Concurrence in assaults on several victims

BGH 2 StR 391/15Bgh / II camera penale10 feb 2016Annulled

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Federal Court set aside the Regional Court’s conviction for dangerous bodily harm, coercion, attempted coercion, threat and theft because the lower court wrongly treated assaults on two different victims as one natural unit of action and also failed to recognize that the threat was absorbed by the attempted coercion. The adhesion ruling in favor of the civil claimant remained in place, since the accused had acknowledged the civil claims and did not challenge that acknowledgment. The matter was remitted to a different criminal chamber for a new trial and decision, including appellate costs.

Massima Omnilex

§§ 52, 53 StGB; natural action unity in successive assaults on different victims; subordinate nature of threat to attempted coercion; separate acts are normally to be treated as multiple offences when the offender attacks individual persons one after another to impair each in their individuality. A unitary qualification is exceptional only where an extraordinarily close temporal and situational nexus makes a separation into individual acts appear arbitrary and artificial, such as attacks within seconds or against an undifferentiated group (consid. 2). A threat realized by the same conduct as attempted coercion loses independent significance and is absorbed (consid. 3).

Testo completo

BGH — 2 StR 391/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-02-10

Aktenzeichen: 2 StR 391/15

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:100216B2STR391.15.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 52 StGB, § 53 StGB, § 224 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Gera, 17. Juni 2015, Az: 664 Js 42303/14 - 1 KLs (13)

Spruchkörper: 2. Strafsenat

Titelzeile

Strafverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung: Konkurrenzverhältnis bei Misshandlung mehrerer Personen

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Gera vom 17. Juni 2015 mit Ausnahme der Entscheidung über den Adhäsionsantrag mit den Feststellungen aufgehoben.

  2. Die Sache wird zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei tateinheitlichen Fällen in Tateinheit mit Nötigung, versuchter Nötigung, Bedrohung und Diebstahl zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Darüber hinaus hat es aufgrund des Anerkenntnisses des Angeklagten eine Adhäsionsentscheidung zugunsten des Nebenklägers getroffen. Die auf die Verletzung materiellen Rechts gestützte Revision des Angeklagten hat Erfolg.

I.

2 Nach den Feststellungen wollte der Angeklagte unter Mithilfe von drei weiteren Tätern dem zu diesem Zweck einbestellten Nebenkläger in der Wohnung der Zeugin B. eine Abreibung verpassen. Ca. 15 Minuten vor dem Eintreffen des Nebenklägers erschien überraschend der weitere Geschädigte P. , der aufgrund eines Spontanentschlusses des Angeklagten u.a. unter Verwendung einer Stabtaschenlampe bis zur Bewusstlosigkeit zusammengeschlagen und getreten wurde.

3 Gleiches widerfuhr dem später eintreffenden Nebenkläger, der, als er aus der Bewusstlosigkeit erwachte, den Geschädigten P. wahrnahm, der blutverschmiert auf dem Sofa saß und röchelte. Nunmehr verlangte der Angeklagte von dem Nebenkläger aufzustehen und sich gerade hinzustellen, woraufhin er diesem einen Kopfstoß versetzte. Beide Geschädigten mussten dann ihre Jacken ausziehen und entleeren. Sowohl der Angeklagte als auch seine Mittäter nahmen diverse Gegenstände an sich. Abschließend forderte der Angeklagte den Geschädigten P. auf, A. noch in derselben Nacht zu verlassen, wenn ihm sein Leben lieb sei.

II.

4 Das Urteil hält rechtlicher Überprüfung nicht stand.

5 1. Die Urteilsgründe müssen so abgefasst werden, dass sie erkennen lassen, welche der festgestellten Tatsachen den objektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmalen der abgeurteilten Taten zuzuordnen sind und diese ausfüllen können (vgl. Meyer-Goßner/Appl, Die Urteile in Strafsachen, 29. Aufl., Rn. 281 ff.). Hier ist den Gründen einschließlich der rechtlichen Würdigung im Gesamtzusammenhang gerade noch hinreichend zu entnehmen, welche Handlungen als Straftaten der Angeklagten abgeurteilt sind.

6 2. Fehlerhaft sind hingegen die Konkurrenzerwägungen der Strafkammer, die insoweit ausgeführt hat, das gesamte Tathandeln des Angeklagten erscheine von einem einheitlichen Willen getragen und aufgrund seines räumlich-zeitlichen Zusammenhangs derart eng miteinander verbunden, dass das gesamte Tätigwerden des Angeklagten bei natürlicher Betrachtungsweise als einheitliches zusammengehöriges Tun erscheine, weshalb eine natürliche Handlungseinheit anzunehmen sei.

7 So beruhen die vorausgeplanten Misshandlungen des Nebenklägers und das Zusammenschlagen des unerwartet und zufällig 15 Minuten zuvor erschienenen Geschädigten P. schon nicht auf einem einheitlichen Tatentschluss. Im Übrigen sind nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs höchstpersönliche Rechtsgüter verschiedener Personen und deren Verletzung einer additiven Betrachtungsweise, wie sie etwa der natürlichen Handlungseinheit zugrunde liegt, nur ausnahmsweise zugänglich. Greift daher der Täter einzelne Menschen – wie hier – nacheinander an, um jeden von ihnen in seiner Individualität zu beeinträchtigen, so besteht sowohl bei natürlicher als auch bei rechtsethisch wertender Betrachtungsweise selbst bei einheitlichem Tatentschluss und engem räumlichen und zeitlichen Zusammenhang regelmäßig kein Anlass, diese Vorgänge rechtlich als eine Tat zusammenzufassen (vgl. nur BGH, Beschluss vom 22. Oktober 2015 - 4 StR 262/15; Urteil vom 11. Oktober 2005 - 1 StR 195/05, NStZ 2006, 284, 286 mwN). Etwas anderes kann ausnahmsweise dann gelten, wenn eine Aufspaltung in Einzeltaten wegen eines außergewöhnlich engen zeitlichen und situativen Zusammenhangs, etwa bei Messerstichen innerhalb weniger Sekunden oder bei einem gegen eine aus der Sicht des Täters nicht individualisierte Personenmehrheit gerichteten Angriff, willkürlich und gekünstelt erschiene (BGH, Urteil vom 11. Oktober 2005 aaO, vgl. auch BGH, Beschluss vom 24. Oktober 2000 - 5 StR 323/00, NStZ-RR 2001, 82).

8 Hier liegt ein außergewöhnlich enger zeitlicher und situativer Zusammenhang, wie ihn die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ausnahmsweise zur Begründung einer natürlichen Handlungseinheit in Fällen der vorliegenden Art heranzieht, nicht vor.

9 3. Darüber hinaus hat die Strafkammer verkannt, dass die ausgeurteilte Bedrohung hinter der durch die gleiche Handlung verwirklichten versuchten Nötigung zurücktritt (vgl. Fischer, StGB, 63. Aufl., § 241 Rn. 7).

10 4. Der Senat kann auch nicht ausschließen, dass der Angeklagte im vorliegenden Fall durch die rechtsfehlerhafte Annahme von Tateinheit jeweils beschwert ist. So hat das Landgericht bei seiner Strafzumessungsentscheidung einen minder schweren Fall des § 224 StGB u.a. mit der Begründung abgelehnt, durch die Tat seien gleichzeitig zwei Geschädigte verletzt worden. Zudem seien durch die Tat weitere Straftatbestände verwirklicht worden, so u.a. eine versuchte Nötigung und eine Bedrohung.

11 5. Der Adhäsionsausspruch bleibt bestehen, weil der Angeklagte die geltend gemachte Schadens- und Schmerzensgeldansprüche anerkannt hat (§ 406 Abs. 2 StPO) und die Wirksamkeit des Anerkenntnisses von ihm nicht in Frage gestellt worden ist (BGH, Beschlüsse vom 9. Oktober 2013 - 4 StR 364/13 und vom 2. Februar 2006 - 4 StR 570/05, NJW 2006, 1890, 1891).

12 6. Für die neue Verhandlung und Entscheidung verweist der Senat, was eine eventuell zu treffende Bewährungsentscheidung anbelangt, auf die Antragsschrift des Generalbundesanwalts. Im Übrigen wird die Strafkammer gegebenenfalls zu prüfen haben, ob eine für den am 11. April 2015 von dem Angeklagten verübten Ladendiebstahl eventuell bereits verhängte Strafe gesamtstrafenfähig wäre.

Fischer Appl Ott Zeng Bartel

Parole chiave

concurrencenatural action unitmultiple victimsdangerous bodily harmthreatattempted coercionadhesion proceedingremandappeal

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the assaults on two different victims formed one natural unit of action or separate offences in concurrence.

Decisione estratta

The assaults on the two victims did not form a natural unit of action; nacheinander attacks on different persons are usually not merged into one offence, absent an exceptionally close situational link.

Motivazione estratta

The planned assault on the complainant and the spontaneous beating of P. were not based on a single plan. The court emphasized that individual legal interests of different persons are only exceptionally suitable for additive treatment; here no extraordinary temporal-situational closeness justified unitary characterization.

Questione giuridica chiave

Whether the conviction for threat could stand alongside attempted coercion based on the same conduct.

Decisione estratta

The threat was absorbed by the attempted coercion and should not have been separately convicted.

Motivazione estratta

Where the same act realizes attempted coercion, the threat is subsumed and has no independent significance.

Questione giuridica chiave

Whether the adhesion decision in favor of the civil claimant had to be set aside.

Decisione estratta

No. The adhesion ruling remained in force because the accused had acknowledged the asserted damages and pain-and-suffering claims and did not challenge the validity of the acknowledgment.

Motivazione estratta

An acknowledged civil claim remains unaffected when its acknowledgment is not disputed on appeal.

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