Interim relief denied; public safety outweighs liberty interests

BVerfG 2 BvR 1762/10Bverfg / 2. Senat 3. Kammer16 ago 2010Dismissed

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Sintesi Omnilex

The Federal Constitutional Court rejected an application for interim relief under Section 32 BVerfGG. It held that the constitutional complaint was not manifestly inadmissible or unfounded, so the decisive factor was a balancing of consequences. Although continued preventive detention would mean a serious loss of liberty, the Court gave greater weight to the public safety interest because the lower court had plausibly found a high likelihood that the applicant would commit further serious sexual offenses if released.

Massima Omnilex

Art. 32 Abs. 1 BVerfGG; interim injunction in constitutional complaint proceedings; balancing of consequences where the constitutional complaint is neither manifestly inadmissible nor manifestly unfounded. The Court does not examine the substantive chances of success, but weighs the disadvantages that would arise if the injunction were denied and the complaint later succeeded against those that would arise if the injunction were granted and the complaint later failed. In cases involving a serious risk of renewed grave offenses, the public interest in protection of the community may outweigh the applicant’s liberty interest, even where preventive detention entails a severe and irreparable deprivation of freedom (consid. 1-3).

Testo completo

BVerfG — 2 BvR 1762/10, Ablehnung einstweilige Anordnung

Entscheidungsdatum: 2010-08-16

Aktenzeichen: 2 BvR 1762/10

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2010:rk20100816.2bvr176210

Dokumenttyp: Ablehnung einstweilige Anordnung

Normen: Art 2 Abs 2 S 2 GG, § 32 Abs 1 BVerfGG, § 66 StGB

Vorinstanz: vorgehend OLG Nürnberg, 7. Juli 2010, Az: 1 Ws 342/10, Beschlussvorgehend LG Regensburg, 4. Juni 2010, Az: StVK 209/1994, Beschlussnachgehend BVerfG, 17. April 2012, Az: 2 BvR 1762/10, Stattgebender Kammerbeschluss

Spruchkörper: 2. Senat 3. Kammer

Titelzeile

Ablehnung des Erlasses einer einstweiligen Anordnung: Überwiegen des Sicherheitsinteresses der Allgemeinheit gegenüber der persönlichen Freiheit eines in der Sicherungsverwahrung Untergebrachten - hohe Wahrscheinlichkeit der erneuten Begehung schwerer Sexualstraftaten

Gründe

1 1. Nach § 32 BVerfGG kann das Bundesverfassungsgericht im Streitfall einen Zustand durch einstweilige Anordnung vorläufig regeln, wenn dies zur Abwehr schwerer Nachteile oder aus einem anderen wichtigen Grund zum gemeinen Wohl dringend geboten ist. Auch in einem Verfahren über eine Verfassungsbeschwerde kann eine einstweilige Anordnung erlassen werden (vgl. BVerfGE 66, 39 <56>; stRspr). Dabei haben die Gründe, die für die Verfassungswidrigkeit des angegriffenen Hoheitsakts vorgetragen werden, grundsätzlich außer Betracht zu bleiben. Etwas anderes gilt nur, wenn sich die Verfassungsbeschwerde von vornherein als unzulässig oder offensichtlich unbegründet erweist. Bei offenem Ausgang des Verfassungsbeschwerdeverfahrens muss das Bundesverfassungsgericht hingegen die Folgen, die eintreten würden, wenn eine einstweilige Anordnung nicht erginge, die Verfassungsbeschwerde aber Erfolg hätte, gegenüber den Nachteilen abwägen, die entstünden, wenn die begehrte einstweilige Anordnung erlassen würde, der Verfassungsbeschwerde aber der Erfolg zu versagen wäre (vgl. BVerfGE 87, 334 <338>; 89, 109 <110>; stRspr).

2 2. Die Verfassungsbeschwerde ist nicht von vornherein unzulässig oder offensichtlich unbegründet. Die aufgeworfenen Rechtsfragen werden im Hauptsacheverfahren zu klären sein.

3 3. Die danach gebotene Folgenabwägung führt zur Ablehnung des Antrags auf Erlass einer einstweiligen Anordnung. Erginge die einstweilige Anordnung nicht, hätte aber die Verfassungsbeschwerde später Erfolg, so entstünde dem Beschwerdeführer in der Zwischenzeit durch den Vollzug der Sicherungsverwahrung ein schwerer, nicht wieder gutzumachender Verlust an persönlicher Freiheit. Wenn die einstweilige Anordnung erginge und der Verfassungsbeschwerde später der Erfolg zu versagen wäre, entstünden ebenfalls schwerwiegende Nachteile. Das Oberlandesgericht Nürnberg hat auf der Grundlage eines psychiatrischen Sachverständigengutachtens nachvollziehbar dargelegt, dass der Beschwerdeführer einen Hang zu schweren Sexualstraftaten (Vergewaltigungen) habe und deshalb im Falle seiner Freilassung mit hoher Wahrscheinlichkeit entsprechende Delikte verüben werde, durch welche die Opfer seelisch oder körperlich schweren Schaden nehmen würden. Angesichts der besonderen Schwere der drohenden Straftaten überwiegt das Sicherheitsinteresse der Allgemeinheit das Interesse des Beschwerdeführers an der Wiedererlangung seiner persönlichen Freiheit.

4 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Parole chiave

interim reliefconstitutional complaintpreventive detentionconsequence balancingliberty interestpublic safetysexual offenses

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether interim relief under Section 32 BVerfGG should be granted pending the constitutional complaint.

Decisione estratta

Interim relief was refused because the balance of consequences favored the public interest in safety over the applicant's liberty interest.

Motivazione estratta

The complaint was neither obviously inadmissible nor manifestly unfounded, so a consequence-based balancing was required. Although continued preventive detention entailed serious and irreparable loss of liberty, release would create grave risks: the lower court had plausibly found, on psychiatric evidence, a high probability of renewed serious sexual offenses. The danger to potential victims outweighed the applicant's interest in immediate freedom.

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