (consid. 2-3).

Testo completo

BFH — VIII B 15/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2011-01-12

Aktenzeichen: VIII B 15/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 94a FGO, § 115 Abs 2 Nr 3 FGO, Art 103 Abs 1 GG, § 96 Abs 2 FGO, § 116 Abs 6 FGO

Vorinstanz: vorgehend Niedersächsisches Finanzgericht, 11. Dezember 2009, Az: 2 K 257/09, Urteil

Spruchkörper: 8. Senat

Titelzeile

Konkludenter Antrag auf mündliche Verhandlung bei geringem Streitwert - Zurückverweisung der Sache wegen Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör

Leitsatz

NV: Beantragt der Beteiligte in einem Verfahren mit geringem Streitwert die Erhebung eines Zeugenbeweises, liegt darin immer auch der konkludente Antrag auf mündliche Verhandlung .

Gründe

1 Die Beschwerde ist nach § 115 Abs. 2 Nr. 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) begründet. Sie führt nach § 116 Abs. 6 FGO zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zurückverweisung der Sache an das Finanzgericht (FG).

2 Die angegriffene Entscheidung verletzt den Anspruch der Kläger und Beschwerdeführer (Kläger) auf rechtliches Gehör. Das FG hätte nicht nach § 94a FGO ohne mündliche Verhandlung entscheiden dürfen. Nach Satz 2 dieser Vorschrift muss auch in den Fällen, in denen der Streitwert bei einer auf Geldleistung gerichteten Klage 500 € nicht übersteigt, auf Antrag eines Beteiligten mündlich verhandelt werden. Der Antrag kann sowohl ausdrücklich als auch konkludent gestellt werden (Urteil des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 22. September 1999 XI R 24/99, BFHE 190, 17, BStBl II 2000, 32, m.w.N.). Hat ein Beteiligter die Erhebung eines Zeugenbeweises beantragt, so ist der Beweisantrag zugleich ein konkludenter Antrag auf Durchführung einer mündlichen Verhandlung (BFH-Urteil in BFHE 190, 17, BStBl II 2000, 32; BFH-Beschluss vom 12. September 2002 VI B 111/00, BFH/NV 2003, 72; Gräber/Koch, Finanzgerichtsordnung, 7. Aufl., § 94a Rz 6, m.w.N.).

3 Im Streitfall haben die Kläger die Vernehmung eines Zeugen zu mehreren Tatfragen beantragt und damit hinreichend klar zum Ausdruck gebracht, dass eine mündliche Verhandlung stattfinden soll. Ob das FG dem Beweisantrag entsprechen muss, ist insoweit ohne Bedeutung; denn selbst dann, wenn das Beweismittel für die zu treffende Entscheidung unerheblich sein sollte, wird der mit dem Beweisantrag verbundene Antrag auf Durchführung der mündlichen Verhandlung hiervon nicht berührt (BFH-Urteil in BFHE 190, 17, BStBl II 2000, 32; BFH-Beschluss in BFH/NV 2003, 72).

Parole chiave

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