Life insurance policy model: no rescission due to abuse of rights

BGH IV ZR 18/14Bgh / IV camera civile22 set 2015Dismissed

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Federal Court of Justice rejected the plaintiffs' revision against the Cologne Higher Regional Court's judgment. The court held that the case raised no decisive EU-law question requiring a reference to the CJEU because the plaintiffs, after being properly informed, had nevertheless carried out the life insurance contract for many years. On that basis, invoking invalidity or restitution would amount to abuse of rights and contradictory conduct. The subsequent written submission did not justify departing from the announced dismissal.

Massima Omnilex

§ 552a Satz 1 ZPO; life insurance policy model; abuse of rights and contradictory conduct may bar reliance on an alleged invalidity of the contract. A reference to the CJEU is unnecessary where the outcome depends on a national-law bar arising from good faith and the prohibition of inconsistent behavior, so that the EU-law question is not decisive. Consumer withdrawal rights remain subject to national civil-law doctrines of Treu und Glauben, provided the practical effectiveness of EU law is not impaired; this is the case where the policyholder, despite proper information, has deliberately continued the contract over a long period (consid. 3-6).

Testo completo

BGH — IV ZR 18/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2015-09-22

Aktenzeichen: IV ZR 18/14

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 5a VVG vom 21.07.1994, EWGRL 96/92, EWGRL 619/90, § 242 BGB

Vorinstanz: vorgehend BGH, 26. August 2015, Az: IV ZR 18/14, Beschlussvorgehend OLG Köln, 6. Dezember 2013, Az: I-20 U 47/13, Urteilvorgehend LG Bonn, 4. Februar 2013, Az: 9 O 370/12

Spruchkörper: 4. Zivilsenat

Titelzeile

Lebensversicherung nach dem Policenmodell: Verwehrung der Rückabwicklung wegen widersprüchlichen Verhaltens des Versicherungsnehmers

Tenor

Die Revision gegen das Urteil des 20. Zivilsenats des Oberlandgerichts Köln vom 6. Dezember 2013 wird gemäß § 552a Satz 1 ZPO auf Kosten der Klägerseite zurückgewiesen.

Streitwert für das Revisionsverfahren: 34.431,10 €.

Gründe

1 Die vom Berufungsgericht zugelassene Revision der Klägerseite (Versicherungsnehmern: im Folgenden d. VN) war gemäß § 552a ZPO zurückzuweisen, weil die Voraussetzungen für ihre Zulassung nicht vorliegen und die Revision keine Aussicht auf Erfolg hat. Der Senat hat die Parteien mit Beschluss vom 26. August 2015 auf die beabsichtigte Zurückweisung hingewiesen. Auf die dortigen Gründe wird ergänzend Bezug genommen.

2 Der Schriftsatz vom 9. September 2015 gibt keine Veranlassung, von der Zurückweisung der Revision abzusehen.

3 Soweit dort darauf hingewiesen wird, die Revision sei auf die Europarechtswidrigkeit des Policenmodells insgesamt gestützt, begründet dies im Streitfall keine Pflicht zu einer Vorlage an den Gerichtshof der Europäischen Union, da es auf diese Frage hier nicht entscheidungserheblich ankommt. Wie der Senat in seinem Hinweisbeschluss näher ausgeführt hat, wäre es der Klägerin, die trotz Belehrung darüber, dass d. VN den Vertrag nicht zustande kommen lassen musste, diesen über viele Jahre durchgeführt hat, wegen widersprüchlichen Verhaltens verwehrt, sich bei unterstellter Gemeinschaftsrechtswidrigkeit des Policenmodells auf eine Unwirksamkeit des Vertrages zu berufen. Die Frage einer möglichen Vorlage an den Gerichtshof der Europäischen Union in einem Fall, in dem kein widersprüchliches Verhalten der Versicherungsnehmer festgestellt werden kann, stellt sich im Streitfall nicht.

4 Entgegen der Ansicht der Revision sind die Maßstäbe für die Berücksichtigung der Gesichtspunkte von Treu und Glauben auch in der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union geklärt (siehe im Einzelnen Senatsurteil vom 16. Juli 2014 - IV ZR 73/13, BGHZ 202, 102 Rn. 41 f.; BVerfG, Nichtannahmebeschluss vom 4. März 2015 - 1 BvR 3280/14, juris Rn. 31 ff. m.w.N.) und die Annahme rechtsmissbräuchlichen Verhaltens steht in Fällen wie dem vorliegenden in Einklang mit dieser Rechtsprechung (vgl. Senatsurteil aaO; vgl. auch BVerfG aaO).

5 Soweit die Revision geltend macht, es sei unionsrechtlich ungeklärt, ob verbraucherschützende Widerspruchsrechte durch nationale Vorschriften zum Rechtsmissbrauch beschränkt werden dürften, berührt dies zwar das Gebot der praktischen Wirksamkeit. Der Anwendung des Grundsatzes von Treu und Glauben und des Verbots widersprüchlicher Rechtsausübung steht dies aber nicht entgegen, weil die Ausübung dieser Rechte in das nationale Zivilrecht eingebettet bleibt und die nationalen Gerichte ein missbräuchliches Verhalten auch nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union berücksichtigen dürfen (BVerfG aaO Rn. 32 m.w.N.).

6 Die Anwendung der Grundsätze von Treu und Glauben beeinträchtigt auch angesichts der besonderen Umstände des Streitfalles die praktische Wirksamkeit des Gemeinschaftsrechts und den Sinn und Zweck des Widerspruchsrechts nicht. Die Erwägungen der Zweiten und Dritten Richtlinie Lebensversicherung, eine genaue Belehrung der Versicherungsnehmer über ihr Rücktrittsrecht vor Abschluss des Vertrages sicherzustellen, werden auch hier nicht berührt, denn entscheidend ist im Streitfall, dass d. VN bzw. ihr Ehemann, der dem geltenden nationalen Recht entsprechend ordnungsgemäß über die Möglichkeit belehrt worden war, den Vertrag ohne Nachteile nicht zustande kommen zu lassen, diese gleichwohl in Vollzug gesetzt und über mehrere Jahre durchgeführt haben (vgl. ergänzend Senatsurteil vom 10. Juni 2015 - IV ZR 105/13, VersR 2015, 876 Rn. 13 f. ).

Mayen Harsdorf-Gebhardt Dr. Karczewski

Lehmann Dr. Brockmöller

Parole chiave

life insurancepolicy modelwithdrawal rightgood faithabuse of rightscontradictory conductEU lawreference to CJEUrevisioncourt costs

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the revision should be rejected under § 552a ZPO as having no prospect of success.

Decisione estratta

The revision was to be rejected because the admissibility requirements were absent and the appeal had no prospect of success.

Motivazione estratta

The Senate relied on its prior notice order and found the subsequent submissions insufficient to warrant a different result.

Questione giuridica chiave

Whether the plaintiffs could rely on alleged EU-law incompatibility of the policy model to unwind the contract.

Decisione estratta

No. In the specific case, a reference to the CJEU was unnecessary because the claim was barred by inconsistent conduct.

Motivazione estratta

Even assuming an EU-law defect, the plaintiffs had been properly informed, nevertheless implemented the contract, and performed it for many years; invoking invalidity later would be abusive.

Questione giuridica chiave

Whether national principles of good faith and prohibition of contradictory conduct may limit the exercise of consumer withdrawal rights in this context.

Decisione estratta

Yes, such principles may be applied without undermining EU law in the circumstances of the case.

Motivazione estratta

The court held that the rights remain embedded in national civil law and that national courts may consider abusive conduct; the practical effectiveness of EU law was not impaired here.

Continua la tua ricerca in ChatGPT o Claude

Collega Omnilex per cercare nel corpus legale dal tuo assistente IA.