Invalid opening order due to wrong chamber composition

BGH 4 StR 405/16Bgh / Criminal Chamber 41 mar 2017Partially Granted

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Sintesi Omnilex

The Federal Court partly upheld the defendant’s appeal against a Regional Court judgment for two drug-import offenses. It held that count II.1 had to be discontinued because the chamber’s decision to open proceedings was invalid: the second indictment was not a supplementary indictment, so the opening decision had to be taken outside the main hearing by a properly composed chamber without lay judges. As a result, the individual sentence for that count fell away and the seven-year total sentence was quashed. In the remaining part, the conviction survived review; the defendant remains finally convicted to six years’ imprisonment for one drug-import offense in concurrence with drug trafficking.

Massima Omnilex

Art. 101 Abs. 1 GG, § 206a StPO, § 266 StPO, § 76 Abs. 1 S. 2, Abs. 2 S. 3 und 4 GVG; validity of the opening decision and chamber composition when a further indictment is dealt with during the main hearing. A normal indictment is not a supplementary indictment within the meaning of § 266 StPO merely because it is joined to an ongoing trial. The decision on admission must then be taken in the statutory composition for decisions outside the main hearing; a resolution passed in the main hearing by a chamber including lay judges is ineffective. The absence of a valid opening order constitutes a procedural impediment requiring discontinuance under § 206a StPO; any sentence based solely on the discontinued count falls away, and a total sentence dependent on it must be set aside.

Testo completo

BGH — 4 StR 405/16, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2017-03-01

Aktenzeichen: 4 StR 405/16

ECLI: ECLI:DE:BGH:2017:010317B4STR405.16.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: Art 101 Abs 1 GG, § 199 Abs 1 StPO, § 206a StPO, § 266 StPO, § 76 Abs 1 S 2 GVG, § 76 Abs 2 S 3 GVG, § 76 Abs 2 S 4 GVG

Vorinstanz: vorgehend LG Zweibrücken, 4. Januar 2016, Az: 4162 Js 11099/14 - 1 KLs

Spruchkörper: 4. Strafsenat

Titelzeile

Strafverfahren: Besetzung der großen Strafkammer bei Eröffnungsentscheidung während der Hauptverhandlung

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird

a) das Verfahren eingestellt, soweit der Angeklagte im Fall II.1 der Urteilsgründe wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge verurteilt worden ist; insoweit trägt die Staatskasse die Kosten des Verfahrens und die dem Angeklagten entstandenen notwendigen Auslagen;

b) das Urteil des Landgerichts Zweibrücken vom 4. Januar 2016 im Gesamtstrafenausspruch aufgehoben.

  1. Die weiter gehende Revision des Angeklagten wird verworfen.

  2. Der Angeklagte hat die verbleibenden Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in zwei Fällen, in einem Fall in Tateinheit mit unerlaubtem Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge, zu der Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt. Hiergegen richtet sich die auf die Verletzung formellen und materiellen Rechts gestützte Revision des Angeklagten. Das Rechtsmittel erzielt den aus der Entscheidungsformel ersichtlichen Teilerfolg; im Übrigen erweist es sich als unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

2 1. Für die Verurteilung des Angeklagten im Fall II.1 der Urteilsgründe fehlt es an einer Verfahrensvoraussetzung. Insoweit hat der Generalbundesanwalt in seiner Antragsschrift vom 2. Januar 2017 ausgeführt:

„Soweit der Angeklagte im Fall 1 der Urteilsgründe wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge verurteilt worden ist, ist das angefochtene Urteil aufzuheben und das Verfahren einzustellen, weil es hinsichtlich der Anklage der Staatsanwaltschaft Zweibrücken vom 24. März 2015, die dieser Verurteilung zugrunde liegt, an einem wirksamen Eröffnungsbeschluss fehlt. Die in der Hauptverhandlung am 7. Juli 2015 getroffene Entscheidung über die Eröffnung des Hauptverfahrens ist ebenso unwirksam wie der zugleich ergangene Einziehungsbeschluss der Strafkammer (vgl. zum Ganzen: Senat, Beschluss vom 28. Juli 2015, 4 StR 598/14).

Entgegen der Bezeichnung im Eröffnungs- und Verbindungsbeschluss vom 7. Juli 2015 handelt es sich nicht um eine Nachtragsanklage im Sinne des § 266 StPO. Die Staatsanwaltschaft hatte unter dem Aktenzeichen 4169 Js 11623/14 am 24. März 2015 eine - weitere - Anklage gegen den Angeklagten beim Landgericht Zweibrücken eingereicht, die am 8. April 2015 den Verteidigern zugestellt wurde.

Da es sich um eine 'normale' Anklage handelte, war für die Entscheidung über die Zulassung der Anklage die Strafkammer in der für Entscheidungen außerhalb der Hauptverhandlung vorgesehenen Besetzung - drei Berufsrichter unter Ausschluss der Schöffen - zuständig. Der in der Hauptverhandlung am 7. Juli 2014 - entsprechend dem Eröffnungs- und Besetzungsbeschluss vom 19. Februar 2015 (Sachakte SA Bd. I, Bl. 125) - in der Besetzung mit zwei Berufsrichtern und den Schöffen ergangene 'Kammerbeschluss' war daher unwirksam.

Da keine 'Nachtragsanklage' im Sinne des § 266 StPO vorlag, konnte auch kein - den Eröffnungsbeschluss ersetzender - Einbeziehungsbeschluss ergehen.“

3 Dem tritt der Senat bei.

4 Das Fehlen der Verfahrensvoraussetzung eines wirksamen Eröffnungsbeschlusses führt zur Einstellung des Verfahrens im Fall II.1 der Urteilsgründe. Hierdurch entfällt die für diesen Fall verhängte Einzelfreiheitsstrafe. Da hierdurch der Gesamtfreiheitsstrafe die Grundlage entzogen ist, hat der Senat diese aufgehoben.

5 2. Im verbleibenden Umfang hat die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben (§ 349 Abs. 2 StPO). Der Angeklagte ist damit rechtskräftig wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit unerlaubtem Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu der Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt.

FrankeCierniakBender
QuentinFeilcke

Parole chiave

opening orderchamber compositiondrug importsupplementary indictmentprocedural prerequisitetotal sentenceappeal revisiondiscontinuance

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the conviction for count II.1 had to be set aside because the opening order was invalid due to incorrect chamber composition.

Decisione estratta

Yes. The opening decision in the main hearing was ineffective because the chamber deciding on a normal indictment outside the main hearing was not properly composed.

Motivazione estratta

The second indictment was not a supplementary indictment under Art. 266 StPO. Therefore, the decision on admission had to be taken by the chamber in the composition prescribed for decisions outside the main hearing, i.e. three professional judges without lay judges. A chamber decision taken in the main hearing with lay judges was ineffective and could not replace a valid opening order.

Questione giuridica chiave

Whether the remaining conviction and sentence had to be disturbed by the appellate review.

Decisione estratta

No. In the remaining scope, the review revealed no legal error adverse to the defendant.

Motivazione estratta

After removing count II.1, the remaining conviction for one drug-import offense combined with drug trafficking in non-negligible quantity stood up to review under § 349 Abs. 2 StPO.

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