Non-admission complaint inadmissible for insufficient procedural-error showing

BSG B 9 VH 1/10 BBsg / Division 913 lug 2010Dismissed

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Federal Social Court dismissed the claimant’s non-admission complaint as inadmissible. It held that the complaint did not properly substantiate a procedural defect capable of supporting revision. The claimant’s objections to the handling of earlier psychiatric reports did not show a violation of § 118 SGG in conjunction with § 411a ZPO, and in any event criticism of evidence appraisal under § 128 Abs. 1 S. 1 SGG cannot found leave to appeal. The alternative argument that the court should have ordered a new expert opinion under § 103 SGG also failed because no relevant evidentiary motion was identified. Costs were imposed under § 193 SGG.

Massima Omnilex

§ 160 Abs. 2 Nr. 3 SGG, § 160a Abs. 2 S. 3 SGG; requirements for a non-admission complaint based on procedural defect. A procedural complaint must state the alleged defect and substantiate, from the appellate court’s own material legal view, why the decision may have been influenced thereby. Criticism of the assessment of evidence under § 128 Abs. 1 S. 1 SGG is excluded from revision admission. The use of an expert report from another proceeding under § 118 Abs. 1 SGG in conjunction with § 411a ZPO is not enough, by itself, to establish a reviewable defect; if the report was merely considered as documentary evidence, the matter falls within judicial fact-finding. A complaint based on § 103 SGG further requires designation of a specific evidentiary request that was rejected without sufficient reason (consid. 3-7).

Testo completo

BSG — B 9 VH 1/10 B, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-07-13

Aktenzeichen: B 9 VH 1/10 B

ECLI: ECLI:DE:BSG:2010:130710BB9VH110B0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 118 Abs 1 SGG, § 411a ZPO, § 128 Abs 1 S 1 SGG

Vorinstanz: vorgehend SG Konstanz, 21. Februar 2006, Az: S 1 VH 1329/04vorgehend Landessozialgericht Baden-Württemberg, 21. Januar 2010, Az: L 6 VH 2465/08, Urteil

Spruchkörper: 9. Senat

Titelzeile

(Sozialgerichtliches Verfahren - Beweisverfahren - Verfahrensfehler - Verwertung eines Sachverständigengutachtens aus einem anderen Verfahren gem § 411a ZPO - richterliche Beweiswürdigung)

Gründe

1 Mit Urteil vom 21.1.2010 hat das Landessozialgericht Baden-Württemberg (LSG) einen auf § 44 SGB X gestützten Anspruch des Klägers auf Neubezeichnung und erstmalige Feststellung von Schädigungsfolgen sowie auf Gewährung von Beschädigtenrente nach dem Häftlingshilfegesetz iVm dem Bundesversorgungsgesetz verneint. Mit seiner Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision in diesem Urteil macht der Kläger Verfahrensmängel geltend.

2 Die Nichtzulassungsbeschwerde des Klägers ist unzulässig. Die Begründung genügt nicht den gesetzlichen Anforderungen, da keiner der in § 160 Abs 2 SGG abschließend aufgeführten Zulassungsgründe ordnungsgemäß dargetan ist (vgl § 160a Abs 2 Satz 3 SGG).

3 Wird eine Nichtzulassungsbeschwerde darauf gestützt, dass ein Verfahrensmangel vorliege, auf dem die angefochtene Entscheidung beruhen könne (§ 160 Abs 2 Nr 3 SGG) , so müssen bei der Bezeichnung des Verfahrensmangels zunächst die diesen (vermeintlich) begründenden Tatsachen substantiiert dargetan werden. Darüber hinaus ist die Darlegung erforderlich, dass und warum die Entscheidung des LSG - ausgehend von dessen materieller Rechtsansicht - auf dem Mangel beruhen kann, dass also die Möglichkeit einer Beeinflussung des Urteils besteht (vgl BSG SozR 1500 § 160a Nr 14, 24, 34, 36). Gemäß § 160 Abs 2 Nr 3 Halbs 2 SGG kann der geltend gemachte Verfahrensmangel allerdings nicht auf eine Verletzung der §§ 109 und 128 Abs 1 Satz 1 SGG und auf eine Verletzung des § 103 SGG nur gestützt werden, wenn er sich auf einen Beweisantrag bezieht, dem das LSG ohne hinreichende Begründung nicht gefolgt ist.

4 Der Kläger rügt ausschließlich eine Verletzung von § 118 Abs 1 SGG iVm § 411a ZPO. Zur Begründung trägt er im Wesentlichen vor: Der Umstand, dass sich die wissenschaftliche Lehrmeinung nach der Anfertigung der letzten psychiatrischen Gutachten erheblich verändert habe, sei von Seiten des LSG nicht ausreichend gewürdigt worden. Das Gericht schließe sich der Beurteilung der Sachverständigen Dr. R. und Dr. V. wegen der zeitnäheren Begutachtung an und führe hinsichtlich der Entwicklung der wissenschaftlichen Lehrmeinung lediglich aus, die Gutachter hätten eine neurotische Persönlichkeitsentwicklung bzw eine primär anlagebedingte Fehlentwicklung der Persönlichkeit festgestellt, obschon die posttraumatische Belastungsstörung zu jener Zeit nicht mehr gänzlich unbekannt gewesen sei. Von Seiten des LSG sei in den Urteilsgründen nicht ausgeführt worden, dass die gutachterliche Äußerung der Sachverständigen E. hinsichtlich der Änderung der wissenschaftlichen Lehrmeinung nicht nachvollziehbar sei. Es werde weiterhin vom Gericht keinerlei eigene Sachkunde dargelegt, wonach dieses zur eigenständigen Beurteilung der Entwicklung der wissenschaftlichen Lehrmeinung bezüglich der posttraumatischen Belastungsstörung seit Anfang der 90er Jahre befähigt sei. Diese Ausführungen sind nicht geeignet, einen berücksichtigungsfähigen Verfahrensmangel schlüssig zu begründen.

5 Nach § 411a ZPO, der gemäß § 118 Abs 1 SGG im sozialgerichtlichen Verfahren entsprechend anwendbar ist, kann die schriftliche Begutachtung durch die Verwertung eines gerichtlich oder staatsanwaltschaftlich eingeholten Sachverständigengutachtens aus einem anderen Verfahren ersetzt werden. Diese Vorschrift ermöglicht es, ein in einem anderen Verfahren eingeholtes Gutachten nicht nur als Urkundenbeweis, sondern als Sachverständigenbeweis zu benutzen (vgl dazu Reichold in Thomas/Putzo, ZPO, 30. Aufl 2009, § 411a RdNr 2). Den Ausführungen des Klägers ist bereits nicht mit hinreichender Deutlichkeit zu entnehmen, dass das LSG die in dem früheren Berufungsverfahren vor dem LSG Nordrhein-Westfalen - L 6 V 54/80 - eingeholten Gutachten der Dres R. und V. nach Maßgabe dieser Vorschrift und nicht bloß als Urkunden zu Beweiszwecken verwertet hat. Insbesondere ist nicht ersichtlich, dass die betreffenden Gutachter für den vorliegenden Rechtsstreit erneut zu Sachverständigen ernannt worden sind (vgl dazu Reichold, aaO, RdNr 3).

6 Die Berücksichtigung eines aus einem früheren Verfahren vorliegenden Gutachtens im Wege des Urkundenbeweises fällt ebenso in den Bereich der richterlichen Beweiswürdigung wie die Auswertung des im vorliegenden Rechtsstreit eingeholten Gutachtens der Sachverständigen E. Verletzungen des insoweit einschlägigen § 128 Abs 1 Satz 1 SGG können nach der ausdrücklichen Regelung des § 160 Abs 2 Nr 3 Halbs 2 SGG nicht zur Zulassung der Revision führen.

7 Entsprechend verhält es sich, soweit der Kläger sinngemäß geltend macht, das LSG hätte ein erneutes Sachverständigengutachten einholen müssen, wenn es der Auffassung der Sachverständigen E. nicht habe folgen wollen. Zur Darlegung eines damit gerügten Verstoßes gegen § 103 SGG hätte der Kläger - im Hinblick auf § 160 Abs 2 Nr 3 Halbs 2 SGG - einen Beweisantrag bezeichnen müssen, dem das LSG ohne hinreichende Begründung nicht gefolgt ist. Das ist mit der Beschwerdebegründung nicht geschehen.

8 Die Kostenentscheidung beruht auf entsprechender Anwendung des § 193 SGG.

Parole chiave

non-admission complaintprocedural defectexpert evidencedocumentary evidencejudicial assessment of evidencesocial benefitsrevision admissibilityduty to take evidencecosts

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the non-admission complaint sufficiently alleged a procedural defect under § 160 Abs. 2 Nr. 3 SGG.

Decisione estratta

No. The complaint did not adequately substantiate facts showing a reviewable procedural defect or explain that the judgment could have been influenced by it.

Motivazione estratta

A procedural-error complaint must identify the defect and show why it could have affected the outcome. The claimant's submissions did not meet that standard.

Questione giuridica chiave

Whether the use of earlier psychiatric reports under § 118 Abs. 1 SGG in conjunction with § 411a ZPO constituted a reviewable procedural error.

Decisione estratta

No. The submissions did not show that the LSG had used the reports as formal expert evidence under § 411a ZPO rather than merely as documentary evidence; in any event, challenges to evidence assessment are not a basis for leave to appeal.

Motivazione estratta

The court found it unclear that the earlier reports were reintroduced as expert evidence. Their consideration as documentary evidence falls within judicial fact-finding and cannot support revision under § 160 Abs. 2 Nr. 3 SGG.

Questione giuridica chiave

Whether the LSG should have obtained a new expert opinion because it allegedly disagreed with expert E.'s view.

Decisione estratta

No. A claimed breach of the duty to take evidence under § 103 SGG requires identifying a specific evidentiary request that was rejected without sufficient reason, which was not done.

Motivazione estratta

The complaint failed to point to a proper evidentiary motion ignored by the LSG.

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