progetti
BVerfG 2 BvR 2087/15 ΓÇó Constitutional complaint inadmissible for failure to file hearing complaint
BVerfG 2 BvR 2087/15Bverfg / 2. Senat 2. Kammer20 nov 2015Inadmissible
The Federal Constitutional Court did not admit the constitutional complaint because the complainant had not first filed a hearing complaint under § 33a StPO against the Regional Court's decision. The Court held that material subsidiarity under § 90(2) sentence 1 BVerfGG requires use of available procedural remedies in the nearest specialized proceeding to cure an alleged denial of the right to be heard. As the complaint had no prospect of success, legal aid was denied. The request for interim relief was thereby rendered moot.
Art. 103 Abs. 1 GG; § 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG; § 33a StPO: A constitutional complaint alleging a violation of the right to be heard is inadmissible where the complainant omits the hearing complaint available in the specialized proceedings. The principle of material subsidiarity requires exhaustion not merely of formal remedies, but of all procedural means apt to prevent or remedy the alleged rights violation in the nearest, factually related forum (consid. 2). Failure to use § 33a StPO bars constitutional review even if the alleged defect concerns non-disclosure of a party submission (consid. 3). A complaint lacking prospects of success cannot justify legal aid; ancillary interim relief becomes moot upon non-admission.
Entscheidungsdatum: 2015-11-20
Aktenzeichen: 2 BvR 2087/15
ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2015:rk20151120.2bvr208715
Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss
Normen: Art 103 Abs 1 GG, § 90 Abs 2 S 1 BVerfGG, § 33a StPO
Vorinstanz: vorgehend LG Bochum, 26. Oktober 2015, Az: V StVK 171/15, Beschluss
Spruchkörper: 2. Senat 2. Kammer
Nichtannahmebeschluss: Subsidiarität der Verfassungsbeschwerde bei unterlassener Anhörungsrüge gem § 33a StPO im fachgerichtlichen Verfahren
Der Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe wird abgelehnt, weil die beabsichtigte Rechtsverfolgung keine hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet.
Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.
Damit erledigt sich der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung.
1 Die Verfassungsbeschwerde ist nicht zur Entscheidung anzunehmen, weil sie keine Aussicht auf Erfolg hat (vgl. § 93a Abs. 2 BVerfGG). Sie ist aus Gründen der materiellen Subsidiarität unzulässig, weil der Beschwerdeführer gegen den Beschluss des Landgerichts keine Anhörungsrüge erhoben hat.
2 Der aus § 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG abgeleitete Grundsatz der materiellen Subsidiarität gebietet, dass der Beschwerdeführer den Rechtsweg nicht lediglich formell erschöpft, sondern darüber hinaus auch alle nach Lage der Sache zur Verfügung stehenden prozessualen Möglichkeiten ergreift, um die geltend gemachte Grundrechtsverletzung in dem unmittelbar mit ihr zusammenhängenden sachnächsten Verfahren zu verhindern oder zu beseitigen (BVerfGE 107, 395 <414>; 112, 50 <60>; 129, 78 <92>; 134, 106 <115>).
3 Das Landgericht hat dem Beschwerdeführer die Stellungnahme der Justizvollzugsanstalt vor Erlass des angegriffenen Beschlusses nicht zugänglich gemacht. Gegen den darin liegenden Gehörsverstoß (vgl. BVerfGK 7, 438 <441>; BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 6. Juni 2011 - 2 BvR 960/11 -, juris, Rn. 4 f.; BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 6. Juni 2011 - 2 BvR 2076/08 -, juris, Rn. 3; BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 24. Oktober 2012 - 2 BvR 1432/11 -, juris, Rn. 3; BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 30. Mai 2013 - 2 BvR 885/13 -, juris, Rn. 4) stand dem Beschwerdeführer die Anhörungsrüge nach § 33a StPO offen.
4 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.
5 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.