Start of time limit for hearing complaint

BGH VII ZR 277/14Bgh / Civil Chamber 716 nov 2016Dismissed

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The BGH rejected the applicant’s request for reinstatement into the deadline for filing a hearing complaint and dismissed the hearing complaint itself as inadmissible. It held that the two-week period under § 321a(2) sentence 1 ZPO begins when counsel representing the party becomes aware of the potential violation of the right to be heard; in the case of written decisions, this regularly coincides with service. The applicant had to be attributed counsel’s knowledge. Since service occurred on 2016-08-31 and the complaint was filed only on 2016-10-14, the complaint was time-barred.

Massima Omnilex

§ 321a Abs. 2 S. 1 ZPO; Fristbeginn der Anhörungsrüge bei schriftlichen Entscheidungen und Zurechnung des Anwaltswissens; die zweiwöchige Notfrist beginnt mit der Kenntniserlangung des im Verfahren beauftragten Prozessbevollmächtigten von der möglichen Gehörsverletzung, regelmäßig mit Zustellung der Entscheidung. Der Zeitpunkt der persönlichen Kenntniserlangung der Partei oder eines sonstigen später informierten Rechtsanwalts ist unerheblich. Das Wissen des Prozessbevollmächtigten ist der Partei nach § 85 Abs. 2 ZPO zuzurechnen; eine Wiedereinsetzung nach § 233 ZPO scheidet aus, wenn die Fristversäumung auf zurechenbarem Verschulden beruht (consid. 3-6).

Testo completo

BGH — VII ZR 277/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-11-16

Aktenzeichen: VII ZR 277/14

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:161116BVIIZR277.14.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 85 Abs 2 ZPO, § 233 ZPO, § 234 ZPO, § 321a Abs 2 S 1 ZPO, Art 103 Abs 1 GG

Vorinstanz: vorgehend BGH, 24. August 2016, Az: VII ZR 277/14vorgehend OLG München, 13. Oktober 2014, Az: 9 U 1023/14 Bauvorgehend LG München I, 31. Januar 2014, Az: 24 O 1922/11

Spruchkörper: 7. Zivilsenat

Titelzeile

Nichtzulassungsbeschwerdeverfahren: Beginn der Frist für die Einlegung der Anhörungsrüge

Tenor

Der Antrag der Klägerin auf Wiedereinsetzung in die Frist zur Einlegung der Anhörungsrüge wird zurückgewiesen.

Die Anhörungsrüge der Klägerin gegen den Beschluss des Senats vom 24. August 2016 wird auf ihre Kosten als unzulässig verworfen.

Gründe

I.

1 Der Antrag der Klägerin auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand ist zulässig, aber unbegründet.

2 Die Voraussetzungen des § 233 Satz 1 ZPO liegen nicht vor, denn die Klägerin war nicht ohne Verschulden gehindert, die zweiwöchige Notfrist zur Einlegung der Anhörungsrüge nach § 321a Abs. 2 Satz 1 ZPO einzuhalten.

3 Die Frist beginnt im Zeitpunkt der Kenntniserlangung von der Möglichkeit der Verletzung rechtlichen Gehörs zu laufen. Bei schriftlichen Entscheidungen fällt der Zeitpunkt der Kenntniserlangung regelmäßig mit der Zustellung der Entscheidung zusammen (vgl. BGH, Beschlüsse vom 11. Mai 2006 - IX ZR 171/03, FamRZ 2006, 1029, juris Rn. 2; vom 11. Februar 2013 - IX ZB 101/12 Rn. 1).

4 Die Notfrist begann deshalb mit Zustellung an den Prozessbevollmächtigten am 31. August 2016 zu laufen, denn ab diesem Zeitpunkt bestand Gelegenheit, Gehörsverletzungen im Senatsbeschluss - so sie vorgelegen hätten - zur Kenntnis zu nehmen.

5 Entgegen der Auffassung der Klägerin ist irrelevant, zu welchem Zeitpunkt sie persönlich oder der zweitinstanzlich für sie tätige Prozessbevollmächtigte den Senatsbeschluss übermittelt erhielt. Maßgeblich für die Berechnung der Zweiwochenfrist ist der Zeitpunkt, an dem der Prozessbevollmächtigte, der sie im Nichtzulassungsbeschwerdeverfahren vertrat, von dem Umstand einer etwaigen Gehörsverletzung im Senatsbeschluss Kenntnis erlangt hat (BGH, Beschluss vom 11. Mai 2006 - IX ZR 171/03, aaO; BFH, Beschluss vom 4. Mai 2011 - X S 8/11 Rn. 7).

6 Die Klägerin hat sich das Wissen ihres Prozessbevollmächtigten zurechnen zu lassen (BGH, Beschluss vom 11. Mai 2006 - IX ZR 171/03, aaO).

II.

7 Die Anhörungsrüge der Klägerin nach § 321a ZPO ist wegen Verfristung als unzulässig zu verwerfen. Die zweiwöchige Notfrist des § 321a Abs. 2 Satz 1 ZPO begann mit Zustellung des Senatsbeschlusses am 31. August 2016 zu laufen und endete am 14. September 2016. Die Frist war bei Eingang der Anhörungsrüge am 14. Oktober 2016 abgelaufen.

Eick Halfmeier Jurgeleit

Graßnack Borris

Parole chiave

hearing complaintdeadlinereinstatementattribution of knowledgeservice of decisionprocedural faultinadmissibility

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the applicant was entitled to reinstatement into the deadline for filing a hearing complaint.

Decisione estratta

Reinstatement was denied because the applicant was not without fault in missing the two-week deadline.

Motivazione estratta

For a hearing complaint, the deadline begins when the represented party's counsel becomes aware of the possible violation of the right to be heard; in written decisions this regularly coincides with service. Knowledge of counsel is attributed to the applicant.

Questione giuridica chiave

Whether the hearing complaint was admissible despite being filed after the two-week period.

Decisione estratta

The complaint was inadmissible because the deadline started with service on 2016-08-31 and expired on 2016-09-14; filing on 2016-10-14 was late.

Motivazione estratta

The relevant time for the limitation period is the point at which the counsel in the non-admission appeal learned of the possible hearing violation, not when the applicant or another lawyer personally received the order.

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