Wartelist for organ transplant: prior court remedies required

BVerfG 1 BvR 2271/14Bverfg / 1. Senat 1. Kammer18 ago 2014Inadmissible

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Sintesi Omnilex

The Federal Constitutional Court declined to accept the constitutional complaint. The complainant challenged the refusal to place him on a heart-transplant waiting list and also sought interim relief, but he had not first pursued main or interim protection before the competent specialized courts. The Court held that this was required under § 90(2) sentence 1 BVerfGG and that resort to those courts was not unreasonable under sentence 2, because they could examine both constitutional and ordinary-law questions and clarify the medical facts. The Court therefore left open whether the complaint met the pleading requirements.

Massima Omnilex

§ 90 Abs. 2 S. 1 und 2 BVerfGG; constitutional complaint against refusal to place a patient on a transplant waiting list is inadmissible absent prior resort to specialized courts. The exhaustion requirement applies equally where urgent judicial protection is sought. Referral to the Fachgerichte is not unreasonable merely because constitutional issues are raised; those courts may also review ordinary-law claims, assess the medical facts, and provide prompt interim relief even where jurisdictional questions are still open (consid. 2-5).

Testo completo

BVerfG — 1 BvR 2271/14, Nichtannahmebeschluss

Entscheidungsdatum: 2014-08-18

Aktenzeichen: 1 BvR 2271/14

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2014:rk20140818.1bvr227114

Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss

Normen: § 90 Abs 2 S 1 BVerfGG, § 90 Abs 2 S 2 BVerfGG, § 16 Abs 1 S 2 Nr 2 TPG, § 16 Abs 1 S 2 Nr 5 TPG

Spruchkörper: 1. Senat 1. Kammer

Titelzeile

Nichtannahmebeschluss: Vorrangige Inanspruchnahme fachgerichtlichen (Eil-)Rechtsschutzes (§ 90 Abs 2 S 1 BVerfGG) auch bzgl Aufnahme auf Warteliste für Organtransplantation geboten

Gründe

1 Die Verfassungsbeschwerde, mit der der Beschwerdeführer einen Verstoß der Richtlinie zur Organtransplantation gemäß § 16 Abs. 1 Satz 1 Nrn. 2 und 5 des Transplantationsgesetzes (TPG) gegen Art. 3 Abs. 3 Satz 2 GG und mittelbar auch gegen § 16 TPG geltend macht, ist unzulässig. In der Sache geht es dem Beschwerdeführer, wie auch sein Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung deutlich macht, um seine Aufnahme auf die Warteliste des ihn behandelnden Krankenhauses zur Herztransplantation, die unter anderem wegen einer schweren Hirnschädigung als kontraindiziert abgelehnt wurde.

2 Die Verfassungsbeschwerde ist unzulässig, weil der Rechtsweg gegen die Ablehnung der Aufnahme des Beschwerdeführers auf die Warteliste nicht erschöpft ist (§ 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG). Der Beschwerdeführer hat nicht vorgetragen, bisher auch nur versucht zu haben, vor den in erster Linie dafür zuständigen Fachgerichten Hauptsache- und Eilrechtsschutz gegen die Ablehnung zu erlangen.

3 Die Verweisung des Beschwerdeführers auf den Rechtsschutz vor den Fachgerichten ist nicht unzumutbar im Sinne von § 90 Abs. 2 Satz 2 BVerfGG. Sie eröffnet dem Beschwerdeführer im Gegenteil die Möglichkeit eines nicht auf verfassungsrechtliche Fragen beschränkten, sondern auch alle einfachrechtlichen Ansprüche mit einschließenden Rechtsschutzes inklusive der in erster Linie den Fachgerichten vorbehaltenen und bisher noch in keiner Weise erfolgten Aufbereitung des Sachverhalts in tatsächlicher, auch medizinische Fragen betreffender Hinsicht.

4 Die Fachgerichte sind entgegen der Auffassung der Verfassungsbeschwerde nicht uneingeschränkt an die Vorgaben der Richtlinie zur Organtransplantation gemäß § 16 Abs. 1 Satz 1 Nrn. 2 und 5 TPG gebunden. Da sie kein förmliches Gesetz ist, können und müssen sie die Richtlinie - ohne dass der Rechtscharakter dieser Richtlinie dafür hier näher bestimmt werden müsste - auf ihre Vereinbarkeit mit höherrangigem Recht überprüfen, falls es für ihre Entscheidung darauf ankommt.

5 Der Verweisung auf den fachgerichtlichen Rechtsschutz steht nicht entgegen, dass insoweit noch offene Rechtswegfragen bestehen könnten. Die Fachgerichte sind grundsätzlich in der Lage, in dringenden Fällen binnen kürzester Zeit Eilrechtsschutz zu gewähren und dies auch bei unklarer Rechtsweglage durch Verweisung sicherzustellen. Dass dies bei dem Beschwerdeführer nicht möglich ist, ist auch unter Berücksichtigung seiner lebensbedrohlichen Situation nicht erkennbar.

6 Da die Zulässigkeit der Verfassungsbeschwerde bereits an der fehlenden Rechtswegerschöpfung scheitert, bedarf es keiner Entscheidung, ob sie den Begründungsanforderungen nach §§ 92, 23 Abs. 1 Satz 2 BVerfGG genügt.

7 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

8 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Parole chiave

constitutional complaintexhaustion of remediesinterim relieftransplant waiting listspecialized courtsadmissibility

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the constitutional complaint was admissible despite not first seeking ordinary court remedies against the refusal to admit the complainant to the transplant waiting list.

Decisione estratta

The complaint was inadmissible because available judicial remedies had not been exhausted and resort to the administrative courts was not unreasonable.

Motivazione estratta

Under § 90(2) sentence 1 BVerfGG, the complainant had not even attempted to obtain main proceedings or urgent relief before the specialized courts. § 90(2) sentence 2 BVerfGG did not excuse that omission, since ordinary courts could also examine simple-law claims and develop the medical facts; they were moreover able to grant urgent protection quickly, even if jurisdictional questions remained open.

Questione giuridica chiave

Whether the Court had to decide on the complaint's compliance with the pleading requirements of §§ 92, 23(1) sentence 2 BVerfGG.

Decisione estratta

No. Because the complaint failed already for lack of exhaustion of remedies, the Court did not need to address the pleading requirements.

Motivazione estratta

The admissibility defect was dispositive.

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