Non-acceptance: no arbitrary application of the Restitution Act

BVerfG 1 BvR 2270/09Bverfg / 1. Senat 3. Kammer5 dic 2012Dismissed

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Federal Constitutional Court did not accept the constitutional complaint for decision. It held that the case raised no fundamental constitutional question and that acceptance was not necessary to enforce the asserted rights. The complainant argued that the Administrative Court Cottbus had arbitrarily denied restitution of a meadow parcel under the Restitution Act. The Court reiterated that whether the conditions of § 1 Abs. 1 lit. a or § 1 Abs. 3 VermG are met is primarily a matter for the ordinary courts and that arbitrariness under Art. 3(1) GG exists only where a decision is objectively untenable and devoid of any factual legal basis. No such constitutional error was found.

Massima Omnilex

Art. 3 Abs. 1 GG; § 1 Abs. 1 Buchst a, § 1 Abs. 3 VermG; constitutional review of the ordinary courts’ interpretation and application of restitution law is limited to arbitrariness. The existence of a restitution position under the VermG is a question of simple law for the specialized courts and, as a rule, not itself a matter of Art. 14 GG. A decision is arbitrary only if it is untenable under any conceivable legal view and suggests reliance on extraneous considerations; mere erroneous application of law is insufficient where the court has engaged with the legal issue and its reasoning still has a rational basis (consid. 2-4).

Testo completo

BVerfG — 1 BvR 2270/09, Nichtannahmebeschluss

Entscheidungsdatum: 2012-12-05

Aktenzeichen: 1 BvR 2270/09

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2012:rk20121205.1bvr227009

Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss

Normen: Art 3 Abs 1 GG, § 1 Abs 1 Buchst a VermG, § 1 Abs 3 VermG

Vorinstanz: vorgehend VG Cottbus, 23. Oktober 2008, Az: 1 K 9/03, Urteil

Spruchkörper: 1. Senat 3. Kammer

Titelzeile

Nichtannahmebeschluss: Keine Verletzung des Willkürverbots im Rahmen der Auslegung und Anwendung von § 1 Abs 1 Buchst a, § 1 Abs 3 VermG

Gründe

1 Die Verfassungsbeschwerde ist nicht zur Entscheidung anzunehmen, weil die Voraussetzungen dafür nicht vorliegen (§ 93a Abs. 2 BVerfGG). Der Verfassungsbeschwerde kommt keine grundsätzliche verfassungsrechtliche Bedeutung zu. Ihre Annahme ist auch nicht zur Durchsetzung der als verletzt bezeichneten Verfassungsrechte angezeigt (§ 93a Abs. 2 Buchstabe b BVerfGG).

2 Den Schutz des Art. 14 Abs. 1 GG genießen zwar die Restitutionsansprüche, die sich aus dem Gesetz zur Regelung offener Vermögensfragen (Vermögensgesetz - VermG) ergeben (vgl. BVerfGE 95, 48 <58>). Die Entstehung einer dem Schutzbereich des Art. 14 GG unterfallenden Rechtsposition durch eine gesetzliche Regelung ist indes eine einfachrechtliche Frage (vgl. BVerfGE 45, 142 <179 f.>). Sie kann, da damit nicht der Fortbestand des betreffenden Rechts angesprochen ist, nicht an Art. 14 GG selbst, sondern nur an Art. 3 Abs. 1 GG in seiner Bedeutung als Willkürverbot gemessen werden, weil die Auslegung und Anwendung des einfachen Rechts Sache der allgemein dafür zuständigen Fachgerichte ist (vgl. BVerfGK 16, 207 <228>). Ob die Voraussetzungen des § 1 Abs. 1 Buchstabe a oder § 1 Abs. 3 VermG erfüllt sind, muss danach grundsätzlich der Klärung durch die Fachgerichte vorbehalten bleiben. Insoweit kommt es maßgeblich auf die jeweils im fachgerichtlichen Verfahren zu prüfenden Umstände des Einzelfalls an.

3 Willkürlich im Sinne des Art. 3 Abs. 1 GG ist ein Richterspruch, wenn er unter keinem denkbaren Aspekt rechtlich vertretbar ist und sich daher der Schluss aufdrängt, dass er auf sachfremden Erwägungen beruht. Das ist anhand objektiver Kriterien festzustellen. Einen subjektiven Schuldvorwurf enthält die Feststellung von Willkür nicht (vgl. etwa BVerfGE 86, 59 <63>). Selbst fehlerhafte Rechtsanwendung allein macht eine Gerichtsentscheidung nicht willkürlich, wenn das Gericht sich mit der Rechtslage eingehend auseinandergesetzt hat und seine Auffassung nicht jeden sachlichen Grundes entbehrt (vgl. BVerfGE 87, 273 <278 f.>; 96, 189 <203>).

4 Nach diesen Maßstäben hat das Verwaltungsgericht einen Anspruch auf Restitution des Wiesengrundstücks nicht willkürlich abgelehnt. Das Verwaltungsgericht hat nach der Beweisaufnahme nicht die Überzeugung gewinnen können, dass das Eigentum an dem Grundstück durch entschädigungslosen Hoheitsakt oder unlautere Machenschaften entzogen worden ist. Die Schwelle eines Verstoßes gegen Verfassungsrecht, den das Bundesverfassungsgericht zu korrigieren hat, ist erst erreicht, wenn die Auslegung oder Anwendung des Rechts durch die Fachgerichte Fehler erkennen lässt, die auf einer grundsätzlich unrichtigen Anschauung von der Bedeutung des Grundrechts, insbesondere vom Umfang seines Schutzbereichs, beruhen und auch in ihrer materiellen Bedeutung für den konkreten Rechtsfall von einigem Gewicht sind (vgl. BVerfGE 89, 1 <9 f.>; 99, 145 <160>). Die hier angegriffene Entscheidung lässt in diesem Sinne einen Verfassungsverstoß nicht erkennen.

5 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

6 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Parole chiave

constitutional complaintarbitrarinessrestitutionRestitution Actadministrative court review

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the constitutional complaint should be accepted for decision under § 93a BVerfGG

Decisione estratta

The complaint was not accepted because it raised no fundamental constitutional question and acceptance was not necessary to enforce the asserted rights.

Motivazione estratta

The Court found the statutory acceptance requirements unsatisfied under § 93a Abs. 2 BVerfGG.

Questione giuridica chiave

Whether the administrative court's denial of restitution under § 1 Abs. 1 lit. a and § 1 Abs. 3 VermG violated Art. 3(1) GG as arbitrary

Decisione estratta

No arbitrariness was shown; the administrative court's assessment was not under any conceivable legal view untenable.

Motivazione estratta

The Court held that the existence of restitution conditions under the Restitution Act is primarily for the ordinary courts to determine on the facts of each case, and that mere legal error does not amount to arbitrariness where the court engaged with the legal position and its view is still reasonably supportable.

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