Combined nuclear and mitochondrial DNA evidence in criminal proof

BGH 1 StR 520/10Bgh / I camera penale3 nov 2010Dismissed

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The Federal Court rejected the defendant’s criminal revision against the Landgericht Landshut’s conviction for rape and attempted concealment murder. It held that the trial court’s assessment of two hairs with nuclear DNA and mitochondrial DNA was free of legal error. The use of the EMPOP database was accepted, and the two genetic findings could be combined under the product rule because they were sufficiently independent. The defendant must bear the costs of the appeal.

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§ 261 StPO; evidence assessment and DNA probability calculations: A trial court may, in its free assessment of evidence, rely on a combined evaluation of nuclear DNA and mitochondrial DNA findings when the underlying expert assessment establishes a scientifically sound probability calculation. The use of a population database such as EMPOP is permissible if it is based on randomized individual samples from population studies and thus constitutes a representative cross-section of relevant mtDNA sequences. If the two genetic findings concern different hereditary material and are sufficiently independent, they may be combined by the product rule as weighted circumstantial evidence of authorship (consid. 2-4).

Testo completo

BGH — 1 StR 520/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-11-03

Aktenzeichen: 1 StR 520/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 261 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Landshut, 1. April 2010, Az: 4 Ks 6 Js 34694/06, Urteilvorgehend BGH, 26. Mai 2009, Az: 1 StR 597/08, Urteilvorgehend LG Landshut, 20. Juni 2008, Az: Ks 6 Js 34694/06, Urteil

Spruchkörper: 1. Strafsenat

Titelzeile

Beweiswürdigung im Strafverfahren: Beweiswert einer kombinierten Analyse von Kern-DNA und mitochondrialer DNA

Leitsatz

Zum Beweiswert einer kombinierten Analyse von Kern-DNA und mitochondrialer DNA .

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Landshut vom 1. April 2010 wird als unbegründet verworfen.

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Gründe

1 Der Angeklagte war vom Landgericht Landshut vom Vorwurf einer im Jahr 1990 begangenen Vergewaltigung einer ihm unbekannten 75 Jahre alten Frau und des anschließend zu deren Nachteil versuchten Verdeckungsmordes zunächst freigesprochen worden, weil sich die Kammer von seiner Täterschaft nicht hatte überzeugen können. Dieses Urteil hatte der Senat auf die staatsanwaltschaftliche Revision aufgehoben und die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht zurückverwiesen (BGH, Urteil vom 26. Mai 2009 - 1 StR 597/08, BGHSt 54, 15). Dieses hat den Angeklagten nunmehr wegen der ihm zur Last gelegten Taten zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 13 Jahren und sechs Monaten verurteilt. Die hiergegen gerichtete, auf die Sachrüge gestützte Revision des Angeklagten bleibt aus den in der Antragsschrift des Generalbundesanwalts vom 6. Oktober 2010 dargelegten Gründen ohne Erfolg (§ 349 Abs. 2 StPO). Ergänzend hierzu bemerkt der Senat:

2 Die von der Revision im Wesentlichen angegriffene Beweiswürdigung ist rechtsfehlerfrei. Insbesondere hat das insofern durch mehrere Sachverständige beratene Landgericht die Ergebnisse der durchgeführten DNA-Untersuchungen zutreffend bewertet. Diese bezogen sich auf zwei an der Unterhose bzw. an den Strümpfen des Opfers sichergestellte Fremdschamhaare. Nach der Analyse stammte die aus der Wurzel eines Haares gewonnene Kern-DNA, d.h. die im Kern der menschlichen Zelle vorhandene Erbsubstanz, 1.000 Mal wahrscheinlicher vom Angeklagten als von einer anderen Person.

3 Da das zweite Haar keine Wurzel mehr aufwies, konnte insofern nur die außerhalb des Kerns in den Mitochondrien enthaltende DNA (sog. mitochondriale DNA [mtDNA]; vgl. BGH aaO) untersucht werden. Insoweit ergab sich, dass diese - sowie ebenso die aus dem anderen Haar gewonnene - mtDNA 4.591 Mal wahrscheinlicher vom Angeklagten stammte als von einer anderen nicht über die mütterliche Linie mit ihm verwandten Person mit zufällig derselben Sequenz. Zur Bestimmung dieser Wahrscheinlichkeit durfte entgegen der Ansicht der Revision auf die nach wissenschaftlichen Maßstäben geführte Innsbrucker Datenbank EMPOP zurückgegriffen werden. Denn in diese finden für die forensische Verwendung nur randomisierte Einzelproben Eingang, d.h. solche, die bereits auf der Basis von Populationsstudien erhoben worden sind, so dass die Datenbank einen repräsentativen Querschnitt der in Europa vorkommenden mtDNA-Sequenzen enthält.

4 Insofern ebenfalls sachverständig beraten durfte das Landgericht zudem zu der Einschätzung gelangen, dass die genannten Untersuchungsergebnisse der beiden unterschiedlichen Arten von Erbsubstanzen (UA S. 77) im Sinne der Produktregel dergestalt voneinander unabhängig sind (vgl. hierzu BGH, Urteil vom 12. August 1992 - 5 StR 239/92, BGHSt 38, 320, 323; Beschluss vom 5. Februar 1992 - 5 StR 677/91, NStZ 1992, 601, 602), dass sie als Faktoren miteinander kombiniert werden können. Es konnte daher im Rahmen seiner Beweiswürdigung als gewichtiges Indiz für die Täterschaft des Angeklagten ansehen, dass die sichergestellten Schamhaare im Ergebnis 4.591.000 Mal wahrscheinlicher von diesem stammen als von einer anderen, nicht über die mütterliche Linie mit ihm verwandten Person.

| VRiBGH Nack ist wegen Urlaubsabwesenheit an der

Unterschrift gehindert.WahlGraf
Wahl
JägerSander

Parole chiave

evidence assessmentDNA analysismitochondrial DNAnuclear DNAforensic scienceproduct rulecircumstantial evidencerevisioncriminal appeal

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Questione giuridica chiave

Whether the trial court erred in evaluating the DNA evidence from two hairs using combined nuclear DNA and mtDNA analysis.

Decisione estratta

The evidentiary assessment was legally unobjectionable; the trial court could rely on both nuclear DNA and mtDNA results and combine them under the product rule.

Motivazione estratta

The court held that the first hair yielded nuclear DNA 1,000 times more likely from the defendant, and the mtDNA results from both hairs were 4,591 times more likely from him than from another unrelated maternal-line person. Use of the EMPOP database was permissible because it is based on randomized single samples from population studies and provides a representative European mtDNA cross-section. The two DNA findings were sufficiently independent to be combined.

Questione giuridica chiave

Whether the defendant's revision against the Landgericht judgment should succeed on the merits.

Decisione estratta

No; the revision was unfounded.

Motivazione estratta

For the reasons given by the Federal Public Prosecutor General and the additional observations of the Senate, no legal error in the challenged judgment was found.

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