progetti
BVerfG 1 BvR 2860/16 ΓÇó Constitutional complaint against SGB II reform law inadmissible for subsidiarity
BVerfG 1 BvR 2860/16Bverfg / 1. Senat 2. Kammer13 gen 2017Inadmissible
The Federal Constitutional Court did not admit the constitutional complaint against the SGB II reform law. Although the complainant showed personal impact and the law had already been applied in a Jobcenter benefits decision, the Court held that the complaint was inadmissible because subsidiarity under § 90(2) BVerfGG requires the use of all available and reasonable legal remedies before filing a constitutional complaint. The Court gave no further reasons under § 93d(1) sentence 3 BVerfGG.
§ 90 Abs. 2 BVerfGG; direct constitutional complaint against a statute; subsidiarity. A constitutional complaint directed immediately against a statute is inadmissible if the complainant has not first exhausted all available and reasonable procedural means to avert or correct the alleged constitutional violation. Prior application of the statute in an administrative decision does not dispense with the obligation to pursue ordinary legal remedies; mere personal concern and factual hardship are insufficient. The Court may refrain from further reasoning under § 93d(1) sentence 3 BVerfGG.
Entscheidungsdatum: 2017-01-13
Aktenzeichen: 1 BvR 2860/16
ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2017:rk20170113.1bvr286016
Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss
Normen: § 90 Abs 2 BVerfGG, InsoAntrAussG/SGB2ÄndG 9
Spruchkörper: 1. Senat 2. Kammer
Nichtannahmebeschluss: Unzulässigkeit einer gegen das SGB II-Rechtsvereinfachungsgesetz (juris: InsoAntrAussG/SGB2ÄndG 9) eingelegten Rechtssatzverfassungsbeschwerde wegen Subsidiarität
Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.
1 Die unmittelbar gegen ein Gesetz gerichtete Verfassungsbeschwerde, die im Wesentlichen auf einer im Internet verbreiteten "Vorlage" beruht, ist unzulässig (vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 4. Oktober 2016 - 1 BvR 1704/16 -). Die hier von dem Beschwerdeführer beigefügte "persönliche Erklärung zu meiner Betroffenheit durch Hartz IV" schildert zwar eindrücklich sein persönliches Schicksal und die sozialen Folgen von Dauererwerbslosigkeit. Auch belegt ein Bescheid des Jobcenters, dass das angegriffene Gesetz bereits einer Entscheidung gegenüber dem Beschwerdeführer über Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts zugrunde lag. Doch müssen nach dem Grundsatz der Subsidiarität (§ 90 Abs. 2 BVerfGG) vor Einlegung einer Verfassungsbeschwerde alle zur Verfügung stehenden prozessualen Möglichkeiten ergriffen werden, um eine Korrektur einer geltend gemachten Verfassungsverletzung zu erwirken oder eine solche zu verhindern, soweit dies zumutbar ist (vgl. BVerfGE 123, 148 <172 f.>; 134, 242 <285 Rn. 150>; stRspr). Dies hat der Beschwerdeführer nicht getan.
2 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.
3 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.