Interim relief in Hessian gambling law denied

BVerfG 1 BvR 640/13Bverfg / 1. Senat 2. Kammer22 apr 2013Dismissed

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Federal Constitutional Court rejected an application for an interim order concerning Hessian gambling-law provisions. For five locations, the application lacked a need for legal protection because the establishments could continue operating under the five-year transition period until 30 June 2017. For one further location, the applicant was expected to seek ordinary interim judicial protection before the competent courts during the one-year transition period ending 30 June 2013. As to the remaining challenged provisions, the application did not sufficiently show irreparable harm.

Massima Omnilex

§ 32 Abs. 1 BVerfGG; einstweilige Anordnung im Verfahren der Verfassungsbeschwerde; Subsidiarität und Rechtsschutzbedürfnis. Ein Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung ist unzulässig, wenn für den Antragsteller wegen einer fortgeltenden Übergangsregelung kein Rechtsschutzbedürfnis besteht oder ihm die Inanspruchnahme fachgerichtlichen Eilrechtsschutzes zumutbar ist. Im Übrigen genügt der Antrag den Anforderungen nicht, wenn ein endgültiger, nicht kompensierbarer Nachteil nicht hinreichend substantiiert dargelegt wird (vgl. auch § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG).

Testo completo

BVerfG — 1 BvR 640/13, Ablehnung einstweilige Anordnung

Entscheidungsdatum: 2013-04-22

Aktenzeichen: 1 BvR 640/13

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2013:rk20130422.1bvr064013

Dokumenttyp: Ablehnung einstweilige Anordnung

Normen: § 23 Abs 1 S 2 BVerfGG, § 32 Abs 1 BVerfGG, § 90 BVerfGG, § 92 BVerfGG, § 33i GewO, GlSpielG HE 2012, GlüÄndStVtr HE 1, § 2 Abs 1 SpielhG HE, § 2 Abs 2 SpielhG HE, § 15 Abs 1 S 1 SpielhG HE, § 15 Abs 1 S 2 SpielhG HE

Spruchkörper: 1. Senat 2. Kammer

Titelzeile

Ablehnung des Erlasses einer einstweiligen Anordnung bzgl des Glücksspielrechts in Hessen: Übergangsfristen (§ 15 Abs 1 S 1, S 2 SpielhG HE) lassen Rechtsschutzbedürfnis entfallen bzw Inanspruchnahme fachgerichtlichen Eilrechtsschutzes zumutbar erscheinen

Gründe

1 Der Antrag, die Geltung der in der Verfassungsbeschwerde näher bezeichneten Vorschriften aus dem Hessischen Spielhallengesetz (HessSpielhG) und dem Ersten Glücksspieländerungsstaatsvertrag (1. GlüÄndStV) bis zur Entscheidung über die Verfassungsbeschwerde auszusetzen, ist unzulässig.

2 Hinsichtlich der Vorschriften über das Verbundverbot und das Abstandsgebot (§ 2 Abs. 1 und 2 HessSpielhG) fehlt dem Antrag der Beschwerdeführerin bezüglich der Spielhallen an den fünf Standorten, für die ihr die Erlaubnis vor dem 28. Oktober 2011 erteilt wurde, das Rechtsschutzbedürfnis. Dieses liegt schon deshalb nicht vor, weil die dort belegenen Spielhallen gemäß der fünfjährigen Übergangsfrist nach § 15 Abs. 1 Satz 1 HessSpielhG auf der Grundlage der bestehenden Erlaubnis nach § 33i GewO bis zum 30. Juni 2017 weiter betrieben werden dürfen. Es ist zu erwarten, dass eine Entscheidung in der Hauptsache über die Verfassungsbeschwerde bis zu diesem Zeitpunkt erfolgen wird (vgl. BVerfGE 108, 238 <246>).

3 In Bezug auf die Geltung des Abstandsgebots für die Spielhalle, für die der Beschwerdeführerin erst nach dem 28. Oktober 2011 eine Erlaubnis erteilt wurde, wird der Antrag der Beschwerdeführerin dem Grundsatz der Subsidiarität nicht gerecht. Hier ermöglicht die einjährige Übergangsfrist nach § 15 Abs. 1 Satz 2 HessSpielhG einen Betrieb auf der Grundlage der bestehenden Erlaubnis bis zum 30. Juni 2013. Der Beschwerdeführerin ist es grundsätzlich möglich und zumutbar, das Ziel ihres Antrags insofern durch andere Maßnahmen, insbesondere auch durch die Inanspruchnahme fachgerichtlichen (einstweiligen) Rechtsschutzes zu erreichen (vgl. BVerfGE 86, 46 <49>; BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats vom 6. April 2012 - 1 BvQ 12/12 -, juris, Rn. 7).

4 Hinsichtlich der weiteren von der Beschwerdeführerin gerügten Vorschriften entspricht der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung jedenfalls nicht den hier entsprechend heranzuziehenden Anforderungen der § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG an die Begründung einer Verfassungsbeschwerde. Die Beschwerdeführerin hat nicht in nachvollziehbarer und hinreichend substantiierter Weise dargelegt, dass ihr durch die weiteren Vorschriften der angegriffenen Gesetze ein endgültiger und nicht zu kompensierender Schaden entsteht (vgl. BVerfGE 106, 351 <357>).

Parole chiave

interim reliefconstitutional complaintsubsidiarityneed for legal protectiongaming lawtransition period

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether interim relief should suspend the challenged gambling-law provisions despite transition periods.

Decisione estratta

The application was inadmissible because no need for legal protection existed for five locations still protected by the five-year transition period, and subsidiarity was not met for the location covered by the one-year transition period.

Motivazione estratta

For the five older permits, the establishments could continue operating until 30 June 2017 under the existing permit, so a main decision would likely arrive in time. For the newer permit, the applicant could reasonably seek relief before the specialized courts during the transition period.

Questione giuridica chiave

Whether the remaining challenged provisions justified interim relief on the basis of the application's reasoning.

Decisione estratta

No. The application did not sufficiently substantiate any final, non-compensable harm caused by the remaining provisions.

Motivazione estratta

The motion failed to satisfy the substantiation requirements applicable by analogy to constitutional complaints under Sections 23(1) sentence 2 and 92 BVerfGG.

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