Speciality rule bars inclusion of unenforceable fine in total sentence

BGH 1 StR 661/15Bgh / I camera penale20 apr 2016Modified

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Sintesi Omnilex

The BGH held that a fine previously imposed by another German court could not be included in a total sentence because the defendant had been extradited from Hungary only for the offense in this case and had not waived the speciality rule. As no extradition authorization for enforcement of the fine existed, the total-sentence portion was unlawful. The court therefore set aside only the total-sentence part of the Mannheim judgment and clarified that the defendant remains sentenced to five years' imprisonment. The remainder of the revision was rejected, and the defendant was ordered to bear the costs of the remedy.

Massima Omnilex

§ 83h Abs. 1 IRG; speciality in extradition proceedings and inclusion of prior convictions in a total sentence under § 54 StGB: A sentence that is not enforceable because its enforcement is barred by the speciality principle may not be included in a total sentence. This applies even where the prior conviction is for a fine; the decisive factor is that, absent a waiver or extradition authorization extending to enforcement, the sentence cannot lawfully be executed. The exception of § 83h Abs. 2 Nr. 3 IRG does not apply merely because the prior sanction is a fine. Where only the total-sentence component is affected, the individual sentence for the extradited offense may remain in force (consid. 3-4).

Testo completo

BGH — 1 StR 661/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-04-20

Aktenzeichen: 1 StR 661/15

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:200416B1STR661.15.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 83h Abs 1 IRG, § 54 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Mannheim, 16. September 2015, Az: 5a KLs 201 Js 18843/11

Spruchkörper: 1. Strafsenat

Titelzeile

Gesamtstrafenbildung: Auswirkungen des das Auslieferungsrecht beherrschenden Grundsatzes der Spezialität bei Einbeziehung einer früheren Verurteilung zu einer Geldstrafe durch ein deutsches Gericht

Tenor

Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Mannheim vom 16. September 2015 im Ausspruch über die Gesamtstrafe aufgehoben; es wird klargestellt, dass der Angeklagte zu der Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt ist.

Die weitergehende Revision wird als unbegründet verworfen.

Der Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen schweren Raubes in Tateinheit mit Raub in zwei tateinheitlichen Fällen und gefährlicher Körperverletzung in drei tateinheitlichen Fällen (Einzelfreiheitsstrafe von fünf Jahren) unter Einbeziehung einer weiteren rechtskräftigen Geldstrafe zu der Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren und zwei Monaten verurteilt. Hiergegen wendet sich der Angeklagte mit der allgemeinen Sachrüge.

2 Allein der Gesamtstrafausspruch hält rechtlicher Überprüfung nicht stand; im Übrigen weist das Urteil keinen den Angeklagten beschwerenden Rechtsfehler auf.

3 Zur Bildung der Gesamtstrafe hat der Generalbundesanwalt in seiner Antragsschrift ausgeführt:

"Der vorgenannte Europäische Haftbefehl erfasst lediglich die im hiesigen Verfahren gegenständliche Straftat. Nur zur Verfolgung dieser Straftat ist der Angeklagte, der auf die Beachtung des Spezialitätsgrundsatzes auch nicht verzichtet hat (Bl. 162, Bd. I HA; Bl. 482, Bd. II HA), von der Republik Ungarn ausgeliefert worden. Eine Auslieferungsbewilligung zur Vollstreckung der Geldstrafe aus dem Urteil des Amtsgerichts Worms vom 9. September 2014 liegt bisher nicht vor.

Bei dieser Verfahrenslage verstößt die Einbeziehung der vorgenannten Strafe in die Gesamtfreiheitsstrafe gegen den Grundsatz der Spezialität (Art. 83h Abs. 1 IRG). Die Nichtbeachtung des auslieferungsrechtlichen Spezialitätsgrundsatzes bewirkt ein Vollstreckungshindernis. Eine wegen dieses Hindernisses nicht vollstreckbare Strafe darf nicht in eine Gesamtstrafe einbezogen werden (BGH, Beschlüsse vom 4. Februar 2013 - 3 StR 395/12, NStZ-RR 2013, 178; vom 25. Juni 2014 - 1 StR 218/14, NStZ 2014, 590 m. w. N.). Dies gilt ungeachtet des Umstandes, dass gegen den Angeklagten durch das Urteil des Landgerichts Worms lediglich eine Geldstrafe festgesetzt wurde; ein Anwendungsfall der Ausnahmeregelung des § 83h Abs. 2 Nr. 3 IRG liegt insoweit nicht vor. Nach dieser - ursprünglich für Geldstrafen vorgesehenen - Vorschrift entfällt die Spezialität, wenn die Strafverfolgung im konkreten Fall nicht zu einer Freiheitsbeschränkung führt (BGH, Beschluss vom 27. Juli 2011 - 4 StR 303/11 -, juris). Zwar bleiben bei einer nach § 55 StGB gebildeten Gesamtstrafe - anders als bei der Einheitsjugendstrafe nach § 31 JGG - die zugrunde liegenden Einzelstrafen in gewissem Umfang selbständig, dies ändert jedoch nichts daran, dass - im Falle der Rechtskraft - die Gesamtfreiheitsstrafe vollstreckt wird.

Es verbleibt damit bei der für die gegenständliche Tat ausgeurteilten Freiheitsstrafe von fünf Jahren."

4 Dem schließt sich der Senat an.

5 Der geringfügige Teilerfolg des Rechtsmittels gibt keinen Anlass, die Gebühr zu ermäßigen und die entstandenen Auslagen auch nur teilweise der Staatskasse aufzuerlegen (§ 473 Abs. 4 StPO).

Raum Graf Jäger

Cirener Fischer

Parole chiave

speciality ruleextraditiontotal sentencefinecustodial sentencerevisioncosts

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether a previously imposed fine could be included in the total sentence despite the extradition speciality rule.

Decisione estratta

No. Because no extradition authorization existed for enforcement of the fine, its inclusion in the total sentence violated the speciality principle under extradition law.

Motivazione estratta

The extradition covered only the offense prosecuted in this case, and the defendant had not waived speciality. The unenforceable fine could therefore not be absorbed into a total sentence; the exception in § 83h Abs. 2 Nr. 3 IRG did not apply.

Questione giuridica chiave

What sentence remained after setting aside the total-sentence portion.

Decisione estratta

The defendant remained sentenced to five years' imprisonment for the offense adjudicated in this case.

Motivazione estratta

Only the total-sentence portion was defective; the individual sentence for the charged offense was otherwise free of legal error.

Questione giuridica chiave

Allocation of costs after the partial success of the revision.

Decisione estratta

The defendant had to bear the costs of his remedy.

Motivazione estratta

The revision succeeded only to a minor extent, which did not justify reduction of fees or shifting of costs to the treasury.

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