Insurance policyholder barred by abuse of rights from invoking invalidity

BGH IV ZR 130/15Bgh / IV camera civile22 mar 2016Dismissed

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Federal Court rejected the policyholder's revision under § 552a ZPO. In a pre-2008 life-insurance contract under the policy model, the court held that the policyholder acted contrary to good faith by challenging the contract after having twice assigned it as collateral for loans. EU law did not bar the application of national abuse-of-rights principles, and the adequacy of the withdrawal information was not decisive in light of the policyholder's conduct. Costs of the revision were imposed on the plaintiff side.

Massima Omnilex

§ 242 BGB; § 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 BGB; § 5a VVG (Fassung vom 21.07.1994); missbräuchliche Berufung des Versicherungsnehmers auf die Unwirksamkeit eines Lebensversicherungsvertrags im Policenmodell. Ein Versicherungsnehmer kann nach Treu und Glauben daran gehindert sein, sich auf das Nichtbestehen oder die Unwirksamkeit des Vertrags zu berufen, wenn er durch wiederholte Verwendung der Police als Kreditsicherheit nach außen den Eindruck eines gewollten und fortdauernden Vertragsbestands erweckt hat. Die nationalen Grundsätze des Rechtsmissbrauchs und des widersprüchlichen Verhaltens bleiben mit dem Effektivitätsgebot des Unionsrechts vereinbar, soweit sie die Ausübung des Widerspruchsrechts nicht generell entwerten, sondern auf besondere, aus dem Verhalten des Versicherungsnehmers folgende Ausnahmefälle beschränkt sind. Entscheidend ist, ob die Berufung auf das Widerspruchsrecht im konkreten Einzelfall als treuwidrig erscheint (vgl. die Erwägungen zur unionsrechtlichen Einbettung in den Gründen).

Testo completo

BGH — IV ZR 130/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-03-22

Aktenzeichen: IV ZR 130/15

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:220316BIVZR130.15.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 5a VVG vom 21.07.1994, § 242 BGB, § 812 Abs 1 S 1 Alt 1 BGB

Vorinstanz: vorgehend BGH, 27. Januar 2016, Az: IV ZR 130/15, Beschlussvorgehend Brandenburgisches Oberlandesgericht, 14. Januar 2015, Az: 11 U 112/13, Urteilvorgehend LG Potsdam, 25. Juni 2013, Az: 10 O 458/12

Spruchkörper: 4. Zivilsenat

Titelzeile

Altvertrag über eine Lebensversicherung im sog. Policenmodell: Treuwidrige Berufung des Versicherungsnehmers auf die Unwirksamkeit eines Lebensversicherungsvertrags bei zweimaliger Abtretung zur Kreditsicherung

Tenor

Die Revision gegen das Urteil des 11. Zivilsenats des Brandenburgischen Oberlandesgerichts vom 14. Januar 2015 wird gemäß § 552a Satz 1 ZPO auf Kosten der Klägerseite zurückgewiesen.

Der Streitwert für das Revisionsverfahren wird auf bis 9.000 € festgesetzt.

Gründe

1 Die vom Berufungsgericht zugelassene Revision der Klägerseite (Versicherungsnehmer: im Folgenden d. VN) war gemäß § 552a ZPO zurückzuweisen, weil die Voraussetzungen für ihre Zulassung nicht vorliegen und die Revision keine Aussicht auf Erfolg hat. Der Senat hat die Parteien mit Beschluss vom 27. Januar 2016 auf die beabsichtigte Zurückweisung hingewiesen. Auf die dortigen Gründe wird ergänzend Bezug genommen. Der Schriftsatz des Klägervertreters vom 11. März 2016 gibt keine Veranlassung, von der Zurückweisung der Revision abzusehen.

2 Entgegen dessen Auffassung greift hier der Einwand nicht, dass schon nach Maßstäben des Europarechts das Berufungsgericht gehindert gewesen sei, Verwirkung anzunehmen. Die Maßstäbe für die Berücksichtigung der Gesichtspunkte von Treu und Glauben sind in der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union geklärt (siehe im Einzelnen Senatsurteil vom 16. Juli 2014 - IV ZR 73/13, BGHZ 202, 102 Rn. 41 f.; BVerfG VersR 2015, 693 Rn. 43 ff.). Die Annahme rechtsmissbräuchlichen Verhaltens steht hier im Einklang mit dieser Rechtsprechung.

3 Die Frage, ob verbraucherschützende Widerspruchsrechte durch nationale Vorschriften zum Rechtsmissbrauch beschränkt werden dürfen, berührt zwar das Gebot der praktischen Wirksamkeit. Der Anwendung von Treu und Glauben und des Verbots widersprüchlicher Rechtsausübung steht dies aber nicht entgegen, weil die Ausübung dieser Rechte in das nationale Zivilrecht eingebettet bleibt und die nationalen Gerichte ein missbräuchliches Verhalten auch nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union berücksichtigen dürfen (BVerfG aaO Rn. 44 m.w.N.).

4 Die Anwendung der Grundsätze von Treu und Glauben beeinträchtigt auch angesichts der besonderen Umstände des Streitfalles die praktische Wirksamkeit des Gemeinschaftsrechts und den Sinn und Zweck des Widerspruchsrechts nicht. Die Erwägungen der Zweiten und Dritten Richtlinie Lebensversicherung, eine genaue Belehrung der Versicherungsnehmer über ihr Rücktrittsrecht vor Abschluss des Vertrages sicherzustellen, werden hier nicht berührt. Ob d. VN ordnungsgemäß über das Widerspruchsrecht belehrt wurde, ist hier ausnahmsweise nicht entscheidungserheblich. Ausschlaggebend ist vielmehr, dass d. VN durch sein Verhalten im Zusammenhang mit dem zweimaligen Einsatz des Versicherungsvertrages zur Sicherung eines Kredits bei dem Versicherer den Eindruck erweckt hat, den Vertrag unbedingt fortsetzen zu wollen.

Mayen Harsdorf-Gebhardt Dr. Karczewski

Lehmann Dr. Brockmöller

Parole chiave

life insurancepolicy modelwithdrawal rightabuse of rightsgood faithinconsistent conductloan collateralrevision costs

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the policyholder may invoke the invalidity or rescission right against the life-insurance contract after twice using it as loan security.

Decisione estratta

The policyholder is barred by good faith from relying on the contract's invalidity in these circumstances.

Motivazione estratta

By repeatedly employing the policy as collateral, the policyholder created the impression that the contract should continue. That conduct justified treating the later reliance on the right as abusive; EU law did not prevent the application of national good-faith and inconsistent-conduct principles.

Questione giuridica chiave

Whether EU consumer-protection law prevented the lower court from applying abuse-of-rights principles to the policyholder's objection.

Decisione estratta

No. National courts may take account of abusive conduct, and the practical effectiveness of EU law was not impaired here.

Motivazione estratta

The court held that the good-faith analysis remained within national civil law and did not undermine the purpose of the life-insurance withdrawal rules, because the case turned on the policyholder's own conduct rather than on the adequacy of the information about the withdrawal right.

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