Criminal appeal: public exclusion during witness examination

BGH 4 StR 401/15Bgh / Criminal Chamber 415 dic 2015Dismissed

Sintesi

The Federal Court of Justice dismissed the revisions of two defendants against a Hagen Regional Court judgment. The defendants had complained that the public was not excluded during the second questioning of the injured witness K. and during closing submissions. The court held that the procedural complaint was inadmissible for insufficient substantiation and, in any event, unfounded because no prejudice from the continued public hearing was shown. S. was ordered to bear the costs of his remedy and the civil claimant's necessary revision expenses; costs were not imposed on E. under the Youth Courts Act.

Regest

§ 171b Abs. 3 Satz 2, Abs. 5 GVG; § 336 Satz 2, § 337, § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO: Failure to exclude the public during a witness examination or closing submissions does not justify reversal where the procedural complaint is not properly substantiated and, in any event, no prejudice to the judgment can be established. It may remain open whether the omission of an exclusion decision is itself unreviewable under § 171b Abs. 5 GVG and therefore barred from revision under § 336 sentence 2 StPO. A violation is not to be assumed where the defendant does not show what further findings or different assessment the court would likely have made absent public access, especially if the witness was first heard in closed session for protective reasons and later testified publicly on the merits. Considered from the perspective of harmlessness, only an unlawful expansion of publicity capable of affecting the judgment is relevant.

Testo completo

BGH — 4 StR 401/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2015-12-15

Aktenzeichen: 4 StR 401/15

ECLI: ECLI:DE:BGH:2015:151215B4STR401.15.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 336 S 2 StPO, § 337 StPO, § 171b Abs 3 S 2 GVG, § 171b Abs 5 GVG

Vorinstanz: vorgehend LG Hagen (Westfalen), 17. März 2015, Az: 51 KLs 10/14

Spruchkörper: 4. Strafsenat

Titelzeile

Revision im Strafverfahren: Nichtausschluss der Öffentlichkeit während einer Zeugenvernehmung

Tenor

Die Revisionen der Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Hagen vom 17. März 2015 werden als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils aufgrund der Revisionsrechtfertigungen keinen Rechtsfehler zum Nachteil der Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

Der Beschwerdeführer S. hat die Kosten seines Rechtsmittels und die der Nebenklägerin im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen. Es wird davon abgesehen, dem Angeklagten E. die Kosten und Auslagen des Revisionsverfahrens aufzuerlegen (§§ 74, 109 Abs. 2 JGG).

Zu der von beiden Angeklagten erhobenen Rüge der Verletzung von § 171b Abs. 3 Satz 2 GVG i.V.m. § 337 StPO durch Nicht ausschluss der Öffentlichkeit während der zweiten Vernehmung der geschädigten Zeugin K. und während der Schlussvorträge bemerkt der Senat ergänzend:

Es ist zweifelhaft, ob der Ansicht des Generalbundesanwalts in seiner Antragsschrift vom 3. September 2015 zu folgen ist, wonach ein revisibler Rechtsfehler im Sinne von § 337 StPO schon deshalb nicht vorliegt, weil auch die unterbliebene Entscheidung über einen Ausschluss der Öffentlichkeit gemäß § 171b Abs. 5 GVG unanfechtbar und damit gemäß § 336 Satz 2 StPO der revisionsgerichtlichen Prüfung entzogen sei (vgl. BGH, Beschluss vom 17. September 2014 – 1 StR 212/14, StV 2015, 79, Tz. 26). Dies kann jedoch offen bleiben. Denn die Verfahrensrüge ist bereits unzulässig (§ 344 Abs. 2 Satz 2 StPO; vgl. BGH, Beschluss vom 23. Juni 1998 – 5 StR 261/98, NStZ 1998, 586). Unbeschadet dessen ist sie auch unbegründet, weil auszuschließen ist, dass die Entscheidung auf einer ungesetzlichen Erweiterung der Öffentlichkeit beruht. Es ist weder vorgetragen noch ersichtlich, zu welchen weiter gehenden Erkenntnissen die Hauptverhandlung geführt hätte, wenn die Öffentlichkeit auch während der zweiten Vernehmung der Zeugin und während der Schlussvorträge ausgeschlossen worden wäre, zumal der Beschluss über die Ausschließung der Öffentlichkeit vor der ersten Vernehmung der 19 Jahre alten Zeugin auf ihren Antrag ausschließlich zu deren Schutz ergangen ist und die Zeugin in ihrer zweiten Vernehmung zur Sache auch in öffentlicher Hauptverhandlung ausgesagt hat.

Sost-Scheible Roggenbuck Franke

Mutzbauer Bender

Parole chiave

revisionpublicity of proceedingswitness examinationprocedural complaintharmless errorsubstantiation requirementjuvenile criminal lawcosts