Net charge refund: burden to rebut tariff approval presumption

BGH EnZR 50/14Bgh / Kartellsenat8 mar 2016Dismissed

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The Federal Court of Justice dismissed the plaintiff's revision in a dispute over the refund of electricity network charges. It held that the appellate court had lawfully refrained from ordering production of unredacted approval files, that the plaintiff had not sufficiently rebutted the evidentiary presumption attached to the tariff approval, and that no preliminary reference to the CJEU was required. The plaintiff was ordered to bear the costs of the revision.

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§ 142 ZPO; § 315 BGB; § 21 EnWG; §§ 21ff EnWG; § 23a EnWG; burden of rebutting the evidentiary presumption of a network-charge approval: The refusal to order production of unredacted approval documents is unobjectionable where the criticism concerns regulatory transparency duties rather than the procedural relationship between the parties. In a refund action concerning network charges, the network user must substantiate facts capable of shaking the indicia of an approved charge; a mere assertion that the relevant data are not available to the user is insufficient without concrete showing that evidence is impossible or excessively difficult to obtain. A preliminary reference under Art. 267(3) TFEU is unnecessary where the questions of Union law are not decisive for the outcome (consid. 2-8).

Testo completo

BGH — EnZR 50/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-03-08

Aktenzeichen: EnZR 50/14

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:080316BENZR50.14.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 315 BGB, § 21 EnWG, §§ 21ff EnWG, § 23a EnWG

Vorinstanz: vorgehend BGH, 6. Oktober 2015, Az: EnZR 50/14, Beschlussvorgehend OLG Düsseldorf, 13. August 2014, Az: VI-2 U (Kart) 2/13, Urteilvorgehend LG Düsseldorf, 1. Juli 2013, Az: 37 O 62/11 (Kart), Urteilnachgehend BGH, 11. Mai 2016, Az: EnZR 50/14, Beschlussnachgehend BVerfG, 26. September 2017, Az: 1 BvR 1486/16, Nichtannahmebeschluss

Spruchkörper: Kartellsenat

Titelzeile

Rückforderung von Stromnetznutzungsentgelt: Darlegung der Billigkeit der Netzentgelte durch den Netzbetreiber; Erschütterung der Indizwirkung einer Entgeltgenehmigung

Tenor

Die Revision der Klägerin gegen das Urteil des 2. Kartellsenats des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 13. August 2014 in der Fassung des Beschlusses vom 5. November 2014 wird auf ihre Kosten zurückgewiesen.

Gründe

1 Zur Begründung wird auf den Beschluss des Senats vom 6. Oktober 2015 Bezug genommen. Die Stellungnahme der Klägerin vom 16. Dezember 2015 gibt dem Senat keinen Anlass zu einer anderen Beurteilung des Sachverhalts.

2 1. Ohne Erfolg wendet sich die Klägerin gegen die Auffassung des Senats, das Berufungsgericht habe ohne Rechtsfehler von einer Vorlage der ungeschwärzten Genehmigungsunterlagen der Beklagten nach § 142 ZPO abgesehen.

3 Soweit die Klägerin in diesem Zusammenhang eine "ungenügende" Umsetzung der Veröffentlichungspflichten der zuständigen Regulierungsbehörde nach § 74 EnWG und eine "fehlende" Umsetzung des in den Erwägungsgründen 11, 39 und 51 und in Art. 37 Abs. 1 Buchst. i und Abs. 13 der Richtlinie 2009/72/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über gemeinsame Vorschriften für den Elektrizitätsbinnenmarkt und zur Aufhebung der Richtlinie 2003/54/EG (im Folgenden: Stromrichtlinie) geregelten Transparenzgebots behauptet, betrifft dies nicht das Prozessrechtsverhältnis der Streitparteien, sondern den Aufgabenbereich der Regulierungsbehörde. Art. 37 Abs. 1 Buchst. i und Abs. 13 Stromrichtlinie sind - wie ihre nahezu wortgleiche Vorgängerbestimmung in Art. 23 Abs. 1 Satz 3 Buchst. h, Abs. 8 der Richtlinie 2003/54/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2003 über gemeinsame Vorschriften für den Elektrizitätsbinnenmarkt und zur Aufhebung der Richtlinie 96/92/EG - durch §§ 30, 63 Abs. 3 EnWG in nationales Recht umgesetzt worden (vgl. BT-Drucks. 15/3917, S. 63, 70). Die zivilprozessualen Darlegungs- und Beweislasten werden hierdurch nicht geregelt.

4 Entgegen der Auffassung der Klägerin ist ihr Recht auf Gewährleistung eines effektiven Rechtsschutzes und auf prozessuale Waffengleichheit nicht verletzt. Danach müssen die Beteiligten einer bürgerlichen Rechtsstreitigkeit insbesondere die Möglichkeit haben, sich im Prozess mit tatsächlichen und rechtlichen Argumenten zu behaupten (vgl. BVerfGE 74, 78, 95; 93, 213, 236; NJW 2001, 2531 mwN). Dem entspricht die Rechtsprechung des Senats zur Verteilung der Darlegungs- und Beweislast im Netzentgeltrückforderungsprozess (vgl. Senatsurteil vom 15. Mai 2012 - EnZR 105/10, RdE 2012, 382 Rn. 33 ff. mwN - Stromnetznutzungsentgelt V). Danach obliegt es dem Netznutzer, die Indizwirkung der Entgeltgenehmigung durch geeigneten Vortrag zu erschüttern. Die Klägerin hat nicht aufgezeigt, dass sie hierzu außerstande war.

5 2. Die Angriffe der Klägerin gegen die Auffassung des Senats, die Ausführungen des Berufungsgerichts zu ihren Einwendungen gegen die Indizwirkung der Entgeltgenehmigung hielten einer revisionsrechtlichen Überprüfung stand, haben ebenfalls keinen Erfolg. Ihr Vorbringen enthält keine (neuen) Gesichtspunkte, die zu einer anderen Beurteilung führen könnten.

6 3. Schließlich ist entgegen der Auffassung der Klägerin kein Vorabentscheidungsersuchen an den Gerichtshof der Europäischen Union geboten, damit dieser über die Auslegung von Art. 102 AEUV und Art. 37 der Stromrichtlinie entscheiden kann.

7 a) Gemäß Art. 267 Abs. 3 AEUV ist das letztinstanzliche innerstaatliche Gericht, bei dem sich eine entscheidungserhebliche Frage über die Auslegung von Handlungen der Organe der Europäischen Union (Art. 267 Abs. 1 Buchst. b AEUV) stellt, zur Anrufung des Unionsgerichtshofs verpflichtet, es sei denn, dass die betreffende unionsrechtliche Frage bereits Gegenstand einer Auslegung durch den Gerichtshof war oder dass die richtige Anwendung des Unionsrechts derart offenkundig ist, dass für einen vernünftigen Zweifel keinerlei Raum bleibt (vgl. EuGH, Urteil vom 6. Oktober 1982 - 283/81, Slg. 1982, 3415 Rn. 21 - C.I.L.F.I.T.).

8 b) Nach diesen Maßgaben besteht hier keine Vorlagepflicht. Es fehlt bereits an der Entscheidungserheblichkeit der von der Klägerin aufgeworfenen Rechtsfragen. Sie geht dabei nämlich zu Unrecht davon aus, dass es ihr praktisch unmöglich oder übermäßig erschwert ist, einen Beweis zu führen, der Daten betrifft, über die sie nicht verfügt. Dafür fehlt es - wie bereits ausgeführt - an einem hinreichenden Vorbringen der Klägerin.

Limperg Raum Kirchhoff

Grüneberg Bacher

Parole chiave

network chargestariff approvalevidentiary presumptionburden of proofdisclosure of filesjudicial reviewpreliminary referenceeffective legal protection

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the appellate court erred by declining to order production of unredacted approval documents under § 142 ZPO.

Decisione estratta

The refusal was legally unobjectionable.

Motivazione estratta

The complaint about deficient regulatory transparency concerns the regulator's duties, not the parties' procedural relationship; it does not alter civil procedural burdens.

Questione giuridica chiave

Whether the network user had rebutted the evidentiary presumption arising from the tariff approval.

Decisione estratta

The plaintiff failed to show error in the appellate court's assessment.

Motivazione estratta

Under the court's settled case law, the network user bears the burden of presenting facts capable of shaking the approval's indicia; the plaintiff did not demonstrate an inability to do so.

Questione giuridica chiave

Whether a preliminary reference to the CJEU on Art. 102 TFEU and Art. 37 of Directive 2009/72/EC was required.

Decisione estratta

No reference was necessary.

Motivazione estratta

There was no decisive EU-law question: the plaintiff had not substantiated that evidence was practically impossible or excessively difficult to obtain, so the questions were not relevant to the outcome.

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