Referral inadmissible after case ended by acknowledgment

BVerfG 1 BvL 7/10Bverfg / 1. Senat 3. Kammer8 dic 2010Inadmissible

Sintesi

The Federal Constitutional Court held that a referral for concrete judicial review became inadmissible after the underlying social court case ended through acknowledgment under Section 101(2) SGG. Because the dispute no longer depended on the validity of the referred provisions of the Farmers' Old-Age Security Act, there was no basis for a merits ruling. The Higher Social Court's later order stating that a BVerfG decision was no longer needed did not amount to an effective revocation of the referral. In any event, revocation would have required the same panel composition as for the referral order, which was absent because only the presiding judge acted.

Regest

Art. 100 Abs. 1 GG; § 80 BVerfGG: A referral for concrete judicial review becomes inadmissible if the underlying proceedings are terminated so that the decision in the main case no longer depends on the constitutionality of the referred norm. The Federal Constitutional Court must still decide on inadmissibility where the referral order has not been validly revoked by the referring court. A revocation of the referral order requires a decision by the same judicial panel composition that issued the referral; a mere statement by the presiding judge that no constitutional decision is needed is insufficient and has no legal effect on the referral.

Testo completo

BVerfG — 1 BvL 7/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-12-08

Aktenzeichen: 1 BvL 7/10

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2010:lk20101208.1bvl000710

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: Art 100 Abs 1 GG, § 90 Abs 1 S 1 ALG, § 93 Abs 3 Nr 1 ALG, § 80 BVerfGG, § 101 Abs 2 SGG

Vorinstanz: vorgehend Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen, 17. März 2010, Az: L 2 LW 5/09, Vorlagebeschluss

Spruchkörper: 1. Senat 3. Kammer

Titelzeile

Nachträgliche Unzulässigkeit einer Richtervorlage zur konkreten Normenkontrolle nach Anerkenntnis (§ 101 Abs 2 SGG) im sozialgerichtlichen Verfahren - Zur für die Aufhebung eines Vorlagebeschlusses erforderlichen Spruchkörperbesetzung

Gründe

I.

1 Die Vorlage betrifft Vorschriften des Gesetzes über die Alterssicherung der Landwirte. Nach Einleitung des Verfahrens der konkreten Normenkontrolle beim Bundesverfassungsgericht ist das Ausgangsverfahren durch die Annahme eines Anerkenntnisses der dortigen Beklagten beendet worden (§ 101 Abs. 2 Sozialgerichtsgesetz). Dies hat das Landessozialgericht mit Beschluss vom 17. November 2010 durch den Vorsitzenden Richter des vorlegenden Senats festgestellt; zugleich hat es festgestellt, dass es einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über den Vorlagebeschluss nicht mehr bedürfe.

II.

2 Durch die Beendigung des Ausgangsverfahrens ist die Grundlage für eine Sachentscheidung des Bundesverfassungsgerichts über die Vorlage entfallen (vgl. BVerfGE 14, 140 <142>; 29, 325 <326>). Sie ist damit zumindest unzulässig geworden, denn der Ausgang des fachgerichtlichen Verfahrens hängt nicht mehr von der Entscheidung über die Vorlagefrage ab (vgl. BVerfGE 51, 161 <163 f.>; 108, 186 <209>). Es bedarf allerdings einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über die Unzulässigkeit der Vorlage, weil der Vorlagebeschluss seitens des Landessozialgerichts nicht aufgehoben worden ist (vgl. BVerfGE 29, 325 <326 f.>). In dem Beschluss des Landessozialgerichts vom 17. November 2010 wurde der Vorlagebeschluss nicht ausdrücklich aufgehoben, sondern lediglich festgestellt, dass es einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts nicht mehr bedürfe. Darin liegt keine wirksame Aufhebung des Vorlagebeschlusses. Unabhängig davon könnte er ohnehin nur durch einen Spruchkörper aufgehoben werden, der genauso besetzt ist wie der Spruchkörper, der ihn gefasst hat. Dies ist hier nicht der Fall, weil der Vorlagebeschluss in verfahrensrechtlich einwandfreier Weise von drei Berufsrichtern und zwei ehrenamtlichen Richtern getroffen wurde, der Beschluss vom 17. November 2010 aber allein von dem Vorsitzenden Richter.

3 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Parole chiave

constitutional reviewadmissibilityreferralacknowledgmentpanel compositionsocial court procedure