No reinterpretation of explicit revision into non-admission complaint

BSG B 5 R 22/16 RBsg / 5a divisione14 nov 2016Inadmissible

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The claimant challenged an LSG judgment by expressly filing a revision and requested legal aid with appointed counsel. The BSG held that the filing could not be construed as a complaint against non-admission, because it was clear and unambiguous and the correct remedy had been identified in the appeal notice. Since the revision had not been allowed, it was inadmissible. Legal aid was therefore refused, the revision was rejected, and no costs were awarded between the parties.

Massima Omnilex

§ 73a Abs. 1 S. 1 SGG i.V.m. § 114 Abs. 1 S. 1, § 121 Abs. 1 ZPO; § 160 Abs. 1, § 160a Abs. 1, Abs. 4 S. 1, § 169 SGG; interpretation and recharacterization of appellate filings. An explicitly and unambiguously designated revision cannot be interpreted as a complaint against non-admission of the revision. Recharacterization is excluded where the filing contains only the revision and the request for legal aid is limited to the revision proceedings, especially when the appeal notice correctly identifies the available remedy. Without leave to appeal, the revision is inadmissible and must be rejected under § 169 SGG; legal aid lacks any reasonable prospect of success. Costs may be allocated by analogous application of § 193 Abs. 1 SGG.

Testo completo

BSG — B 5 R 22/16 R, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-11-14

Aktenzeichen: B 5 R 22/16 R

ECLI: ECLI:DE:BSG:2016:141116BB5R2216R0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 160a Abs 1 SGG, § 169 SGG

Vorinstanz: vorgehend SG Landshut, 30. Januar 2015, Az: S 7 R 243/14 Avorgehend Bayerisches Landessozialgericht, 13. Juli 2016, Az: L 6 R 192/15, Urteil

Spruchkörper: 5. Senat

Titelzeile

Sozialgerichtliches Verfahren - eindeutig formulierte Rechtsmittelschrift - keine Auslegung oder Umdeutung einer "Revision" in eine Nichtzulassungsbeschwerde

Tenor

Der Antrag des Klägers, ihm für das Verfahren der Revision gegen das Urteil des Bayerischen Landessozialgerichts vom 13. Juli 2016 Prozesskostenhilfe zu bewilligen und einen Rechtsanwalt beizuordnen, wird abgelehnt.

Die Revision des Klägers gegen das vorbezeichnete Urteil wird als unzulässig verworfen.

Die Beteiligten haben einander für das Revisionsverfahren keine Kosten zu erstatten.

Gründe

1 Der Kläger hat gegen das Urteil des Bayerischen LSG vom 13.7.2016, das ihm am 4.8.2016 zugestellt worden ist, mit einem von ihm unterzeichneten Schreiben vom 13.8.2016, das am 25.8.2016 beim BSG eingegangen ist, ausdrücklich "Revision" eingelegt und ausgeführt, er "beantrage Armes Recht" und die Vertretung durch einen vom BSG zu benennenden Rechtsanwalt, weil er die Gerichtskosten und Rechtsanwaltskosten nicht bezahlen könne. Der Senat wertet dieses Vorbringen als Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe (PKH) mit Beiordnung eines Rechtsanwalts.

2 Dieser Antrag auf PKH und Beiordnung eines Rechtsanwalts ist abzulehnen, weil die explizit eingelegte "Revision" keine hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet (§ 73a Abs 1 S 1 SGG iVm § 114 Abs 1 S 1, § 121 Abs 1 ZPO) . Die Revision gegen das Urteil des LSG vom 13.7.2016 ist unstatthaft, weil sie weder vom Berufungsgericht noch durch einen Beschluss des BSG (vgl § 160a Abs 4 S 1 SGG) zugelassen worden ist (§ 160 Abs 1 SGG) . Allein die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision (§ 160a Abs 1 SGG) wäre das statthafte Rechtsmittel gewesen, worauf der Kläger in der Rechtsmittelbelehrung des Berufungsurteils sowie nochmals durch Schreiben der Berichterstatterin des Senats vom 13.10.2016 hingewiesen worden ist. Die ausdrücklich angestrebte Rechtsverfolgung bietet somit keine hinreichende Aussicht auf Erfolg.

3 Auch wenn der Kläger mit seiner Revisionsschrift zu erkennen gibt, dass er sich gegen das Urteil des LSG wenden möchte, so ist eine Auslegung oder Umdeutung seines Schriftsatzes vom 13.8.2016 dahin gehend, dass er das allein zulässige Rechtsmittel der Nichtzulassungsbeschwerde hat einlegen wollen, nicht möglich.

4 Eine Auslegung kommt nur dann in Betracht, wenn die abgegebene Erklärung mehrdeutig und damit auslegungsfähig ist. Für eine diesbezügliche Auslegung des Schriftsatzes des Klägers ist indes kein Raum, weil ausdrücklich und allein die Einlegung der Revision ausgesprochen wird und damit auch die Bewilligung von PKH allein für die Durchführung des Revisionsverfahrens beantragt worden ist.

5 Eine Umdeutung der Revisionsschrift in eine statthafte Nichtzulassungsbeschwerde ist ebenfalls nicht möglich. Dies gilt insbesondere, wenn - wie im sozialgerichtlichen Verfahren - das einzulegende Rechtsmittel in der Rechtsmittelbelehrung ausdrücklich genannt ist. Denn durch diese Belehrung sind Irrtümer oder Verwechslungen bei der Bezeichnung des Rechtsmittels weitgehend ausgeschlossen. Diese Grundsätze gelten unabhängig davon, ob der Rechtsmittelkläger rechtskundig vertreten ist (vgl Senatsbeschluss vom 10.7.2006 - B 5 R 42/06 R - BeckRS 2007, 43492 RdNr 7; BSG SozR 4-1500 § 158 Nr 1) , wobei vorliegend erschwerend hinzu kommt, dass der Kläger in der Eingangsbestätigung vom 26.8.2016 auf die genaue Beachtung der Rechtsmittelbelehrung der angefochtenen Entscheidung nochmals besonders hingewiesen worden ist.

6 Mangels Statthaftigkeit der Revision ist diese ohne Zuziehung der ehrenamtlichen Richter als unzulässig zu verwerfen (§ 169 SGG).

7 Die Kostenentscheidung beruht auf einer entsprechenden Anwendung des § 193 Abs 1 SGG.

Parole chiave

social insurancerevisionnon-admission complaintlegal aidinterpretation of filingsinadmissibilitycosts

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether legal aid and appointment of counsel should be granted for the announced revision

Decisione estratta

Denied because the expressly filed revision had no reasonable prospect of success.

Motivazione estratta

The revision was not admissible, as it had not been allowed by either the appellate court or the BSG; only a complaint against non-admission would have been the proper remedy.

Questione giuridica chiave

Whether the claimant's filing could be construed as a non-admission complaint instead of a revision

Decisione estratta

No; the filing could not be interpreted or recharacterized.

Motivazione estratta

The submission was clear and unambiguous: it stated only 'revision' and sought legal aid solely for revision proceedings. Recharacterization was excluded, especially because the appeal notice named the correct remedy.

Questione giuridica chiave

Whether the revision is admissible

Decisione estratta

The revision is inadmissible and must be rejected.

Motivazione estratta

No leave to appeal had been granted, so the statutory remedy was lacking.

Questione giuridica chiave

Costs of the revision proceedings

Decisione estratta

No reimbursement of costs between the parties.

Motivazione estratta

Cost decision under analogous application of the procedural cost rule.

Continua la tua ricerca in ChatGPT o Claude

Collega Omnilex per cercare nel corpus legale dal tuo assistente IA.