AfaA and no surprise decision in tax appeal

BFH IX B 75/10Bfh / Division 916 dic 2010Dismissed

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Federal Fiscal Court dismissed the taxpayers’ complaint against the tax court judgment. It held that no need existed to develop the law on extraordinary depreciation because the existence of AfaA must always be determined on the basis of the specific facts and the lower court had already assessed those facts. The court also rejected the claim of a surprise decision and a breach of the duty to give notice, finding that the lower court had not relied on an unforeseen basis and that the taxpayers had to take all plausible legal views into account themselves.

Massima Omnilex

§ 115 Abs. 2 Nr. 2 FGO; AfaA and legal development; Art. 103 Abs. 1 GG, § 76 Abs. 2, § 96 Abs. 2 FGO; no surprise decision if the tax court decides on grounds that were within the spectrum of foreseeable legal assessment and have been encompassed by the factual dispute. A revision complaint fails for lack of need for clarification where the answer depends on the concrete circumstances of the individual case and the lower court has already evaluated those circumstances. The right to be heard does not oblige the court to discuss every decisive consideration in advance or to indicate the outcome of the overall assessment.

Testo completo

BFH — IX B 75/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-12-16

Aktenzeichen: IX B 75/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: Art 103 Abs 1 GG, § 76 Abs 2 FGO, § 96 Abs 2 FGO, § 115 Abs 2 Nr 2 FGO, § 115 Abs 2 Nr 3 FGO, § 7 Abs 1 S 6 EStG 2002

Vorinstanz: vorgehend Niedersächsisches Finanzgericht, 14. April 2010, Az: 8 K 38/07, Urteil

Spruchkörper: 9. Senat

Titelzeile

Absetzungen für außergewöhnliche Abnutzung - Überraschungsentscheidung

Leitsatz

  1. NV: Es ist stets anhand der tatsächlichen Verhältnisse durch tatrichterliche Würdigung festzustellen, ob im Einzelfall die Voraussetzungen von Absetzungen für außergewöhnliche Abnutzung eingetreten sind.

  2. NV: Hat das FG die maßgeblichen Umstände des Einzelfalles erwogen, kommt der Entscheidung keine Bedeutung für die Allgemeinheit mehr zu.

Gründe

1 Die Beschwerde hat keinen Erfolg; die geltend gemachten Zulassungsgründe sind nicht gegeben.

2 1. Für die Darlegung des Revisionszulassungsgrundes der Erforderlichkeit einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) zur Fortbildung des Rechts (§ 115 Abs. 2 Nr. 2 1. Alternative der Finanzgerichtsordnung --FGO--) als Unterfall der Grundsatzrevision (s. Gräber/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7. Aufl., § 116 Rz 38) muss der Beschwerdeführer u.a. schlüssig und substantiiert vortragen, weshalb die für bedeutsam gehaltene Rechtsfragen im Allgemeininteresse klärungsbedürftig und im Streitfall klärbar sind. An der Klärungsbedürftigkeit fehlt es, wenn die Rechtsfragen anhand der gesetzlichen Grundlagen und der bereits vorliegenden Rechtsprechung beantwortet werden können und keine neuen Gesichtspunkte erkennbar sind, die eine erneute Prüfung und Entscheidung der Rechtsfragen durch den BFH geboten erscheinen lassen.

3 Zu den von den Klägern und Beschwerdeführern (Kläger) herausgestellten Rechtsfragen betreffend die Voraussetzungen von Absetzungen für außergewöhnliche Abnutzung (AfaA) ist keine höchstrichterliche Entscheidung zur Rechtsfortbildung nötig. Denn es ist stets anhand der tatsächlichen Verhältnisse durch tatrichterliche Würdigung festzustellen, ob im Einzelfall die Voraussetzungen von AfaA eingetreten sind (vgl. BFH-Urteil vom 17. September 2008 IX R 64/07, BFHE 223, 53, BStBl II 2009, 301, m.w.N.). Die in diesem Zusammenhang aufgeworfenen Fragen sind vom Finanzgericht (FG) unter Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalles beantwortet worden. Hat das FG --wie im Streitfall-- die maßgeblichen Umstände erwogen, kommt der Entscheidung keine Bedeutung für die Allgemeinheit mehr zu (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 14. Januar 2010 IX B 146/09, BFH/NV 2010, 869).

4 2. Die Kläger machen auch zu Unrecht geltend, das FG habe ihren Anspruch auf rechtliches Gehör durch Erlass einer sog. Überraschungsentscheidung und die gerichtliche Hinweispflicht verletzt (Art. 103 Abs. 1 des Grundgesetzes, § 96 Abs. 2 FGO, § 76 Abs. 2 FGO).

5 Eine Überraschungsentscheidung liegt vor, wenn das FG sein Urteil auf einen bis dahin nicht erörterten rechtlichen oder tatsächlichen Gesichtspunkt stützt und damit dem Rechtsstreit eine Wendung gibt, mit der auch ein gewissenhafter und kundiger Prozessbeteiligter selbst unter Berücksichtigung der Vielzahl vertretbarer Auffassungen nach dem bisherigen Verlauf der Verhandlung nicht rechnen musste (BFH-Beschluss vom 2. April 2002 X B 56/01, BFH/NV 2002, 947). Andererseits verpflichtet das Gebot, rechtliches Gehör zu gewähren, das Gericht nicht, die für die Entscheidung maßgeblichen Gesichtspunkte mit den Beteiligten umfassend zu erörtern und ihnen die einzelnen für die Entscheidung maßgebenden Gesichtspunkte im Voraus anzudeuten oder das Ergebnis einer Gesamtwürdigung einzelner Umstände offenzulegen (vgl. BFH-Beschlüsse vom 25. Mai 2000 VI B 100/00, BFH/NV 2000, 1235; vom 7. Dezember 2006 IX B 50/06, BFH/NV 2007, 1135). Auch verlangt das Recht auf Gehör vom Gericht nicht, der von einem Beteiligten vertretenen Rechtsansicht zu folgen (vgl. Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 11. Juni 2008 2 BvR 2062/07, Deutsches Verwaltungsblatt 2008, 1056).

6 Danach liegt im Streitfall keine Überraschungsentscheidung vor. Denn der als Rechtsanwalt, Notar und Steuerberater tätige und mithin selbst sachkundige Kläger war --wie schon der Beklagte und Beschwerdegegner in seiner Beschwerdeerwiderung ausgeführt hat-- gehalten, alle vertretbaren rechtlichen Gesichtspunkte von sich aus in Betracht zu ziehen und seinen Vortrag darauf einzurichten (vgl. BFH-Beschluss in BFH/NV 2007, 1135, m.w.N.).

7 Aus den genannten Gründen liegt auch der behauptete Verstoß gegen die gerichtliche Hinweispflicht (§ 76 Abs. 2 FGO) nicht vor.

Parole chiave

extraordinary depreciationsurprise decisionright to be heardduty to give noticerevision admissibilityfactual assessment

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether revision should be allowed for development of the law regarding extraordinary depreciation (AfaA).

Decisione estratta

No. The asserted legal questions required no further clarification by the Federal Fiscal Court because AfaA depends on the factual circumstances of the individual case and the tax court had already weighed those circumstances.

Motivazione estratta

A legal question is not in need of clarification if it can be answered from the statutory rules and existing case law and no new considerations justify renewed review. Since the tax court assessed the relevant facts, the matter had no broader significance.

Questione giuridica chiave

Whether the tax court violated the right to be heard by issuing a surprise decision.

Decisione estratta

No. The tax court did not decide on an unforeseen legal or factual basis that would have taken the proceedings in an unexpected direction.

Motivazione estratta

A surprise decision exists only when a court relies on a previously unaddressed basis. The right to be heard does not require exhaustive prior discussion of every decisive consideration or advance disclosure of the overall weighing of evidence.

Questione giuridica chiave

Whether the tax court breached its duty to give notice.

Decisione estratta

No such breach occurred for the same reasons that there was no surprise decision.

Motivazione estratta

Because the complainants had to consider all plausible legal viewpoints on their own, no additional judicial notice duty was violated.

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