Non-admission complaint dismissed for insufficient procedural defect pleading

BSG B 9 V 3/16 BBsg / Division 911 mar 2016Dismissed

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The claimant sought victim compensation with a degree of consequences of 25 after a stabbing by her former partner. The administration and both lower courts denied the claim to that extent. In the non-admission complaint, she invoked a procedural defect, arguing that the LSG had failed to follow a medical expert opinion and had ignored an evidentiary request. The BSG held that the complaint did not meet the strict substantiation requirements for a procedural defect and did not sufficiently show a hearing violation. The complaint was therefore dismissed as inadmissible, with no reimbursement of extrajudicial costs.

Massima Omnilex

§ 160a Abs. 2 S. 3 SGG; non-admission complaint based on procedural defect and right to be heard; substantiation requirements. A complaint against non-admission of the revision must specifically and factually substantiate the alleged procedural defect. A party represented by counsel must, when alleging that evidence was ignored, show that the evidentiary motion was maintained until the end of the oral hearing or reproduced in the judgment; otherwise the complaint is inadmissible. A hearing complaint also fails where it merely challenges the court's assessment of expert evidence, because the evaluation of expert opinions is primarily for the trial court. The court need not announce its decisive reasoning in advance unless it relies on an entirely unforeseeable legal view (consid. 5-6).

Testo completo

BSG — B 9 V 3/16 B, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-03-11

Aktenzeichen: B 9 V 3/16 B

ECLI: ECLI:DE:BSG:2016:110316BB9V316B0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 160a Abs 2 S 3 SGG, § 160 Abs 2 S 3 Halbs 1 SGG, § 160 Abs 2 S 3 Halbs 2 SGG, § 128 Abs 1 S 1 SGG, § 103 SGG, § 109 SGG

Vorinstanz: vorgehend SG Koblenz, 10. Oktober 2014, Az: S 4 VG 5/13, Urteilvorgehend Landessozialgericht Rheinland-Pfalz, 14. Oktober 2015, Az: L 4 VG 20/14, Urteil

Spruchkörper: 9. Senat

Titelzeile

Nichtzulassungsbeschwerde - sozialgerichtliches Verfahren - Verfahrensfehler - Amtsermittlungsgrundsatz - Würdigung eines Sachverständigengutachtens - Aufgabe des Tatsachenrichters - Bitte um rechtlichen Hinweis für den Fall einer abweichenden Beurteilung - Übergehen eines Beweisantrags - Darlegungsanforderungen

Tenor

Die Beschwerde der Klägerin gegen die Nichtzulassung der Revision im Urteil des Landessozialgerichts Rheinland-Pfalz vom 14. Oktober 2015 wird als unzulässig verworfen.

Die Beteiligten haben einander für das Beschwerdeverfahren keine außergerichtlichen Kosten zu erstatten.

Gründe

1 I. In der Hauptsache begehrt die Klägerin Opferentschädigung nach einem Grad der Schädigungsfolgen (GdS) von 25 in der Folge einer am 9.3.2008 durch ihren ehemaligen Lebensgefährten zugefügten Stichverletzung. Der Beklagte erkannte Schädigungsfolgen lediglich mit einem GdS von unter 25 an (Bescheid vom 10.11.2011; Widerspruchsbescheid vom 18.3.2013). Das SG hat die Klage nach psychiatrisch-neurologischer Begutachtung der Klägerin (von Amts wegen und auf Antrag nach § 109 SGG) abgewiesen (Urteil vom 10.10.2014). Das LSG hat die Berufung der Klägerin zurückgewiesen und zur Begründung ua ausgeführt, die verbliebenen somatischen Schäden seien mit einem GdS von 10 zu bewerten, die psychische Schädigung bedinge wegen eines Vorschadens keinen höheren GdS als maximal 20. Dies habe der auf Antrag nach § 109 SGG tätige Gutachter nicht zutreffend erfasst, soweit er für einen vorübergehenden Zeitraum einen GdS von 25 vorgeschlagen habe (Urteil vom 14.10.2015).

2 Mit ihrer Beschwerde wendet sich die Klägerin gegen die Nichtzulassung der Revision im Urteil des LSG und rügt einen Verfahrensfehler.

3 II. Die Nichtzulassungsbeschwerde der Klägerin ist unzulässig. Die Begründung genügt nicht den gesetzlichen Anforderungen, weil der sinngemäß geltend gemachte Zulassungsgrund des Verfahrensmangels nicht ordnungsgemäß dargetan worden ist (vgl § 160a Abs 2 S 3 SGG) .

4 1. Wird eine Nichtzulassungsbeschwerde wie im Fall der Klägerin darauf gestützt, es liege ein Verfahrensmangel vor, auf dem die angefochtene Entscheidung beruhen könne (§ 160 Abs 2 Nr 3 Halbs 1 SGG) , so müssen bei der Bezeichnung des Verfahrensmangels (§ 160a Abs 2 S 3 SGG) zunächst die den Verfahrensmangel (vermeintlich) begründenden Tatsachen substantiiert dargetan werden. Gemäß § 160 Abs 2 Nr 3 Halbs 2 SGG kann der geltend gemachte Verfahrensmangel dabei nicht auf eine Verletzung der §§ 109 und 128 Abs 1 S 1 SGG und auf eine Verletzung des § 103 SGG nur gestützt werden, wenn er sich auf einen Beweisantrag bezieht, dem das LSG ohne hinreichende Begründung nicht gefolgt ist.

5 Die Beschwerdebegründung führt an, dem angegriffenen Urteil sei zu entnehmen, dass das LSG den Ausführungen des Sachverständigen nach § 109 SGG nicht habe folgen wollen. Für diesen Fall sei mit Schriftsatz vom 30.6.2015 ausdrücklich um einen richterlichen Hinweis gebeten und implizit ein Beweisantrag gestellt worden. Damit rügt die Klägerin sinngemäß eine Verletzung der Amtsermittlungspflicht. Ein im Berufungsverfahren anwaltlich vertretener Beteiligter - wie die Klägerin - kann aber nur dann mit der Rüge des Übergehens eines Beweisantrags gehört werden, wenn er diesen bis zum Schluss der mündlichen Verhandlung durch entsprechenden Hinweis zu Protokoll aufrechterhalten hat oder das Gericht den Beweisantrag in seinem Urteil wiedergibt ( stRspr, vgl zB BSG SozR 4-1500 § 160 Nr 13 RdNr 11 mwN). Dass dies geschehen sei, behauptet die Klägerin nicht.

6 Soweit die Beschwerdebegründung sinngemäß auch eine Verletzung rechtlichen Gehörs rügt, wird der behauptete Gehörsverstoß nicht hinreichend substantiiert dargetan. Der Anspruch der Beteiligten auf rechtliches Gehör verpflichtet das Prozessgericht grundsätzlich nicht, die für die richterliche Überzeugungsbildung möglicherweise leitenden Gesichtspunkte vorher mit den Beteiligten zu erörtern (vgl BSG SozR 3-1500 § 112 Nr 2 S 3 mwN) . Etwas anderes gilt nur dann, wenn das Gericht seine Entscheidung auf einen rechtlichen Gesichtspunkt stützt, mit dem auch ein gewissenhafter und kundiger Prozessbeteiligter selbst unter Berücksichtigung der Vielfalt vertretbarer Rechtsauffassungen nicht zu rechnen brauchte (vgl BVerfGE 86, 133, 144 f) . Die Beschwerdebegründung setzt sich nicht damit auseinander, ob und inwieweit dies hier der Fall sein könnte, gemessen daran, dass die Würdigung der eingeholten Sachverständigengutachten ureigene tatrichterliche Aufgabe ist.

7 2. Die Beschwerde ist somit ohne Zuziehung der ehrenamtlichen Richter zu verwerfen (§ 160a Abs 4 S 1 Halbs 2, § 169 SGG) .

8 3. Von einer weiteren Begründung sieht der Senat ab (vgl § 160a Abs 4 S 2 Halbs 2 SGG) .

9 4. Die Kostenentscheidung beruht auf der entsprechenden Anwendung des § 193 Abs 1 SGG.

Parole chiave

non-admission complaintprocedural defectright to be heardevidentiary motionexpert evidencevictim compensationsubstantiation requirementscosts

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the non-admission complaint sufficiently alleged a procedural defect under § 160a Abs. 2 S. 3 SGG.

Decisione estratta

No. The complaint did not substantiate the alleged procedural defect with the required facts.

Motivazione estratta

A procedural defect must be pleaded in a substantiated manner. Here, the assertions about disregarding an expert opinion and an implied evidentiary motion did not show that the motion was maintained until the end of the oral hearing or reproduced in the judgment.

Questione giuridica chiave

Whether a violation of the right to be heard was sufficiently shown.

Decisione estratta

No. The complaint did not explain why the court had to discuss the evidentiary assessment in advance or why an unexpected legal view was taken.

Motivazione estratta

The court is generally not obliged to preview decisive considerations. An exception exists only for a legal viewpoint that even a diligent party could not have anticipated. The complaint failed to engage with that standard.

Questione giuridica chiave

Whether the proceedings should result in reimbursement of extrajudicial costs.

Decisione estratta

No reimbursement was ordered.

Motivazione estratta

The court applied the cost rule by analogy under § 193 Abs. 1 SGG and rejected cost shifting.

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