Constitutional complaint inadmissible for lack of substantiation

BVerfG 2 BvR 2025/12Bverfg / 2. Senat 2. Kammer10 ott 2012Inadmissible

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Sintesi Omnilex

The Federal Constitutional Court held inadmissible a constitutional complaint against enforcement decisions refusing discontinuation of further sentence execution under Section 456a StPO. The complainant argued that, in view of planned deportation from prison, he was effectively denied any prison leave or resocialization measures. The Court held that the complaint did not satisfy the substantiation requirements of Sections 23(1) sentence 2 and 92 BVerfGG. It added that any challenge to prison leave or other resocialization measures would have to be directed against separate prison-administration decisions; on the merits, it reiterated the constitutional significance of resocialization and that leave privileges may not be categorically denied solely because no release perspective exists.

Massima Omnilex

Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG; § 23 Abs. 1 S. 2, § 92 BVerfGG; § 456a StPO; Zulässigkeit der Verfassungsbeschwerde gegen Entscheidungen über das Absehen von weiterer Strafvollstreckung bei beabsichtigter Abschiebung. Die Verfassungsbeschwerde ist nur hinreichend substantiiert, wenn sie die Möglichkeit einer Grundrechtsverletzung aus dem angegriffenen Akt in nachvollziehbarer Weise aufzeigt. Rügen, die sich gegen selbständige Entscheidungen der Justizvollzugsanstalt über Vollzugslockerungen oder sonstige Resozialisierungsmaßnahmen richten, sind nicht Gegenstand einer Beschwerde gegen Vollstreckungsentscheidungen. Das Resozialisierungsgebot gebietet, den Strafvollzug auf künftige straffreie Lebensführung auszurichten; Lockerungen dürfen grundsätzlich nicht allein wegen fehlender Entlassungsperspektive versagt werden, auch nicht bei geplanter Abschiebung (vgl. Erwägungen zur stRspr.).

Testo completo

BVerfG — 2 BvR 2025/12, Nichtannahmebeschluss

Entscheidungsdatum: 2012-10-10

Aktenzeichen: 2 BvR 2025/12

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2012:rk20121010.2bvr202512

Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss

Normen: Art 1 Abs 1 GG, Art 2 Abs 1 GG, § 23 Abs 1 S 2 BVerfGG, § 92 BVerfGG, § 456a StPO

Vorinstanz: vorgehend OLG München, 21. August 2012, Az: 4 VAs 043/12, Beschluss

Spruchkörper: 2. Senat 2. Kammer

Titelzeile

Nichtannahmebeschluss: Gewährung von Vollzugslockerungen auch für jene Strafgefangene, die aus der Haft heraus abgeschoben werden sollen - Unzulässigkeit der Verfassungsbeschwerde mangels hinreichender Substantiierung

Gründe

1 Der Beschwerdeführer wendet sich mit seiner Verfassungsbeschwerde gegen Vollstreckungsentscheidungen, mit denen ein Absehen von der weiteren Strafvollstreckung nach § 456a StPO abgelehnt wurden.

2 Die Verfassungsbeschwerde ist unzulässig, weil sie nicht den sich aus § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG ergebenden Anforderungen an eine hinreichend substantiierte Behauptung der geltend gemachten Grundrechtsverletzungen genügt.

3 Soweit der Beschwerdeführer eine Verletzung seines Resozialisierungsanspruchs geltend macht, weil ihm mit Blick auf die beabsichtigte Abschiebung aus der Strafhaft jegliche Vollzugslockerungen oder sonstige Resozialisierungsmaßnahmen versagt würden, ist dies nicht Gegenstand der hier angegriffenen Entscheidungen. Vielmehr handelt es sich um selbständige, in einem eigenen Rechtsweg angreifbare Entscheidungen der Justizvollzugsanstalt. Insoweit ist allerdings darauf hinzuweisen, dass das Grundrecht aus Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG den Staat verpflichtet, den Strafvollzug auf das Ziel auszurichten, dem Inhaftierten ein zukünftiges straffreies Leben in Freiheit zu ermöglichen (vgl. BVerfGE 116, 69 <85 f.>; stRspr). Besonders bei langjährig Inhaftierten ist es geboten, aktiv den schädlichen Auswirkungen des Freiheitsentzuges entgegenzuwirken und ihre Lebenstüchtigkeit zu erhalten und zu festigen (vgl. BVerfGE 45, 187 <238>; 64, 261 <277>; 98, 169 <200>; 109, 133 <150 f.>). Hierfür kommt der Möglichkeit, dem Gefangenen Lockerungen zu gewähren, besondere Bedeutung zu. Diese dürfen einem Strafgefangenen nicht generell mit Blick auf eine (noch) fehlende Entlassungsperspektive verwehrt werden (vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 29. Februar 2012 - 2 BvR 368/10 -, juris, Rn. 41). Dies gilt grundsätzlich auch dann, wenn der Strafgefangene aus der Haft heraus abgeschoben werden soll, weil das Resozialisierungsgebot nicht allein dem (inner)staatlichen Interesse an einer künftigen Straffreiheit des Verurteilten dient, sondern vor allem auch dessen Grundrechte schützt.

4 Aus dem Vortrag des Beschwerdeführers ergibt sich auch keine Verletzung seiner Grundrechte aus Art. 2 Abs. 2 Satz 2 und Art. 3 Abs. 1 GG.

5 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

6 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Parole chiave

constitutional complaintsubstantiationresocializationprison leavedeportationinadmissibility

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the constitutional complaint met the substantiation requirements of Sections 23(1) sentence 2 and 92 BVerfGG.

Decisione estratta

No. The complaint did not sufficiently substantiate an alleged violation of fundamental rights.

Motivazione estratta

The filing did not adequately connect the challenged enforcement decisions with the claimed infringements; the alleged denial of release privileges concerned separate prison-administration decisions outside the challenged rulings.

Questione giuridica chiave

Whether the refusal of prison leave or other resocialization measures because of an intended deportation violated the resocialization principle.

Decisione estratta

The Court did not decide this point on the merits in the present proceedings; the complaint did not raise it against the challenged decisions.

Motivazione estratta

Such measures are separate decisions by the prison administration and can be challenged through their own legal remedies. The Court nevertheless reiterated that resocialization follows from Articles 2(1) and 1(1) GG and that leave privileges may not be categorically denied merely because no release perspective exists; this also applies in principle when deportation is planned.

Questione giuridica chiave

Whether the complaint showed a violation of Articles 2(2) sentence 2 and 3(1) GG.

Decisione estratta

No. The submissions did not reveal any such violation.

Motivazione estratta

The Court found no sufficiently substantiated factual or legal basis for these claims.

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