Inadmissible non-admission complaint for alleged procedural error

BSG B 11 AL 59/12 BBsg / Division 1122 ott 2012Dismissed

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The BSG rejected the plaintiff’s complaint against the denial of leave to appeal as inadmissible. It held that the complaint failed to satisfy the pleading requirements for a procedural defect under § 160a Abs. 2 S. 3 SGG. In particular, the plaintiff did not concretely show a preserved evidentiary motion before the LSG, could not use a hearing-violation argument to circumvent the limits of § 160 Abs. 2 Nr. 3 SGG, and did not explain how any defect could have affected the LSG’s decision. No costs were reimbursed.

Massima Omnilex

§ 160 Abs. 2 Nr. 3, § 160a Abs. 2 S. 3 SGG; requirements for a non-admission complaint based on procedural defects: the complaint must designate the alleged defect and the facts supporting it in a substantiated and coherent manner so that the Revisionsgericht can assess, on the basis of the complaint alone, whether a revisable procedural error may exist and whether the challenged decision may rest on it. A complaint based on the violation of the duty to investigate requires, in particular, the assertion of a formally valid and maintained evidentiary motion before the appellate court. Allegations of denial of the right to be heard may not be used to extend the restricted grounds of § 160 Abs. 2 Nr. 3 SGG beyond their statutory scope, especially where they merely repeat an insufficent § 103 SGG argument. References to first-instance submissions or incomplete reconstructions of the facts do not satisfy the requirement of causal plausibility (consid. 2-8).

Testo completo

BSG — B 11 AL 59/12 B, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2012-10-22

Aktenzeichen: B 11 AL 59/12 B

ECLI: ECLI:DE:BSG:2012:221012BB11AL5912B0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 160 Abs 2 Nr 3 SGG, § 160a Abs 2 S 3 SGG, § 62 SGG, § 103 SGG

Vorinstanz: vorgehend SG Frankfurt, 1. Dezember 2010, Az: S 1 AL 14/06, Urteilvorgehend Hessisches Landessozialgericht, 29. Mai 2012, Az: L 7 AL 106/11, Beschluss

Spruchkörper: 11. Senat

Titelzeile

Sozialgerichtliches Verfahren - Nichtzulassungsbeschwerde - Verfahrensmangel - Verletzung rechtlichen Gehörs - Nichtberücksichtigung eines Beweisantrags

Tenor

Die Beschwerde des Klägers gegen die Nichtzulassung der Revision im Beschluss des Hessischen Landessozialgerichts vom 29. Mai 2012 wird als unzulässig verworfen.

Kosten des Beschwerdeverfahrens sind nicht zu erstatten.

Gründe

1 Die ausschließlich auf Verfahrensfehler des Landessozialgerichts (LSG) gestützte Beschwerde ist unzulässig. Ein Verfahrensmangel iS des § 160 Abs 2 Nr 3 Sozialgerichtsgesetz (SGG) ist nicht in der nach § 160a Abs 2 S 3 SGG gebotenen Weise bezeichnet.

2 Nach § 160a Abs 2 S 3 SGG muss in der Begründung der Beschwerde der Verfahrensmangel, auf dem das Urteil des LSG beruhen kann, bezeichnet werden. Eine Bezeichnung in diesem Sinne liegt nur vor, wenn die den Mangel (angeblich) begründenden Tatsachen substantiiert und schlüssig dargetan sind (stRspr, ua BSG SozR 1500 § 160a Nr 14) . Das Bundessozialgericht (BSG) muss allein anhand der Begründung darüber entscheiden können, ob ein die Revisionsinstanz eröffnender Verfahrensmangel in Betracht kommt, auf dem die angefochtene Entscheidung beruhen kann (vgl ua Beschluss des Senats vom 29.12.2010 - B 11 AL 82/10 B - mwN) . Diese Anforderungen verfehlt die vorgelegte Beschwerdebegründung.

3 Der Kläger und Beschwerdeführer macht geltend, die Vorgerichte hätten unter Verletzung der Amtsermittlungspflicht sowie der Verletzung des rechtlichen Gehörs angenommen, er habe grob fahrlässig unrichtige oder unvollständige Angaben gemacht.

4 Bei diesem Vorbringen beachtet der Beschwerdeführer nicht hinreichend, dass die Verletzung der Amtsermittlungspflicht (§ 103 SGG) nach § 160 Abs 2 Nr 3 SGG den Revisionsrechtszug nur eröffnet, wenn geltend gemacht wird, das LSG sei einem Beweisantrag ohne hinreichende Begründung nicht gefolgt. Insoweit obliegt es nach ständiger Rechtsprechung jedenfalls einem anwaltlich vertretenen Beteiligten, im Berufungsverfahren gestellte Beweisanträge in der mündlichen Verhandlung oder bei Entscheidung im schriftlichen Verfahren nach Erhalt der Anhörungsmitteilung ausdrücklich aufrechtzuerhalten (vgl ua BSG SozR 3-1500 § 160 Nr 29; BSG SozR 4-1500 § 160 Nr 13 mwN) . In der Begründung der Nichtzulassungsbeschwerde muss konkret vorgetragen werden, dass vor dem LSG ein Beweisantrag formgerecht gestellt worden ist (vgl zu den Anforderungen BSG SozR 4-1500 § 160a Nr 3) . Dass dies der Fall gewesen wäre, ergibt sich aus dem Beschwerdevorbringen jedoch nicht.

5 Die Beschwerdebegründung enthält vorwiegend Ausführungen zum Verfahrensablauf vor dem Sozialgericht. Verfahrensmängel iS des § 160 Abs 2 Nr 3 SGG sind jedoch Verstöße im unmittelbar vorangehenden Rechtszug (vgl ua BSG, Beschluss vom 28.1.2009 - B 6 KA 27/07 B; Kummer, Die Nichtzulassungsbeschwerde, 2. Aufl 2010, RdNr 440, 445) . Soweit zusätzlich vorgetragen wird, der im Berufungsverfahren anwaltlich vertretene Kläger habe bestimmte Vorgänge oder Ausführungen aus dem erstinstanzlichen Verfahren in der Berufungsinstanz "ausdrücklich vorgetragen und unter Beweis gestellt", bleibt unklar, welcher Beweisantrag mit welchem Inhalt wann gestellt und in welcher Weise ein bestimmter Beweisantrag vor der abschließenden Entscheidung des LSG aufrechterhalten worden ist.

6 Soweit der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit der angeblichen Nichtbeachtung eines Beweisantrags auch eine Verletzung des rechtlichen Gehörs behauptet, ist dies ebenfalls unzureichend. Zwar kann als Verfahrensmangel iS von § 160 Abs 2 Nr 3 iVm § 62 SGG gerügt werden, das Gericht habe wesentliches Vorbringen nicht in Erwägung gezogen. Bezieht sich dieser Vorwurf jedoch auf Beweisanträge und enthält er im Kern lediglich eine Wiederholung des zu § 103 SGG Vorgebrachten, so kann die Beschwerde hierauf nicht gestützt werden, weil die in § 160 Abs 2 Nr 3 SGG geregelte Beschränkung nicht über den Umweg des § 62 SGG erweitert werden darf (vgl BSG, Beschlüsse vom 28.7.1992 - 2 BU 37/92 -, vom 20.1.1998 - B 13 RJ 207/97 B - SozR 3-1500 § 160 Nr 22 und vom 3.12.2010 - B 12 KR 11/10 B) .

7 Keine formgerechte Bezeichnung eines Verfahrensmangels enthält auch das Vorbringen, der Kläger sehe in dem vorliegenden Verfahren seine Glaubwürdigkeit in Frage gestellt. Insoweit ist nicht beachtet, dass nach § 160 Abs 2 Nr 3 SGG der geltend gemachte Verfahrensmangel nicht auf eine Verletzung des § 128 Abs 1 S 1 SGG (Entscheidung des Gerichts nach freier, aus dem Gesamtergebnis des Verfahrens gewonnener Überzeugung) gestützt werden kann.

8 Das Beschwerdevorbringen genügt schließlich den Anforderungen des § 160a Abs 2 S 3 SGG schon deshalb nicht, weil nicht schlüssig dargelegt ist, dass die angefochtene Entscheidung des LSG auf einem etwaigen Verfahrensmangel beruhen kann. In der Beschwerdebegründung wird der zugrundeliegende Sachverhalt nur unvollständig und nur aus der Sicht des Klägers geschildert; es bleibt unklar, wie im Einzelnen das LSG aufgrund welcher tatsächlicher Feststellungen und welcher Rechtsgrundlagen entschieden hat. Eine Bezugnahme auf vorinstanzliche Schriftsätze reicht nicht aus (vgl Beschluss des Senats vom 12.11.2008 - B 11 AL 125/08 B) . Damit kann der Senat allein aufgrund der Angaben der Beschwerdebegründung nicht beurteilen, wie ein etwa vorliegender Verfahrensmangel die angefochtene Entscheidung beeinflusst haben kann. Es ist nicht Aufgabe des Beschwerdegerichts, sich selbst anhand des Urteils und der Akten ein Urteil darüber zu bilden (vgl BSG SozR 1500 § 160a Nr 14; stRspr) .

9 Von einer weiteren Begründung sieht der Senat ab, weil sie nicht geeignet wäre, zur Klärung der Voraussetzungen der Revisionszulassung beizutragen (§ 160a Abs 4 S 2 SGG) .

10 Die unzulässige Beschwerde ist zu verwerfen (§§ 160a Abs 4 S 1, 169 SGG) .

11 Die Kostenentscheidung beruht auf § 193 SGG.

Parole chiave

non-admission complaintprocedural defectright to be heardduty to investigateevidentiary requestadmissibilitysocial court procedure

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the non-admission complaint sufficiently alleged a procedural defect under § 160 Abs. 2 Nr. 3 SGG

Decisione estratta

The complaint did not meet the statutory pleading requirements because it did not substantiate the alleged procedural defect in a coherent and specific manner.

Motivazione estratta

Under § 160a Abs. 2 S. 3 SGG, the defect and its potentially decisive facts must be set out concretely enough for the court to assess it from the complaint alone.

Questione giuridica chiave

Whether the alleged failure to take evidence under § 103 SGG was properly raised

Decisione estratta

No. The complaint did not show that a formally valid evidentiary motion had been made and maintained before the LSG.

Motivazione estratta

A challenge based on § 103 SGG requires a specific, preserved evidentiary request in the appellate proceedings; references to first-instance proceedings are insufficient.

Questione giuridica chiave

Whether a violation of the right to be heard under § 62 SGG was adequately pleaded

Decisione estratta

No. The hearing complaint merely repeated the deficient argument about evidence and could not bypass the limits of § 160 Abs. 2 Nr. 3 SGG.

Motivazione estratta

A hearing violation cannot be used to expand the grounds for non-admission review where the substance concerns evidentiary motions.

Questione giuridica chiave

Whether the complaint showed that the alleged defect could have affected the LSG judgment

Decisione estratta

No. The complaint did not set out the factual and legal basis of the LSG decision sufficiently to show causation.

Motivazione estratta

Without a coherent presentation of the appellate court’s findings and reasoning, the BSG cannot assess whether an alleged defect may have influenced the outcome.

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