Statute of limitations and tax evasion findings in criminal sentencing

BGH 1 StR 619/15Bgh / I camera penale2 mar 2016Partially Granted

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Federal Court of Justice partially granted the defendant’s criminal revision. It held that the forgery convictions in several counts were time-barred because the limitation period had expired before the first interrupting act. Those convictions were removed from the judgment, and the related single sentences and total sentence were set aside. The court also found that the findings on two attempted tax evasion counts were insufficient, because the judgment did not allow review of the tax calculation. Those convictions and their factual basis were therefore overturned and remitted for retrial before another chamber of the Regional Court of Würzburg.

Massima Omnilex

§ 78 Abs. 3 Nr. 4 StGB, § 78a StGB; limitation in cases of concurrence runs separately for each offense, and the period begins when the respective act is completed. If a tateinheitlich committed offense is time-barred, it must be excluded from the conviction ex officio, which may affect sentencing if the trial court treated the additional offense as aggravating. § 267 Abs. 1 S. 1 StPO, § 370 AO; a conviction for tax evasion requires findings that enable review of the tax bases and of the calculation of the tax deficit for each tax type and period. A mere statement of the taxable income or a global shortfall figure is insufficient if the computation cannot be reconstructed from the reasons.

Testo completo

BGH — 1 StR 619/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-03-02

Aktenzeichen: 1 StR 619/15

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:020316B1STR619.15.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 46 Abs 2 StGB, § 52 StGB, § 53 StGB, § 78 Abs 3 Nr 4 StGB, § 263 StGB, § 267 Abs 1 StGB, § 267 Abs 1 S 1 StPO, § 370 AO

Vorinstanz: vorgehend LG Würzburg, 15. Juni 2015, Az: 5 KLs 711 Js 12673/12

Spruchkörper: 1. Strafsenat

Titelzeile

Strafurteil: Strafzumessung bei Wegfall einer verjährten tateinheitlich begangenen Straftat; notwendige Feststellungen bei Steuerhinterziehung

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Würzburg vom 15. Juni 2015

a) im Schuldspruch mit den zugehörigen Feststellungen aufgehoben, soweit der Angeklagte wegen versuchter Steuerhinterziehung in zwei Fällen verurteilt worden ist;

b) im Schuldspruch dahin geändert, dass in den Fällen 10, 12, DA 1, DA 2 und DA 3 der Urteilsgründe die Verurteilung wegen tateinheitlich begangener Urkundenfälschung entfällt;

c) im Ausspruch über die Einzelstrafen in den Fällen 10, 12, DA 1, DA 2 und DA 3 der Urteilsgründe sowie über die Gesamtstrafe aufgehoben.

  1. Die weitergehende Revision des Angeklagten wird verworfen.

  2. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Betruges in 15 Fällen jeweils in Tateinheit mit Urkundenfälschung in Tatmehrheit mit drei Fällen der Steuerhinterziehung, zwei Fällen der versuchten Steuerhinterziehung, vorsätzlicher Insolvenzverschleppung und zwei Fällen des vorsätzlichen Bankrotts zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Seine auf die Verletzung materiellen Rechts gestützte Revision erzielt den aus der Entscheidungsformel ersichtlichen Teilerfolg (§ 349 Abs. 4 StPO); im Übrigen ist sie aus den Gründen der Antragsschrift des Generalbundesanwalts im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO unbegründet.

2 1. Die Verurteilung wegen tateinheitlich begangener Urkundenfälschung in den Fällen 10, 12, DA 1, DA 2 und DA 3 der Urteilsgründe kann, wie der Generalbundesanwalt zutreffend ausgeführt hat, keinen Bestand haben, weil insoweit die Strafverfolgung verjährt ist. Bei Tateinheit läuft für jedes Delikt die Verjährungsfrist gesondert (st. Rspr.; vgl. u.a. BGH, Beschluss vom 22. Oktober 2008 - 1 StR 503/08, NStZ-RR 2009, 43). Die Verjährung beginnt, sobald die Tat beendet ist (§ 78a StGB). Beendet waren die Urkundenfälschungen mit Vorlage der Unterlagen bei der Bank. Die Vorlage erfolgte in den Fällen 10, 12, DA 1, DA 2 und DA 3 vor dem 24. September 2007. Die für den Straftatbestand der Urkundenfälschung (§ 267 Abs. 1 StGB) geltende Verjährungsfrist beträgt fünf Jahre (§ 78 Abs. 3 Nr. 4 StGB). Die erste verjährungsunterbrechende Handlung war der Haftbefehl vom 24. September 2012 (§ 78c Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 StGB). Zu diesem Zeitpunkt war die Verjährungsfrist jedoch bereits abgelaufen.

3 Der Eintritt der Verjährung begründet ein Verfolgungshindernis hinsichtlich des betreffenden Tatvorwurfs, das der Senat von Amts wegen zu beachten hat. Dies führt in den Fällen 10, 12, DA 1, DA 2 und DA 3 der Urteilsgründe zum Wegfall des jeweils tateinheitlich mit Betrug erfüllten Tatbestands der Urkundenfälschung (vgl. BGH, Beschluss vom 1. Dezember 2010 - 2 StR 469/10; Meyer-Goßner in Meyer-Goßner/Schmitt, StPO, 58. Aufl., § 206a Rn. 5). Insoweit hat der Senat den Schuldspruch geändert.

4 2. Der Wegfall der tateinheitlich begangenen Urkundenfälschungen in den Fällen 10, 12, DA 1, DA 2 und DA 3 führt zur Aufhebung der betroffenen Einzelstrafen. Zwar dürfen auch verjährte Taten mit dem ihnen noch zukommenden Gewicht strafschärfend verwertet werden (vgl. BGH, Beschluss vom 18. Oktober 1989 - 3 StR 173/89, BGHR StGB § 46 Abs. 2 Vorleben 11). Der Senat kann aber nicht ausschließen, dass der Wegfall der tateinheitlichen Delikte im Schuldspruch bei der Strafzumessung der Einzelstrafen in Kenntnis der Verjährung der Urkundenfälschungen zu einer milderen Bestrafung geführt hätte, zumal die Kammer ausdrücklich strafschärfend berücksichtigt hat, dass der Angeklagte neben dem Betrug tateinheitlich noch einen weiteren Straftatbestand verwirklicht hat.

5 3. Der Schuldspruch wegen versuchter Steuerhinterziehung in zwei Fällen hat keinen Bestand, denn der Senat kann anhand der Urteilsgründe nicht nachvollziehen, ob das Landgericht die Höhe der für den Veranlagungszeitraum 2011 festzusetzenden Gewerbe- und Körperschaftsteuer zutreffend errechnet hat. Die Kammer teilt lediglich mit, der Gewerbeertrag der GmbH bzw. deren Einkommen habe jeweils 797.000 € betragen.

6 Das Landgericht hat versäumt, ausreichende Feststellungen zu den Besteuerungsgrundlagen zu treffen. Bei einer Verurteilung wegen Steuerhinterziehung (§ 370 AO) reicht es regelmäßig nicht aus, dass die den Straftatbestand ausfüllende steuerrechtliche Norm bezeichnet und die Summe der verkürzten Steuern in den Urteilsgründen mitgeteilt wird. Vielmehr müssen die Urteilsgründe gemäß § 267 Abs. 1 Satz 1 StPO für jede Steuerart und jeden Besteuerungszeitraum unter Schuldgesichtspunkten so klare Feststellungen treffen, dass sowohl die dem Schuldspruch zugrunde liegenden steuerrechtlichen Gesichtspunkte als auch die Berechnung der verkürzten Steuern der Höhe nach erkennbar werden. Dazu gehören jedenfalls diejenigen Tatsachen, die den staatlichen Steueranspruch begründen, und diejenigen Tatsachen, die für die Höhe der geschuldeten und der verkürzten Steuern von Bedeutung sind (st. Rspr.; vgl. BGH, Beschlüsse vom 1. September 2015 - 1 StR 12/15, wistra 2015, 477; vom 19. August 2015 - 1 StR 178/15, wistra 2015, 476; vom 13. Juli 2011 - 1 StR 154/11 und vom 24. Juni 2009 - 1 StR 229/09, wistra 2009, 396 f.; Urteil vom 12. Mai 2009 - 1 StR 718/08, NJW 2009, 2546 mwN).

7 Der Rechtsfehler betrifft auch die dem Schuldspruch jeweils wegen versuchter Steuerhinterziehung zugehörigen Feststellungen, die daher ebenfalls aufzuheben sind (§ 353 Abs. 2 StPO).

8 Die Aufhebung des Schuldspruchs wegen versuchter Steuerhinterziehung in zwei Fällen entzieht den zugehörigen Einzelstrafaussprüchen die Grundlage.

Raum Jäger Radtke

Mosbacher Fischer

Parole chiave

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Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the forgery convictions in counts 10, 12, DA 1, DA 2 and DA 3 were time-barred.

Decisione estratta

Yes. The limitation period for forgery had expired before the first interrupting act, so the forgery convictions in those counts could not stand.

Motivazione estratta

In cases of concurrence, limitation runs separately for each offense. The forgery was completed when the documents were submitted to the bank, which occurred before 2007-09-24. The five-year limitation period had therefore expired before the arrest warrant of 2012-09-24.

Questione giuridica chiave

Whether the single sentences based on those counts had to be set aside after the forgery convictions fell away.

Decisione estratta

Yes. The court could not exclude that the trial court would have imposed milder single sentences without the tateinheitlich committed forgery.

Motivazione estratta

Although time-barred acts may still be considered to some extent in sentencing, the trial court expressly treated the additional forgery as an aggravating factor. The reduction in the conviction picture could have affected the sentencing.

Questione giuridica chiave

Whether the convictions for attempted tax evasion in two counts were sufficiently supported by the findings.

Decisione estratta

No. The findings did not allow review of whether the tax amounts for 2011 had been correctly calculated.

Motivazione estratta

A conviction for tax evasion requires detailed findings on the tax bases and the calculation of the tax shortfall. Stating only a business income figure was insufficient under the judgment-reasoning requirements.

Questione giuridica chiave

Whether the associated findings and the related single and total sentence decisions had to be set aside.

Decisione estratta

Yes. The deficient findings attached to the attempted tax evasion counts had to be set aside, and the related single sentences lost their basis.

Motivazione estratta

The same reasoning defect affected the factual findings under the conviction and therefore also the sentencing consequences.

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