progetti
BFH IX B 221/09 ΓÇó FG must decide unilateral discontinuance request, not original claim
BFH IX B 221/09Bfh / Division 99 apr 2010Annulled
The Federal Fiscal Court upheld the complainant's procedural complaint. The Niedersächsisches Finanzgericht had wrongly dismissed the tax action on the merits after the plaintiff had filed a unilateral declaration of mootness; it should instead have decided only the mootness issue. Because this procedural defect could have affected the outcome, the BFH set aside the first-instance judgment and remitted the case to the tax court for reconsideration of the discontinuance request.
§ 96 Abs. 1 Satz 2 FGO; § 116 Abs. 6 FGO; unilateral declaration of mootness: if the plaintiff, after effective revocation of the defendant’s prior mootness declaration, confines the proceedings to the question of mootness, the tax court may not decide the original substantive claim on the merits. Doing so constitutes a violation of the basic rules of procedure and exceeds the relief sought. Such a procedural error is capable of affecting the decision and requires setting aside the judgment and remittal to the first instance for a new decision on the discontinuance issue (consid. 2–3).
Entscheidungsdatum: 2010-04-09
Aktenzeichen: IX B 221/09
Dokumenttyp: Beschluss
Normen: § 96 Abs 1 S 2 FGO, § 96 Abs 2 FGO, § 115 Abs 2 Nr 3 FGO, § 116 Abs 6 FGO
Vorinstanz: vorgehend Niedersächsisches Finanzgericht, 28. Oktober 2009, Az: 12 K 291/09, Urteil
Spruchkörper: 9. Senat
Nichtzulassungsbeschwerde: Erledigungserklärung
NV: Das FG verstößt gegen die Grundordnung des Verfahrens, wenn es mit seinem klageabweisenden Urteil über den ursprünglichen Sachantrag anstatt über den vom Kläger zwischenzeitlich gestellten (einseitigen) Erledigungsantrag, also die Erledigungsfrage, entscheidet.
1 Die Beschwerde ist begründet; sie führt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zurückverweisung des Rechtsstreits zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das Finanzgericht --FG-- (§ 116 Abs. 6 der Finanzgerichtsordnung --FGO--). Der vom Kläger und Beschwerdeführer (Kläger) geltend gemachte Verfahrensmangel eines Verstoßes gegen die Grundordnung des Verfahrens liegt vor; auf ihm kann die angefochtene Entscheidung beruhen (§ 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO).
2 Das FG hat gegen die Grundordnung des Verfahrens verstoßen, indem es über den ursprünglichen Sachantrag entschieden hat, anstatt über den vom Kläger gestellten (einseitigen) Erledigungsantrag, also die Erledigungsfrage, zu entscheiden. Zwar hatte der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt) zuvor ebenso eine Erledigungserklärung (auch) zum Streitjahr abgegeben, diese aber gegenüber dem FG (vgl. Gräber/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 6. Aufl., § 138 Rz 13; Brandis in Tipke/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, § 138 FGO Rz 23) und vor der entsprechenden Erklärung des Klägers wirksam widerrufen (zum Widerruf s. Gräber/Ruban, a.a.O., § 138 Rz 16; s.a. Beschluss des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 23. Mai 2005 X B 63/05, juris). Die danach --wenn auch in Unkenntnis des Widerrufs-- erfolgte Erledigungserklärung des Klägers war daher einseitig, so dass das FG nunmehr nur noch über die vom Kläger behauptete Erledigung des Rechtsstreits hätte entscheiden dürfen. Mit seiner klageabweisenden Entscheidung in der Sache ist das FG entgegen § 96 Abs. 1 Satz 2 FGO und rechtserheblich über das durch den Erledigungsantrag eingeschränkte Klagebegehren hinausgegangen (im Einzelnen s. BFH-Beschluss vom 20. März 2003 III B 74/01, BFH/NV 2003, 935).
3 Auf den Verfahrensfehler ist das FG-Urteil aufzuheben und der Rechtsstreit zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zurückzuverweisen (§ 116 Abs. 6 FGO). Das FG wird im zweiten Rechtsgang über den Erledigungsantrag des Klägers zu entscheiden haben.