Theft of license plates and repeated use: concurrence rules

BGH 4 StR 629/16Bgh / Criminal Chamber 415 feb 2017Partially Granted

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Sintesi Omnilex

The Federal Court partly upheld the defendant’s appeal against a Freiburg judgment involving theft of license plates, driving without a license, uninsured driving, forgery, and drug possession. It removed the negligent bodily injury count in case II.10 because no complaint had been filed and no special public interest had been declared. It also corrected the concurrence analysis for the stolen license plates and their repeated use, merging the acts and eliminating separate sentences in some cases. For the transfer-plate cases II.30 to II.35, the court replaced forgery with license plate misuse. The sentence and driving ban otherwise remained unchanged, and the defendant was ordered to pay the appeal costs.

Massima Omnilex

§§ 52, 53 StGB; § 267 StGB; § 16 Abs. 5 Satz 2 FZV; concurrence in cases involving stolen license plates and repeated use of a vehicle: The theft of license plates and their prompt attachment to a vehicle can constitute a natural unit of action. If the offender already intends, upon attachment, to use the vehicle in public traffic, the making and repeated use of the false composite document form a single forgery; further traffic offenses committed during the journey are absorbed into one material act. By contrast, a vehicle carrying only a transfer plate does not become a composite document merely because the plate is fixed to it; in such cases forgery is excluded and only license plate misuse is applicable. Procedural preconditions for prosecuting bodily injury must be met; otherwise the conviction cannot stand.

Testo completo

BGH — 4 StR 629/16, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2017-02-15

Aktenzeichen: 4 StR 629/16

ECLI: ECLI:DE:BGH:2017:150217B4STR629.16.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 52 StGB, § 53 StGB, § 242 StGB, § 267 StGB, § 16 Abs 5 S 2 FZV

Vorinstanz: vorgehend LG Freiburg (Breisgau), 23. September 2016, Az: 300 Js 27467/12 - 3 KLs

Spruchkörper: 4. Strafsenat

Titelzeile

Diebstahl fremder Kfz-Kennzeichen und deren mehrfache Benutzung: Konkurrenzrechtliche Beurteilung

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Freiburg im Breisgau vom 23. September 2016 im Schuldspruch dahingehend geändert, dass der Angeklagte

a) im Fall II.10 der Urteilsgründe der fahrlässigen Gefährdung des Straßenverkehrs in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung, vorsätzlichem Fahren ohne Fahrerlaubnis, vorsätzlichem Gebrauch eines nicht versicherten Kraftfahrzeugs, Urkundenfälschung und unerlaubtem Besitz von Betäubungsmitteln,

b) in den Fällen II.17 und 20 sowie II.19, 21 und 22 der Urkundenfälschung in zwei Fällen jeweils in Tateinheit mit Diebstahl, vorsätzlichem Fahren ohne Fahrerlaubnis und vorsätzlichem Gebrauch eines nicht versicherten Kraftfahrzeugs, in einem Fall (Fälle II.19, 21 und 22) in weiterer Tateinheit mit unerlaubtem Besitz von Betäubungsmitteln sowie

c) in den Fällen II.30 bis 35 jeweils anstelle der (tateinheitlich begangenen) Urkundenfälschung des vorsätzlichen Kennzeichenmissbrauchs

schuldig ist.

  1. Die weiter gehende Revision wird verworfen.

  2. Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen einer Vielzahl von Straftaten, u.a. im Fall II.10 der Urteilsgründe wegen „fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung in 2 tateinheitlichen Fällen und mit vorsätzlichem Fahren ohne Fahrerlaubnis, vorsätzlichem Gebrauch eines Kraftfahrzeugs ohne Versicherungsschutz, Urkundenfälschung und vorsätzlichem unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln“, in den Fällen II.17 und 19 jeweils wegen Diebstahls, in den Fällen II.20 bis 22 jeweils wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis in Tateinheit mit vorsätzlichem Gebrauch eines Kraftfahrzeugs ohne Versicherungsschutz und mit Urkundenfälschung, im Fall II.22 in weiterer Tateinheit mit unerlaubtem Besitz von Betäubungsmitteln, im Fall II.30 wegen Diebstahls in Tateinheit mit vorsätzlichem Fahren ohne Fahrerlaubnis, vorsätzlichem Gebrauch eines Kraftfahrzeugs ohne Versicherungsschutz und mit Urkundenfälschung und in den Fällen II.31 bis 35 wegen Computerbetrugs in Tateinheit mit vorsätzlichem Fahren ohne Fahrerlaubnis, vorsätzlichem Gebrauch eines Kraftfahrzeugs ohne Versicherungsschutz und mit Urkundenfälschung zu der Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt. Ferner hat es eine isolierte Sperre für die Wiedererteilung der Fahrerlaubnis von drei Jahren angeordnet. Hiergegen richtet sich die auf die Verletzung formellen und materiellen Rechts gestützte Revision des Angeklagten. Das Rechtsmittel führt lediglich zur Abänderung des Schuldspruchs in dem aus der Entscheidungsformel ersichtlichen Umfang und zum Wegfall der Einzelstrafen in den Fällen II.17, 19 und 22 der Urteilsgründe. Im Übrigen ist das Rechtsmittel unbegründet im Sinne von § 349 Abs. 2 StPO.

2 1. Im Fall II.10 der Urteilsgründe hat die Verurteilung wegen der (tateinheitlich begangenen) fahrlässigen Körperverletzung zum Nachteil von H. zu entfallen. Die Geschädigte hat den erforderlichen Strafantrag nicht gestellt, und die Staatsanwaltschaft hat das besondere öffentliche Interesse nicht bejaht.

3 2. In den Fällen II.17 und 20 sowie II.19, 21 und 22 hält die konkurrenzrechtliche Bewertung der Diebstähle fremder Fahrzeugkennzeichen (Fälle II.17 und 19) und der mehrfachen Nutzung der mit den gestohlenen amtlichen Kennzeichen versehenen Kraftfahrzeuge (Fälle II.20 bis 22) der sachlich-rechtlichen Nachprüfung nicht stand.

4 a) Der Diebstahl der beiden Kennzeichen und deren zeitnahes Anbringen an eigenen Fahrzeugen des Angeklagten stellen hier jeweils eine natürliche Handlungseinheit dar (vgl. BGH, Beschluss vom 28. Januar 2014 – 4 StR 528/13, NJW 2014, 871).

5 b) Hat der Täter schon beim Anbringen der gestohlenen amtlichen Kennzeichen den Vorsatz, das Fahrzeug im öffentlichen Straßenverkehr zu nutzen, stellen der – gegebenenfalls mehrfache – Gebrauch der unechten zusammengesetzten Urkunde sowie ihre Herstellung eine tatbestandliche Handlungseinheit und damit nur eine Urkundenfälschung dar (vgl. BGH, Beschlüsse vom 7. Mai 2014 – 4 StR 95/14, wistra 2014, 349, vom 21. Mai 2015 – 4 StR 164/15, DAR 2015, 702, und vom 26. Oktober 2016 – 4 StR 354/16, NStZ-RR 2017, 26, 27). Das jeweils tateinheitliche Zusammentreffen weiterer, auf der Fahrt begangener Delikte mit der einheitlichen Urkundenfälschung hat zur Folge, dass sämtliche Gesetzesverstöße zu einer Tat im materiell-rechtlichen Sinne verklammert werden (BGH, Beschlüsse vom 7. Mai 2014 und vom 21. Mai 2015, aaO, sowie vom 28. Januar 2014 – 4 StR 528/13, NJW 2014, 871). Das Landgericht hat demnach übersehen, dass die beiden Fahrten vom 15. und 16. April 2015 (Fälle II.21 und 22) sowie der unerlaubte Besitz von Betäubungsmitteln (Fall II.22) tateinheitlich mit dem zuvor ausgeführten Diebstahl (Fall II.19) begangen worden sind. Dasselbe gilt für den Diebstahl der amtlichen Kennzeichen im Fall II.17 und die – unter ihrer Verwendung – bei der weiteren Fahrt am 15. April 2015 (Fall II.20) verwirklichten Gesetzesverletzungen.

6 c) Der Senat hat den Schuldspruch entsprechend geändert. Dadurch entfallen die Einzelstrafen in den Fällen II.17, 19 und 22.

7 3. Der Schuldspruch wegen – jeweils tateinheitlich begangener – Urkundenfälschung in den Fällen II.30 bis 35 hält der sachlich-rechtlichen Überprüfung ebenfalls nicht stand. In diesen Fällen war am Fahrzeug des Angeklagten lediglich ein Überführungskennzeichen („rotes Nummernschild“) angebracht. Selbst bei einer – nach § 16 Abs. 5 Satz 2 FZV nicht vorgeschriebenen – festen Verbindung mit einem solchen Kennzeichen stellt das Fahrzeug keine (zusammengesetzte) Urkunde dar (vgl. BGH, Urteil vom 14. Mai 1987 – 4 StR 49/87, BGHSt 34, 375, 376 [noch zu § 28 StVZO]; Beschluss vom 11. Februar 2014 – 4 StR 437/13, Rn. 15). Der Senat hat den Schuldspruch insoweit jeweils auf den tateinheitlich verwirklichten Kennzeichenmissbrauch (§ 22 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 StVG) abgeändert.

8 4. Im verbleibenden Umfang wird der Rechtsfolgenausspruch von den Änderungen im Schuldspruch nicht berührt. Der Senat schließt aus, dass das Landgericht auf geringere Einzelstrafen und auf eine mildere Gesamtfreiheitsstrafe erkannt oder die isolierte Sperrfrist kürzer bemessen hätte.

9 5. Mit Blick auf den nur geringen Teilerfolg erscheint es nicht unbillig, den Angeklagten mit den gesamten Kosten und Auslagen seines umfassend eingelegten Rechtsmittels zu belasten (§ 473 Abs. 4 StPO).

Sost-ScheibleRoggenbuckCierniak
BenderFeilcke

Parole chiave

license plate theftforgeryconcurrencenatural action unitvehicle usedriving without a licensecostsappeal

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the negligent bodily injury conviction in case II.10 required a private complaint or public-interest declaration.

Decisione estratta

The negligent bodily injury conviction had to be removed because the victim did not file the required complaint and the public interest had not been affirmed.

Motivazione estratta

The offense was not prosecutable on the record because the procedural preconditions for prosecution were missing.

Questione giuridica chiave

How the theft and reuse of stolen vehicle license plates in cases II.17, II.19, II.20, II.21, and II.22 are to be treated in terms of concurrence.

Decisione estratta

The plate thefts and the later vehicle uses were not separate isolated acts in the manner assumed by the lower court; the school of convictions had to be restructured into unitary concurrence.

Motivazione estratta

The theft and prompt attachment of the plates formed natural action units. Where the stolen plates were affixed with intent to use the vehicle in road traffic, the making and use of the false composite document formed only one forgery. The further traffic offenses were linked to that unitary forgery, and the drug possession in case II.22 was also included in the same act complex.

Questione giuridica chiave

Whether the convictions for forgery in cases II.30 to II.35 were correct where only a temporary transfer plate was attached.

Decisione estratta

Those convictions could not stand as forgery; they were to be replaced by misuse of license plates.

Motivazione estratta

Even a fixed attachment of a transfer plate that is not required under § 16 Abs. 5 Satz 2 FZV does not make the vehicle a composite document. Only the offense of license plate misuse was fulfilled.

Questione giuridica chiave

Whether the sentence and driving disqualification had to be changed because of the altered convictions.

Decisione estratta

No change was required to the punishment or the disqualification period.

Motivazione estratta

The court excluded that the lower court would have imposed lower individual sentences, a lighter total sentence, or a shorter driving ban.

Questione giuridica chiave

Who bears the costs of the unsuccessful remainder of the appeal?

Decisione estratta

The defendant had to bear the costs and expenses of the appeal.

Motivazione estratta

Given the only minor partial success, charging the full costs was not unfair under the cost rule.

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