Inadmissible constitutional complaint against order penalty for non-disclosure

BVerfG 1 BvR 488/11Bverfg / 1. Senat 3. Kammer24 mar 2011Dismissed

Sintesi

The Federal Constitutional Court did not accept the complaint for decision. It held that the pleading was insufficiently substantiated because it failed to engage with the Court's established case law on the constitutionality of disclosure obligations and with the reasons of the Regional Court. The complainant also did not properly develop the alleged violation of the right to be heard. In addition, he lacked direct and personal affectedness because the order-penalty proceedings were directed against the company, not against him personally as managing director.

Regest

§ 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG; § 90 Abs. 1 BVerfGG; admissibility of a constitutional complaint against an order penalty under § 335 HGB: A constitutional complaint is inadmissible if it does not specifically and substantively engage with the challenged decision and the relevant constitutional jurisprudence. A mere invocation of fundamental rights or an undeveloped complaint under Art. 103 GG does not satisfy the duty to substantiate. The complainant must also show that he is directly, personally, and presently affected; this is lacking where the order-penalty proceedings are directed against the company itself and the managing organ is not the debtor of the penalty (consid. 3-6).

Testo completo

BVerfG — 1 BvR 488/11, Nichtannahmebeschluss

Entscheidungsdatum: 2011-03-24

Aktenzeichen: 1 BvR 488/11

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2011:rk20110324.1bvr048811

Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss

Normen: Art 1 GG, Art 103 GG, Art 2 GG, Art 3 GG, § 23 Abs 1 S 2 BVerfGG, § 92 BVerfGG, § 325 Abs 1 HGB, § 335 Abs 1 S 1 Nr 1 HGB

Vorinstanz: vorgehend LG Bonn, 13. Januar 2011, Az: 30 T 1183/09, Beschluss

Spruchkörper: 1. Senat 3. Kammer

Titelzeile

Nichtannahme einer mangels hinreichender Substantiierung unzulässigen Verfassungsbeschwerde: Ordnungsgeldfestsetzung bei unterlassener Offenlegung eines Jahresabschlusses gemäß § 335 HGB - zudem mangelnde Beschwerdebefugnis des Geschäftsführers bei Ordnungsgeldverfahren gegen Gesellschaft

Gründe

1 Die Verfassungsbeschwerde betrifft die Festsetzung eines Ordnungsgeldes wegen unterlassener Vorlage von Jahresabschlussunterlagen nach § 335 HGB.

2 Der Beschwerdeführer rügt die Verletzung von Art. 1, 2, 3 und 103 GG.

3 Die Verfassungsbeschwerde ist nicht zur Entscheidung anzunehmen, weil die Voraussetzungen hierfür nicht vorliegen (§ 93a Abs. 2 BVerfGG). Die Verfassungsbeschwerde ist unzulässig, weil ihre Begründung offensichtlich den Anforderungen von § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG nicht genügt.

4 Das Bundesverfassungsgericht hat bereits mehrfach entschieden, dass mögliche Eingriffe in die Grundrechte durch die mit der Offenlegung in § 325 Abs. 1 HGB verfolgten, in erheblichem Allgemeininteresse liegenden Zwecke eines effektiven Schutzes des Wirtschaftsverkehrs durch Information der Marktteilnehmer und einer Kontrollmöglichkeit der betroffenen Gesellschaften vor dem Hintergrund deren nur beschränkter Haftung jedenfalls gerechtfertigt sind (BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 11. März 2009 - 1 BvR 3413/08 -, juris; Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 10. September 2009 - 1 BvR 1636/09 -, juris, NJW 2009, S. 2588, NZG 2009, S. 874; Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 1. Februar 2011 - 2 BvR 1236/10 -, juris; siehe auch BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 11. Februar 2009 - 1 BvR 3582/08 -, juris, NZG 2009, S. 515). Mit dieser verfassungsgerichtlichen Rechtsprechung setzt sich die Verfassungsbeschwerde ebenso wenig auseinander wie mit der Begründung der angegriffenen Entscheidung des Landgerichts.

5 Die Rüge einer Verletzung von Art. 103 GG ist nicht ausgeführt und bereits deshalb unbeachtlich.

6 Darüber hinaus ist die Verfassungsbeschwerde unzulässig, weil der Beschwerdeführer durch die angefochtenen Beschlüsse des Bundesamts für Justiz und des Landgerichts nicht unmittelbar und selbst betroffen ist (§ 90 Abs. 1 BVerfGG). Denn die ergangenen Entscheidungen richten sich nicht - wie nach § 335 Abs. 1 Satz 1 HGB möglich gewesen wäre - gegen den Beschwerdeführer als vertretungsberechtigtes Organ der offenlegungspflichtigen Gesellschaft. Das Ordnungsgeldverfahren ist vielmehr nach § 335 Abs. 1 Satz 2 HGB unmittelbar gegen die Gesellschaft selbst durchgeführt worden. Damit belasten die angefochtenen Beschlüssen den Beschwerdeführer nicht unmittelbar; insbesondere kann der Beschwerdeführer nicht als Schuldner des verhängten Ordnungsgeldes in Anspruch genommen und das Ordnungsgeld gegen ihn nicht vollstreckt werden.

7 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

8 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Parole chiave

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