Cassation: new judge must make own findings on personal circumstances

BGH 2 StR 304/15Bgh / II camera penale8 set 2015Annulled

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Federal Court of Justice allowed the defendants' appeals against a renewed sentencing judgment of the Regional Court Frankfurt am Main. It held that after the earlier cassation, only the conviction findings remained binding. The trial court therefore had to make its own comprehensive findings on the defendants' personal circumstances, including prior convictions. Because it instead adopted the earlier findings almost verbatim and relied on an outdated criminal record extract, the judgment could not stand. The case was remitted to another criminal chamber for retrial and new decision, including on appeal costs.

Massima Omnilex

§ 358 StPO; scope of binding effect after partial cassation of the sentence and related findings. After annulment of a sentence with the associated findings, only the findings supporting the conviction remain binding on the new trial court. Findings relating exclusively to sentencing fall away and must be replaced by the new judge's own comprehensive findings on the offender's personal circumstances, including prior convictions, which must be set out in the reasons. Mere adoption of the earlier sentencing findings, even in part or supplemented by isolated additional observations, is insufficient (consid. 5-6).

Testo completo

BGH — 2 StR 304/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2015-09-08

Aktenzeichen: 2 StR 304/15

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 358 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Frankfurt, 13. März 2015, Az: 5/22 Ks 3390 Js 238221/12 (11/14)nachgehend BGH, 17. Dezember 2015, Az: 2 StR 304/15, Beschluss

Spruchkörper: 2. Strafsenat

Titelzeile

Aufhebung des Rechtsfolgenausspruchs in der Revisionsinstanz: Pflicht des neuen Tatrichters zu Feststellungen zu den persönlichen Verhältnissen des Angeklagten

Tenor

  1. Auf die Revisionen der Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main vom 13. März 2015 mit den Feststellungen aufgehoben.

  2. Die Sache wird zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Rechtsmittel, an eine andere als Schwurgerichtskammer zuständige Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

Gründe

1 1. Die Angeklagten waren durch Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main vom 17. Juni 2013 wegen Mordes in Tateinheit mit Raub mit Todesfolge und wegen besonders schwerer Brandstiftung jeweils - hinsichtlich des Angeklagten T. B. unter Einbeziehung einer Geldstrafe aus einer Vorverurteilung - zu lebenslanger Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe verurteilt worden; daneben hatte das Landgericht die Unterbringung der Angeklagten in einer Entziehungsanstalt angeordnet. Auf die Revisionen der Angeklagten hat der Senat mit Beschluss vom 8. Juli 2014 (2 StR 80/14) die Rechtsfolgenaussprüche mit den jeweils zugehörigen Feststellungen aufgehoben und die Sache an eine andere als Schwurgericht zuständige Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

2 Das Landgericht hat die Angeklagten nunmehr (erneut) jeweils - hinsichtlich des Angeklagten T. B. unter Einbeziehung einer Geldstrafe aus einer Vorverurteilung - zu lebenslanger Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe verurteilt und ihre Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet.

3 2. Die dagegen gerichteten Revisionen der Angeklagten, mit der sie die Verletzung materiellen Rechts rügen, haben Erfolg. Das angefochtene Urteil hat keinen Bestand, weil das Landgericht den Umfang der Bindungswirkung des teilrechtskräftigen Urteils falsch bestimmt hat. Aufgrund der rechtskräftigen Schuldsprüche ist nur noch über die Rechtsfolgenaussprüche zu befinden, die hier indes auf Feststellungen beruhen, die das Landgericht nicht in prozessordnungsgemäßer Weise getroffen hat.

4 a) Im Zusammenhang mit der Erörterung der Bindung an die frühere Entscheidung hat das Landgericht ausgeführt, dass auch die "Feststellungen zur Person der Angeklagten [...] in Rechtskraft erwachsen” sind. Es hat zu den persönlichen Verhältnissen, zu den Vorstrafen der Angeklagten und zu der beim Angeklagten T. B. einbezogenen Geldstrafe aus einer Vorverurteilung die Feststellungen aus dem Urteil vom 17. Juni 2013 wörtlich und in kursiv gesetzt übernommen. "Ergänzend" hat die Strafkammer "weitere" Feststellungen lediglich zu der "Alkohol- und Drogenvergangenheit" der Angeklagten getroffen.

5 b) Diese Verfahrensweise ist rechtsfehlerhaft, weil das Urteil des Landgerichts vom 17. Juni 2013 durch den Beschluss des Senats vom 8. Juli 2014 in den Rechtsfolgenaussprüchen mit den jeweils zugehörigen Feststellungen aufgehoben worden war. Wird ein Urteil im Strafausspruch mit den zugehörigen Feststellungen aufgehoben, so bleiben lediglich die den Schuldspruch tragenden Feststellungen bestehen. Diese binden den neuen Tatrichter, auch wenn sie als doppelrelevante Tatsachen zugleich für den Strafausspruch Bedeutung haben. Durch die Entscheidung des Revisionsgerichts sind hingegen alle Feststellungen aufgehoben, die sich ausschließlich auf den Strafausspruch beziehen. Der neu zur Entscheidung berufene Tatrichter ist gehalten, umfassend eigene Feststellungen zu den persönlichen Verhältnissen der Angeklagten einschließlich der Vorstrafen zu treffen und diese in den Urteilsgründen mitzuteilen (vgl. Senat, Beschluss vom 17. Dezember 1971 - 2 StR 522/71, BGHSt 24, 274, 275; Beschluss vom 28. März 2007 - 2 StR 62/07, NJW 2007, 1540, 1541; Beschluss vom 8. September 2015 - 2 StR 136/15, jeweils mwN).

6 Auch die von der Strafkammer lediglich "ergänzend" getroffenen weiteren Feststellungen zu der "Alkohol- und Drogenvergangenheit" der Angeklagten, die "im Wesentlichen auf den Einlassungen der beiden Angeklagten" beruhen, und der verlesene - offensichtlich veraltete - Auszug aus dem Bundeszentralregister vom 21. Mai 2013 hinsichtlich des Angeklagten B. B. belegen, dass sich das Landgericht an die vom Senat aufgehobenen Feststellungen aus dem Urteil vom 17. Juni 2013 gebunden gesehen und demzufolge rechtsfehlerhaft keine umfassend eigenen Feststellungen getroffen hat.

Appl Eschelbach Ott

Bartel Zeng

Parole chiave

cassationbinding effectsentencingpersonal circumstancesprior convictionsremandfindingscriminal procedure

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the new trial court was bound by earlier findings on the defendants' personal circumstances after the sentence and related findings had been set aside.

Decisione estratta

Only findings supporting the conviction remained binding; the trial court had to make its own full findings on personal circumstances, including prior convictions.

Motivazione estratta

When a sentence and the related findings are quashed, all findings that relate solely to sentencing fall away. The new judge is bound only by the findings supporting the conviction, even if those facts are also relevant to sentencing. The Regional Court wrongly treated personal findings as final and merely supplemented them.

Questione giuridica chiave

Whether the sentencing judgment could stand despite the lack of properly made own findings on the defendants' personal circumstances.

Decisione estratta

No. Because the new sentence relied on procedurally defective findings, the judgment could not stand.

Motivazione estratta

The court expressly relied on prior, annulled findings and on an outdated criminal-record extract; this showed it had not made comprehensive own findings as required.

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