No prejudice from omitted § 239b StGB application

BGH 2 StR 324/14Bgh / II camera penale9 apr 2015Partially Granted

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Federal Court rejected the defendant's point-of-law appeal insofar as it challenged the conviction for rape and the five-year prison sentence. It held that the defendant was not prejudiced by the trial court's failure to apply § 239b StGB, by treating the conduct as one rape rather than several separate offences, or by not framing the WhatsApp message as coercion. The court reserved a separate decision on the adhesion part and the appeal costs. It granted the injured party legal aid for the revision proceedings concerning the adhesion award and appointed her lawyer anew.

Massima Omnilex

§ 349 Abs. 2 StPO; admissibility of partial disposal of a criminal appeal where the civil-adhesion part cannot yet be decided: if the criminal part is ready for decision, it may be disposed of separately. No legal prejudice to the accused arises merely because the trial court did not apply § 239b StGB or did not qualify closely connected sexual acts as multiple independent rapes, provided the conviction and sentence remain unaffected. In adhesion proceedings, legal aid must be examined anew for each instance; the financial neediness of the injured party is decisive, while the merits of the compensation claim are not to be assessed under § 119 Abs. 1 Satz 2 ZPO. Reappointment of previously appointed counsel is permissible under § 121 Abs. 2 ZPO (consid. 2-7).

Testo completo

BGH — 2 StR 324/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2015-04-09

Aktenzeichen: 2 StR 324/14

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 239b Abs 2 StGB, § 240 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Bonn, 17. April 2014, Az: 21 KLs 3/14nachgehend BGH, 11. Mai 2017, Az: 2 StR 324/14, Beschluss

Spruchkörper: 2. Strafsenat

Titelzeile

(Beschwer des Angeklagten bei Nichtanwendung von § 239b StGB)

Tenor

  1. Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Bonn vom 17. April 2014 wird verworfen, soweit sie sich gegen den Schuld- und Strafausspruch richtet.

  2. Die Entscheidung über die Revision des Angeklagten gegen die im vorbezeichneten Urteil enthaltene Adhäsionsentscheidung und über die Kosten des Rechtsmittels bleibt einer abschließenden Entscheidung vorbehalten.

  3. Der Nebenklägerin wird auf ihren Antrag Prozesskostenhilfe ohne Ratenzahlung für das Revisionsverfahren gewährt, soweit es den Adhäsionsausspruch betrifft. Ihr wird insoweit die Rechtsanwältin R. aus B. beigeordnet.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Vergewaltigung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren sowie dazu verurteilt, an die Nebenklägerin ein Schmerzensgeld wegen unerlaubter Handlung in Höhe von 8.000 Euro nebst Prozesszinsen zu zahlen. Außerdem hat es festgestellt, dass der Angeklagte verpflichtet ist, der Nebenklägerin sämtliche künftigen immateriellen Schäden aufgrund der Tat zu ersetzen. Gegen dieses Urteil richtet sich die auf die Sachrüge gestützt Revision des Angeklagten.

2 1. Die Revision ist unbegründet im Sinne von § 349 Abs. 2 StPO, soweit sie sich gegen den Schuld- und Strafausspruch richtet. Der Angeklagte ist nicht dadurch beschwert, dass das Landgericht einerseits § 239b StGB nicht angewendet hat, andererseits aber auch trotz der Zäsuren zwischen einzelnen sexuellen Handlungen des Angeklagten mit der sich in schutzloser Lage befindenden Nebenklägerin nicht von mehreren rechtlich selbständigen Vergewaltigungen ausgegangen ist. Ebenfalls liegt keine Beschwer für den Angeklagten darin, dass das Landgericht die Veranlassung der Nebenklägerin zur Versendung einer Nachricht an ihn über „WhatsApp", mit deren Inhalt die Vergewaltigung verschleiert werden sollte, nicht unter dem Gesichtspunkt einer Nötigung erörtert hat.

3 2. Über die Revision gegen den Adhäsionsausspruch ist gesondert zu entscheiden.

4 Der Senat hat mit Beschluss vom 8. Oktober 2014 - 2 StR 137/14 u.a. - bei den anderen Strafsenaten und bei dem Großen Senat für Zivilsachen angefragt, ob an der Rechtsprechung, die bei der Bemessung des Schmerzensgeldes regelmäßig die Berücksichtigung der Vermögensverhältnisse des Schädigers und des Geschädigten erfordert, festgehalten wird. Er beabsichtigt diese Rechtsprechung aufzugeben. Auf die Gründe dieser Entscheidung wird Bezug genommen.

5 Der Senat sieht sich mit Blick auf die vorgenannte Entscheidung gehindert, über die Revision des Angeklagten, soweit davon der Adhäsionsausspruch betroffen ist, zu entscheiden. Im Hinblick darauf, dass über diesen Teil der Revision des Angeklagten in absehbarer Zeit nicht entschieden werden kann, war es geboten, über den entscheidungsreifen strafrechtlichen Teil des angefochtenen Urteils vorab zu entscheiden. Eine solche Teilerledigung des Rechtsmittels war hier ausnahmsweise zulässig (vgl. Senat, Beschluss vom 8. Oktober 2014 - 2 StR 137/14).

6 3. Im Adhäsionsverfahren ist über den Prozesskostenhilfeantrag der Nebenklägerin für die Revisionsinstanz gesondert zu entscheiden. Das Landgericht hat ihr durch Beschluss vom 17. April 2014 Prozesskostenhilfe für das Adhäsionsverfahren ohne Ratenzahlung unter Beiordnung von Rechtsanwältin R. bewilligt. Die Bewilligung von Prozesskostenhilfe wirkt jedoch nur für die jeweilige Instanz (§ 404 Abs. 5 Satz 1 StPO i.V.m. § 119 Abs. 1 Satz 1 ZPO), so dass im Revisionsverfahren erneut zu entscheiden ist. Danach ist vom Senat als dem mit der Sache befassten Gericht (§ 404 Abs. 5 Satz 3 StPO) der Nebenklägerin im Adhäsionsverfahren Prozesskostenhilfe für die Revisionsinstanz hinsichtlich des Angriffs auf die Adhäsionsentscheidung zu bewilligen und ihr Rechtsanwältin R. zur Vertretung insoweit beizuordnen.

7 Die Nebenklägerin ist nach ihren persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen weiterhin nicht in der Lage, die Prozesskosten aufzubringen. Die Erfolgsaussichten ihres Schmerzensgeldanspruches sind hier nicht zu prüfen (§ 404 Abs. 5 Satz 1 StPO i.V.m. § 119 Abs. 1 Satz 2 ZPO). Der Nebenklägerin ist Rechtsanwältin R. beizuordnen, die der Antragstellerin bereits in erster Instanz beigeordnet war (§ 404 Abs. 5 Satz 2 StPO i.V.m. § 121 Abs. 2 ZPO).

Fischer Cierniak Krehl

RinBGH Dr. Ott ist aus

tatsächlichen Gründen an

der Unterschrift gehindert.

Eschelbach Fischer

Parole chiave

rapeappeal on points of lawlegal prejudiceadhesion proceedingspain and sufferinglegal aidappointed counselpartial decisioncriminal sentence

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the defendant's appeal could succeed against the conviction and sentence despite the court not applying § 239b StGB and not treating the acts as multiple rapes.

Decisione estratta

The appeal was unfounded as to the conviction and sentence; the defendant suffered no legal prejudice from the court's legal qualification or from not assuming multiple independent rapes.

Motivazione estratta

The court held that the omission of § 239b StGB did not disadvantage the defendant, and the treatment of the sexual acts as one rape rather than several separate offences likewise caused no prejudice. The failure to discuss a possible coercion related to the WhatsApp message also did not matter.

Questione giuridica chiave

How to deal with the appeal insofar as it challenges the civil adhäsion award and the costs of the remedy

Decisione estratta

A separate decision on the civil-adhesion part and costs was reserved.

Motivazione estratta

Because the court intended to reconsider its case law on whether the parties' financial circumstances must regularly be considered when calculating pain and suffering compensation, it could not decide that part immediately; a partial disposal of the appeal was exceptionally permissible.

Questione giuridica chiave

Whether the injured party was entitled to legal aid for the revision proceedings concerning the adhesion award

Decisione estratta

Legal aid without instalments was granted for the revision stage as regards the adhesion award, and counsel was appointed.

Motivazione estratta

The injured party remained unable to bear the costs according to her personal and financial situation. The prospects of success of the claim were not to be examined in this context. The previously appointed lawyer could be reappointed for the revision stage.

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