Election complaint inadmissible without 100 supporting voters

BVerfG 2 BvC 16/11Bverfg / 2a divisione12 dic 2011Dismissed

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Sintesi Omnilex

The Federal Constitutional Court held that a challenge to the validity of the 2009 Bundestag election was inadmissible because the complainant had not joined at least 100 eligible voters as required by § 48(1) BVerfGG. The Court rejected the argument that Art. 19(4) GG compelled an exception in cases of alleged subjective-right violations, because the complainant had not shown any individual subjective right infringement. An interest in the election of a particular candidate does not suffice to create such a right.

Massima Omnilex

§ 48 Abs. 1 BVerfGG; Wahlprüfungsbeschwerde und Beitritt von 100 Wahlberechtigten; die Beitrittserfordernis ist verfassungsrechtlich unbedenklich, weil das Wahlprüfungsverfahren primär dem objektiven Wahlrecht dient und Beschwerden auf von einer Mindestzahl von Wahlberechtigten geteilte Beanstandungen beschränkt. Art. 19 Abs. 4 GG gebietet keine Ausnahme, solange keine Verletzung eines subjektiven Rechts dargetan ist; das bloße Interesse an der Wahl eines bestimmten Bewerbers begründet eine solche Rechtsposition nicht (vgl. consid. 2 f.).

Testo completo

BVerfG — 2 BvC 16/11, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2011-12-12

Aktenzeichen: 2 BvC 16/11

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2011:cs20111212.2bvc001611

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 48 Abs 1 BVerfGG, § 48 Abs 2 BVerfGG

Spruchkörper: 2. Senat

Titelzeile

Verwerfung einer Wahlprüfungsbeschwerde: Zulässigkeitsanforderungen des § 48 Abs 1 BVerfGG (Beitritt von 100 Wahlberechtigten) nicht erfüllt - mangels Verletzung eines subjektiven Rechts vorliegend kein Konflikt zwischen Beitrittserfordernis und Rechtsschutzgarantie des Art 19 Abs 4 GG

Gründe

1 Die Beschwerde betrifft die Gültigkeit der Wahl zum 17. Deutschen Bundestag am 27. September 2009. Sie ist bereits deshalb unzulässig, weil sie ohne den gemäß § 48 Abs. 1 BVerfGG erforderlichen Beitritt von mindestens einhundert Wahlberechtigten erhoben worden ist.

2 1. Nach § 48 Abs. 1 BVerfGG kann ein Wahlberechtigter, dessen Einspruch vom Deutschen Bundestag verworfen worden ist, Beschwerde gegen die Gültigkeit der Wahl nur dann erheben, wenn ihm mindestens einhundert Wahlberechtigte beitreten. Die Notwendigkeit des Beitritts ist im Hinblick darauf verfassungsrechtlich unbedenklich, dass das Wahlprüfungsverfahren primär dem Schutz des objektiven Wahlrechts dient (vgl. BVerfGE 34, 81 <96>; 79, 47 <48>). § 48 Abs. 1 BVerfGG soll Beschwerden von Wahlberechtigten auf solche Fälle beschränken, die nach Ansicht wenigstens einer gewissen Anzahl Wahlberechtigter Grund zur Beschwerde geben (BVerfGE 66, 232 <233>). Diese Zielsetzung rechtfertigt die mit dem Beitrittserfordernis verbundenen praktischen Schwierigkeiten, gegen welche sich der Beschwerdeführer wendet, zumal diese, wie die Praxis zeigt, den Zugang zur Wahlprüfung durch das Bundesverfassungsgericht nicht unverhältnismäßig erschweren.

3 2. Das Vorbringen des Beschwerdeführers, bei einer subjektiven Rechtsverletzung müsse mit Blick auf Art. 19 Abs. 4 GG von dem Beitrittserfordernis abgesehen werden, ist jedenfalls im vorliegenden Fall nicht geeignet, die Anwendbarkeit von § 48 Abs. 1 BVerfGG in Frage zu stellen (vgl. BVerfGE 1, 430 <432>). Aus dem Vorbringen ergibt sich nicht, dass der Beschwerdeführer durch die behauptete Einschränkung der Wahlwerbung in einem subjektiven Recht verletzt sein könnte. Der Beschwerdeführer hat nicht selbst für ein Bundestagsmandat kandidiert. Das Interesse an der Wahl eines bestimmten Bewerbers hebt den Beschwerdeführer nicht in einer Weise aus dem Kreis aller Wahlberechtigten heraus, dass dieses ihm ein subjektives Recht vermitteln würde. Die vom Beschwerdeführer erhobene Rüge eines Verstoßes gegen die wahlrechtliche Chancengleichheit kann daher nur auf eine den Anforderungen des § 48 Abs. 1 BVerfGG genügende Wahlprüfungsbeschwerde hin verfassungsgerichtlich gewürdigt werden.

Parole chiave

election reviewadmissibilityjoinder requirementobjective electoral lawsubjective rightslegal protection

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the election complaint was admissible without the support of at least 100 eligible voters under § 48(1) BVerfGG.

Decisione estratta

No. The complaint was inadmissible because the required joinder of at least 100 eligible voters was missing.

Motivazione estratta

The Court held that the joinder requirement is constitutionally unobjectionable because election review primarily protects objective electoral law and limits complaints to cases regarded by at least a minimum number of eligible voters as worthy of review.

Questione giuridica chiave

Whether Art. 19(4) GG required dispensing with the joinder requirement due to an alleged subjective rights violation.

Decisione estratta

No. On the facts presented, no subjective right of the complainant was shown to have been violated.

Motivazione estratta

The complainant had not himself run for a Bundestag mandate; an interest in the election of a particular candidate does not remove him from the circle of all eligible voters so as to create an individual subjective right. Therefore the claim of unequal campaign opportunities could only be reviewed through a properly joined election complaint.

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