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BVerfG 1 BvR 783/17 ΓÇó Non-acceptance for insufficient substantiation of hearing violation
BVerfG 1 BvR 783/17Bverfg / 1. Senat 3. Kammer4 mag 2017Inadmissible
The Federal Constitutional Court did not accept the constitutional complaint for decision. It held that a complaint alleging a violation of the right to be heard must substantiate what the complainant would have submitted had hearing been properly granted. The complainant relied only on the assertion that she would have appeared in an oral hearing without objection and thus accepted the local court's jurisdiction, but she did not explain any further written objections to the transfer order. The request for interim relief became moot with the non-acceptance.
Art. 103 Abs. 1 GG; § 23 Abs. 1 S. 2, § 92 BVerfGG: A substantiated complaint of a violation of the right to be heard requires concrete submission as to what would have been argued in the main proceedings had hearing been afforded. The Federal Constitutional Court examines causation between the alleged hearing defect and the challenged decision only if the complainant identifies the omitted factual or legal submissions with sufficient specificity. A mere reference to a hypothetical oral hearing or to a possible waiver of objection is insufficient where the complaint does not explain what additional objections against the impugned decision would have been raised and why these could have led to a different outcome (consid. 4).
Entscheidungsdatum: 2017-05-04
Aktenzeichen: 1 BvR 783/17
ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2017:rk20170504.1bvr078317
Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss
Normen: Art 103 Abs 1 GG, § 23 Abs 1 S 2 BVerfGG, § 92 BVerfGG, § 281 ZPO
Vorinstanz: vorgehend LG Aschaffenburg, 22. März 2017, Az: 32 O 96/17, Verfügungvorgehend AG Obernburg, 13. März 2017, Az: 1 C 627/16, Beschluss
Spruchkörper: 1. Senat 3. Kammer
Nichtannahmebeschluss: Substantiierte Rüge einer Gehörsverletzung (Art 103 Abs 1 GG) setzt Darlegung dessen voraus, was bei ordnungsgemäßer Gehörsgewährung vorgebracht worden wäre - hier: Rüge einer Gehörsverletzung durch Verweisungsbeschluss vor mündlicher Verhandlung - fehlender Beschwerdevortrag zu Einwänden gegen Verweisung - Verweisung auf rügeloses Einlassen unzureichend
Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.
Mit der Nichtannahme der Verfassungsbeschwerde wird der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung gegenstandslos (§ 40 Abs. 3 GOBVerfG).
1 Die Verfassungsbeschwerde ist nicht zur Entscheidung anzunehmen, weil sie nicht die Voraussetzungen des § 93a Abs. 2 BVerfGG erfüllt.
2 1. Es kann dahinstehen, ob der Verweisungsbeschluss des Amtsgerichts vom 13. März 2017 im Hinblick auf Art. 103 Abs. 1 GG insoweit Bedenken unterliegt, weil er vor Ablauf einer der Beschwerdeführerin gesetzten Äußerungsfrist ergangen ist (vgl. BVerfGE 61, 37 <41 f.> m.w.N.), wenngleich die Beschwerdeführerin innerhalb der Frist bereits Stellung genommen hat.
3 2. Denn die Beschwerdeführerin trägt nicht ausreichend (vgl. § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG) vor, weshalb der Verweisungsbeschluss auf einem möglichen Verstoß beruhen soll.
4 Ein Beschwerdeführer muss bei der Rüge einer Verletzung des Art. 103 Abs. 1 GG substantiiert darlegen, was er im Ausgangsverfahren vorgetragen hätte, wenn ihm rechtliches Gehör gewährt worden wäre, da nur so geprüft werden kann, ob die angegriffene Entscheidung auf dem gerügten Grundrechtsverstoß beruht (vgl. BVerfGE 28, 17 <20>; 112, 185 <206 f.>; stRspr). Daran fehlt es, weil die Beschwerdeführerin lediglich vorträgt, sie hätte sich in einer mündlichen Verhandlung rügelos eingelassen und so die Zuständigkeit des Amtsgerichts herbeigeführt (vgl. § 39 Satz 1 ZPO). Sie trägt aber nicht vor, was sie schriftsätzlich noch gegen die Verweisung vor Durchführung einer mündlichen Verhandlung eingewandt hätte, sodass nicht geprüft werden kann, weshalb dies zu einer anderen Entscheidung hätte führen können.
5 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.
6 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.