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BGH 1 StR 412/15 ΓÇó Sentencing must consider threatened professional disciplinary measures
BGH 1 StR 412/15Bgh / I camera penale29 set 2015Partially Granted
The defendant was convicted by the Coburg Regional Court of breach of trust in 35 cases and given an aggregate prison sentence of three years and three months. On revision, the Federal Court held that the conviction itself disclosed no error. However, the sentencing reasons did not show whether the trial court had considered impending professional disciplinary measures under Section 90 StBerG as a possible collateral consequence affecting the defendant's professional existence. Because a lower aggregate sentence could not be ruled out, the total sentence was set aside and the case remitted to a different criminal chamber for a new decision on sentence and costs.
§ 46 StGB; § 90 StBerG; sentencing must take account of impending professional disciplinary consequences where criminal conviction may jeopardize the offender's professional or economic basis. Such collateral effects are a relevant factor in mitigation. The reviewing court may uphold individual sentences if it can exclude a lower sentence, yet must set aside the total sentence if it cannot exclude that consideration of the professional consequences would have led to a milder aggregate penalty (consid. 3-4). The underlying findings need not be quashed where they are otherwise unaffected and remain open to supplementary findings by the new trial court (consid. 5).
Entscheidungsdatum: 2015-09-29
Aktenzeichen: 1 StR 412/15
Dokumenttyp: Beschluss
Normen: § 90 StBerG, § 46 StGB
Vorinstanz: vorgehend LG Coburg, 7. Mai 2015, Az: 1 KLs 123 Js 6008/14
Spruchkörper: 1. Strafsenat
Strafverfahren wegen Untreue eines Steuerberaters: Strafzumessung bei drohender berufsgerichtlicher Maßnahme
Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Coburg vom 7. Mai 2015 im Ausspruch über die Gesamtstrafe aufgehoben.
Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.
Die weitergehende Revision wird verworfen.
1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Untreue in 35 Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt.
2 Die Überprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung hat zum Schuldspruch keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben (§ 349 Abs. 2 StPO). Dagegen hat der Strafausspruch, soweit die Bildung der Gesamtstrafe betroffen ist, keinen Bestand (§ 349 Abs. 4 StPO).
3 Die Strafzumessungserwägungen des Landgerichts lassen nicht erkennen, ob es bei der Festsetzung der Einzelstrafen und der Gesamtstrafe die drohenden berufsgerichtlichen Maßnahmen gemäß § 90 StBerG berücksichtigt hat. Die Nebenwirkungen einer strafrechtlichen Verurteilung auf das Leben des Täters sind jedenfalls dann zu berücksichtigen, wenn dieser durch sie seine berufliche oder wirtschaftliche Basis verliert (vgl. BGH, Beschlüsse vom 7. April 1986 - 3 StR 89/86, NStZ 1987, 133, 134; vom 27. August 1987 - 1 StR 412/87, NStZ 1987, 550; vom 13. Februar 1991 - 3 StR 13/91, StV 1991, 207; vom Februar 2010 - 4 StR 514/09, StV 2010, 479 f. und vom 24. Juli 2014 - 2 StR 221/14, NStZ 2015, 277, 278; vgl. auch Fischer, StGB, 62. Aufl., § 46 Rn. 9 mwN).
4 Der Senat kann angesichts der sehr maßvollen Einzelstrafen, die entweder sechs oder neun Monate betragen, im Hinblick auf den jeweils eingetretenen Schaden zwar ausschließen, dass das Landgericht noch niedrigere Freiheitsstrafen verhängt hätte, wenn es dies bedacht hätte. Er kann aber angesichts einer die Einsatzstrafen deutlich übersteigenden Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten nicht mit Sicherheit ausschließen, dass das Landgericht eine niedrigere Gesamtfreiheitsstrafe verhängt hätte, wenn es die möglichen standesrechtlichen Auswirkungen für den Angeklagten berücksichtigt hätte.
5 Einer Aufhebung der den Strafausspruch tragenden rechtsfehlerfreien Feststellungen bedarf es hingegen nicht. Dies schließt ergänzende Feststellungen durch den neuen Tatrichter, die zu den bisher getroffenen nicht in Widerspruch stehen, nicht aus.
Rothfuß Jäger Cirener
Radtke Fischer