Legal aid for a partnership cannot be obtained via share transfer

BFH V S 11/10 (PKH)Bfh / 5a divisione11 ago 2010Dismissed

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Sintesi Omnilex

X asked for legal aid to file a non-admission complaint against a Finance Court judgment, claiming to be the successor of a liquidated GbR. The BFH held that, even assuming successor status, legal aid was unavailable. If X was not a predecessor-party, he could not file the complaint in his own name; if the GbR itself did not meet § 116 sentence 1 no. 2 ZPO, the requirement could not be bypassed by gratuitously transferring the partnership shares to X. The application was therefore denied, and no costs order was made because no court fees arise.

Massima Omnilex

§ 142 FGO i.V.m. § 114 ZPO; § 116 Satz 1 Nr. 2 ZPO; legal aid for a non-admission complaint by a legal person or capable association. Legal aid for a contemplated non-admission complaint presupposes that the applicant was entitled to pursue the prior proceedings or has become successor thereto. For juristic persons and capable associations, legal aid further requires that neither the entity nor the economically interested persons can bear the costs and that withholding legal protection would contravene general interests. These requirements are not met where no such general-interest concern exists. They cannot be evaded by transferring association or partnership interests gratuitously to a natural person solely to create legal-aid eligibility (consid. 2b).

Testo completo

BFH — V S 11/10 (PKH), Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-08-11

Aktenzeichen: V S 11/10 (PKH)

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 142 FGO, § 116 S 1 Nr 2 ZPO

Spruchkörper: 5. Senat

Titelzeile

Prozesskostenhilfe bei Gesellschaften

Leitsatz

NV: Liegen die besonderen Voraussetzungen für die Gewährung von PKH nach § 116 Satz 1 Nr. 2 ZPO nicht vor, können diese Voraussetzungen nicht dadurch umgangen werden, dass die Gesellschaftsanteile zum Zwecke der Erlangung von PKH unentgeltlich auf einen Gesellschafter übertragen werden.

Tatbestand

1 I. Der Kläger und Antragsteller (Antragsteller) X begehrt Prozesskostenhilfe (PKH) für die Erhebung einer Nichtzulassungsbeschwerde als angeblicher Rechtsnachfolger einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts in Liquidation (GbR i.L.). Das Finanzgericht (FG) hat mit Urteil vom 8. April 2010 5 K 2917/09 U die Klage der GbR i.L., vertreten durch den Antragsteller als deren Liquidator, teilweise als unbegründet abgewiesen.

2 Das FG hatte bereits zuvor einen Antrag des X auf Bewilligung von PKH mit Beschluss vom 13. November 2009 als unzulässig verworfen, weil X im Verfahren der GbR nicht Beteiligter gewesen sei. Einen weiteren Antrag des X hat es mit Beschluss vom 8. April 2010 ebenfalls abgelehnt. X habe die im Schriftsatz vom 9. März 2010 erhobene Behauptung, er sei aufgrund eines Gesellschafterbeschlusses vom "1.10.2010" durch Vereinigung sämtlicher Geschäftsanteile auf ihn Alleingesellschafter der GbR i.L. geworden, nicht glaubhaft gemacht, sondern statt dessen mit Schriftsatz vom 1. April 2010 erklärt, er sei doch nicht Gesamtrechtsnachfolger geworden. Lege man den PKH-Antrag als Antrag der Klägerin aus, sei dieser abzulehnen, da die Voraussetzungen des § 116 Satz 1 Nr. 2 der Zivilprozessordnung (ZPO) nicht erfüllt seien.

3 Der Antragsteller behauptet nunmehr unter Hinweis auf einen Gesellschafterbeschluss vom 26. Mai 2010 Rechtsnachfolger der GbR geworden zu sein. Dem Inhalt des beigelegten Gesellschafterbeschlusses zufolge haben die Gesellschafter die Gesellschaftsanteile der GbR i.L. auf den Antragsteller unentgeltlich übertragen, um auf diese Weise PKH erlangen zu können.

Entscheidungsgründe

4 II. Der Antrag auf PKH hat keinen Erfolg.

5 Es kann dahinstehen, ob die nicht weiter glaubhaft gemachte Behauptung des Antragstellers zutrifft, er sei Rechtsnachfolger der GbR i.L. geworden; denn der Antrag auf PKH hat unabhängig davon keinen Erfolg.

6 1. Gemäß § 142 der Finanzgerichtsordnung i.V.m. § 114 ZPO erhält eine Partei, die nach ihren persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen die Kosten der Prozessführung nicht, nur zum Teil oder nur in Raten aufbringen kann, auf Antrag PKH, wenn die beabsichtigte Rechtsverfolgung hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet und nicht mutwillig erscheint.

7 2. Der Antragsteller begehrt PKH für eine Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision in dem gegenüber der GbR i.L. ergangenen Urteil des FG. PKH für eine noch zu erhebende Nichtzulassungsbeschwerde erhält nur, wer am vorausgehenden Verfahren vor dem FG Beteiligter war, im Streitfall neben dem Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt) die GbR i.L.

8 a) Trifft die Rechtsbehauptung des Antragstellers nicht zu, er sei Rechtsnachfolger geworden, kann ihm PKH schon deshalb nicht gewährt werden, weil er im Klageverfahren nicht Beteiligter war und deshalb eine im eigenen Namen erhobene Nichtzulassungsbeschwerde unzulässig wäre.

9 b) Auch bei Rechtsnachfolge aufgrund der behaupteten unentgeltlichen Übertragung der Anteile kommt die Gewährung von PKH nicht in Betracht.

10 aa) Eine inländische juristische Person oder parteifähige Vereinigung erhält nach § 116 Satz 1 Nr. 2 ZPO nur dann PKH, wenn die Kosten des Rechtsstreits weder von ihr noch von den am Gegenstand des Rechtsstreits wirtschaftlich Beteiligten aufgebracht werden können. Als GbR gehörte die Klägerin im Verfahren vor dem FG, die GbR i.L., zu den parteifähigen Vereinigungen i.S. des § 116 Satz 1 Nr. 2 ZPO, weil sie als Gesellschaft befugt ist, selbständig gegen Umsatzsteuerbescheide Klage zu erheben (z.B. Beschluss des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 3. August 2007 V S 18/07 (PKH), BFH/NV 2007, 2309, m.w.N.). Für eine GbR in Liquidation gilt nichts anderes.

11 bb) Zusätzliche Voraussetzung für die PKH einer juristischen Person oder --wie hier-- einer parteifähigen Vereinigung ist jedoch nach § 116 Satz 1 Nr. 2 ZPO, dass die Unterlassung der Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung allgemeinen Interessen zuwiderlaufen würde. Dies wird z.B. dann bejaht, wenn ein großer Personenkreis in Mitleidenschaft gezogen oder eine Vereinigung an der Erfüllung ihrer der Allgemeinheit dienenden Aufgaben behindert würde (BFH-Beschlüsse vom 29. Mai 2009 V S 15/09 (PKH), BFH/NV 2009, 1453; in BFH/NV 2007, 2309; vom 17. September 1998 III S 9/98, BFH/NV 1999, 339). Hierfür ist nichts ersichtlich, so dass der GbR i.L. keine PKH hätte gewährt werden dürfen. Lagen in den Fällen des § 116 Satz 1 Nr. 2 ZPO die Voraussetzungen für die Gewährung von PKH für die juristische Person oder die parteifähige Vereinigung nicht vor, kann diese nicht dadurch erreicht werden, dass die Anteile unentgeltlich auf eine natürliche Person übertragen werden (vgl. Entscheidung des Oberlandesgerichts Köln vom 6. Januar 1995 2 W 1/95, Neue Juristische Wochenschrift-Rechtsprechungs-Report Zivilrecht 1995, 1405; Zöller, ZPO, 28. Aufl., § 116 Rz 18 und § 114 Rz 9, m.w.N.). Selbst wenn deshalb die Rechtsbehauptung des Antragstellers zuträfe und er Rechtsnachfolger der GbR i.L. geworden wäre, kommt deshalb die Gewährung von PKH nicht in Betracht.

12 3. Eine Kostenentscheidung war nicht zu treffen. Gerichtsgebühren entstehen nicht (§ 1 Abs. 2 Nr. 2, § 3 Abs. 2 des Gerichtskostengesetzes in Verbindung mit dem Kostenverzeichnis).

Parole chiave

legal aidpartnershipnon-admission complaintsuccessorshare transfereconomic interestgeneral interesttax procedure

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether X could obtain legal aid for a non-admission complaint although he had not been a party in the FG proceedings.

Decisione estratta

No; if he was not a successor, a complaint brought in his own name would be inadmissible because he was not a participant in the prior proceedings.

Motivazione estratta

Legal aid for a not-yet-filed non-admission complaint is available only to a person entitled to file that complaint; that requires prior participation in the FG case.

Questione giuridica chiave

Whether legal aid could be granted to the GbR i.L. under § 116 sentence 1 no. 2 ZPO.

Decisione estratta

No; the partnership's own legal aid requirements were not met because no general interest in withholding legal protection was shown.

Motivazione estratta

A legal person or capable association gets legal aid only if neither it nor economically interested persons can pay and if withholding litigation would offend general interests; nothing indicated such an interest here.

Questione giuridica chiave

Whether legal aid can be secured by gratuitously transferring partnership shares to an individual.

Decisione estratta

No; missing requirements under § 116 sentence 1 no. 2 ZPO cannot be circumvented by a gratuitous transfer of shares to a natural person.

Motivazione estratta

If the association itself would not qualify for legal aid, the same result cannot be achieved indirectly by restructuring ownership solely to obtain legal aid.

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