No cost reimbursement after moot constitutional complaint

BVerfG 2 BvR 144/17Bverfg / 2. Senat 2. Kammer15 mar 2017Dismissed

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Federal Constitutional Court dismissed the complainant's request for reimbursement of necessary expenses after the constitutional complaint had been declared moot. It held that the later discontinuance of the criminal proceedings under Section 153a StPO did not amount to an acknowledgment of a constitutional violation. On the contrary, it showed that the complainant's fear of a massive delay caused by joining the criminal cases had not been borne out. The complainant therefore had to bear his own expenses.

Massima Omnilex

§ 34a Abs. 3 BVerfGG; reimbursement of necessary expenses after mootness: An award of costs is based on equity and requires a Gesamtwürdigung of all known circumstances. A reimbursement may be considered where the challenged act is withdrawn or the grievance otherwise remedied by the public authority, because this can indicate that the complaint was regarded as justified. No reimbursement is warranted, however, where the subsequent development does not amount to such an acknowledgment and instead confirms the legality or practical correctness of the challenged decision; a mere later discontinuance of related criminal proceedings under § 153a StPO does not by itself justify the inference of a constitutional violation (consid. 2-5).

Testo completo

BVerfG — 2 BvR 144/17, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2017-03-15

Aktenzeichen: 2 BvR 144/17

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2017:rk20170315.2bvr014417

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 32 Abs 1 BVerfGG, § 34a Abs 3 BVerfGG, § 90 BVerfGG, § 4 Abs 1 StPO, § 153a StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Stade, 19. Dezember 2016, Az: 500 KLs 132 Js 9841/08 (9/15), Beschluss

Spruchkörper: 2. Senat 2. Kammer

Titelzeile

Ablehnung der Auslagenerstattung (§ 34a Abs 3 BVerfGG) im Verfassungsbeschwerdeverfahren nach Erledigterklärung: Zeitnahe Verfahrenseinstellung gem § 153a StPO kann nicht als Anerkenntnis eines durch die Verbindung zweier Strafverfahren verursachten, in einer etwaigen Verfahrensverzögerung liegenden Verfassungsverstoßes gesehen werden

Tenor

Der Antrag des Beschwerdeführers auf Anordnung der Erstattung seiner notwendigen Auslagen wird abgelehnt.

Gründe

1 Über die Verfassungsbeschwerde ist aufgrund der Erledigungserklärung des Beschwerdeführers vom 27. Januar 2017 nicht mehr zu entscheiden (vgl. BVerfGE 7, 75 <76>; 85, 109 <113>). Verfahrensgegenstand ist nur noch die Entscheidung über den Antrag des Beschwerdeführers auf Erstattung seiner notwendigen Auslagen, die der Kammer obliegt (vgl. BVerfGE 72, 34 <38 f.>). Dieser Antrag hat keinen Erfolg.

2 1. Nach Erledigung der Verfassungsbeschwerde und des Antrags auf Erlass einer einstweiligen Anordnung ist über die Erstattung der dem Beschwerdeführer entstandenen Auslagen nach Billigkeitsgesichtspunkten zu entscheiden (§ 34a Abs. 3 BVerfGG). Dabei ist eine Gesamtwürdigung aller bekannten Umstände vorzunehmen. Mit Blick auf die Funktion und Tragweite verfassungsgerichtlicher Entscheidungen kommt eine summarische Prüfung der Erfolgsaussicht der Verfassungsbeschwerde regelmäßig nicht in Betracht (vgl. BVerfGE 85, 109 <115>; 87, 394 <398>; 133, 37 <38 Rn. 2>; Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 9. Februar 2017 - 1 BvR 309/11 -, juris, Rn. 2). Eine Erstattung von Auslagen kommt allerdings dann in Frage, wenn die Erfolgsaussicht der Verfassungsbeschwerde offensichtlich war und unterstellt werden kann oder wenn die verfassungsrechtliche Lage geklärt worden ist (vgl. BVerfGE 85, 109 <114 ff.>; 133, 37 <38 f. Rn. 2>; Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 9. Februar 2017 - 1 BvR 309/11 -, juris, Rn. 2).

3 Bei der erforderlichen Gesamtwürdigung kann insbesondere dem Grund, der zur Erledigung geführt hat, wesentliche Bedeutung zukommen. Beseitigt die öffentliche Gewalt von sich aus den mit der Verfassungsbeschwerde angegriffenen Akt oder hilft sie der Beschwer auf andere Weise ab, so kann, falls keine anderweitigen Gründe ersichtlich sind, angenommen werden, dass sie das Begehren des Beschwerdeführers selbst für berechtigt erachtet. In diesem Fall ist es billig, die öffentliche Hand ohne weitere Prüfung an ihrer Auffassung festzuhalten und dem Beschwerdeführer die Erstattung seiner Auslagen in gleicher Weise zuzubilligen, wie wenn seiner Verfassungsbeschwerde stattgegeben worden wäre (vgl. BVerfGE 85, 109 <115>; 87, 394 <397>; 91, 146 <147>; 133, 37 <38 Rn. 2>; BVerfGK 5, 316 <327 f.>; Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 9. Februar 2017 - 1 BvR 309/11 -, juris, Rn. 2).

4 2. Gemessen an diesen Grundsätzen scheidet eine Auslagenerstattung vorliegend aus.

5 Die Tatsache, dass das Verfahren gegen den Beschwerdeführer etwa einen Monat nach der angefochtenen Entscheidung des Landgerichts gemäß § 153a StPO eingestellt werden konnte, hat gezeigt, dass sich die Prognose des Beschwerdeführers, durch die Verbindung beider Verfahren werde sich das gegen ihn gerichtete Strafverfahren massiv verzögern, nicht bewahrheitet hat. Vielmehr hat sich damit die Annahme der Strafkammer in der angefochtenen Entscheidung, das Verfahren werde einen Fortgang nehmen, der dem Beschleunigungsgrundsatz gerecht werde, als zutreffend herausgestellt. Damit erfolgte die Einstellung des Verfahrens gerade nicht aufgrund der seitens des Beschwerdeführers geäußerten verfassungsrechtlichen Bedenken (vgl. Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 9. Februar 2017 - 1 BvR 309/11 -, juris, Rn. 4). Vor diesem Hintergrund kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Strafkammer des Landgerichts Stade das Begehren des Beschwerdeführers für berechtigt angesehen hätte (vgl. BVerfGE 85, 109, 114 ff.; 87, 394 <397 f.>; 133, 37 <38 Rn. 2>); das Anerkenntnis eines Verfassungsverstoßes, welcher die Anordnung einer Auslagenerstattung rechtfertigen würde, kann darin nicht gesehen werden (vgl. Lenz/Hansel, BVerfGG, 2. Aufl. 2015, § 34a Rn. 37).

6 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Parole chiave

constitutional complaintcost reimbursementmootnessequitycriminal procedure joinderproceedings discontinuance

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the complainant's necessary expenses should be reimbursed after the constitutional complaint became moot.

Decisione estratta

Reimbursement was refused because the later discontinuance of the criminal proceedings under Section 153a StPO did not show that the challenged decision had acknowledged a constitutional violation or that the complaint was obviously well-founded.

Motivazione estratta

Costs after mootness are decided on equity under Section 34a(3) BVerfGG. A reimbursement is justified mainly where the authority itself cures the challenged measure and thereby implicitly accepts the complaint. Here, the discontinuance about one month later showed that the complainant's predicted massive delay had not materialized and confirmed the lower court's expectation of compliant progress; it was not an acknowledgment of any constitutional breach.

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