No absolute appeal ground for absence during waiver of absent witnesses

BGH 3 StR 71/17Bgh / III camera penale4 apr 2017Dismissed

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Federal Court of Justice dismissed the defendant's revision against the Oldenburg Regional Court judgment. It held that the interpreter was not absent during a substantial part of the main hearing when the parties agreed to discharge witnesses who had been summoned for a later date but had not yet appeared. Such a declaration is not comparable to consent under § 245(1) StPO regarding already present witnesses and therefore does not trigger the absolute ground for appeal under § 338 No. 5 StPO. The defendant had to bear the costs of the revision and the necessary expenses of the private prosecutor.

Massima Omnilex

§ 245 Abs. 1 StPO, § 338 Nr. 5 StPO; the absence of an interpreter during the parties' consent to discharge witnesses who have been summoned for a later date but have not yet appeared does not concern a substantial part of the main hearing. The decisive distinction is between consent under § 245 Abs. 1 sentence 2 StPO concerning already present evidence witnesses, which is legally relevant to the conduct of evidence, and a mere agreement to discontinue the hearing of non-present witnesses. Since the court may order the discharge of such witnesses without the parties' consent, the declaration lacks comparable procedural significance and does not establish an absolute ground of appeal (consid. on § 338 No. 5 StPO).

Testo completo

BGH — 3 StR 71/17, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2017-04-04

Aktenzeichen: 3 StR 71/17

ECLI: ECLI:DE:BGH:2017:040417B3STR71.17.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 245 Abs 1 StPO, § 338 Nr 5 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Oldenburg (Oldenburg), 10. November 2016, Az: 6 KLs 17/16

Spruchkörper: 3. Strafsenat

Titelzeile

Absoluter Revisionsgrund: Abwesenheit eines Verfahrensbeteiligten bei Erklärung der Einverständnisses mit der Abladung nicht präsenter Zeugen

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Oldenburg vom 10. November 2016 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels und die dem Nebenkläger im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.

Zu der Rüge nach § 338 Nr. 5 StPO, § 185 GVG bemerkt der Senat ergänzend zu den Darlegungen des Generalbundesanwalts in dessen Antragsschrift:

Der Generalbundesanwalt hat im Ergebnis zu Recht ausgeführt, dass die Rüge keinen Erfolg hat, weil die Dolmetscherin nicht bei einem wesentlichen Teil der Hauptverhandlung abwesend war. Dies gilt auch insoweit, als die Verfahrensbeteiligten auf die Mitteilung des Vorsitzenden, mehrere für einen späteren Zeitpunkt geladene und nicht erschiene Zeugen abladen zu wollen, sich hiermit einverstanden erklärten. Dieser Erklärung kommt - im Gegensatz zu dem Einverständnis zum Absehen der Vernehmung präsenter Zeugen - eine für die Hauptverhandlung im Sinne der zu § 338 Nr. 5 StPO entwickelten Maßstäbe (vgl. hierzu Meyer-Goßner/Schmitt, StPO, 59. Aufl., § 338 Rn. 36; KK/Gericke, StPO, 7. Aufl., § 338 Rn. 70; jew. mwN) wesentliche Bedeutung nicht zu. Hierzu gilt:

Nach § 245 Abs. 1 Satz 1 StPO ist die Beweisaufnahme - soweit hier von Belang - grundsätzlich auf alle vom Gericht vorgeladenen und auch erschienenen Zeugen zu erstrecken. Die Einvernahme der Zeugen kann nur unterbleiben, wenn die Staatsanwaltschaft, der Verteidiger und der Angeklagte gemäß § 245 Abs. 1 Satz 2 StPO damit einverstanden sind, dass von der Er-hebung einzelner Beweise abgesehen wird. Sind die Zeugen geladen und erschienen, so hat deshalb das entsprechende Einverständnis der im Gesetz genannten Verfahrensbeteiligten eine für den Fortgang der Beweisaufnahme rechtserhebliche Bedeutung. Die Abgabe der Erklärung nach § 245 Abs. 1 Satz 2 StPO ist somit ein im Sinne des § 338 Nr. 5 StPO wesentlicher Teil der Hauptverhandlung (BGH, Beschluss vom 5. September 1995 - 1 StR 456/95, NStZ 1996, 351).

Sind demgegenüber die Zeugen - wie hier - erst für einen späteren Zeitpunkt geladen und noch nicht erschienen, so kann das Gericht ihre Abladung auch ohne die Zustimmung der genannten Verfahrensbeteiligten veranlassen; für diese Verfahrenskonstellation besteht eine § 245 Abs. 1 Satz 2 StPO entsprechende Regelung nicht. Die Verfahrensbeteiligten sind vielmehr gegebenenfalls gehalten, auf die Vernehmung der abgeladenen Zeugen etwa durch das Stellen entsprechender Anträge hinzuwirken. Das - wie hier - in der Hauptverhandlung erklärte Einverständnis mit der Abladung nicht präsenter Zeugen entfaltet deshalb keine Rechtswirkungen, die denjenigen einer Erklärung im Sinne des § 245 Abs. 1 StPO vergleichbar und damit im Sinne des § 338 Nr. 5 StPO als wesentlicher Teil der Hauptverhandlung anzusehen sind.

| Becker | | Schäfer | | RiBGH Gericke befindet sich im Urlaub und ist daher gehindert zu unterschreiben. | | --- | --- | --- | --- | --- | | | | | | Becker | | | Tiemann | | Hoch | |

Parole chiave

revisionabsolute ground of appealinterpretermain hearingevidence takingwitnessescosts

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the revision based on an alleged absolute ground of appeal under § 338 No. 5 StPO succeeded because the interpreter was absent during the parties' consent to discharge non-present witnesses.

Decisione estratta

No. The consent to discharge witnesses who had been summoned for a later date but had not yet appeared was not a substantial part of the main hearing within the meaning of § 338 No. 5 StPO.

Motivazione estratta

The court distinguished between consent under § 245(1) sentence 2 StPO regarding witnesses who are present, which is legally significant for the taking of evidence, and the mere agreement to discharge witnesses who are not yet present. For the latter constellation, the court may arrange discharge without the parties' consent, and the parties can safeguard their position by later motions. Therefore, the interpreter's absence during that declaration did not affect a substantial part of the hearing.

Questione giuridica chiave

Whether the defendant's revision against the Regional Court judgment had any other legal errors to his detriment.

Decisione estratta

No reversible legal error to the defendant's detriment was found on review.

Motivazione estratta

The court found the revision unfounded overall after reviewing the record and the grounds of appeal.

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