Detention unlawfulness may be declared after release

BGH V ZB 143/13Bgh / V camera civile2 dic 2015Granted

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Federal Court of Justice dealt with a detention-for-removal case in which the local court had ordered detention, the regional court had quashed the order and released the detainee, but had denied his request for a declaration of unlawfulness. The BGH held that the Rechtsbeschwerde was admissible without leave and, applying section 62 FamFG by analogy, that the detainee could still obtain a declaration that the detention order violated his rights even after release. The challenged part of the regional court's decision was set aside, the declaration granted, and the costs of the Rechtsbeschwerde proceedings were imposed on the City of Göttingen.

Massima Omnilex

§ 62 Abs. 1 FamFG analog; § 70 Abs. 3 S. 1 Nr. 3 FamFG: Statutory admissibility of the Rechtsbeschwerde and declaratory relief after termination of detention. The provision governing the declaratory application in appeal proceedings applies correspondingly to the Rechtsbeschwerde. If the appellate court has already ruled on a declaration under § 62 Abs. 1 FamFG, review in the Rechtsbeschwerde instance does not require separate leave. For the admissibility of the detainee's declaratory request, it is immaterial whether the main proceedings became moot before the appellate decision or whether the deprivation of liberty ended only through the appellate decision itself. In the latter case, a declaration of unlawfulness may be sought in addition to quashing the detention order; the reasoning of the quashing decision does not substitute for a dispositive declaration (consid. 2a-b).

Testo completo

BGH — V ZB 143/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2015-12-02

Aktenzeichen: V ZB 143/13

ECLI: ECLI:DE:BGH:2015:021215BVZB143.13.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 62 Abs 1 FamFG, § 70 Abs 3 S 1 Nr 3 FamFG

Vorinstanz: vorgehend LG Göttingen, 13. September 2013, Az: 11 T 1/13vorgehend AG Göttingen, 18. August 2013, Az: 4 XIV 7/13 B

Spruchkörper: 5. Zivilsenat

Titelzeile

Abschiebungshaftsache: Antrag auf Feststellung der Rechtswidrigkeit der Inhaftierung

Tenor

Auf die Rechtsbeschwerde des Betroffenen wird der Beschluss der 11. Zivilkammer des Landgerichts Göttingen vom 13. September 2013 zu Ziffer 2 (Feststellungsantrag) aufgehoben.

Es wird festgestellt, dass der Beschluss des Amtsgerichts Göttingen vom 18. August 2013 den Betroffenen in seinen Rechten verletzt hat.

Gerichtskosten werden nicht erhoben. Die zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung notwendigen Auslagen des Betroffenen im Rechtsbeschwerdeverfahren werden der Stadt Göttingen auferlegt.

Der Gegenstandswert des Rechtsbeschwerdeverfahrens beträgt 5.000 €.

Gründe

I.

1 Das Amtsgericht hat auf Antrag der beteiligten Behörde Abschiebungshaft gegen den Betroffenen angeordnet. Das Landgericht hat der dagegen gerichteten Beschwerde stattgegeben und die sofortige Freilassung des Betroffenen angeordnet. Der Antrag des Betroffenen festzustellen, dass die Haftanordnung des Amtsgerichts ihn in seinen Rechten verletzt hat, ist von dem Landgericht zurückgewiesen worden. Mit der Rechtsbeschwerde verfolgt der Betroffene diesen Antrag weiter.

II.

2 1. Die Rechtsbeschwerde ist, was das Beschwerdegericht verkennt, gemäß § 70 Abs. 3 Satz 1 Nr. 3 FamFG von Gesetzes wegen statthaft. Nach ständiger Rechtsprechung des Senats ist die Vorschrift des § 62 FamFG, welche die Zulässigkeit eines Fortsetzungsfeststellungsantrags für die Beschwerde ausdrücklich bestimmt, auf die Rechtsbeschwerde entsprechend anzuwenden. Diese bedarf daher auch dann keiner Zulassung, wenn bereits das Beschwerdegericht - wie hier - über einen Feststellungsantrag nach § 62 Abs. 1 FamFG entschieden hat und der Betroffene im Rechtsbeschwerdeverfahren die Überprüfung der Entscheidung verlangt (Senat, Beschluss vom 30. August 2012 - V ZB 12/12, InfAuslR 2013, 37 Rn. 4 mwN).

3 2. Die Rechtsbeschwerde ist begründet.

4 a) Der Senat hat bereits entschieden, dass es für die Zulässigkeit eines im Beschwerdeverfahrens gestellten Antrags des Betroffenen auf Feststellung der Rechtswidrigkeit seiner Inhaftierung ohne Bedeutung ist, ob sich die Hauptsache vor der Entscheidung des Beschwerdegerichts im Rechtssinne erledigt oder ob die Freiheitsentziehung - wie hier - durch die Entscheidung des Beschwerdegerichts beendet wird. Im zuletzt genannten Fall kann der Betroffene neben der Aufhebung der Haftanordnung analog § 62 Abs. 1 FamFG die Feststellung der Rechtswidrigkeit seiner Inhaftierung verlangen (Senat, Beschluss vom 30. August 2012 - V ZB 12/12, InfAuslR 2013, 37 Rn. 5; Beschluss vom 14. Oktober 2010 - V ZB 78/10, FGPrax 2011, 39 Rn. 12 f.). Das gilt auch dann, wenn sich die Verletzung seiner Rechte der Begründung entnehmen lässt, mit der die Haftanordnung aufgehoben worden ist. Denn die Begründungselemente einer Entscheidung stehen, weil sie der materiellen Rechtskraft nicht fähig sind, einer im Tenor getroffenen Feststellung nicht gleich.

5 b) Das Beschwerdegericht, das die Haftanordnung des Amtsgerichts wegen verschiedener Mängel des Haftantrags zutreffend als rechtswidrig ansieht, hätte deshalb auch dem Feststellungsantrag des Betroffenen stattgeben müssen.

6 Von einer weiteren Begründung wird abgesehen (§ 74 Abs. 7 FamFG).

Stresemann Schmidt-Räntsch Brückner

Göbel Haberkamp

<Hinweis der Dokumentationsstelle des Bundesgerichtshofs: Der Berichtigungsbeschluss vom 22. April 2016 wurde in den Beschlusstext eingearbeitet.>

Parole chiave

detentiondeclaratory reliefmootnessright violationlegal remedy admissibilityrelease from detentioncosts

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the Rechtsbeschwerde against the regional court's decision was admissible without leave under FamFG.

Decisione estratta

The Rechtsbeschwerde was statutorily admissible without leave.

Motivazione estratta

Section 62 FamFG applies by analogy to the Rechtsbeschwerde. Where the appellate court has already decided a declaratory request under section 62(1) FamFG and the detainee seeks review, no further leave is required under section 70(3) sentence 1 no. 3 FamFG.

Questione giuridica chiave

Whether the detainee was entitled to a declaration that the detention order violated his rights after release from detention.

Decisione estratta

Yes. The declaratory request had to be granted.

Motivazione estratta

It is irrelevant whether the main matter became moot before the appellate decision or whether detention ended through the appellate decision itself. After release, the detainee may seek both reversal of the detention order and, by analogy to section 62(1) FamFG, a declaration that the detention was unlawful. Reasons given for quashing the order do not replace a tenor declaration.

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